1. Mai Nachbericht: Auf der Mauer, auf der Lauer…

Endlich noch der Rückblick zu unserer ersten 01.Mai-Wanderung in China.

Nachdem wir gut und ziemlich pünktlich in Beijing gelandet sind, ging es mit dem Airport-Shuttle (auch eine Metro) zum Transportzentrum, wo wir erst einmal, belagert von zig Taxifahrer die einem ihre Angebote entgegenschleudern, inmitten von hunderten von Chinesen auf den Bus nach Miyun gewartet haben. Die Schlangenführung war sehr außergewöhnlich, aber dabei sehr ausgeklügelt – der Platz wurde perfekt für die maximale Anzahl an Wartenden genutzt. Nur ging das Geschlängele echt ewig.

Im Bus hatten wir sogar 5 Plätze für uns, das heißt, dass wir diesmal nicht mit unseren Rucksäcken auf den, dann irgendwann kribbelnden, Beinen die komplette Busfahrt überstehen mussten.

In Miyun angekommen, warteten wir bei hohen Temperaturen und noch höherem Pollenflug eine halbe Ewigkeit an der Linienbushaltestelle auf Bus#25. Der Erste winkte vollbesetzt nur müde ab, und dann kam nichts mehr. Nach einer gewissen Wartezeit und insgesamt schon knapp zweistelliger Anzahl Taxifahrer, die uns ihre Dienste anboten, waren wir zermürbt und verhandelten dann also lang genug mit einem Fahrer und ließen uns schließlich, behangen mit Unmengen von Pollen und Fusseln und Straßendreck, nach Gubeikou bringen.

Gubeikou diente eigentlich nur als Startpunkt unserer Wanderung, ich muss aber gestehen, dass ich den Ort schon sehr schnuckelig fand, erst Recht wenn ich die Erfahrung und die Optik mit Tangkou (als Startpunkt unserer Huangshan-Wanderung) vergleiche. Die Menschen waren sehr freundlich und überhaupt nicht aufdringlich, ganz im Gegenteil. Und wir fanden sogar noch unseren typischen Spieße-Grill, was will man mehr?

Am ersten Mai ging es dann um 8 Uhr für uns los. Die Wettervorhersage war schon erbarmungslos, 30-34°Grad mit Sonne wurden je nach Anbieter postuliert. Der Start der Wanderung in Gubeikou kann entweder hart und schön oder weich und unspektakulär erfolgen, wir entschieden uns für hart. Immer höher und weiter stiegen wir durch Büsche auf recht sandigen, schmalen Pfaden zum Grat des Hügels, auf dem die Mauer verläuft, auf. Dort oben, abseits der Zivilisation, die man aber noch hören und sehen kann, liegen die ersten Ruinen des prächtigen Bauwerks. Je weiter wir uns aber unserem heutigen Ziel, Jinshanling, nähern, desto mehr wird von der Mauer noch übrig sein, bis sie dann in Jinshanling vollständig restauriert in ihrer früheren Pracht steht.

Auch die Ruinen sind schon sehr beeindruckend, aber erst beim Anblick der restaurierten Mauer wird einem das Ausmaß dieses Bollwerks bewusst. Ob George R.R. Martin wohl hier im Norden Chinas war und sich hat inspirieren lassen??

Schon im 7.Jahrhundert vor Christus wurde mit dem Bau begonnen (als Ziel: China vor den Reitervölkern im Norden beschützen), wobei die bekannten Teile erst zu den uns schon so bekannten Qing- und Ming Dynastien erbaut wurden. Schon deutlich früher waren die Staatsoberhäupter von dem Plan abgekommen, die Mauer in Tälern zu errichten und so stehen heute die Überreste des größten Bauwerks der Welt auf den Kämmen. Unzählige Wach- und Signaltürme (Ob J.R.R. Tolkien wohl hier war? Ich musste auch sofort an die Leuchtfeuer von Gondor und Rohan denken) ermöglichen bei guter Sicht einen Blick über die Ländereien und heranstürmende Heere können schon früh entdeckt werden. Große Teile der Mauer sind heute komplett verfallen, wurden von den umliegend Dörfern als Steinquelle genutzt oder eingerissen (seit 2008 hat die Unesco da mit dem Weltkulturerbe-Status den dringend nötigen Schutz drüber gelegt) und werden jetzt kostenaufwändig zum Teil restauriert, zum Teil erhalten.

Der erste Mai war jedenfall extrem heiss und die Landschaft war staubig und wirkte teils karg. Über die erste Zeit sind uns gar keine Menschen begegnet und nur der Blick auf die Straße und die Geräusche von Böllern und Hupen, das von den Straßen herdrang hat uns wissen lassen, dass da noch irgendwo Zivilisation wartet. Etwa sieben Stunden wanderten wir letztlich auf der Mauer bis Jinshanling, immer wieder Hügel hinauf, Hügel hinunter. Zwischendurch mussten wir ein Militärsperrgebiet umgehen, was uns aber eine kleine Pause bei einem pfiffigen Bauern bescherte, der kühle Getränke (die Amis nach uns haben zu den Bierdosen gegriffen) und Snacks anbot. Endlich mal die Körpertemperatur runterfahren und wieder auf überleben-ermöglichende Zustände kommen.

Für alles weitere der Erzählung vom ersten Tag auf der Mauer lasse ich jetzt mal die Bilder sprechen, die sagen in dem Fall doch mehr als tausend Worte!

Abendstimmung in 古北口

  Sonnenuntergang Erlanger Tempel? Steinweg über den Bach Abendessen 😉 unser „Taxi“ Blick auf Gubeikou Und in die andere Richtung Start der Wanderung Und das soll jetzt ein Weg sein? Noch voll motiviert – aber man sieht uns die hohen Temperaturen schon an Steil hinauf! Na, das sieht doch schon eher wie Reste der Chinesischen Mauer aus Bäume wachsen zwischen den verfallenen Teilen der Mauer… … die im absoluten Nichts steht. Immer dem Weg folgend Meine drei Musketiere Mal kurz ein bisschen den Schatten zum auskühlen nutzen Hügel hinter Hügel schlängelt sich die Mauer mit ihren Signaltürmen Beim Umgehen des Sperrgebiets, immer die Mauer im Blick Unser Ranger Waren doch noch ein paar andere Menschen da. Die waren leider auch ganz schön laut… Am warten, ob die anderen endlich weiter ziehen und es für uns ruhiger wird Hier sieht man schon: Wir nähern uns dem Ziel, die Mauer ist stark restauriert Mal wieder so viele Stufen… Unglaublich, welche Distanzen sich die Mauer auf den Hügelrücken hoch und runter schlängelt Zu guter Letzt sind wir in Jinshanling

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3 Gedanken zu “1. Mai Nachbericht: Auf der Mauer, auf der Lauer…

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