April: nicht nur Blog-Monat (27.04.16 -Tag27-)

Nein, unser April ist auch noch Reisemonate.

Der erste Mai ist auch hier Tag der Arbeit, nur mit der Besonderheit, dass wenn er auf einen Sonntag fällt, er dann am Montag „nachgeholt“ wird.

Eben kommen wir von Planungsabend mit Dani zurück – für uns ist alles vorbereitet und gebucht. Samstag früh geht’s los, Montag Nacht kommen wir zurück. Sonntag, am 01.05., wandern wir – typisch Deutsch. Dort wo wir hingehen sind ca. 34 Grad vorhergesagt (in Shanghai „nur“ 24 Grad) und unsere Route sind sieben Stunden plus. Das wird lustig. Ich freu mich jedenfalls schon tierisch. Und danach muss ich mal das Blog auf Vordermann bringen, was unsere beiden Unterseiten mit den Reisen angeht. Endlich mal die ganzen Berichte sauber einordnen! 

Am Samstag verrate ich euch dann auch wo wir sind, wo wir wandern werden und wie es so ist. Das ein oder andere Foto gibt’s bestimmt auch. Erst Recht dann am Sonntag oder Montag – auch wenn da Mai ist und ich den selbstgestrickten Bloggermonat überstanden habe.

Grand Canyon China (15.04.2016 -Tag15-)

Wettertechnisch hatten wir auch echt Glück, eigentlich hätte es am Samstag regnen sollen. Aber abgesehen von ein paar Tropfen war einfach nur gutes Wetter – was unserer Erfahrung am Sonntag ein klein wenig zum Verhängnis werden sollte.

Der Canyon war sehr beeindruckend, aber die Passagen teilweise schon extrem steil. Höhenangst sollte man da besser keine haben. Wir haben aber gut auf Dani und Michi (der zwar keine Höhenangst hat, aber manchmal sein Leben vor den Augen hat vorbeiziehen sehen) aufgepasst.

Tendenziell waren abseits der Wege schon deutlich weniger Leute unterwegs, aber wir hätten uns da noch nicht erträumen lassen, was uns am Sonntag erwarten würde – und zwar in beide Extreme!

Nach sehr viel Abstieg, wieder nur über Treppenstufen, unterbrochen von Aufstiegen (Treppenstufen…) war uns klar, dass wir weder den Canyon in seiner Gänze durchlaufen können würden, noch, dass wir das mega steile, schmale, enge Stück (das leider den unausweichlichen Mittelteil der abgekürzten Route darstellt) wieder hoch krabbeln wollten. Aber: Rettung naht: Eine Einschienenbahn kam in unser Sichtfeld und wir mussten auch nur noch circa weitere 400 Höhenmeter hinabsteigen (unterbrochen von, ihr erratet es sicher: aufstiegen. Alles mit Treppenstufen, versteht sich). Um dann an ein anderes Ende des „Plateaus“ – mir fällt wirklich kein besserer Begriff ein – hochgekarrt zu werden. Wie schon gesagt: nächstes Mal fahren wir dann hoch und sparen uns statt des mühseligen Aufstiegs unsere Energie für den gesamten Canyon.

Von dort liefen wir wieder munter Treppenstufen, rauf auf den zweithöchsten Gipfel, von dem aus man auf den höchsten Peak (Lotusblumen-Gipfel) und den Schildkröten-Gipfel sehen kann. Außerdem ist eine Art Sternwarte/Überwachungsanlage auf dem Gipfel, welche wir vom Canyon aus schon gesehen hatten.

Von dort ging es nach dem shoppen zum Abendessen im Hotel. Das war mein erstes Essen an einem runden Drehtisch-Ding. Und entgegen aller Onlinebewertungen, dass es so Wahnsinns überteuert sei und dafür nicht mal gut, können wir uns nicht beschweren. Alle Gerichte, die wir bestellt hatten, waren richtig gut zubereitet und wir waren satt, glücklich und fertig.

Den Abend haben wir dann im Klassenfahrt-Stil in unserem 6-Bett-Zimmer ausklingen lassen. Hat nur noch das Lagerfeuer gefehlt, die Stimmung hatten wir. Trotzdem ging’s früh ins Bett – nicht nur, weil wir erschöpft waren, sondern auch weil um 4:30 Uhr der Wecker für den Sonnenaufgang gestellt war. Aber dazu dann morgen mehr.

  vor dem Canyon  
  Action

    Brückchen – ging tief runter
  Felsspalten

    Dani, Stefan und Landsmann

    Steil rauf
  Dieses 0,3 KM Stück als Bindeglied der 8 war krass

    Monorail
  Steil rauf

    Steil runter
  Auf dem Brightness Peak

    Basketball und Zelte
 Auf Klassenfahrt

    Und beim Abendessen

In vino veritas (03.04.16 -Tag3-)

Stefan und Dani trinken ausgesprochen gerne Wein. Gestern waren wir in Tianzifang beim Italiener essen, der noch vor einem halben Jahr wirklich gut und beeindruckend war. Diesmal war es eher enttäuschend und es gab von der großen dicken Weinkarte auch nur eine Sorte.

Doch Rettung naht, die Yongkang Lu ist nicht weit, der Abend war lau – ein Spaziergang nach dem Abendessen immer schön.

Statt in einer der bekanntesten Kneipen-Meilen Shanghais im Irish Pub oä zu landen, haben wir uns jedoch in eine kleine Vinothek getraut; auf unsere Nasen ist einfach Verlass.

    Bei der Auswahl war das sicher nicht der letzte Besuch
  Unsere Männer schauen sich um

    Engere Auswahl, der Pinot Noir ist es geworden

   Ein Bild der Käseplatte fehlt allerdings

   Bild das ich an einen Rheingauer Freund geschickt habe – und siehe da, Wein aus seinem Nachbarort :)

Einkaufen auf Chinesisch (02.04.2016 -Tag 2-)

Ich habe euch ja schon viel vom Einkaufen erzählt. Von toten Fischen, angetatschtem Fleisch, am Handy spielenden Verkäufern und so weiter. Was ich noch nicht erzählt habe, glaube ich zumindest, sind die Verkäufer, die sich im Supermarkt die Nägel abknipsen (auch das ist hier so ein Ding. Das wird einfach überall gemacht. Im Park, im Supermarkt – bei Nic im Büro, aber dort dann immerhin in einen Mülleimer. Gefühlt trägt jeder Bürger hier einen Nagelknipser mit sich rum – sehr oft sieht man diese auch am Schlüsselbund hängen. Vermutlich mit Ersatz, falls das geliebte Gerät mal kaputt geht. Ich hab keine Ahnung…). Oder diejenigen, die in der Fernsehabteilung zu dritt auf dem Boden sitzen und schauen, was so läuft (auch davon hab ich noch irgendwo ein Foto).
Worüber ich noch überhaupt nicht geschrieben habe sind aber die vielen kleinen Lebensmittelgeschäfte hier an der Straße. Gemüse oder Obst, manchmal auch beides. So kann man nicht nur in den Markthallen, großen Hypermärkten (wie Carrefour und Co offiziell bezeichnet werden) oder kleinen Supermärkten wie Lianhua oder Dia, seine frischen Einkäufe tätigen, sondern eben auch in den ganz kleinen „Löchern in der Wand“, wie ich diese Geschäfte liebevoll nenne. Allein in den drei Blocks um unser Compound herum gibt es unzählige dieser Geschäfte. Und ganz akut frische Sachen (mal Orangen oder Äpfel oder oder, aktuell sind es z.B. Koksnüsse) kann man oft an der Ampelecke direkt von einem Laster runter kaufen. So weiß man immer, welches Obst gerade Saison hat. Auch ganz praktisch. Ich muss euch mal Fotos von den ganzen kleinen Geschäften und den Lastern machen – wahnsinn, wie schnell man sich hier an gewisse Gegebenheiten gewöhnt. Immer erst wenn ich darüber nachdenke, wie ich das einem Besucher von zu Hause zeigen würde, oder was ich bloggen könnte, fällt mir wieder auf wie anders die Welten manchmal sind – und wie leicht ich von der Einen in die Andere wechseln kann und mich wohl fühle.
 Manchmal muss man ein bisschen aufpassen, dass man in den kleinen Läden nicht übers Ohr gehauen wird (erst Recht, wenn man so schlecht Chinesisch spricht wie ich und kein Einheimischer ist); aber wir haben einen ganz neuen Supermarkt bei uns gegenüber, kürzester Weg, verrückte Öffnungszeiten (wie so oft hier. Es ist eben offen, wenn jemand da ist) und sehr nette Verkäuferin. Ich glaube, seitdem ich letzthin 3 kg (in Worten: drei Kilos) Mangos gekauft habe, mag sie mich. Ich gehe aber auch echt gern zu ihr.
Gestern wollte ich wissen, was eine bestimmte Frucht (Grün, etwas größer als ein Apfel, mit langem Stiel, aber sonst ein bisschen wie ein mega-mutierter Granny Smith) ist und habe ihr – wie ich das seit neuestem immer mache – mein Handy hingehalten, sodass sie es direkt auf Chinesisch in die Übersetzer-App tippen oder malen kann (dazu erzähle ich euch in den kommenden Tagen auch noch ein bisschen mehr). Das ging irgendwie nicht so wie geplant und dann kamen andere Kunden, doch als ich soweit war und meine Einkäufe auf ihre Waage gelegt habe, hielt sie mir dann ihr Handy hin, mit den betreffenden chinesischen Zeichen. Die konnte ich fix abmalen – und siehe da, dann wollte ich diese seltsam anmutende Honigmelone doch probieren und hab mir eine Kleine eingepackt. War sehr aromatisch und den Kauf definitiv wert!
Mittlerweile gehe ich zum Obst kaufen eigentlich nur noch in den Laden. Das hat mehrere Gründe: Ich mag es, im „Tante Emma Laden“ einzukaufen – und auch wenn sie das Obst genauso im Großhandeln einkauft und es quasi keinen Unterschied macht, ob ich es bei Tesco, Carrefour oder ihr kaufe – so hat man doch das Gefühl, den kleinen Einzelhandel zu unterstützen. Außerdem ist die Frau sehr viel freundlicher als die Wiegedamen beim Hypermarkt (übrigens ein reiner Frauenberuf, ich habe da tatsächlich noch nie einen Mann wiegen sehen) und es drängelt sich auch keiner vor und schubst mich von hinten aus dem Weg um vor mir dran zu sein. Natürlich kommt dazu, dass ich einfach nur schnell einmal durch den Compound wackeln muss, zur kleinen Tür raus und über die Straße. Noch näher ginge es nur, wenn sie bei uns drin verkaufen würde. Zu guter letzt ist das Obst einfach paradiesisch und wirklich günstig. Sie hat ihre Preise meist ausgeschildert und wir haben mittlerweile so eine Kundenbindung (auch darüber werde ich euch in den nächsten Tagen mehr erzählen. Das hat hier meinem Gefühl nach noch mal eine andere Bedeutung als in Deutschland), dass ich mir sicher bin nicht über’s Ohr gehauen zu werden. Außerdem spreche ich gerne meine paar Brocken chinesisch mit ihr; erkläre ihr zum Beispiel, dass ihr Obst sehr wohlschmeckend ist oder wünsche ihr eine gute Nacht wenn ich spät dort bin. Überhaupt sollte ich meine paar Brocken viel mehr einsetzen – wenn ich nur nicht so schüchtern wäre, mit Muttersprachlern zu reden.
Alles in allem mag ich diese kleinen Supermärkte, so lange sie ein bisschen sauber sind und die Ware frisch aussieht. Nachdem der 鲜乐园水果超市erst vor ein paar Wochen aufgemacht hat ist das beides noch gegeben. 
    Xian leguan shuiguo chaoshi (Frisches paradiesisches Obst Supermarkt)
  Das ist das Tor – dahinter die Straße und dahinter der Supermarkt

    Honigmelone, Drachenfrucht, Honigmelone, Erdbeeren, Avocado und Jackfruit
  Auslage mit Erdbeeren, Jackfruit, Ananas, Orangen (mit hoher Müllproduktion) und Äpfel

   
  So sehen 3kg Manogs aus 

       Hab auch schon Mangosteen, Kiwi und Papaya dort gekauft

  Obst zum Abendessen hat bei der Vielfalt schon was für sich