Busfahren in China

Hier etwas aus der Kategorie: Anekdoten die man kaum glauben kann.

Seit ein paar Wochen fahre ich viel Bus. Aus dem einfachen Grund, dass ich die Wahl habe zwischen: 2 Stationen U-Bahn und 15 Minuten laufen oder 5 Minuten weiter laufen als bis zur U-Bahn, den Bus nehmen und direkt ankommen.

Ich mag öffentliche Verkehrsmittel. Schon immer. Ich bin auch in Konstanz immer viel Bus gefahren, teils war das für mich Entspannung.

Apropos Konstanz – dort hatte ich einmal einen Unfall in einem Linienbus. Kurz vor dem Zähringer Platz ist ein Autofahrer, wohl ohne Schulterblick, auf die Busspur ausgeschert und wir sind direkt im Kofferraum gelandet. Der Bus war größtenteils leer, eine ältere Dame ist im 4er-Sitz nach vorne gestürzt und hat sich leicht verletzt. Der Busfahrer hat sich sofort nach Verletzungen erkundigt, alle Gäste aussteigen lassen und die ältere Dame zum Ärtzehaus begleitet (direkt neben der Unfallstelle), bevor er sich um seine Versicherung gekümmert hat. Alles no big deal, sehr höflich und organisiert.

Busse sind in Shanghai der einzige Verkehrstteilnehmer, vor dem ich Angst habe. Ja, E-Roller schleichen sich gerne lautlos von hinten an, oder auch mal auf dem Gehweg oder aus alles Ausfahrten, oft unbeleuchtet im Dunkeln – aber so ein Rollerfahrer hat kein großes Interesse an einem Unfall und weicht aus. Oder bremst. Ebenso Autos, normalerweise (auch wenn ich da deutlich vorsichtiger bin). Aber Busse, die gewinnen einfach immer. Und sie wissen es. So ist es mir schon passiert, dass ich gerade über eine grüne Fußgängerampel gehen wollte und auf der Straße ein Linienbus mit 70 km/h seine rote Ampel überfahren hat. Es war kein Fußgänger da, er hat netterweise gehupt, aber als Mensch (ich wollte schon „Westler“ schreiben, aber das kann Asiaten eigentlich nicht anders gehen) kein schöner Anblick. Mir kommen da immer gleich diese „was wäre wenn“-Gedanken in den Kopf…

Busse haben hier also gefühlte 900 PS, bzw die Beschleunigung fühlt sich an als ob ein leicht beladener A320 zum Start loslegt. Leider ist hier nur meist viel Verkehr (zumal ich mich ja in der Innenstadt bewege, alles voller Ampeln) und die Beschleunigung muss grundsätzlich sehr schnell durch starkes Bremsen unterbrochen werden – nur um dann wieder voll durchzustarten – rinse and repeat… Der Unfall in Konstanz war gegen das Rumgeschleudere, das man hier bei einem schlechten Busfahren an einem miesen Tag erwischt, eine Kleinigkeit. Meine Tiefenmuskulatur, ich sag es euch…

Sitzplätze gibt es nicht so viele, irgendwie fühlt sich der Platz schlechter genutzt an. Als junges Mädel setze ich mich auch aus Prinzip nicht (außer ich fahre nach der Rushhour und der Bus ist richtig leer) – denn die nächste alte Person kommt spätestens an der nächsten Haltestelle. Das ist eh recht lustig. Wie die reingehoppelt (ausnahmslos… egal welches Alter. Freier Platz = Hoppeln) kommen und sich auf die freien Plätze stürzen.

Bezahlt wird (zumindest in dieser Linie, ich habe in Shanghai und in anderen Städten aber auch schon automatische Lesegeräte und Münzboxen beim Fahrer gesehen) nicht vorne. Direkt am mittleren Ausgang (welches hier der Hinterste ist) sitzt ein Mitarbeiter mit Metrokartenlesegerät und Bustickets gegen Kleingeld (eine Fahrt kostet umgerechnet übrigens knapp 0,20€ – da kann sich der deutsche Nahverkehr eine ordentliche Scheibe abschneiden!). Schön, dass der noch konstant einen Sitzplatz belegt. Wenn derjenige motiviert ist, schreit er noch die Haltestellen auf chinesisch durch den Bus (es gibt aber auch eine elektronische Ansage auf chinesich und englisch) und einen durch’s Fenster an, falls der Bus eine andere Route nimmt (was ich ja leider nicht verstehe, aber morgens in dem einen Bus, der nicht bis zu meiner Haltestelle fährt, schreit das immer die gleiche Busbegleiterin, wir erkennen uns jetzt) oder ein Radler/Roller den Weg blockiert. Und rennt einen über den Haufen, denn wenn/weil die meisten Gäste nicht zu ihm zum Bezahlen kommen, geht er nach jeder Haltestelle durch den Bus und kassiert. Also etwas wie Zug fahren.

Unter dem Strich: Bus fahren ist eine Mischung aus Fliegen (was die Beschleunigungen angeht), Zug fahren und Tiefenmuskulaturtraining im Stehen. Eigentlich würde ich gerne während der Fahrt lesen (momentan lese ich Stpehen Kings Autobiographie, sehr zu empfehlen), aber meistens bin ich schlichtweg mit Stehenbleiben und Balancieren überfordert. Ich steige also lieber wieder auf Hörbücher um. Dann bleibt die zweite Hand auch um notfalls die nächste Oma aufzufangen, die es nichr rechtzeitig zu einer Haltestange geschafft hat und der Bus schon wieder „abhebt“ – was man zwar nicht soll, aber dazu wann anders mehr!

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