Vermissen

Schon seit über einem Jahr schreibe ich in meinem Kopf an diesem Beitrag. Er kommt dazuhin auch noch viel früher als geplant.

Schon ganz am Anfang sind mir hier viele Dinge aufgefallen, die ich „wenn wir irgendwann mal aus Shanghai weg gehen“ vermissen werde. Billige Taxen und Nahverkehr. Und Züge. Sehr günstiges Obst und Gemüse, sowie lokale Restaurants – zum Beispiel die berühmte Nudelsuppe. Und die Öffnungszeiten. Und den Stoffmarkt mit all den tollen Kleideroptionen, meiner „Schalfrau“ 丽丽.

Allgemein die riesige Auswahl an fantastischen Restaurants, wo man Speisen aus aller Herren Länder genießen kann. 

Im speziellen natürlich meine ganzen Favoriten, das Sushi’O, das Tokyo House Sushi, die Fat Cow, das DinTaiFung, das Baker&Spice, das The Spice, das Aura Coolzey, das Gintei, der HaiDiLao Hotpot oder mein geliebter Hotpot in der Global Harbour Mall Fressmeile. Oder die exquisiteren Sachen wie Goodfellas, der Käfer-Brunch, das Raw, Kagen und so weiter.

Aber Essen ist ja auch eine soziale Angelegenheit und wir hatten das große Glück, dass wir hier schon vor dem Herzug (nämlich beim Gesundheitscheck beim Look-and-See-Trip) Menschen kennengelernt haben, die da sehr ähnlich ticken. Damals haben wir im Auto auf dem Rückweg noch über „deutsche“ Hobbys gesprochen, Wandern, Biken und so weiter – hier wurde Essen unser gemeinsames Hobby (auch wenn wir zum Glück ab und an gemeinsam Wandern waren und das auch sicher, wann auch immer wir alle wieder in Franken sind, weiter tun werden). Dabei hat sich schnell rausgestellt, dass wir sehr ähnliche Augen für das „Abenteuer Shanghai“ haben. Es ist für mich keineswegs selbstverständlich, dass unsere engsten Freunde diesen Aufenthalt auch als großes Glück, große Herausforderung, großes Abenteuer, große Möglichkeit sowie beste Zeit zum Horizont erweitern sehen. Und natürlich alles an Essen zu probieren, was uns so unter die Finger kommt – sooft mit der Arbeitsbelastung hier möglich ist.

Dazuhin kommen natürlich gemeinsame Kurztrips, die immer herrlich unkompliziert und entspannend waren – und jetzt zumindest in China für uns schwieriger werden (weil wir wieder ein Visum benötigen oder uns nur auf der Durchreise 6 Tage Visafrei in Shanghai, Beijing oder zB Guilin aufhalten können) – aber es gibt ja noch andere gemeinsame Ziele in Asien und sogar Japan ;)

Neben Stefan und Dani gab es aber auch noch mehr dieser besonderer Menschen, die die gemeinsame Zeit lebenswert machen. Michi, der uns alle in seinem Garten Zelten lassen wird, wenn wir wieder in Franken sind; Chia-Wei und Markus (mit Lia), die mittlerweile unser nächstes Besuchsziel in Taiwan sind; Elena und Jochen (mit Elsa) mit denen wir immernoch in die Mongolei müssen; Xiuxiu und Thomas, Verena und Gergely (die leider zu früh zurück mussten), Katja und Christian (die leider -für uns- zu spät kamen), aber auch chinesische Kollegen wie 王书元 und 葛轶君 die wir hoffentlich bald in Shanghai oder bei Dienstreisen in Deutschland Wiedersehen. Und viele mehr…

Am Samstag hat Michi uns zu einem Brunch mitgenommen, an dem wir mit 9 Nationalitäten am Tisch saßen – und es hat sich wieder gezeigt, dass wenn man in Shanghai mal zur richtig Zeit am richtigen Ort ist, man so leicht tolle Menschen treffen kann.

Diese Leichtigkeit, aber vor allem unsere Freunde hier werde ich also am Meisten vermissen! Wenn ich die letzten zwei Jahre Revue passieren lasse, habe ich so viele tolle Erinnerungen und bin einfach nur dankbar. Für Shanghai, unsere Freunde, unsere Reisen und das ganz, ganz große Abenteuer – das jetzt in einer anderen Form und mit einem genullten Zähler seinen Fortlauf nimmt. 

Und nachdem ich schon Danis und Stefans ähnliche Augen im Bezug auf das Abenteuer erwähnt habe, möchte ich hier noch Marcel Proust bemühen:

The real voyage of discovery consists not in seeking new landscapes but in having new eyes.

Die wahre Entdeckungsreise besteht nicht darin, neue Landschaften zu suchen, sondern mit anderen Augen zu sehen.

Abstecher zur Mauer

Bevor es von der nördlichen Hauptstadt weiter in die südliche Hauptstadt ging, lag ein Besuch an der chinesischen Mauer nahe.

Von Beijing aus gibt es einige Tagesausflugsziele zu zugänglichen Mauerstücken, eines davon hat Nic bei einer Dienstreise schon besucht. Meine Schwiegermom hat in ihrer Urlaubs-Recherche allerdings ein schönes Hotel mit Mauerblick in Mutianyu ausfindig gemacht und so ging es zu viert (plus Fahrer) mit dreieinhalb Koffern in einem Auto mit zu kleinem Kofferraum (ergo: mit Koffer zwischen Beifahrer-Rücklehne und Nic’s Knien) nach Norden.

Mutianyu ist, wie alle Orte die wir bisher um spektakuläre chinesische Sehenswürdigkeiten herum besucht haben, ein touristischer aber trotzdem irgendwie interessanter Ort. Jedes Häuschen hat eine Telefonnummer für Übernachtungsmöglichkeiten angebracht, oft sogar mit dem Logo des Mauer-Tourismusverbands versehen (also eventuell gesponsert!?). Im Frühjahr mutet der große Busparkplatz einsam und leer an, doch der „Ältestenrat“ sitzt trotzdem schon um 7 Uhr morgens unter der Konfuzius-Statue auf den Bänkchen der Bushaltestellen.

Die einzige Ladenbesitzerin des Dorfs spielt um die Uhrzeit schon Federball mit einer Dame, die eher wie jenseits der 80 wirkt, aber Nic (der während ich Besorgungen mache den Schläger übernimmt) ganz schön abzieht. Erfahrung vor Jugend.

Das Hotel hatte einen besonderen Flair, Backsteinzimmer mit voll verglaster Front, die Mauerblick aus dem Bett und unter der Dusche garantiert. Das Konzept geht voll auf, ich würde wieder dort hin gehen. Abends, nach dem Dinner vom Grillbuffet, kommt man noch mit dem Klavierspieler, der eigens für den Abend angereist ist, und der Künstlerin die im OG diesen Monat ausstellen darf (Unterstützung der Künstler ist Teil des Hotelkonzepts) ins Gespräch. Wahrlich auf allen Ebenen ein gelungener Ausflug.

Herzstück jedoch ist natürlich die Chinesische Mauer. Obwohl wir im letzten Jahr schon von Gubeikou nach JinShanLing gewandert sind (siehe Mai 2016 auf dem Blog), sind wir wieder begeistert und fasziniert. Das Mauerstück von Mutianyu bietet wieder ganz andere Landschaften, ganz andere Flora (und ein Eichhörnchen haben wir auch gesehen). Trotz des Besuchs am Wochenende war überraschend wenig los und auch der leichte Schneefall (ja. Ernsthaft, das Wetter hat einfach wirklich verrückt gespielt – meine armen Schwiegereltern, auf Winter hatten wir sie nicht vorbereitet – weil wir es auch selbst nicht erwartet hätten) konnte die magischen Stunden auf der Mauer nicht trüben.

Wie sagte Mao? Ein Mann wird erst dann zum Mann, wenn er die Mauer gesehen hat. Wir sind jetzt also alle angekommen.

 Federball in Winterjacke  So eine sympathische Dame  voll in Action Konfuzius wacht über dem Dorf Tourismus  Welpe <3 immer wieder interessant, über solche Dinge zu stolpern Aufstieg  Winter und Frühling Drei Mauerkletterer genießen den Ausblick Traumpaar ganz lässig am Weltwunder Da kommt der Schneefall harsche, beeindruckende Landschaft Aufstieg – wie immer Stufen über Stufen Fescher Mann  Das klassische Motiv durch das Fenster Mauerpanorama mit Unbekannten  „Etwas“ nachbearbeitet, trotzdem ein beeindruckendes Bild der vielfältigen LandschaftWow!! Vor dem steilen, langen, großen Anstieg bis zur Absperrung (danach verfällt die Mauer mit jedem weiteren Meter und der Ausflug wird zum Klettersteig – bei dem Wetter natürlich unmöglich) Schnee – in Shanghai hatten wir zu dem Zeitpunkt schon 20 Grad.  Wie die Mauer sich über die Hügelrücken schlängelt. Ich kann nicht genug von diesem Anblick kriegen. Am Wachturm

Jahreswechsel

Schon zum zweiten Mal, seit wir nach Shanghai gezogen sind, blättern wir ein Kalenderjahr weiter. 2016 war ein aufregendes Jahr für uns, wir haben viel erlebt, gesehen, gemacht, gegessen und besucht.

Einige herausragende Ereignisse, hoffentlich einigermaßen chronologisch:

Das neue Jahr haben wir auf den Philippinen eingeläutet, erfolgreiches absolvieren des Tauchscheins inklusive – endlich kann ich Nic auf Tauchgängen begleiten.

Zu Chinesisch Neujahr sind wir dann das erste Mal zurück nach Deutschland geflogen. Innerhalb von drei Wochen haben wir einen unbeschreiblichen (und vermutlich unwiederholbaren) Marathon hingelegt, Familie und Freunde in halb Deutschland und Österreich besucht. Die Menge an Freundschaft und Liebe, mit der wir überschüttet wurden, war unbezahlbar. Dabei zu sehen, was Freunde und Familie bereit sind zu tun, wenn man die 10000km anreist, war wirklich wunderschön <3 

Über Ostern kam der erste Besuch 2016, Heiko, Benny und Phil haben die weite Reise für ein langes Wochenende auf sich genommen – und Nic damit natürlich mehr als glücklich gemacht. In unserer Wohnung sind mehrfach Kriege mit ferngesteuerten Flugobjekten (Hubschrauber, Drohne, Minions, etc…) ausgebrochen und Shanghai war für ein paar Tage ein heißes Pflaster. Der Osterbrunch bei Elena und Jochen hat die warme Zeit eingeläutet. Draußen auf der Terasse den ganzen Tag einen ausgedehnten Brunch mit Freunden genießen, inklusive fallender Hühnerknochen vom Himmel…  

Im April waren wir überhaupt aussergewöhnlich aktiv, erst die Besteigung der gelben Berge (黄山Huangshan), dann das Formel 1 Wochenende (jeweils mit Michi, Dani und Stefan) und zu guter letzt eine unvergessliche Wanderung über die Chinesische Mauer von Gubeikou古北口 nach Jinshanling金山岭 Ende April mit Dani und Stefan. So viele Erinnerungen in so wenig Zeit gepackt! 

Im Mai stand dann der nächste Familienbesuch an. Nachdem Nic’s Bruder Alex ja schon im November ’15 den ersten Testlauf bestanden hat, kam im Mai meine Mama. Neben ausgedehnten Touren durch Shanghai war sicherlich der Trip zur Verbotenen Stadt (und damit auch zur Hauptstadt 北京) und zur Terrakotta-Armee in Xi’an西安 ein Highlight! Auch hier haben wir in vier Wochen wieder wahnsinnig viel erlebt, probiert, bestaunt.

Nach einem Wochenende in Hongkong wurde unser Sommer etwas ruhiger, kochend heiße  Temparaturen, eine durch die Zeitverschiebung ungünstig fallende EM und einige Dienstreisen (Deutschland, Yinchuan) fielen zu Buche.

Im August ging es dann nochmal zusammen nach Deutschland, diesmal etwas ruhiger aber kaum weniger schön. Wieder haben so viele Menschen gezeigt, wie gern sie uns sehen und ihre Comfortzone verlassen, dass wir uns kaum ausreichend dafür bedanken können! 

Um nach all den aufregenden Ereignissen etwas runter zu fahren, haben wir den Sommerurlaub (mit günstig fallenden Feiertagen) auf Fiji und in Neuseeland verbracht – letzterem konntet ihr ja auf dem Blog folgen. Der Roadtrip mit dem Jeep über die Nordinsel hat uns allerdings auch wieder mit so vielen neuen Eindrücken gefüttert, dass wir schon scherzen, in diesem Jahr genug für fünf reguläre Jahre erlebt zu haben – und das Jahr war noch nicht mal vorbei.

Direkt nach dem Urlaub stand der letzte Besuch des Jahres vor der Tür, Magda und Jan auf Weltreise. Dass die beiden sich so viel Zeit und Gemütlichkeit für uns genommen haben, war einfach wunderbar – eine Woche, die wahnsinnig gut für’s Herz war!

Nachdem es dann Anfang November schon bedeutend kälter wurde, kam das lange Wochenende in Hongkong mit Dani und Stefan genau richtig. Nochmal in der Sonne braten und den ersten Advent im T-Shirt feiern. Wahnsinn! 

Zu guter letzt haben wir den Weihnachtsurlaub vorverlegt und uns Anfang Dezember eine Woche in Thailand die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Super Einstimmung für den Ausklang des Jahres, auch wenn es etwas seltsam ist, die Woche zwischen den Jahren nicht frei zu haben. Weihnachten war auch dieses Jahr wieder sehr gemütlich und festlich, und zu Sylvester haben wir in der Vue-Bar des Hyatt on the Bund mit Blick auf die Türme von Lujiazui und auf die wunderschöne Bund-Kulisse das Jahr festlich ausklingen lassen.

2016 war aufregend, voller Emotion, gespickt mit Erinnerungen, voller dankbarer Momente mit Familie und Freunden. 

Wir möchten uns bei allen bedanken, die 2016 für uns zu so einem wahnsinnig tollen Jahr gemacht haben. Unseren Freunden hier, die die Zeit in Shanghai mit uns verbringen und mit denen wir diese außergewöhnliche Lebenssituation teilen dürfen (vor allem die „Shanghai9“, Dani und Stefan, Elena und Jochen, Chia-Wei und Markus, und Michi; sowie allen die dazu beigetragen haben, mit uns gegessen, gefeiert, gelacht haben und gereist sind). Unseren Familien in Deutschland und Österreich, die uns mit ihrer unbedingten Unterstützung diese unglaubliche Zeit ermöglichen und  Abstriche im gemeinsamen Familienleben in Kauf nehmen. Und natürlich unseren wunderbaren Freunden auf der ganzen Welt, die trotz Distanz Zeit und Liebe in die gemeinsame Freundschaft investieren, uns Besuchen, Besuche planen, Telefonate ermöglichen, Urlaub nehmen wenn wir kommen, Emails schreiben oder uns durch Gespräche und Fotos auf WhatsApp und WeChat an ihrem Leben teilhaben lassen. 

All denen, die 2016 für uns so außergewöhnlich gemacht haben, wünschen wir ein aufregendes, glückliches und gesundes Neues Jahr. Wir hoffen, dass alles was ihr (uns) 2016 gegeben habt, vielfach 2017 zu euch zurück kommt – und wir werden unser Bestes geben, unseren Teil davon zu erfüllen.

Viel Liebe aus Shanghai! Getreu nach Seiler und Speer: „Schlechter wie heut soll’s uns nie geh’n“ – das wünschen wir uns für alle!

Busfahren in China

Hier etwas aus der Kategorie: Anekdoten die man kaum glauben kann.

Seit ein paar Wochen fahre ich viel Bus. Aus dem einfachen Grund, dass ich die Wahl habe zwischen: 2 Stationen U-Bahn und 15 Minuten laufen oder 5 Minuten weiter laufen als bis zur U-Bahn, den Bus nehmen und direkt ankommen.

Ich mag öffentliche Verkehrsmittel. Schon immer. Ich bin auch in Konstanz immer viel Bus gefahren, teils war das für mich Entspannung.

Apropos Konstanz – dort hatte ich einmal einen Unfall in einem Linienbus. Kurz vor dem Zähringer Platz ist ein Autofahrer, wohl ohne Schulterblick, auf die Busspur ausgeschert und wir sind direkt im Kofferraum gelandet. Der Bus war größtenteils leer, eine ältere Dame ist im 4er-Sitz nach vorne gestürzt und hat sich leicht verletzt. Der Busfahrer hat sich sofort nach Verletzungen erkundigt, alle Gäste aussteigen lassen und die ältere Dame zum Ärtzehaus begleitet (direkt neben der Unfallstelle), bevor er sich um seine Versicherung gekümmert hat. Alles no big deal, sehr höflich und organisiert.

Busse sind in Shanghai der einzige Verkehrstteilnehmer, vor dem ich Angst habe. Ja, E-Roller schleichen sich gerne lautlos von hinten an, oder auch mal auf dem Gehweg oder aus alles Ausfahrten, oft unbeleuchtet im Dunkeln – aber so ein Rollerfahrer hat kein großes Interesse an einem Unfall und weicht aus. Oder bremst. Ebenso Autos, normalerweise (auch wenn ich da deutlich vorsichtiger bin). Aber Busse, die gewinnen einfach immer. Und sie wissen es. So ist es mir schon passiert, dass ich gerade über eine grüne Fußgängerampel gehen wollte und auf der Straße ein Linienbus mit 70 km/h seine rote Ampel überfahren hat. Es war kein Fußgänger da, er hat netterweise gehupt, aber als Mensch (ich wollte schon „Westler“ schreiben, aber das kann Asiaten eigentlich nicht anders gehen) kein schöner Anblick. Mir kommen da immer gleich diese „was wäre wenn“-Gedanken in den Kopf…

Busse haben hier also gefühlte 900 PS, bzw die Beschleunigung fühlt sich an als ob ein leicht beladener A320 zum Start loslegt. Leider ist hier nur meist viel Verkehr (zumal ich mich ja in der Innenstadt bewege, alles voller Ampeln) und die Beschleunigung muss grundsätzlich sehr schnell durch starkes Bremsen unterbrochen werden – nur um dann wieder voll durchzustarten – rinse and repeat… Der Unfall in Konstanz war gegen das Rumgeschleudere, das man hier bei einem schlechten Busfahren an einem miesen Tag erwischt, eine Kleinigkeit. Meine Tiefenmuskulatur, ich sag es euch…

Sitzplätze gibt es nicht so viele, irgendwie fühlt sich der Platz schlechter genutzt an. Als junges Mädel setze ich mich auch aus Prinzip nicht (außer ich fahre nach der Rushhour und der Bus ist richtig leer) – denn die nächste alte Person kommt spätestens an der nächsten Haltestelle. Das ist eh recht lustig. Wie die reingehoppelt (ausnahmslos… egal welches Alter. Freier Platz = Hoppeln) kommen und sich auf die freien Plätze stürzen.

Bezahlt wird (zumindest in dieser Linie, ich habe in Shanghai und in anderen Städten aber auch schon automatische Lesegeräte und Münzboxen beim Fahrer gesehen) nicht vorne. Direkt am mittleren Ausgang (welches hier der Hinterste ist) sitzt ein Mitarbeiter mit Metrokartenlesegerät und Bustickets gegen Kleingeld (eine Fahrt kostet umgerechnet übrigens knapp 0,20€ – da kann sich der deutsche Nahverkehr eine ordentliche Scheibe abschneiden!). Schön, dass der noch konstant einen Sitzplatz belegt. Wenn derjenige motiviert ist, schreit er noch die Haltestellen auf chinesisch durch den Bus (es gibt aber auch eine elektronische Ansage auf chinesich und englisch) und einen durch’s Fenster an, falls der Bus eine andere Route nimmt (was ich ja leider nicht verstehe, aber morgens in dem einen Bus, der nicht bis zu meiner Haltestelle fährt, schreit das immer die gleiche Busbegleiterin, wir erkennen uns jetzt) oder ein Radler/Roller den Weg blockiert. Und rennt einen über den Haufen, denn wenn/weil die meisten Gäste nicht zu ihm zum Bezahlen kommen, geht er nach jeder Haltestelle durch den Bus und kassiert. Also etwas wie Zug fahren.

Unter dem Strich: Bus fahren ist eine Mischung aus Fliegen (was die Beschleunigungen angeht), Zug fahren und Tiefenmuskulaturtraining im Stehen. Eigentlich würde ich gerne während der Fahrt lesen (momentan lese ich Stpehen Kings Autobiographie, sehr zu empfehlen), aber meistens bin ich schlichtweg mit Stehenbleiben und Balancieren überfordert. Ich steige also lieber wieder auf Hörbücher um. Dann bleibt die zweite Hand auch um notfalls die nächste Oma aufzufangen, die es nichr rechtzeitig zu einer Haltestange geschafft hat und der Bus schon wieder „abhebt“ – was man zwar nicht soll, aber dazu wann anders mehr!