Wertvolle Zeit

Zeit ist ein teures Gut. Jeder weiß: Zeit ist Geld. Man kann also auch Zeit verschenken…

Seit Jahren erzähle ich, wieviel Glück ich hatte. Schon alleine meine Ausgangslage, es hätte so viel schlechtere Orte geben können, als Freiburg im Breisgau, um geboren worden zu sein. Äquivalent hätte es so viel schlechtere Zeiten geben können um in Deutschland geboren zu werden, als 1985.

Ich habe keine Kriege erlebt, kein Elend, dafür aber Schulbildung genossen, konnte dank meiner Eltern zur Uni gehen. Ich habe einen tollen Mann (mit toller Familie, die mich ebenso aufgenommen hat, wie meine Familie ihn) und weil wir jeder das passende Geschlecht haben und ein hetero-Pärchen sind durften wir ohne Probleme unsere Beziehung offen leben, ja sogar heiraten.

Ihr denkt jetzt vielleicht, dass das alles nicht nennenswerte Dinge sind. Doch! Doch, das sind sie! Rund 7,4 Milliarden Menschen tummeln sich neben jedem von uns auf diesem wunderbaren Planeten, schaut mal rechts und links wie es da aussieht mit fließendem Wasser und Strom, sanitäre Anlagen, Meinungsfreiheit, Demokratie, Bildung, sich aussuchen dürfen, wen man liebt – und so weiter…

Eines meiner großen (lebenden) Vorbilder ist eine berühmte Autorin, die Folgendes zu dem Thema sagt:

„Ich denke, dass man – wenn man so viel mehr zur Verfügung hat als man braucht – eine moralische Verantwortung hat, weise Dinge damit anzustellen und es intelligent weiter zu geben.“


Ich habe lange darüber nachgedacht, irgendwie mein Glück weiter zu geben. Letztlich haben mich neben Jo Rowling zwei (bisher etwas weniger berühmte aber ebenso) tolle Frauen inspiriert:

Unsere liebe Freundin Elena, die der Community (hier sowie auch zu Hause in D) so viel zurück gibt, materiell wie auch inhaltlich und durch harte Arbeit, was ich sehr bewundere.

Und meine liebe „alte“ Studienkollegin Inge, die uns schon vor 10 Jahren (für ein Auslandssemester – hihi, sie ist natürlich direkt geblieben) nach Norwegen hin verlassen hat und die gerade zum zweiten Mal seit Beginn der Flüchtlingskrise nach Griechenland gereist ist und dort in Lagern Matheunterricht gibt, Kleidung sortiert, Heizöfen austeilt  – und noch vieles mehr.

Unter dem Strich geben diese Menschen Hoffnung. Hoffnung auf ein gutes Miteinander, auf eine bewusste Menschheit, die Verantwortung füreinander übernimmt. Darauf, dass die Menschen die nicht so viel Glück mit ihrer angeborenen Staatsbürgerschaft oder der Zeit in der sie geboren wurden hatten, trotzdem wahrgenommen werden und genauso ein Grundrecht auf Leben haben. Hoffnung für die Menschen, die es brauchen – aber auch Hoffnung für mich, dass das doch alles irgendwie gut werden wird.

Ich habe heute (nur ein paar Stunden) in einer Lagerhalle Berge von TShirts, Pullis, Hosen und alles dazwischen, sortiert und eingelagert oder in 5 große Päckchen verpackt, die jetzt an 37 Schulkinder in der Szechuan-Provinz gehen. Auch dort ist es kalt und diese 37 Kinder bekommen jetzt jeder 2 vollständige (hoffentlich perfekt sitzende) Sets an warmer Kleidung, in der Hoffnung, dass sie etwas besser durch den kalten Winter kommen.

Mitte Dezember ziehen wir dann nochmal zu dritt los, Dani war gleich Feuer und Flamme und auch Nic hat Lust, Kindern eine Freude zu machen. Da packen wir dann Weihnachtspakete für Kinder in ärmeren Dörfern.

Gerade Weihnachten ist die Zeit der Nächstenliebe und gerade in der momentanen Situation (nicht nur die Flüchtlingskrise und weltpolitische Situation betreffend, aber auch) bin ich der festen Überzeugung, dass es genau das braucht. Man muss kein Geld spenden. Aber ein bisschen rechts und links vom eigenen Tellerrand schauen, vielleicht mal den einsamen Senior von nebenan zum Kaffeekränzchen einladen, oder dem ärmeren Menschen in der Community (nah wie fern, unter dem Strich bleiben wir alle eins: Menschen) den alten Wintermantel weitergeben oder in einer Einrichtung aushelfen, sei es Altenheim, Suppenküche oder die Hausaufgabenbetreuung für Kinder denen das zu Hause fehlt.

Ich habe etwas schönes gelesen, betreffend der Neidkultur: es gibt nur einen einzigen Grund, bei deinem Nachbar ins Fenster zu sehen: um sicher zu gehen, dass er genug auf dem Teller hat!

Frohe Adventszeit

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