Gästeevaluation

Abgesehen von in der Sonne braten und Sandburgen bauen, Lesen und Essen haben wir die Zeit ausgiebig genutzt, um die anderen Touristen oder Miturlauber zu begutachten, einzuschätzen woher sie wohl kommen und ihnen Spitznamen gegeben.

Ich mag das überhaupt sehr gern, es gibt nichts Inspirierenderes für Geschichten oder Ideen, als Momente und Szenen zu beobachten und sich gedanklich Notizen zu machen.

Da war einerseits die schon im letzten Beitrag erwähnte Gruppe vom Amerikanern, ein spätgebärendes Pärchen mit Seiner Mutter im 4er Urlaub. Der kleine Sohnemann (gerade so im Sitzalter) war unglaublich goldig und sehr pflegeleicht. Herrlich, wie die (Schwieger-)Mutter, eine Dame klassich amerikansichen Ausmaß, an hand ihres Fitnessarmbands / acitvity tracker erklärt hat, wie viele Stunden sie geschlafen hat. Ich hätte ihr gerne mal erklärt, dass das Gerät eigentlich dazu benutzt wird, sich mehr zu bewegen. Ähnlich ungesund war auch die Hautfarbe ihres Sohnes, der Abends immer die äußerliche Erscheinung eines gut durchgekochten Hummer angenommen hat.

Weiterhin hatten wir ein spanisches Paar mit ihren beiden Töchtern, die relativ weit auseinander waren, ca 2 und 10. Die Ältere hat sich dabei immer wieder um die Kleine gekümmert, ist bestimmt auch nicht schlecht für die Eltern im Urlaub.

Kurz nach uns kam dann für 2-3 Nächte ein sehr interessantes russisches Pärchen auf die Insel, optisch auch mit amerikanischen Figuren, er auch immer schön in Lonsdale gekleidet. Die beiden haben kaum miteinander kommuniziert, dabei aber umso mehr miteinander geraucht. Vor der Essensbestellung, nach der Essensbestellung während des Wartens aufs Essen und jeweils sobald der letzte Bissen verschwunden war. Irgendwann haben die beiden dann aber doch mal eine kurze Unterhaltung geführt und es war dann eindeutig, dass die beiden aus Russland kamen.

Zeitgleich kam Wonderwoman an, eine rothaarige, sommerbesproßte Alleinreisende unseren Alters, die offensichtlich keinerlei Interesse an Interaktion hatte, dafür aber mit iPad, Buch und Bibliothekarinnenbrille sehr belesen wirkte. Nach einem Gepräch als ihr iPad beim Abendessen von den Exkrementen eines Flughunds getroffen wurde und Nic ihr Servietten anbot kam heraus, dass sie Britin war. Wie klischeehaft! Ab da hat sie dann aber auch morgens freundlich zurück gegrüßt.

Ein absolutes Highlight was andere Gäste anging war dann das russische Pornopärchen. Auch wieder etwa in unserem Alter, fielen die beiden doch sofort optisch ins Auge (er recht unauffällig, sie großer Hut auf blondem, langem Haar). Wem das nicht reicht durfte sich von ihrer Musik berieseln lassen, schließlich trug er immer kleine Lautsprecher mit sich rum, um auch beim Essen gegen die Musik des Restaurant anzukämpfen. „Sex, sex, sex on the beach“ – alles klar! Zur allgemein Belustigung zog sie sich am ersten Tag ihr kleines Kleidchen aus um danach eine ausgedehnte Photosession mit ihm am Pool zu starten. Der Clou: ein Tangabikini. Selbst in einem Clubhotel würde ich so was nicht öffentlich tragen (nicht mal am eigenen Pool, dann lege ich mich da halt gleich nackt hin), aber in einem ruhigen Hotel in Thailand – äh, Nein!

Gegen Ende des Urlaubs wurde dann die Geschlechterverteilung massiv durch eine 7-köpfige Gruppe blonder Schwedinnen beeinflusst. Der Pool war belegt und es hat Spaß gemacht, zu sehen wie so eine Mädelsgruppe unterwegs ist, Boulevardzeitschriften inklusive, wie es sich gehört. Ich wurde stark an Mallorca 2014 mit den Mädels von der Arbeit erinnert.

Allgemein waren aber, abgesehen von einer weiteren deutschen Familie (mit zwei Töchtern um die sich Papa rührend gekümmert hat, Schnorcheln, Kanu fahren, Billard, Schwimmen – Mama hatte derweil Urlaub und das eine oder ander Bier, wie sich das gehört) sehr viele Asiaten da, hauptsächlich Thais. Diese erkennt man ganz gut, dass sie zumeist mit orangener Rettungsweste Schnorcheln und sich nicht weiter als 20 Meter vom Ufer entfernen. Dort ging mir persönlich übrigens das Wasser bis zur Brust.

Oder die Glamour Thais, auch ein lokales Pärchen, er immer in langer Hose, grau-melierte Haare, so ein bisschen der thailändische George Clooney, immer schön das große Smartphone in der Hand. Sie etwas überoperiert, die Gesichtszüge dann doch stark an Michael Jackson erinnernd – und irritierender Weise auch noch mit einer ähnlichen Pigmentstörung (oder einem Unfall beim Versuch, ihre Haut zu bleachen, aber das kann man ja im Nachhinein nicht so genau sagen).

Das Highlight an einheimischen Touristen kam allerdings zum Schluss, in Form von zwei Freundinnen, die ihren Urlaub dazu nutzen, etwa 200 Selfies von sich selbst oder beiden zusammen innerhalb einer halben Stunde zu schießen. Es war unglaublich unerhaltsam zuzusehen, wie die beiden an Stelle eins ihre Posen machten, wechselten, mal das Vitory-Zeichen zeigend, mal die Finger an die Lippen gelegt oder auch mal mit Duckface, zwischenzeitlich Accesoires in Form von Hütchen, Handys, Selfiesticks oder Handtaschen tauschen, um dann das gesamte Repertoire an Stelle zwei, Stelle drei und Stelle vier zu wiederholen, schön immer wieder die Hüfte biegend oder mal Springen, die Handykamera mal von unten anlegen, oder doch lieber von oben, dass die herannahende Welle noch mit drauf kommt. Damit sind sie dann meist an Stelle eins wieder angekommen, nur um dort mit den selben Posen weiter zu machen. Wirklich ein schräger Anblick.

An unserem letzten Morgen haben sie dann wenigstens gegenseitig Fotosession auf den Steinen gemacht, aber auch das war unterhaltsam. Wer bitte schaut sich diesen Überfluss an Photos denn an?

Ebenso wie das allabendliche Schauspiel: Tische unter den Bäumen oder Palmen. Uns war recht schnell klar, welche Tische dabei für uns in Frage kamen, zumeist die direkt an der Reling. Dort waren auch keine Nussbäume, sondern Palmen. In den Nussbäumen haben sich jeden Abend eine Horde von Flughunden eingefunden um dort zu speisen, sich zu erleichtern und ein bisschen zu zanken. Ein großartiges Spektakel. Vor allem, wenn Menschen darunter sitzen und entweder die Überreste einer abgeknabberten Nuss direkt neben ihnen mit einem klar und deutlich vernehmbaren „Plöck!!“ auf den Boden prallen – oder eben wenn so ein Flughund mal muss…

Würde man sich die Mühe machen, mal hoch zu sehen, könnte man die Gefahr auch ganz gut einschätzen – aber zumeist bestand irgendwie kein sonderlich großes Interesse an der Natur bei den anderen Gästen. Überhaupt hat man diese auch nicht viel am Strand oder draußen gesehen, ich bin mit nicht ganz sicher, ob es irgendwo einen geheimen Treffpunkt gab, den wir immer verpasst haben, oder ob die alle auf Hochzeitsreise waren und einfach ihre Zimmer nicht verlassen haben. Schade eigentlich, aber gut für uns – denn so hatten wir den Strand meist für uns und es war herrlich ruhig, trotz Kinder. Urlaub wie Robinson Crusoe, oder zumindest so ähnlich.

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