Wo ich die letzten zwei Tage so unterwegs war

Donnerstag:

Um 10:00 kamen die Fernsehtechniker um unser Fernsehen zu installieren – hat alles ganz gut geklappt und mit Händen und Füßen konnten wir miteinander kommunizieren. Die Klimaanlage haben wir mittlerweile auf 28° eingestellt – und auch ausgeschaltet wenn wir nicht zu Hause sind, sonst bekommt man einfach einen Kälteschock, wenn man von draußen so richtig schön aufgeheizt in die temperierte Wohnung kommt. Als jetzt aber die beiden aufgeheizten Fernsehtechniker „zu Besuch“ waren, hat man sofort gemerkt, dass es plötzlich richtig warm wurde, trotz eingeschalteter Klimaanlage. Hätte ich nicht gedacht…

Danach bin ich gemütlich ein bisschen durch Jing’an geschlendert, zum Tempel runter, durch zwei Malls und dann wieder Richtung zu Hause. Dort hatte endlich auch der etwas größere Supermarkt ums Eck geöffnet und ich hab sogar den Eingang gefunden – total verwinkelt und abgeranzt, eine Katze die vor’m Kühlregal chillt – aber es gibt alles, von Glühbirnen über Eimer und Lebensmittel sowie Getränke. Sehr gut zu wissen. Trotz allem fehlte mir noch ein Besuch in einem richtig großen Supermarkt, so Richtung Real oder Wal-Mart… Den Wal-Mart, den es laut Internet irgendwo nördlich von uns geben soll, habe ich auch eine halbe Stunde lang gesucht und dann entnervt aufgegeben…

Trotz allem war Donnerstag ein ziemlich ruhiger Tag, ich war recht überfordert mit China und dem Jetlag und mir – und bin deshalb leider viel zu früh ins Bett.

Freitag:

Nic’s und meine große Leidenschaft ist ja momentan das Bouldern. Seit Jahresbeginn waren wir regelmäßig einmal die Woche (zumindest meistens… manchmal kam was dazwischen, manchmal haben wir es mehrmals geschafft) in Dechsendorf bei den Blockhelden. Deshalb habe ich auch schon viel im Internet gesucht, welche Möglichkeiten wir haben hier unserem Hobby weiter nachzugehen. Während der Recherche nach Boulderhallen oder Kletterhallen mit Boulderbereich (der Flexibilität wegen, einfach mal geschwind ohne groß Equipment, abgesehen von Schuhen und Chalk, und jemand der einen sichert loszugehen, wollen wir lieber beim Bouldern bleiben als mit dem Klettern anzufangen) bin ich über eine Outdoorboulderanlage gestolpert, die es hier am Fluss geben soll. Gestern war also perfektes Wetter, um mal etwas „Urban Exploring“ zu betreiben und mich auf die Suche zu machen. Den Bilder könnt ihr entnehmen, wie es so war.

Dort unten an der Promenade war es herrlich, es ging ein schöner Wind und ich wäre auch am liebsten direkt mit einem von den ganzen Joggern mitgelaufen, die sich da so tummeln. Endlich wieder Wasser! 🙂

Auf jeden Fall habe ich schon meinen ersten Lieblingsplatz in Shanghai gefunden, ist schön ruhig und es gibt viele Möglichkeiten, sich wo hin zu setzen.

Abends waren wir dann mit zwei Kollegen von Nic, Michi (mit dem wir uns schon in Erlangen und während des LST getroffen haben; er hat gerade noch bis morgen Besuch von seiner Freundin Christine) und Thomas beim Italiener und danach im Zapatas gemütlich was trinken. Das war ein toller Wochenausklang und sich im Taxi auf dem Heimweg nochmal die Shanghaier Nachtluft um die Nase wehen zu lassen, hat die Glücksgefühle in so einer genialen Stadt zu leben, nochmal verstärkt.

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Blick in die Hinterhöfe

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Blick auf unser Compound von der großen Brachfläche – wo bestimmt ein weiteres Compound hingebaut wird.

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Hier ist es so heiß, dass die Plastikkarte im kunstvollen Kartenständer dahinschmilzt…

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Ich war mal wieder bei der künstlichen Gebäude-Felswand. Dort in der Gegend hätte irgendwann mal irgendwo der Wal-Mart sein sollen.

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Katze im Supermarkt. War dann aber harmlos gegenüber was uns beim Italiener erwartet hat…

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Frühstück am Freitag – Dragonfruit, Muffins von Christines und der gute kalte Kaffee. Mittlerweile, weil ich die Hoffnung auf ein schnelles Durchkommen der Luftfracht aufgegeben habe, haben wir auch Plastikteller…

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Auf dem Weg zur Outdoorboulderanlage an einem „lost place“ vorbei gekommen. Komplett abgesperrte Straße, wird irgendwas gebaut. Man fühlt sich aber wie im Zombiefilm, keine Menschenseele, kein Auto, kein Roller… etwas unheimlich.

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Wow, das Ding ist massiv groß…

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Alter Verladekran am Fluss, davor ein Boulder-Würfel.

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Blick entlang der Promenade Richtung Stadt.

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Blick in die andere Richtung.

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Panoramaaufnahme von der ganzen Anlage von der Flussseite her. Sieht man auch schön den kleinen aufgerauhten Weg entlang der Promenade für die Jogger.

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Hangboards

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Interessanter Überhang…

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Papa klettert mal in Flip Flops^^

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Ha! Andere Straßenseite vom lost place – offenbar wird da einiges erneuert – oder platt gemacht, weiß man hier ja nie so genau.

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Ok. Wird halt mal die Steinmauer über den Gehweg gebaut. Dann sperrt man dafür eben die rechte Spur / Mofaspur und macht daraus einen „Geh-Mofa-irgendwerwirdschonnochüberfahren-Weg“. Welcome to China!

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Wir waren zum Glück schon fertig mit Essen… wenn ihr genau hin seht, findet ihr die Ratte die am Lampenkabel nach oben viecht. Brrrr, irgendwie schüttelt’s da einen schon. Zumindest jetzt am Anfang noch 😉

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Im Zapata’s wird auf der Theke getanzt. Hat Nic mit seinem Chef wohl auch schon, als er mal auf Dienstreise da war.

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8 Gedanken zu “Wo ich die letzten zwei Tage so unterwegs war

  1. Dragonfruit hab ich noch nie gegessen und muss ich mal dringend probieren… am besten live in China 😉
    Der Boulder-Platz ist ja toll, wer hätte gedacht, dass die sowas auch in China haben!
    Und sag mal… bist du da immer alleine unterwegs? Wie siehts denn so mit der Straßensicherheit in eurem Viertel aus? Ist ja trotz allem eine Großstadt… o.O

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    • Dragonfruit kann ich wirklich nur sehr empfehlen, hab ich immer in der Küche 🙂

      Zum Thema Sicherheit: Da hab ich gestern auch schmunzelnd drüber nachgedacht, ich war in einer Gegend die jetzt nicht mehr ganz so frisch war. In Amerika oder in Afrika hätte ich da in einer Großstadt auch wirklich Angst bekommen, war schon sehr „shady“ – aber hier gibt es außer Taschendiebstahl (wobei man da ja proaktiv sein kann, ist vor allem ein Problem wenn man in touristischen Gegenden unterwegs ist; aber ich schau schon immer, dass ich Wertsachen in Reißverschlussfächern meiner Handtasche habe, diese wiederum trag ich unter dem Arm am Körper) und „über den Tisch ziehen“ so gut wie keine Kriminalität – und so bin ich gemütlich durchgeschlendert und alles war gut. Als Westler genießt man auch nochmal einen Sonderstatus – kommt mit der Sonderbehandlung „Anstarren“ inklusive – aber darüber blogge ich dann nochmal extra.

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      • Ich habe heute über das Thema Sicherheit auch nochmal mit Yue aus meinem Kurs gesprochen… sie meinte auch, dass das in China nicht so schlimm sei, weil man „nie alleine auf der Straße ist“. D.h. gerade als Frau käme man seltener in blöde Situationen… allerdings meinte sie auch, dass Chinesen deswegen nicht hilfsbereiter wären… die schauen wohl auch eher zu als einzugreifen, wenn man was passiert.

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      • Ja, das stimmt. Es ist ziemlich traurig und auch für mich schwer gewöhnungsbedürftig. Das liegt aber mit an der rechtlichen Situation. Wohingegen es in Deutschland nach §323c StGB strafbar ist, wenn man in einem Unglücksfall keine Hilfe leistet ist es in China so, dass man in die Verantwortung (des ursprünglichen Unfalles, nicht der Folgen der Hilfeleistung! Wie paradox, da kommt mein Kopf nicht mit…) gezogen wird und plötzlich Angehörige oder der Geschädigte mit Schadensersatzforderungen vor einem steht. Getreu dem Motto „Wenn du unschuldig wärst, hättest Du mir nicht geholfen“. Das wiederum führt eben zu dieser Bystander-Mentalität, oder auch ganz simpel: Gaffer. Wobei auch das noch zu wenig ist: Genau genommen, wird mit dem Handy gefilmt / Fotos geschossen.

        Sehr traurig, aber leider ist es so, dass Dir von allen Seiten abgeraten wird, helfend einzugreifen – weil man sich damit selbst in Teufels Küche bringt. Aber ignorier das mal, wenn vor Dir ein kleines Kind angefahren wird. Ich hoffe zutiefst, dass ich hier nie einen Unfall mitbekomme, weil ich keine Ahnung hab, wie ich den „Helfen-Reflex“ unterdrücken soll oder gar mit einer Schuld (nach §323c StGB, unterlassene Hilfeleistung) klarkommen soll. Hoffen wir einfach, dass das nicht passiert.

        Es fällt mir aber schwer zu akzeptieren, dass 1,3 Milliarden Menschen (wobei ich natürlich annehme, dass es auch da Menschen gibt, die anders denken und ich hoffe, dass es bald zu einem allgemeinen Umdenken kommen kann) von Grund auf so durch die Welt gehen, weil es zur „Kultur“ gehört und nicht anders rechtlich geregelt ist.

        Gefällt 1 Person

    • Hi Tobias, sorry, ich habe Deinen Kommentar eben erst gesehen (erste Kommentare einer neuen Email-Adresse müssen immer freigegeben werden, bevor sie erscheinen). Willkommen in SH, ich hoffe, es gefällt Dir hier genauso gut wie mir 😉 Die Boulderanlage ist am Südbund, mit der Metro 7 oder 12 zur Longhua Middle Road fahren und dann nach Süden zum Huangpu Ufer laufen. Ich hoffe, sie ist in gutem Zustand, einige der Griffe waren locker als ich zuletzt dort war und ich bin mir nicht sicher, ob sich aktuell ein Schrauber drum kümmert.
      Viel Spaß!

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