Happiness, oder: Was mache ich hier eigentlich?

Stellt euch vor: Abends ausgehen, irgendein Event in der Stadt. Tolle Szenerie am Bund, unzählige Expats, durchzogen von ein paar Einheimischen Gesichtern, die networken wollen. Man kommt ins Gespräch, kleine Grüppchen. Hier die Mitarbeiter von dem einen großen deutschen Autozulieferer, treffen dort auf ein Grüppchen Expats der Tochter-Firma. Mittendrin stehe ich, lausche den technischen Gesprächen, der lustigen Neckerei. Und dann die ungeliebte Frage: „Und was machst Du so in Shanghai?“ oder: „Warum bist Du hier?“.

Zu Beginn war die Frage noch amüsant, irgendwann wurde sie lästig und dann hat sich das immer weiter gesteigert, hin zu kreativen Scherzantworten. Aber es war bald klar, eine gute, knackige Antwort auf diese Frage muss her. Ich habe auch keine große Lust, mich als studierter Mensch mit hohem Bildungsabschluss jedesmal zu rechtfertigen, weshalb ich hier keine Stelle annehme (obwohl wir einige gute Gründe haben, aber muss es muss halt auch nicht immer Thema sein). Und „Ich bin wegen meinem Mann hier“ oder „Ich bin die Taitai“ waren sehr schnell ziemlich unbefriedigende Antworten. Ich glaube, mich macht doch mehr aus, als meine Ehe…

Zufällig übereinstimmend damit gab es einen Traum. Schon seit über fünfzehn Jahren erzähle ich jedem, der es hören will (und vermutlich noch dem einen oder anderen mehr, wenn es thematisch eben passt), dass ich „irgendwann mal“ ein Buch schreiben will. Wie unbedarft dieses Ziel war, zeigt allein schon die Formulierung. Mittlerweile bin ich weiter und habe umformuliert: „irgendwann mal“ möchte ich ein – von mir geschriebenes – Buch veröffentlichen.

Im Herbst ’15 hier die große Erkenntnis: Immer nur davon reden, mal ein Buch zu schreiben, bringt mich dem Buch keinen Schritt näher. Im ersten Thailandurlaub habe ich Gretchen Rubins „The Happiness Project“ gelesen (Leseempfehlung! Macht Spass, ist schön geschrieben und regt an, mehr aus dem Alltag rauszuholen) und wurde an etwas erinnert, das ich schon seit Jahren vor mir her geschoben habe – den NaNoWriMo. Jeden November findet der National Novel Writing Month statt (aufmerksame Blog-Leser haben im April das NaNo Camp mitbekommen, zu dessen Anlass ich jeden Tag im April einen Beitrag geschrieben habe). Mittlerweile auch international. Das Prinzip: Findige Amis haben bei ein paar Bier gedacht: Mensch, so einen kurzen Roman müsste man doch in einem Monat schreiben können. Nehmen wir „The Great Gatsby“, circa 50000 Wörter – geteilt durch 30 Tage (der November bietet sich mit seinen 30 Tagen an, nasskalt, das Weihnachtschaos ist noch weit genug weg und in den kürzer werdenden Tagen fährt meist das Freizeitleben etwas runter) ergibt 1667 Wörter die pro Tag geschrieben werden müssen. Klingt nicht viel, oder? Für Schnell-Tipper (zu denen ich mich zum Glück zählen darf!) sind das, wenn man weiß, worüber man akut schreiben möchte, circa 1,5 Stunden, ohne Bearbeitung. Mal mehr, manchmal auch weniger, wenn man gerade in der Zone ist.

Schon seit Jahren wollte ich diesem Spektakel mal beiwohnen und sehen, was ich so aus mir rausholen kann – aber Studium oder Arbeit haben mich doch immer abgehalten – bei öfters anfallenden 16 Stunden Tagen bleiben meist nicht mal fünf Minuten, und in den nächsten ein-zwei Tagen geht jede freie Minute zum Energie tanken drauf, da ist so ein Projekt von vorn herein zum scheitern verurteilt. Und sich zusätzlich demotivieren mit etwas, das einem eigentlich Spaß machen sollte, muss ja nicht sein.

Aber jetzt, die ultimative Chance! Noch im Urlaub (das war Anfang Oktober 2015) ist mir eine Idee zu einer Geschichte gekommen und ich habe beschlossen, mich anzumelden (es kostet nichts, man kann nichts gewinnen oder verlieren, außer Stolz und Ehre – und Ermäßigungen für Autorenkram und neue Freunde). Ich habe geplottet (sprich: mir meine Geschichte überlegt, Kernszenen, Charaktere, Setting, usw.) und brav bis zum 31.10. gewartet um Punkt Mitternacht am 01.11.15 meine allererste Szene zu schreiben. Set the scene:

Eine kalte Novembernacht, eine Brücke in New York, ein trauriger Mann, Jon, der seinem Leben ein Ende setzen möchte. Wie aus dem Nichts erscheint eine kleine brünette Frau und spricht ihn an. Ihr muss wohl recht klar gewesen sein, was Sache ist, ist ja nicht zu übersehen. Und zum Glück ist sie, Sarah, keine, die einfach weiter geht und denkt „geht mich nichts an, so lange ich nicht hin schaue, bin ich fein raus“. Sarah möchte reden. ‚Er könne ja immer noch später seinen Plan umsetzen,‘ erklärt sie. Dass Jon nicht ganz bei Trost ist, zu diesem Zeitpunkt, brauche ich wohl kaum zu erwähnen – und plötzlich ist sein ganz einfacher Plan durcheinander gebracht. Durcheinander ist er auch – und so beginnt die Geschichte von Jon und seinem Weg zum Glück.

Diese Szene hatte ich zu dem Zeitpunkt schon so oft in meinem Kopf durchgespielt, dass die ersten 1000 Worte in Rekordzeit auf dem Papier waren und ich glücklich ins Bett gehen konnte. Der erste physische Schritt zu dem Ziel, „irgendwann mal“, ein Buch zu schreiben, ward gegangen. Zum Austausch und um das nicht allein machen zu müssen, habe ich über das NaNoWriMo Forum ein paar andere Jungautoren in Deutschland kennengelernt und bin einer Whats-App Gruppe beigetreten. So viele Menschen mit dem gleichen Ziel, manche schon mit veröffentlichten Büchern, manche die nur so für sich schreiben aber alle auf dem gleichen Weg. Mit einigen hat sich großartiger Austausch ergeben, gemeinsam besprechen wir unsere Geschichten, evaluieren Textstellen, lesen gegenseitig Korrektur, teilen Tipps und Erfahrungen und machen uns Mut.

Die 50000 Wörter habe ich (zusammen mit meiner neu gefundenen Schreibpartnerin Tessa, die an einem großartiges YA/Urban Fantasy Werk schreibt, bzw mittlerweile auch schon die Vorveröffentlichungs-Politur aufträgt) am 20.11.15 geknackt. Doch mein Buch, das momentan den Arbeitstitel Happiness for the lost soul trägt, war noch nicht ganz fertig. Zwischendurch habe ich noch eine kleine Novelle geschrieben und selbst verlegt, es gibt aber „nur“ zwei exklusive Ausgaben von Heartbeats.

Vorspulen bis heute. Warum erzähle ich das alles *erst* jetzt? Oder überhaupt? Bisher hat sich diese ganze Buchgeschichte sehr surreal angefühlt. Der einzige, der von Anfang an der Meinung war, dass ich gerade einen Bestseller schreibe, ist Nic (und ich bin ihm unendlich dankbar für seine Unterstützung, auch wenn es manchmal etwas beängstigend ist, was für eine Erwartungshaltung er an Happiness, wie ich es abgekürzt nenne, hat). Ich wollte einfach nur diese Geschichte erzählen. Und während des Schreibens sind magische Dinge passiert, Jon und Sarah sind in meiner Geschichte zum Leben erwacht, haben sich weiterentwickelt, haben plötzlich Dinge getan, von denen ich nicht einmal wußte, dass sie passieren würden, bis sie auf dem Papier standen. Es gab wunderschöne Momente, zB letzten August, als im Mietwagen auf dem Weg von Erlangen zu unseren Familien aus dem Radio „Empire State of Mind Pt.2“ von Alicia Keys lief (das, nein, mein New York Lied…). Zu dem Zeitpunkt hing ich irgendwie in meiner Überarbeitung fest, irgendwas gefiel mir nicht und ich wußte aber nicht mal wo ich Änderungen ansetzen sollte. Plötzlich fielen die Puzzleteile in richtiger Reihenfolge in meinem Kopf zusammen und das Bild war da: New York City funktioniert als Setting gar nicht. Und außerdem wäre es viel stärker, wenn die Geschichte nicht rein aus Jon’s Sicht erzählt würde, sondern zwischendurch andere Elemente erklärt werden können (seine Familie, äußere Umstände und so weiter). Ich setzte mich wieder frisch motiviert „ans Reissbrett“ und plante um, dachte mir eine fiktive Stadt upstate New York aus, änderte Schauplätze, fügte Szene aus der Dritten-Person-Perspektive ein.

Eines meiner last minute Ziele im Dezember war, das zweite Manuskript fertig zu bekommen. Das war dann insgesamt eine doppelte Überarbeitung des Projekts, Rechtschreibung, Übersetzungsfehler und Logiküberprüfung (was der kleinere Teil war), sowie eine komplette Überarbeitung der Geschichte (Szenen ändern; circa 11 Prozent Plot, hauptsächlich unnützes Geplänkel, das Geschwindigkeit rausnimmt, gelöscht; sowie einfügen der neuen Szenen). Bevor ich mich an den großen Teil gesetzt habe, habe ich allen Mut zusammen gefasst und einigen Freunden die ersten fünf Szenen zum Lesen gegeben. Um zu verstehen:

  • Funktioniert die Geschichte überhaupt?
  • Passt mein sprachliches Niveau?
  • Ist mein Sprachstil (ich schreibe den Roman auf English, weil es mir darin oft leichter fällt, mich schön auszudrücken. Für Deutsch bräuchte ich da viel mehr Mühe, dass es in meinen Ohren so klingt wie ich es möchte, einfach weil es eine anspruchsvollere Sprache ist) gut und flüssig genug?
  • Und, die wichtigste aller Fragen: Ist die Geschichte von Jon so interessant, dass meine Testleser gerne wissen würden, wie es ausgeht – und demnach weiter lesen wollen?

Sonst hätte ich ja schon während der Überarbeitung grundsätzliche Dinge ändern müssen. Das Feedback, das ich bisher bekommen habe, war zum Glück ungemein ermutigend, es motiviert total, zu hören, dass Freunde Werbung für einen machen möchten und das Buch im Ladenregal sehen möchten. Nic (der als einziger der drei Testleser – die schon gelesen haben – die komplette Geschichte, inklusive Ende, schon kennt, weil ich immer mal wieder mit ihm überlegt habe, Szenen durchgegangen bin oder ihn am Prozess habe teilhaben lassen) pusht das ganze jetzt noch mehr und unterstützt meine Bemühungen das Buch fertig zu bekommen.  Am 30.12.16 habe ich eine Datei mit dem Namen „Happiness for the lost soul_second draft“ gespeichert und in fünf Varianten gesichert (Autorenparanoia!). Jetzt geht es an das finale Polieren, derweil ich schon alles für eine Bewerbung auf dem Buchmarkt vorbereiten kann (um ein (nicht-Sachbuch, das unterscheidet sich etwas) Buch zu verkaufen, muss man quasi ein richtiges Bewerbungsschreiben schreiben. Wenn das nicht bis aufs letzte Wort und Komma poliert und auf den Punkt ist, kann man es gleich vergessen. Durchschnittlich bekommen die Agenten pro Woche zwischen 50 und 100 „Bewerbungen“ zugeschickt, da gilt es durch Geschichte, sprachliche Fähigkeiten und Persönlichkeit herauszustechen). Für den Fall, dass Happiness nicht unter Vertrag genommen wird (was nicht unbedingt heißt, dass es schlecht ist, oder nicht veröffentlichungswürdig), wird es über die gängigen eBook Portale und im Selbstverlag verfügbar gemacht werden (und das vermutlich schneller als bei klassischer Veröffentlichung).

Hier ein paar Fakten:

  • Genre: Literary Fiction (in Deutschland wäre es wohl unter Belletristik zu finden)
  • kein: Romance, Krimi, Thriller, Horror, Jugend, Historisch, Fantasy
  • Leitmotive: Freundschaft, Achtsamkeit, Emanzipation und Weiterentwicklung, bisschen Buddhismus und Religionskonflikt, Familie
  • Länge: momentan ca 74000 Worte, etwa 350 Taschenbuchseiten
  • Erzählstil: erste Person Präsens, durchzogen von kurzen Szenen in dritter Person Präsens (wer z.B. Sebastian Fitzek Thriller gelesen hat, versteht das Prinzip)
  • gewünschter Buchmarkt: UK (der Buchmarkt schlechthin, würde ich sagen. Vor Weihnachten 2016 waren die Zahlen verkaufter Bücher so hoch wie seit 10 Jahren nicht! Und die Agenturen-Dichte ist überwältigend)
  • gewünschte Veröffentlichung: von einer tollen Agentur unter Vertrag bei einem schönen Verlag klassisch veröffentlicht (man wird ja wohl mal träumen dürfen…)

Falls ihr Fragen zu dem Schreiben oder dem Buch habt, schreibt die doch in einen Kommentar :) Bis hier sind es gerade übrigens knapp 1700 Wörter, also ca eine Tageseinheit im NaNo-November – falls ihr da auch mal gerne mitmachen würdet, oder mehr fragen dazu habt: Schreibt auch hier gerne einen Kommentar. Und, die finale Frage: Hättet ihr gerne ein Banzai Auswanderer-Buch auf dem deutschen Buchmarkt?

Fazit: Auf die Frage „Was machst Du hier“ mit „Ich arbeite gerade auf die Veröffentlichung meines ersten kommerziellen Romans hin“ zu antworten, ist ein klasse Gesprächseinstieg, sehr viel befriedigender für das eigene Wertempfinden und ich habe noch niemanden getroffen, der es nicht spannend fand. Dass ich hier noch weit mehr mache (mich weiterbilde, soziale Gruppen, …), kann man ja später im Gespräch erwähnen. Und unter dem Strich, bleibe ich natürlich auch die Taitai, das ist schon in Ordnung so. Es gibt nur eben noch viel mehr zu erzählen… ;)

 Überarbeitungsnotizbuch :)  Das fertige zweite Manuskript

Winter is coming

Dieser Oktober geht als einer der vier nassesten Oktober seit dem Start der Wetteraufzeichnungen in die Geschichte ein.

Dabei hilft es dann auch nicht, dass die Temperaturen deutlich unter denen von letztem Jahr liegen (als wir bei strahlendem Sonnenschein und gefühlt 30°C am Südbund joggen waren – über das Wochenende hatten wir gerade noch 15°C tagsüber).

Es war ja klar, dass der Winter kommt und ich bin erklärter Sommermensch. Aber der Winter in Shanghai  bringt für mich drei Unannehmlichkeiten mit:

  1. Es hieß immer, hier wäre es viel wärmer als in Deutschland (zur Erinnerung: wir liegen geographisch auf Höhe von Alexandria in Ägypten, es ist also nicht so undenkbar) – stimmt aber nicht so wirklich. Im Januar hatten wir sogar -9°C.
  2. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind wie überall viel zu warm für Jacken – man fängt also in der U-Bahnstation oder dem Bus unmittelbar nach dem Betreten mit Schwitzen an.
  3. Die Shanghaier Temperaturen sind nicht mit den gewöhnten mitteleuropäischen Temperaturen gleichzusetzen. Im Sommer werden 30°C gleich zu gefühlten 40°C und mehr, dank hoher Luftfeuchtigkeit und Großstadt. Im Herbst sind aber auch 15°C nicht gleichzusetzen mit den 15°C die wir in Franken erleben – denn der kalte Meereswind kriecht in alle Ritzen und Ecken und macht es ungemütlich. Nicht von Vorteil, wenn man unter der Jacke verschwitzt ist (siehe Punkt 2). Ich möchte bitte wieder Sommer…!

Aber genug über das Wetter gejammert (so was von deutsch…!!). Der Jahresendspurt geht los, wir haben noch viele Ziele und To-Do’s und Shanghai erweist sich immer wieder als eine der besten Städte der Welt! Heute ist Halloween und wir waren ganz unbedacht am Samstag unverkleidet Essen – als fast die Einizigen. Nächstes Jahr müssen unbedingt Kostüme her, Halloween mausert sich hier, nicht zuletzt dank großer Expat Gemeinschaft und der Lust der Einheimischen an amerikanischen Feiertagen, zur Institution. Es gibt Schlimmeres ;)

 Herbstnebel

 Noch nicht gebloggt, aber oft bewundert: Schön Lila/Türkis beleuchtetes Hochhaus in unserem Viertel Jahrestagsessen  Geräuschaktivierter Kürbis im Supermarkt… Nächstes Jahr möchte ich selbst schnitzen!

Ankündigung

Schon ganz bald wird es hier wieder lauter. Und zwar in Form eines Reiseblogs. In welchen Intervallen, wann genau und wieviel wir dabei bloggen können, können wir noch nicht absehen. Aber es wird kommen und es wird bunt :)

Fotos, Versuch x

 Lujiazui ohne Hochhäuser… …und mit (und mit uns)Mamaoyay, öffentliche VerkehrsmittelIm Qibao Tempel Haben auch jeder ein „kleines“ Kerzchen angezündet Teehaus in Old Shanghai mit Shanghai Tower im Hintergrund Ein schöner Abend im Petit Canard Im Jing’an Tempel Tempel und Großstadtleben Mum und die Hochhäuser Muttertagsfrühstück :)

Zu viel los…

… um alles zu schreiben was wir so sehen und erleben. Ein paar Bildchen müssen für’s erste reichen :)

 St.Josephs Kirche mit tanzenden Paaren in der Hauptstadt Selbsterklärend, oder?  Sommerpalast in Beijing Ein Terrakotta Bogenschütze
Jetzt sind wir zu dritt auf dem Weg zu einer weiteren Grabstätte (aber unbekannter als die große Terrakotta-Armee, die wir gestern besichtigt haben) und danach wieder nach Hause. 

Ich freu mich schon drauf, euch ausführlich von unseren ganzen Abenteuern zu erzählen.

1. Mai Nachbericht: Auf der Mauer, auf der Lauer…

Endlich noch der Rückblick zu unserer ersten 01.Mai-Wanderung in China.

Nachdem wir gut und ziemlich pünktlich in Beijing gelandet sind, ging es mit dem Airport-Shuttle (auch eine Metro) zum Transportzentrum, wo wir erst einmal, belagert von zig Taxifahrer die einem ihre Angebote entgegenschleudern, inmitten von hunderten von Chinesen auf den Bus nach Miyun gewartet haben. Die Schlangenführung war sehr außergewöhnlich, aber dabei sehr ausgeklügelt – der Platz wurde perfekt für die maximale Anzahl an Wartenden genutzt. Nur ging das Geschlängele echt ewig.

Im Bus hatten wir sogar 5 Plätze für uns, das heißt, dass wir diesmal nicht mit unseren Rucksäcken auf den, dann irgendwann kribbelnden, Beinen die komplette Busfahrt überstehen mussten.

In Miyun angekommen, warteten wir bei hohen Temperaturen und noch höherem Pollenflug eine halbe Ewigkeit an der Linienbushaltestelle auf Bus#25. Der Erste winkte vollbesetzt nur müde ab, und dann kam nichts mehr. Nach einer gewissen Wartezeit und insgesamt schon knapp zweistelliger Anzahl Taxifahrer, die uns ihre Dienste anboten, waren wir zermürbt und verhandelten dann also lang genug mit einem Fahrer und ließen uns schließlich, behangen mit Unmengen von Pollen und Fusseln und Straßendreck, nach Gubeikou bringen.

Gubeikou diente eigentlich nur als Startpunkt unserer Wanderung, ich muss aber gestehen, dass ich den Ort schon sehr schnuckelig fand, erst Recht wenn ich die Erfahrung und die Optik mit Tangkou (als Startpunkt unserer Huangshan-Wanderung) vergleiche. Die Menschen waren sehr freundlich und überhaupt nicht aufdringlich, ganz im Gegenteil. Und wir fanden sogar noch unseren typischen Spieße-Grill, was will man mehr?

Am ersten Mai ging es dann um 8 Uhr für uns los. Die Wettervorhersage war schon erbarmungslos, 30-34°Grad mit Sonne wurden je nach Anbieter postuliert. Der Start der Wanderung in Gubeikou kann entweder hart und schön oder weich und unspektakulär erfolgen, wir entschieden uns für hart. Immer höher und weiter stiegen wir durch Büsche auf recht sandigen, schmalen Pfaden zum Grat des Hügels, auf dem die Mauer verläuft, auf. Dort oben, abseits der Zivilisation, die man aber noch hören und sehen kann, liegen die ersten Ruinen des prächtigen Bauwerks. Je weiter wir uns aber unserem heutigen Ziel, Jinshanling, nähern, desto mehr wird von der Mauer noch übrig sein, bis sie dann in Jinshanling vollständig restauriert in ihrer früheren Pracht steht.

Auch die Ruinen sind schon sehr beeindruckend, aber erst beim Anblick der restaurierten Mauer wird einem das Ausmaß dieses Bollwerks bewusst. Ob George R.R. Martin wohl hier im Norden Chinas war und sich hat inspirieren lassen??

Schon im 7.Jahrhundert vor Christus wurde mit dem Bau begonnen (als Ziel: China vor den Reitervölkern im Norden beschützen), wobei die bekannten Teile erst zu den uns schon so bekannten Qing- und Ming Dynastien erbaut wurden. Schon deutlich früher waren die Staatsoberhäupter von dem Plan abgekommen, die Mauer in Tälern zu errichten und so stehen heute die Überreste des größten Bauwerks der Welt auf den Kämmen. Unzählige Wach- und Signaltürme (Ob J.R.R. Tolkien wohl hier war? Ich musste auch sofort an die Leuchtfeuer von Gondor und Rohan denken) ermöglichen bei guter Sicht einen Blick über die Ländereien und heranstürmende Heere können schon früh entdeckt werden. Große Teile der Mauer sind heute komplett verfallen, wurden von den umliegend Dörfern als Steinquelle genutzt oder eingerissen (seit 2008 hat die Unesco da mit dem Weltkulturerbe-Status den dringend nötigen Schutz drüber gelegt) und werden jetzt kostenaufwändig zum Teil restauriert, zum Teil erhalten.

Der erste Mai war jedenfall extrem heiss und die Landschaft war staubig und wirkte teils karg. Über die erste Zeit sind uns gar keine Menschen begegnet und nur der Blick auf die Straße und die Geräusche von Böllern und Hupen, das von den Straßen herdrang hat uns wissen lassen, dass da noch irgendwo Zivilisation wartet. Etwa sieben Stunden wanderten wir letztlich auf der Mauer bis Jinshanling, immer wieder Hügel hinauf, Hügel hinunter. Zwischendurch mussten wir ein Militärsperrgebiet umgehen, was uns aber eine kleine Pause bei einem pfiffigen Bauern bescherte, der kühle Getränke (die Amis nach uns haben zu den Bierdosen gegriffen) und Snacks anbot. Endlich mal die Körpertemperatur runterfahren und wieder auf überleben-ermöglichende Zustände kommen.

Für alles weitere der Erzählung vom ersten Tag auf der Mauer lasse ich jetzt mal die Bilder sprechen, die sagen in dem Fall doch mehr als tausend Worte!

Abendstimmung in 古北口

  Sonnenuntergang Erlanger Tempel? Steinweg über den Bach Abendessen ;) unser „Taxi“ Blick auf Gubeikou Und in die andere Richtung Start der Wanderung Und das soll jetzt ein Weg sein? Noch voll motiviert – aber man sieht uns die hohen Temperaturen schon an Steil hinauf! Na, das sieht doch schon eher wie Reste der Chinesischen Mauer aus Bäume wachsen zwischen den verfallenen Teilen der Mauer… … die im absoluten Nichts steht. Immer dem Weg folgend Meine drei Musketiere Mal kurz ein bisschen den Schatten zum auskühlen nutzen Hügel hinter Hügel schlängelt sich die Mauer mit ihren Signaltürmen Beim Umgehen des Sperrgebiets, immer die Mauer im Blick Unser Ranger Waren doch noch ein paar andere Menschen da. Die waren leider auch ganz schön laut… Am warten, ob die anderen endlich weiter ziehen und es für uns ruhiger wird Hier sieht man schon: Wir nähern uns dem Ziel, die Mauer ist stark restauriert Mal wieder so viele Stufen… Unglaublich, welche Distanzen sich die Mauer auf den Hügelrücken hoch und runter schlängelt Zu guter Letzt sind wir in Jinshanling

April: nicht nur Blog-Monat (27.04.16 -Tag27-)

Nein, unser April ist auch noch Reisemonate.

Der erste Mai ist auch hier Tag der Arbeit, nur mit der Besonderheit, dass wenn er auf einen Sonntag fällt, er dann am Montag „nachgeholt“ wird.

Eben kommen wir von Planungsabend mit Dani zurück – für uns ist alles vorbereitet und gebucht. Samstag früh geht’s los, Montag Nacht kommen wir zurück. Sonntag, am 01.05., wandern wir – typisch Deutsch. Dort wo wir hingehen sind ca. 34 Grad vorhergesagt (in Shanghai „nur“ 24 Grad) und unsere Route sind sieben Stunden plus. Das wird lustig. Ich freu mich jedenfalls schon tierisch. Und danach muss ich mal das Blog auf Vordermann bringen, was unsere beiden Unterseiten mit den Reisen angeht. Endlich mal die ganzen Berichte sauber einordnen! 

Am Samstag verrate ich euch dann auch wo wir sind, wo wir wandern werden und wie es so ist. Das ein oder andere Foto gibt’s bestimmt auch. Erst Recht dann am Sonntag oder Montag – auch wenn da Mai ist und ich den selbstgestrickten Bloggermonat überstanden habe.