Neuseeland Nachbericht (1): Erkenntnisse, Erlebnisse, Ereignisse

Zum Reisen vorneweg: Air New Zealand ist zweifelsohne eine der besten Fluglinien, mit denen ich je geflogen bin! Schade, dass Neuseeland so weit weg ist, sonst würde ich die gerne öfter nehmen 😉 Die Einstellung des Personal ist vorbildlich und die Flugbegleiter haben sichtlich Spaß an ihrem Job. Es gelten bei den Einstellungskriterien wohl auch keine BMI Vorgaben (wie bei manch anderen Fluglinien…), hatten wir doch auch schon recht füllig Flugbegleiter, die mit so viel Lebensfreude und Power unseren Flug versüßt haben, dass vielleicht grundsätzlich lieber dieses Kriterium zählen sollte 😉 Das Inflight-Entertainment ist von höchster Qualität, per Touchscreen kann man nicht nur aktuellste Filme sehen (zB Dory) und Musik hören, man kann auch Getränke und Snacks direkt an den Platz bestellen – das erspart den Flugbegleitern schon mal Wege und ist natürlich äußerst komfortabel.

In Neuseeland ist das Reisen allgemein recht einfach und komfortabel, so wahnsinnig viele große Straßen gibt es nicht und meistens sind die besonderen Orte (wie bei uns auch) mit braunen Schildern markiert. Genau genommen ist Neuseeland ein richtiger Schilderwald, es kommt kaum eine Kurve wirklich überraschend (zumeist wird schon im Voraus angeschrieben, mit welcher Geschwindigkeit man die Kurve nehmen sollte), das DOC hat alle touristischen Ziele (Wasserfälle, Dünen, Felsen, Wälder, Bäume, Tierkonolien[stealth edit: 2 Stunden Schlaf sind doch zu wenig… Tierkolonien!!!], etc) ausführlich beschildert und setzt dabei auch auf nachhaltigen Schutz. Notfalls werden die Dünen zur Erholung eben auch mal abgesperrt. Trotz Schilderwald hat es uns etwas überrascht, wieviele Gedenkkreuze es an den Straßen zu sehen gibt – ob das an der Promillegrenze von 0.8, gepaart mit kurvigen Straßen und unerfahrenen Fahrern liegt?

Neuseeland hat total etwa so viele Einwohner wie unser Stadtteil in Shanghai (wovon etwa 70% auf der Nordinsel leben) – auf deutlich mehr Fläche, versteht sich. Ein großer Teil der Wirtschaft kommt durch Landwirtschaft (die Menge an Bauern, Farms und Feldern ist beeindruckend! Holz kommt dazu noch on top, da im neuseeländischen Klima die weltweit meist eingesetzten Bäume (Redwood) doppelt so schnell wachsen wie im „Holzland“ Kanada) und Export – in Shanghai haben wir zB meist neuseeländische Butter und manchmal auch Milch, sowie Obst), und ein weiteres Standbein ist der Tourismus.

Dementsprechend ist es vor allem zur Vorsaison sehr einfach, eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, zum Teil auch noch spontan um 18Uhr. Um genau zu sein haben wir keine einzige Übernachtung ab dem Beginn des Roadtrip früher als am Mittag des Tages gebucht. Zur Hochsaison ist das natürlich nicht immer gegeben, gerade heiß begehrte Spots wie die langen Wandertouren mit begrenzter Bettenzahl auf dem mehrtägigen Weg (Tongariro; Abel Tasman oder der Milford Track sind nur einige davon) sind weit im Voraus ausgebucht. Ansonsten gibt es aber sehr viele Unterkünfte, selbst in den abgelegensten Siedlungen (bei 2,5 Häusern weigere ich mich, von einem Dorf zu reden – trotz 500 Schafen und 300 Kühen ;))

Nicht nur wegen des Tourismus, sondern schlicht aus der Kultur heraus, sind die Kiwis unglaublich freundliche Menschen. Es war sehr erfrischend (auch dank, im Gegensatz zu Shanghai, fehlender Sprachbarriere), von fast jedem Hotel-/Motel- oder Hostelbesitzer, sowie Kellner oder Verkäufer in ein kurzes Gespräch verwickelt zu werden, aus welcher Ecke der Welt man kommt und wie es da so ist. Jeder hat noch einen guten Tipp oder Vorschläge und man merkt, dass die Menschen einfach gerne kurze, aber ehrliche Gespräche führen. Genau mein Ding! Das ging übrigens bis letzte Nacht im Holiday Inn am Flughafen, wo sowohl die Dame die uns am Tisch platziert hat, als auch später unser Kellner kurz fragten, was uns nach Auckland bringt und sehr leicht und locker, positiv, auf die Flugverspätung reagiert haben „Immerhin dürft ihr so eine Nacht länger in Neuseeland bleiben und könnt ein Buffett Dinner genießen“ – wo sie recht haben… Es war bemerkenswert zu sehen, dass selbst beim größten Ansturm der chinesischen Reisegruppen (die auf unserem Flug gebucht sind), die aufgrund kultureller Unterschiede nicht immer leicht bei solchen Buffett-Geschichten zu managen sind, keiner die Geduld und Freundlichkeit verloren hat – auch wenn man mal den ein oder anderen beim verstohlenen Grinsen erwischt hat. Nic und ich haben es genossen, uns so schon wieder langsam an zu Hause gewöhnen zu können. Nach drei Wochen in sehr abgelegenen, ruhigen und durch extreme Natur geprägten Wochen ist das nur fair.

Zum Stichwort Natur: Neuseeland ist tatsächlich eine wahre vorzeitliche Oase, oder so kommt es einem zumindest vor. Urwälder (nicht-tropisch, versteht sich) die zum Teil so dicht sind, dass die Temperatur sinkt und man das Gefühl hat, die Sonne ist gesunken, mit exotischen Bäumen, Blüten und vor allem den beeindruckenden Baumfarnen geben einem manchmal das Gefühl, dass man vom Aussichtspunkt über dem Wald sicher gleich einen Brontosaurier hinter dem nächsten Hügel vorkommen sieht, der einen Baumfarn wegknuspert. Die saftigen Hügel, dünne Besiedlung und zum Teil sehr engen, gewundenen Schotterwege tun ihr übriges. Wir waren bis zum Schluss regelmässig geradezu fasziniert von den Anblicken, die sich hinter jedem weiteren Hügel ergeben haben – auch wenn es „nur“ weitere Hügel, Wälder oder Buchten waren.

Die Landschaft unterscheidet sich auch, gerade die Northlands Region ist dafür ein tolles Beispiel. Die Westküste ist rau und ungestüm, in den Süden bis hinter Raglan reichend ein Surferparadies mit wilden Stränden. Der Osten dagegen ist sehr sanft, die Buchten sind zum Teil ruhige und geschützte Sandstrände, die zum in der Sonne braten einladen.

Zu guter Letzt eines unserer Lieblingsthemen (regelmäßige Leser des Blogs werden es schon ahnen…): Essen

Das Essen ist an den Küsten geprägt von Meeresfrüchten in allen Formen und Farben. NZ ist berühmt für seine Grünen Muscheln (die riesig sind!) und Austern und natürlich Fisch. Auf der anderen Seite ist die Küche natürlich vom Commonwealth geprägt und es gibt viel Frittiertes (man kann aber auch alles frittieren, Fish and Chips verstehe ich ja noch, aber Surimi-Stangen und Würstchen fand ich doch abstrus). Abgesehen von Meeresfrüchten stehen natürlich nicht umsonst die ganzen Lämmer und Kühe auf den Weiden – die Steaks von glücklichen Kühen auf grünen Hügeln waren super und Nic hat auch das Rack of Lamb als sehr empfehlenswert getestet. Für die vegetarische Option, bzw allgemein die Vitaminversorgung sorgen frisches Obst und Gemüse. So ein Neuseelandapfel schmeckt einfach besser, wenn er direkt vor Ort gegessen wird, als wenn er einmal um die halbe Welt geflogen wurde…Sonst waren gerade Avocados, Kumara (eine Art Süßkartoffel, die es aber ganzjährig gibt) und Mandarinen „in“. Zum Essen gehört natürlich auch das passende Getränk und neben neuseeländischem Wein gibt es für den Bierdurst auch eine Fülle an lokalen (Mikro-) Brauereien. Selbst die neuseeländische Limo und einen hipster Energydrink („V“, sieht etwas aus wie das Veltins Logo) haben wir probiert, die meiste Zeit tat es aber Kiwi Blue, äußerst trinkbares Wasser 😉

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