Adventszeit

Ist auch bei uns Weihnachtsmarkt-Zeit! Letztes Jahr hatten wir viel Spaß auf dem Paulaner Weihnachtsmarkt in der Hengshan Lu – aber leider gibt es das Paulaner nicht mehr. Dafür ging es gestern raus nach Pudong, fairer Weise muss man aber sagen, dass es dort an Flair eingebüßt hat. Und man ist am ADW… Die plus 20 Grad haben auch nicht zur weihnachtlichen Stimmung beigetragen, aber dafür war der Tag an sich wunderschön.


Abends haben wir dann endlich ein Versprechen aus dem letzten Jahr wahr gemacht: mal Käsespätzle zu machen. Als der duftende Teller dann vor mit stand hab ich erst mal gemerkt, wie lange ich schon keine Spätzle mehr gemacht habe (hint: zum ersten Mal in Shanghai!) und wir sehr ich es vermisst habe. Mann war das gut – und ein kleines Stück Heimat dazu!

 Pizza für Michi, der keine Käsespätzle verträgt (der Ärmste!) Omnomnom! Da vergisst man doch glatt, dass die Küche wie ein Schlachtfeld aussieht ;)
Und heute ging es dann auf den nächsten Weihnachtsmarkt, in Tonglefang, direkt bei uns um die Ecke. Der war schon sehr gemütlich und es hat sich angefühlt wie auf dem Erlanger Weihnachtsmarkt. Zu essen gibt es die verschiedensten westlichen Sachen (wir hatten noch Rest von gestern, aber Stefan und Dani fanden den Döner und die Nudeln schon mal gut), inklusive Bayrischer Haxensemmel. Vielleicht gehen wir nochmal Abends hin ;)

 Ein Dönertier am Spieß  von oben betrachtet Watte als Schneeimitat ist kreativ ;) Das Verhältnis Asiaten zu Westler war ähnlich dem Nürnberger Weihnachtsmarkt.
Frohen zweiten Advent!

Besuch ist was schönes

Und zwar aus vielerlei Gründen.

Einerseits, weil man Menschen die einem am Herzen liegen, wieder sieht.

Andererseits, weil es toll ist, diesen besonderen Menschen seine Stadt zu zeigen und an seinem Leben in der weiten, fremden, asiatischen Ferne teilhaben zu lassen.

Und es geht nicht eindrucksvoller, so viel und bebildert man auch schreibt, als gemeinsam durch die Viertel zu schlendern.

Mit Magda und Jan sind zwei Freunde zu Besuch, die uns schon sehr lange begleiten (erst recht in Expat-Zeitabständen gerechnet). Beide frisch promovierte Drs.rer.nat auf Weltreise, weit weg vom gemeinsamen Studienort. Gemeinsam haben wir schon auf Hütten im Schwarzwald oder als letzte Gäste im letzten Bus von unserer Hochzeitsfeier zum Hotel tolle Momente geteilt.

Umso schöner, dass wir den beiden, die in den letzten acht Wochen schon außerordentlich viel erlebt haben (Russland, Transsib, Mongolei und so weiter: http://www.infulltrains.wordpress.com) und die Zeit „in vollen Zügen“ genossen haben, nun etwas von Shanghai und Umland zeigen können. 

Dabei dürfen die klassischen Highlights wie Bund, Tianzifang oder auch Ausflüge weg vom Zentrum (Hangzhou gestern, zB) nicht fehlen, ebenso wie Essen (Nudelladen, Hotpot, Dumplings und so weiter). 

Immer wieder fällt mir dabei auf, wie schön es ist, das Leuchten in den Augen zu sehen, wenn man das erste Mal am Bund steht und den bunten Lichtern zusieht. Oder zwischen dem Jin Mao Tower, SWFC und dem Shanghai Tower. Dabei sehe ich die gleiche Begeisterung, die ich bei meinem ersten Besuch der Orte (und vielen weiteren danach) gespürt habe. Und es entfacht immer wieder ein bisschen den Entdeckergeist und die Liebe zur eigenen Stadt.

Gestern in Hangzhou war es zwar teilweise etwas verregnet, aber der Westlake hat sich landschaftlich wieder wunderbar präsentiert und die Ausblicke von der Pagode wurden von ziehenden Wolken spannender. Immer wieder hat sich das Bild vor den Augen gewandelt.

 Erster Abend am Bund

 So viele Eier Beim Chinarestaurant ums Eck

 Lotusse

 Westlake und Berge 

 Klassisches Rolltreppen-Selfie

 Unglaubliche Stimmung über dem Westlake

 Links Hangzhou (da wo dieses Jahr G20 war), rechts China

 Der Weg, von dem wir gekommen sind, verschwindet im Regen

 Zweite Perspektive

 Wir haben hart gekämpft, der Hotpot hat gewonnen   IFC Türme und Shanghai Tower Magda und Jan und ein paar ziemlich hohe Wolkenkratzer

 Inmitten einiger höchster Gebäude der Welt

 Aussicht vom SWFC heute: mystisch

 Und schon besser, aber quasi am Fluss hört die Sicht auf

 Das erste Mal Yu Garden im Dunkeln. Hat was. Gefällt mir deutlich besser als im Hellen, auch (oder weil) viele Geschäfte schon zu hatten
 Die Beleuchtung ist vielleicht kitschig, aber richtig schön!

 Teehaus im Dunkeln

 Stinky Tofu!!!

Kundenbindung (23.04.2016 -Tag23-)

Kundenbindung hat hier eine größere Bedeutung als bei uns. Wenn jemand mehrfach zu Dir kommt, hat er einerseits sein Vertrauen in Deine Produkte gezeigt. Andererseits bringt er vielleicht Freunde mit, erwähnt Dich lobend und sorgt für neue Kundschaft – so jemand möchtest Du nicht verprellen – und demnach haust Du den auch nicht mehr offensichtlich über’s Ohr.

Das merkt man nicht nur bei so offensichtlichen Orten wie dem Fake Markt, sondern auch beim Obststand, dem Café ums Eck, dem Sushiladen oder auch einfach dem Supermarkt (ihr kennt ja meine Lianhua-Geschichten jetzt schon).

Und so bemühen wir uns immer redlich, einen guten Eindruck zu hinterlassen, nett zu sein (im Gegensatz zu einigen Ausländern die hier leider denken, sie wären der westliche König und könnten die Leute von oben runter behandeln, in ihrer Muttersprache bepöbeln, etc). Und dann merkt man eben auch, dass die Verkäufer einen wiedererkennen, sich freuen wenn man da ist oder auch wenn man neue Leute mitbringt. Shanghai scheint von der klassischen Mundpropaganda zu leben und das kommt dort natürlich besonders gut an.

Für jegliche Güter oder kulinarische Köstlichkeiten haben wir also schon unsere Spezls und das erleichtert natürlich auch die Kommunikation und die Ansprechhürde. Weiterhin gibt es mir ein Gefühl des „zu Hause“ seins, erst Recht wenn die Verkäufer einen auf der Straße „in zivil“ erkennen und grüßen. In einer Paar-und-zwanzig Millionen Einwohner-Stadt. Muss man sich immer wieder auf der Zunge zergehen lassen, denn in unserem Viertel ist es trotzdem ein bisschen wie auf dem Dorf. Naja, genau genommen ist unser Compound von der Einwohnerzahl vermutlich schon ein deutsches Dorf. Also sagen wir: wie in einer Kleinstadt ;)

Nudeln (07.04.2016 -Tag7-)

Heute war ich um die Ecke in einem kleinen Nudelladen (a.k.a. Loch in der Wand) essen. Max hatte den entdeckt und wir sind gemeinsam Mittag essen gegangen. Dort hat auch direkt einer der Köche vor unseren Augen Nudeln gezogen :)

Stir-fried Nudeln, Jaozi und Nudelsuppe, alles war sehr gut – nur über die Hygienestandards muss man wie immer hinweg sehen…

  

  Alles weg :D

  Chef bei der Arbeit, davor die Zutaten für alle möglichen Kombinationen 

Endlich angekommen

Entschuldigt bitte den – zumeist unfreiwilligen – Hiatus hier! Zuerst kam Deutschland dazwischen und es fehlte schlicht die Zeit, beziehungsweise die knappe Zeit in Deutschland war zu kostbar und zu sehr durchgetaktet, und in den freien Minuten nutzte ich meist die Zeit zum Verarbeiten der vielen kleinen schönen Dinge.

Dann brach letztlich doch die Erkältung aus, die ich schon mit nach Deutschland gebracht hatte. Wie es eben so ist ging es in den Zeiten des Stress noch irgendwie und die ganzen schönen Treffen mit Freunden und Familie haben mich am Laufen gehalten – aber in den letzten Tagen, als es etwas ruhiger wurde, war dann damit auch vorbei.

So langsam bin ich aber auf dem Weg zur alten Fitness und es kann ja irgendwann auch nur bergauf gehen.

So bin ich als schon vor anderthalb Wochen zum dritten Mal in meinem Leben in Shanghai angekommen – und diesmal „richtig“. Beim look-and-see-Trip war es noch mehr Urlaub mit Wohnungssuche, beim Umzug war dann einfach nur noch alles neu und anders. Am 27. Februar war es jetzt „nach Hause kommen“ (und das, obwohl wir das ja drei Wochen zuvor in Deutschland schon hatten. Welches Glück wir doch haben, nicht wahr?). Ein ganz neues Gefühl gegenüber Shanghai: die Freude in die Stadt zu kommen, aber nicht nur aus der touristischen Neugier, was sie alles zu bieten hat; sondern auch aus dem einfachen Grund hier zu Hause zu sein.

Sich hier ganz intuitiv zurecht zu finden (die Wege kennen wir mittlerweile), ein paar Brocken Chinesisch zu sprechen (ich freue mich über jede kleine Konversation, die ich rein auf Chinesisch führen kann. Z.B. wenn ich mein Lieblingsgebäck bestellen kann, vier Stück zum Mitnehmen mit Tüte. Oder eine Cola light. Kalt. Oder einen Milchtee. In groß. Oder dem Taxifahrer sagen kann, wo er mich hinfahren soll und wo er anhalten soll. Die kleinen Dinge, die das Leben leichter machen und ein nicht ganz so ausgeschlossen fühlen lassen), hier Menschen zu haben, mit denen man sich gerne trifft (auch wenn ich die ersten Treffen leider erst mal alle absagen musste) und noch vieles mehr. Zum Beispiel, dass Shanghai eine der aufregendsten Städte der Welt ist (zumindest wenn man Lust auf neue Kultur, anderes Essen, viel neues Lernen und ungewöhnliche Gewohnheiten hat – aber dazu wann anders mehr).

Und ein weiteres kommt dazu: Die südliche Lage von Shanghai. Shanghai liegt auf der Höhe von Alexandria (auch wenn man das anhand der vereisten Bilder vom Januar nicht immer glauben mag) und wir hatten letzte Woche schon fünf Tage lang Frühsommer. Bis zu 26°C und Sonnenschein am Sonntag, da war selbst die Jeans zu warm. Einfach herrlich. Heute ist es wieder kühler geworden, aber ab jetzt wird so langsam der Frühling los gehen. Genau nach meinem Geschmack!

Ich bin angekommen.

   Frühsommer im Compound
 Jahreszeitenmäßig passendes Frühstück (die Mangos momentan sind der Hammer!)

  Wegbier am Freitag-Abend
 Weltkarte mal anders. Hätte ich gerne an der Wohnzimmerwand und dann alle besuchten Länder einfärben

 Auch die Magnolie blüht

Ozaoza

contemporary Ost trifft auf West. 9 Gänge Menü – wir haben uns beide nach Hause gerollt (immerhin, nur 200 m) 

    Ozaoza auf der Kanding Lu
  Hübsch eingedeckt in unserem Kuscheleck

    Amuse bouche (Stamperl links) und getrüffelter Pilz-Cappucino in der Tasse
 Stockbrot mit Kräuterbutter auf Holzblock gespießt 

    Salat mit Avocados und Lachstartar (in den Avocados)
  Wachtelei, Würstchen am Knochen und scharfes Risotto

    Meeresfrüchteschale und Sojasoße aus dem Pasteurpipettenfläschchen
  Sorbet aus dem Reagenzglas

    Filet mignon, getrüffeltes Kartoffelpürree und würziges Reiscrispie
  Nic inspiziert die Dessertplatte (Schokonüsse, brauner Zucker Kekse, Holunder-Pannacotta, Erdnussbuttercreme)

    Kaffee mal chemikalisch – der Kaffee hat stark nach Bali geschmeckt! Wir sind dann auch urlaubsreif ;)
 
 Präsentation und Qualität der Speisen, sowie Service: top!! Das war nicht unser letzter Besuch…

Yùfó Chán Sì – Jade Buddha Tempel

Am Donnerstag, was schon fast wieder eine Woche her ist, waren wir im Jade Buddha Tempel (Yùfó Chán Sì).

Der Tempel hat ein deutlich späteres Gründungsdatum als der Jìng’an Sì, gebaut 1918-1928 (im Stil der Song-Dynastie), dafür hat er die Kulturrevolution unbeschadet überstanden – die ansässigen Mönche haben dazu den Tempel für die Öffentlichkeit geschlossen und handgemachte Produkte verkauft. Die Chan Mönche (westlich: Zen Mönche) sagen selbst über ihren Tempel, dass er ein „ruhiges Stück Land inmitten der Hektik der Stadt ist“ – was zu unserem Besuch nur zum Teil gestimmt hat.

Yùfó Chán Sì liegt 3 Blocks nördlich von uns und ist damit einen Katzensprung entfernt. Inmitten einer normalen Straße, umgeben von Häusern mit den kleinen Shops in denen allerlei Tempelnippes, Räucherstäbchen oder Essen/Trinken verkauft wird, liegt also der Tempel. Um mehr Platz für die (praktizierenden) Besucher zu machen, wird der Tempel seit Juli 2014 umgebaut, unter anderem wird die Haupthalle nach hinten verlegt um den Vorplatz zu vergrößern. Soviel aber zum Thema „ruhiges Stück Land“…

Wie haben es die Jade Buddha Statuen in den Norden von Jing’an nach Shanghai geschafft? 1882 machte sich der Mönch Hui Gen auf zur Pilgerreise von der Insel Putuoshan nach Tibet und danach Birma. Soviel steht fest. Zur Entstehung der Statuen gibt es verschiedene Geschichten, in einer bricht sich der Mönch 5 Blöcke burmesicher Jade und lässt daraus die Buddhastatuen schnitzen – in einer anderen bekommt er die fertigen 5 Jadebuddhastatuen. Fest steht, er kommt mit 5 Buddhastatuen aus feinster weißer burmesischen Jade zurück. Von denen er zwei in Shanghai lässt. Beide Statuen zeigen Shakyamuni, die größere (knapp 2m hoch) im Moment der Erleuchtung (diese Statue darf nicht fotografiert werden, daher schließe ich einen Link zu Bildern online ein), die kleine (etwa 1m) dann liegend beim Eintritt ins Nirvana. Auf deren Basis wurden Spenden gesammelt, um den Bau eines Tempels zu ermöglichen. Und so kann man heute im Jade Buddha Tempel die beiden Jade Buddhas bewundern.

Der Tempel wird in drei große Bereiche unterteilt, daneben gibt es noch mehrere kleine Räume mit Statuen, z.B. von der Göttin des Mitgefühls, Guanyin. Die Haupthallen sind:

  • Halle der Himmelskönige (die ich euch schon im Rahmen des Jìng’an Sì vorgestellt hab)
  • Große Halle (mit drei großen und quasi unzähligen kleinen Statuen, die ich nächstes Mal fotografiere)
  • Halle der Weisheit des Abtes (dort stehe die Jade Buddhas sowie eine 7168 Bände umfassende 300 Jahre alte Ausgabe des Tripitaka; der Kanon der buddhistischen Schriften und Lotos Sutra)

Während unsere Besuchs, am Tage der Feierlichkeiten zum 70 jährigen Ende des zweiten Weltkriegs, waren die Chan-Mönche gerade im Gebet für den Frieden (soweit ich es danach der offiziellen Homepage entnehmen konnte) – da wollte ich nicht allzu sehr mit meiner Kamera rumwedeln und ungefragt Fotos machen. Aber ein paar Schnappschüsse haben wir natürlich trotzdem für Euch – schade nur, dass ihr die schöne Zeremonie mit kleiner heller Glocke und großer Holztrommel und Mantragesang nicht mitverfolgen konntet!

   Ein Räucherstäbchenberg auf der Anyuan Lu vor dem Tempel
  Eingang und Anblick von außen

   Innenhof mit Räucherstäbchen und Schrein
 Auch hier bringen Yuan oder Jiao Glück

   Im Hintergrund: Nic lauscht andächtig
  Eingang in die große Halle

    Dickbauchbuddha: Inkarnation des Zukunftsbuddhas Maitreya, steht für Nächstenliebe, der dicke Bauch versinnbildlicht Großzügigkeit und der Buddha wird immer lachend dargestellt
  König des Norden

   König des Westen
  König des Osten

 König des Süden
   Blick in den Innenhof bei der Halle der Weisheit des Abts
  Nic versucht sein Glück beim Balancieren der Münze

   Ein weiteres Tor zur modernen, lauten Stadt mit den hohen Häusern
  Guanyin

  Tempelteil im Baustellenbereich. Der Umbau soll 2016 abgeschlossen sein, ich halte euch auf dem Laufenden

Wasser über Wasser

Wir wohnen nun seit 3 Wochen in SH und haben eben den zweiten Taifunausläufer mitbekommen. Der erste war direkt nach unserer Ankunft und hat den Großteil seiner Kraft über Saipan und Taiwan rausgelassen (zumindest haben wir von dort Liveticker Infos bekommen), wir haben hier fast gar nichts gespürt.

Taifun Goni war nun angekündigt, ebenfalls mit der Vorhersage, dass er sich noch abschwächt. Doch dafür hat er uns den Regen gebracht.

Nic hat heute zur Arbeit etwa eine Viertel Stunde länger gebraucht – aber spektakuläre Bilder vorbei geschickt (zusammen mit den Kollegen). Michi kam dann schon gar nicht mehr bis zur Firma, Anting wurde wegen Überschwemmung gesperrt.

Jing’an hat es nicht sonderlich getroffen, wir hatten nur viel Regen und etwas Wind (nördlich und südlich von Jing’an in SH wurden die Warnstufen von gelb auf rot hochgesetzt), die Teiche im Compound freuen sich, haben sie doch jetzt wieder einen schönen Füllstand.

Getreu dem Motto haben wir es uns nicht nehmen lassen, nochmal in den Pool zu springen (nachdem Nic 2 Stunden 10 Minuten nach Hause gebraucht hat) und ein paar Bahnen zu ziehen. Heute war leider etwas mehr los als am Freitag, aber auf 50m verteilt sich das ganz gut.

   Es schüttet Bindfäden!
   
  Anfahrt Anting. Es fehlt nicht mehr viel und das Wasser kommt zu den Türen rein.

    Unfreiwilliger Springbrunnen bei Schaeffler. Die Kanalisation kommt mit den Wassermassen nicht klar.
  Blick über die volle Länge des Pools.

    Und einmal von oben, unter der stylischen Kuppel, auf den Pool (im Keller)
   Feine Sache! Schwimmen steht bei uns wieder hoch im Kurs – aber nur mit Badekappen! (Ist hier Pflicht…)

Jìng’an Sì

Shanghai wurde 960 das erste Mal als Dorf erwähnt – doch schon über 700 Jahre vorher wurde am Ufer des Wusong River (der auch Suzhou Creek genannt wird) zur Zeit der Drei Reiche der Jing’an Tempel erbaut (247 AD), der überlieferte Name damals: Hudu Chongyuan Tempel. Aufgrund dauernder Bedrohung durch Überschwemmung im sumpfigen Shanghai wurde der Tempel unter der Song Dynastie im Jahr 1216 an seinen heutigen Standort verlegt. Er ist neben dem Yonghe-Tempel in Peking und dem Guangxiao-Tempel in Guangzhou einer der drei wichtigsten buddhistischen Sakralbauten Chinas.1912 wurde dort die erste „Chinese Buddhist Association“ gegründet.

Wenn man sich alte Bilder des Tempels zu verschieden Zeiten anschaut, kann man sich wirklich nicht vorstellen, was einen heute erwartet.

jingan 1870

Aufnahme von 1870-1890

tempeltor 19 jahrhundert

Tempeltor im 20. Jahrhundert

ehemaliger Tempel vor Restauration

Der Tempel vor seiner Restauration in den 90ern (das schwarz/gelbe unten links ist der Tempel). Ganz klar schon das näherrücken der Hochhäuser zu beobachten.

Heute steht der Jing’an Tempel als Relikt einer vergangenen Zeit und als Ort „des Frieden und der Ruhe“ (so die wörtliche Übersetzung) inmitten der größten Stadt Chinas, umgeben von Hochhäusern, Shops, Straßen und Autos. Ein surrealer Anblick und ein surreales Gefühl, wenn man durch das Tempeltor tritt und die hupenden Autos hinter sich lässt (oder es versucht).

Gleich am Eingang kann man sich ein kleines Bündel Räucherstäbchen (die in dem Zusammenhang besser „Gebetsstäbchen“ genannt werden sollten) kaufen und abbrennen. Die gläubigen Besucher (von denen mit mir zusammen deutlich mehr den Tempel besucht haben, als einfache Touristen!) verneigen sich dabei in alle Himmelsrichtungen und besinnen sich (insofern sie das Gehupe und Gewusel der Stadt ignorieren können).

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In der Mitte des Tempelinnenhofs steht ein mehrstöckiger Schrein der munter mit Münzen beworfen wird – so soll es doch Glück bringen, wenn man in den Schrein hinein trifft oder die Münze auf einem der Dächer liegen bleibt. Ich habe getroffen!

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Blick über den Innenhof auf die Halle (mit den Löwen auf dem Dach) rechts vom Eingang und die dahinter liegenden Hochhäusern.

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Der Säulengang im ersten Stock (fun fact: first floor bezeichnet in China das Erdgeschoss, also faktisch ist das der zweite Stock. Real ist es das erste Stockwerk über dem Boden/Eingang) zeigt: hier ist alles neu. In den Zeiten der Kulturrevolution wurden die buddhistischen Mönche aus dem Tempel vertrieben und dieser kurzerhand in eine Plastikfabrik umgewandelt. Diese Zerstörung von Kulturgut und Architektur gipfelte in einem Abbrennen des Tempels 1972. Danach wurde der Tempel sukzessive wieder aufgebaut und wurde und wird stetig renoviert. Abgesehen von den Ausstellungsstücken und Statuen gibt es hier nichts altes mehr.

Seit 1991 ist der Tempel wieder offen für Besucher und ein buddhistischer Konvent hat sich in den Räumlichkeiten niedergelassen. Deshalb sind viele Bereiche für Touristen nicht zugänglich, wenn man aber so wie ich Glück hat und ab und an zum richtigen Zeitpunkt mal eine Tür aufgeht, kann man einen Tisch voller Mönche beim Mittagessen sehen oder eine Gruppe meditierender Mönche beim Mantras rezitieren hören. Hier wird Religion gelebt und es ist toll zu sehen, dass der Tempel eben nicht nur eine Touristenattraktion oder Geldmaschine ist.

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Bester Beweis dafür, dass hier Menschen leben? Die Wäsche hängt auch hier zum Trocknen draußen…

Nun aber zu den Herzstücken für alle Buddhisten und Touristen, die Statuen des Jing’an Tempel:

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Die Statue des Sakyamuni (der erste Buddha des Buddhismus) in der Jade Buddha Halle des Tempels. Diese Statue ist knapp 4 Meter hoch und 11000 kg schwer. Angefertigt aus burmesischer Jade ist diese Statue die größte sitzende Jadebuddhastatue des Landes. In Shanghais Jadebuddhatempel (den ich euch hoffentlich sehr bald vorstellen kann), liegt die Statue.

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In der Guanyinhalle gegenüber findet sich diese fulminante Schnitzung der Guanyin Bodhisattva, der Göttin des Mitgefühls. Sie ist eine der meistverehrtesten Gottheiten im ostasiatischen Buddhismus und wie ihr auf dem ersten Bild erkennen könnt, werden ihr auch hier im Jing’an Tempel reichlich Opfer dargebracht! Historisch überliefert, wird Guanyin mit tausend Augen (die alles Leid auf der Welt sehen können) und tausend Armen (die überall helfen können) dargestellt, hier ist es eine beeindruckende Statue aus 5 Tonnen 1000-jährigem Kampferholz, die 2,6 Meter Durchmesser und über 6 Meter Höhe aufweist.

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Das größte Herzstück des Tempels ist jedoch die Statue des Sakyamuni Buddha (s.o.) in der Mahavirahalle. Der Buddha ist aus 15 Tonnen Silber gegossen und gebettet auf einem Lotusblatt in Meditation dargestellt – und ragt dabei fast 9 Meter in die Höhe.

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Jedoch ebenso beeindruckend ist die Halle an sich. Sie ist komplett aus burmesischem Teakholz gefertigt und wird durch 46 Säulen gestützt. Das ganze ergibt eine unglaublich warme Atmospähre.

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Neben dem Buddha hängt noch dieses Goldstück, eine 3,3 Tonnen schwere Kupferglocke, die Hongwu Glocke, aus der Ming Dynastie. Hongwu war der Gründer besagter Dynastie und regierte das Land 1368-1398 als Kaiser.

Neben den Buddhastatuen gibt es auch noch die „Four Heavenly Kings“. Im Buddhismus wacht je einer von ihnen über eine Himmelsrichtung, als Beschützer der Welt und Kämpfer gegen das Böse. Weiterhin wird überliefert, dass jeder von ihnen eine Legion übersinnlicher Kreaturen befehligen kann, um den Dharma zu beschützen. Diese Jungs braucht man um sich!

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Links steht Chí Guó Tiānwáng, der König des Ostens und der Musik. Als harmonischer und beschützender König, nur mit einer Pipa (Saiteninstrument) „bewaffnet“, benutzt er seine Waffe um andere zum buddhistischen Glauben zu führen. Seine designierte Farbe ist Weiß.

Rechts steht Zēng Zhǎng Tiānwáng, der König des Südens. Er beherrscht den Wind und führt zu gutem Wachstum. Mit seinem Schwert beschützt er den Dharma und den Süden. Seine designierte Farbe ist Blau.

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Ihnen Gegenüber steht links Guăng Mù Tiānwáng, der als König des Westens „alles sieht“. Er repräsentiert den Drachen (daher die Schlange als „Waffe“), als das Auge des Himmels, sieht Ungläubige und bringt sie zum Buddhismus. Seine designierte Farbe ist Rot.

Rechts steht zu guter letzt der Chef der vier Könige, Duō Wén Tiānwáng, der Herrscher des Regen und Beschützer des Nordens. Er wird mit Pagode (gegen den Regen und als Herrschaftszeichen!) dargestellt und erinnert in der Darstellung an die altertümliche indische Gottheit des Reichtums. Seine designierten Farben sind Gelb oder Grün.

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Ein weiteres Zeichen für das Aufeinandertreffen von alt und neu ist die Friedensglocke, Peace Bell. Erst 1999 gegossen, soll sie Frieden für das 21. Jahrhundert bringen. Ihr gegenüber steht eine große Trommel – 2,2 Meter im Durchmesser mit Kuhfell bezogen. Beide Türmchen waren aber abgeschlossen, daher nur das Bild von unten auf die Glocke und keines von der riesigen Trommel.

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Und ein lachender Buddha darf auch in diesem Tempel nicht fehlen, allerdings nur ein kleiner in einer kleinen Nebenhalle.

Wie wichtig dieser Tempel für Shanghai ist, zeigt auch dass die Straße an der er steht – immerhin eine der bekanntesten Straßen Shanghais (die Nanjing Lu, auch wenn diese um den People’s Square ihre größte Bedeutung hat) – vor ihrer Umbenennung Jing’an Si Lu hieß, dass 1908 dort die erste Tramhaltestation Shanghais gebaut wurde (der Tempel als zentrales Herzstück der Stadt – sozusagen wie bei uns auf dem Dorf die Kirchen) und dass unser gesamtes Viertel (das ich euch ganz bald auch endlich im Detail vorstellen möchte) nach ihm benannt ist.

Der Jing’an Tempel, jeher ein Treffpunkt von Gläubigkeit, Besinnung und Kommerz (heute noch weit mehr Kommerz als früher, als es nur ein Markt war. Jetzt haben wir gleich mehrere riesige Shopping Malls rund um den Tempel), ist zehn Gehminuten von uns entfernt. Oder eine Ubahnstation. Wirklich ein absoluter Glücksfall, dass wir hier wohnen dürfen! Das ganze Viertel pulsiert und es gibt in jeder Straße so viel zu entdecken, dass wir gar nicht wissen, wo wir zuerst hingehen oder was wir zuerst probieren sollen.

Bei diesem Tempelbesuch gab es wieder nur Handybilder (mein Akkuladegerät für die Kamera kam erst am Freitag mit der Luftfracht) – aber ich wußte schon was sich nach dem ersten Besuch noch mehr bestätigt hat: dass ich den Tempel noch viele Male besuchen werde (er hatte schon beim Look and See Trip auf mich eine große Anziehungskraft, aufgrund der Surrealität der Lage und beeindruckenden Geschichte dahinter), das nächste Mal vielleicht mit Nic oder mit unseren Besuchern. Oder einfach für mich, mit der Kamera und einem Bündel Räucherstäbchen!