Urlaub unter Palmen – und unter Wasser!

Gleich am ersten Tag nach der Ankunft haben wir uns zur Unterwasserwelt begeben. Allerdings da noch nicht unter Wasser, sondern auf dem Wasser schwebend, mit Schnorchel im Mund.

 

Es gibt ein tolles Angebot von Hotel und Tauchbasis: Mit dem Boot in ein paar Minuten zum Hoteleigenen Riff, dem Coral Garden (dort könnte man auch romantisches Dinner machen). Am Coral Garden wartet ein Hotelmitarbeiter, der per Walkie Talkie das Boot ruft sobald man wieder zurück möchte. Es gibt auch 4 Hüttchen mit je einem paar Strandliegen und Handtücher, um das erschnorchelte erst mal zu verarbeiten oder einfach dort den Sonnenuntergang zu genießen.

 

Einzig mit den Gezeiten muss man etwas aufpassen, der Wasserweg zurück zum Hotel ist sehr seicht und bei richtiger Ebbe wird der Rückweg unpassierbar.

 

Das Riff ist in einem äußerst guten Zustand und man merkt schon allein den Korallen an, dass dort auf Nachhaltigkeit gesetzt wird. Kaum See-Igel in einem Meer von Korallen zeugen von der außerordentlichen Gesundheit des Korallenriffs (in Thailand gab es Unmengen von Seeigel, die zwar prächtig in allen Farben geschimmert haben – also die Spots auf ihrem Körper – aber ich habe durch Nic auch gelernt, dass eine große Seeigel Manifestation von vielen kaputten Korallen zeugt). Isabell von der Tauchbasis hatte uns auch noch erzählt, dass im Gegensatz zu anderen Orten in den Philippinen hier nicht mit TNT gefischt wird und deshalb alles in einem guten Zustand ist.

 

Das Schnorcheln hat so viel Lust gemacht, dass Nic sich gleich für den nächsten Tag zum Tauchen angemeldet hat.

Nic war so begeistert von seinen beiden Tauchgängen, dass er mich dann doch zu einem Probetauchgang überredet hat und so hieß es für mich dann eine zwanzigminütige Exploration Diving DVD anschauen. Am nächsten Tag sollte es morgens zum Probetauchen mit Nic los gehen; jeder würde seinen eigenen Tauchguide bekommen und er freilich auch tiefer als meine 9-12 Meter gehen.

Allerdings war eine italienische Familie angekommen, von denen der Vater und seine beiden Töchter (in unserem Alter) tauchten. War eine ganz lustige Truppe, die Eltern sind italienische Expats auf den Philippinen und die Töchter besuchen sie über den Jahreswechsel. Deshalb war das Boot schon voll – aber ein türkisches Paar hatte auch Interesse am Probetauchen gemeldet und so sollten wir dann Nachmittags zu dritt los ziehen. Erst in den Pool, zum Equipment-Kennenlernen, dann raus an den Coral Garden – immerhin „kannte ich das schon“.

 

Bernat und Ydriz kommen aus Istanbul und machten ohne ihre beiden Töchter (die beiden sahen noch so jung aus dass ich kaum glaube konnte, dass sie schon so alte Kinder haben. Aber sie haben wohl einfach klassisch früh losgelegt) Urlaub. Sie war mir am Strand schon mal aufgefallen, weil sie einen leuchten lilanen Burkini trug, der ihr äußerst gut stand.

Zuerst waren wir mit Isabell im Pool, die BCD-Weste und den Regulator kennenlernen. Für den Explorationdive wurden die Kenntnisse aber auf ein absolutes Minimum reduziert, was ich auch im Vergleich bei den Tauchgängen gesehen habe.

Nach einer Stunde planschen (da kühlt man dann auch doch schon aus. Bernat und Ydriz hatten nur Shorties (ein Wetsuit mit kurzen Ärmeln und Hosenbeinen) an, ich hatte schon zum Schnorcheln meinen vollen Wetsuit ausgeliehen (dank einem wirklich gemeinen Sonnenbrand auf Bali nach dem Schnorcheln im Shortie habe ich auf einen vollen bestanden, auch wenn das Wasser mit 28°C sehr warm ist. Aber bei einem Schnorcheltrip oder Tauchgang von 40 Minuten und drüber bereue ich das auch nicht, mir wird einfach wahnsinnig schnell kalt wenn ich nicht aktiv am Schwimmen bin). Und dann ging es endlich auf’s Boot.

Bernat ist mit Isabell als reine Frauentruppe los, Ydriz mit Dennis als reine Männertruppe und Junjun, der auch der Tauchlehrer das Basis war und wusste, dass von diesem Tauchgang abhängt, ob ich meinen Schein bei ihm mache, hat sich meiner angenommen.

Der gesamte Tauchgang war recht krampfig und ich habe so gut wie nichts unter Wasser gesehen. Was nicht an meiner Taucherbrille lag, die war top, sondern daran dass ich dauernd überprüft hab:

Wo bin ich?

Wo ist das Riff?

Wo bin ich in Relation zum Riff? (Um nichts zu berühren und kaputt zu machen)

Wo ist Junjun?

Wieviel bar Luft hab ich noch in der Flasche (ab 50 ist der Tauchgang zu Ende und es muss aufgetaucht werden)?

Möchte Junjun mit mir kommunizieren?

Was sagt er da?

Was muss ich tun?

 

Und so weiter. Dazuhin hatte ich keinen Plan wie der Auftrieb in meiner Weste sich unter Wasser so verhielt, ich war dazwischen auch davon ausgegangen, dass man zum auftauchen die Weste etwas aufblasen muss (fun fact: nachdem man nach oben schwimmt dehnt sich ja die übrige Luft in Weste und Flasche wieder aus und man bekommt mehr Auftrieb und muss wieder Luft aus der Weste lassen um nicht zu schnell zu steigen – hätte mir mal einer vorher sagen können, haha). Unter Wasser war ich eher auf der leichten Seite, weshalb Junjun mir dann zwischenzeitlich noch mal zwei Pfund Blei hinten an die Flasche gehängt hat. Damit war ich zwar overweighted, aber das Tauchen war deutlich angenehmer.

 

Auf der anderen Seite hat dieser ganze Stress auch dazu geführt, dass ich überhaupt keine Zeit für Angst hatte. Das Blau hinter mir war mir total egal, weil ich so überfordert mit dem Riff vor mir war, dass ich ja da kaum etwas gesehen hab. Und eigentlich bin ich gar kein so schlechter Wildlife-Spotter, unsere Reise nach Südafrika damals mit wilden Delphinen und Walen die wir beobachtet haben aber vor allem auf der Safari die wir gemacht haben, haben einerseits meine Augen geschult und mit andererseits gezeigt, dass meine Auffassungsgabe nicht so schlecht ist.

Aber bei dem Probetauchgang? Wenn es nicht direkt vor meiner Nase war oder Junjun drauf gezeigt hat: Keine Chance.

 

Trotzdem haben wir einen Rotfeuer-Fisch gesehen. Yay.

Und Junjun wurde vor meinen Augen von dem Nesselfaden einer Qualle berührt, ab diesem Zeitpunkt habe ich ihn auch nur seine Hand reiben sehen. Sehr zuversichtserweckend. Oh weh.

Unter dem Strich war der Tauchgang nicht besonders schön, aber auch nicht besonders schlimm. Mir war schon klar, dass ich, sobald ich vertrauter mit den Abläufen wäre, ich auch mehr sehen können würde. Und nachdem Nic wieder total begeistert von seinen Tauchgängen war, stand der Entschluss also fest: Ein Tauchschein soll gemacht werden.

 

Junjun gab mir gleich die Unterrichtsunterlagen, das Padi Open Water Diver Lernbuch und ein Dive Planner Übungsbuch mit Dive Tabelle, und bestellte mich für den nächsten Tag zum Lern-DVDs schauen. Abends las ich noch die ersten beiden der fünf Kapitel im Buch und machte die zugehörigen Tests am Kapitelende. Lernen im Urlaub, das hatte ich mir auch nicht träumen lassen.

 

Die DVDs sind ziemlich langweilig, und so vergeudete ich über die nächsten Tage insgesamt über acht Stunden mit vor dem Fernseher sitzen. Aber ich verstehe schon die Logik dahinter: man liest etwas, man sieht es vor sich im Video und man spricht mit dem Tauchlehrer drüber, so geht man eigentlich tatsächlich auf Nummer sicher, dass man verstanden hat was man da so tut.

 

Neujahr durfte ich dann auch das nächste Mal unter Wasser. Morgens hat Junjun mit mir noch Theorie und dann alle nötigen Übungen die man für den Tauchschein im Pool abhalten muss, gemacht (Maske ausblasen, Regulator aus dem Mund nehmen, Weste ausziehen, und so weiter); Nachmittags ging es mit Nic raus zu einem einzelnen Tauchgang, zu Tongo Sanctuary. Das ist ein kurzer Abschnitt in dem Fischen verboten ist, der als Brutplatz für die Fische dient. Wir haben einige Rotfeuerfische gesehen, Drachenköpfe (die auch giftig sind, aber Regel Nummer 1 für die Unterwasserwelt ist: Nur schauen, nicht anfassen. Ist ja eigentlich logisch…) und anderes Kleinzeug. Ich war immer noch recht überfordert damit, immer darauf zu achten, dass ich nichts von Junjun verpasse und immer schön auf die Kommunikation achte, aber immerhin ging das mit dem Schweben schon deutlich besser.

Highlight des Tauchgangs war für mich definitiv die eine Schildkröte, die ganz hinten an eine Mauer gekuschelt in einer Höhle lag und schlief, auch wenn die wirklich weit weg war. Aber es sollte zum Glück nicht meine letzte Schildkröte sein.

 

Meine letzten beiden Tauchgänge für den Schein gab es am nächsten Tag, als Buddy für Nic war Mark dabei, ein Brite der mit seiner deutschen Frau und ihrem kleinen Sohn (das Highlight für alle Hotelbediensteten) gerade in Hongkong lebt. Die beiden wurden wieder von dem zweiten Guide, Dennis, begleitet.

Zuerst haben wir an Talisay Point halt gemacht und der zweite Tauchgang war dann noch mal an Sardine Point. Davon hatte Nic mir schon vorgeschwärmt, eine Stelle vor Moalboal (auf Cebu) an dem Sardinenschwärme jagen.

Junjun und ich gingen nur bis auf 16 Meter, während die andere drei ein bisschen tiefer loslegten. Aber eigentlich ist das unwichtig, denn der Sardinenschwarm erstreckt sich von der Wasseroberfläche das komplette Riff hinunter als einzige schwarze Wand. Junjun hat immer mal wieder mit seiner Taschenlampe die Fische irritiert und „Löcher“ in den Schwarm gerissen, so dass ab und an mal wieder etwas Sonne von oben kam. Jedenfalls ist das also Tauchen mit Millionen von Fischen. Und so aus dem Häuschen wie Nic und Mark (der schon eine mehrmonatigen Tauchsafari quer durch Indonesien hinter sich hat und weit über 200 Tauchgänge hat) waren, macht man das wohl nicht so oft. Also darf ich ich glügklich schätzen.

Aber ich gebe zu: Ich kenne ja unter Wasser nichts. Mich begeistert die kleinen bunten Rifffische genauso wie der Sardinenschwarm; und mehr als die großen Snapper oder Thunfische – einfach weil bunte Fische hübscher sind.

Mein Favorit ist ein schwarz gepunkteter Kofferfisch der unter Wasser wir ein kleiner Bus umherschwimmt, da freue ich mich regelmäßig wenn ich so einen unter Wasser „vorbeikutschieren“ sehe – ich such euch mal ein Video raus. Die sind so genial, echt!

 

Damit waren dann meine nötigen vier Tauchgänge absolviert, alle Übungen hatte ich auch im offenen Gewässer geschafft (Maske ausblasen, Regulator wiederfinden, kontrollierter Aufstieg bei Buddy am alternativen Regulator (falls einem mal die Luft ausgeht), Boje aufblasen, Navigation – meine Lieglingsübung, mich kann man ja ohne verbunden Augen und mich zu drehen im Wald aussetzen und ich finde nicht mehr heim – und so weiter). Mittags war dann also die Theorieprüfung (bestanden!) und uns blieb noch genau ein Tag vor der „wir tauchen nicht mehr weil wir fliegen und einen zusätzlichen Tag Puffer wegen der Stickstoffbläschen“-Pause für zwei gemeinsame Tauchgänge.

 

Diese fanden an White Point und einer unbewohnten kleinen Insel vor Cebu, Pescador Island, statt. Endlich ging es bis auf 18 Meter unter die Oberfläche und ich musste nicht mehr auf Junjun achten (der zwar als unser Guide dabei war, aber uns unser Ding machen ließ); sondern konnte komplett eigenständig mit Nic als Buddy tauchen.

Plötzlich sah ich auch deutlich mehr, Drachenköpfe, Eidechsenfische, Rotfeuerfische, Schildkröten (jaha! Mehrzahl!), Kofferfische (ihr habt euch ja hoffentlich angesehen wie lustig die sind) und einfach viele tolle kleine Fischlis. Bei zweiten Tauchgang bin ich dann das erste Mal ohne meine zwei Pfund Zusatzgewicht an der Flasche getaucht und war dann mit 14 Pfund genau austariert, das war noch mal eine kleine Steigerung im Anspruch, dafür verbrauche ich halt auch deutlich weniger Luft und wir konnten schön lang unten bleiben.

 

Am letzten Tag vor der Abreise war dann nichts mehr mit tauchen, aber dafür waren wir noch mal am Coral Garden Schnorcheln. Dort ist das absolute Highlight passiert, aber das müsst ihr selbst sehen:

 

Ab sofort muss Nic also nicht mehr allein tauchen gehen.

Hier noch ein paar Impressionen:

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2 Gedanken zu “Urlaub unter Palmen – und unter Wasser!

  1. Der letzte Satz ist leider abgebrochen. Sonst: Toll, eine Biologin mit Tauchschein hat einfach was für sich 🙂 Ist also doch einfach nur Gewöhnungssache?

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