Hallo und Willkommen

an alle meinen treuen Leser, die ab und an hier rein schauen oder (auch ganz DGSVO konform) eine Benachrichtigungsmail bekommen.

Hab’s ja ganz schön schleifen lassen. Eine meiner persönlichen Erklärungen ist, China und Shanghai war das große Abenteuer und hinter jeder Ecke hat der nächste Knaller-Blogbeitrag gelauert – Japan ist im Vergleich „langweilig“. Aber auch schön, geordnet, kultiviert, freundlich und höflich, hochentwickelt. Trotz allem gäbe es hier so viel zu berichten und ich habe in meinem Bulletjournal eine ellenlange Liste an Beiträgen, die ich bloggen möchte. Jetzt muss ich sie also nur noch schreiben ;) Heute nutze ich mal die lästige Regenzeit und zeige euch ein paar Bilder.

Ganz oben steht mein Happy Place vom Weihnachtsurlaub, aber nachdem dieser besondere Ort mehr Zeit und Umfang braucht, muss das noch mal hinten anstehen.

Trotzdem geht’s heute um Urlaub. Wir haben’s getan. Wir waren „schon wieder“ im Urlaub. Ich habe während des Urlaubs und danach schon an einem langen Beitrag zum Thema „Wie, ihr geht schon wieder in den Urlaub?“ geschrieben, ausgefeilt und letztlich verworfen. Ich habe keine Lust, mich zu rechtfertigen. Reisen ist unser liebstes Hobby und das wird sich in naher Zukunft nicht ändern, egal wo wir wohnen, egal ob das Ziel 30 km entfernt ist oder 3000 km oder mehr – wenn wir es sehen wollen, werden wir es uns ansehen gehen. Und gegebenenfalls danach darüber bloggen – schließlich gibt es hier ja zum Glück Leser, die es interessiert und sich darüber freuen. „Aber ihr tut immer so auf Umweltschutz und dann in den Urlaub fliegen, pffft, findest Du das nicht scheinheilig?“ Auch dazu habe ich keine große Lust mich zu rechtfertigen, erst Recht nicht hier. Das Thema ist so viel komplexer als dass ich das in diesem Umfang könnte. Ich sage nur so viel: es ist ein konstantes Gesprächsthema bei uns, wir bauen den Umweltschutz aktiv in die Urlaubsplanung (oder, falls nicht möglich, danach in Form von Unterstützung für würdige Organisationen) ein und können für uns sagen, dass wir unseren Weg gefunden haben. Ich stimme dem Zitat von Hans Magnus Enzensberger bedingt zu:

Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet.

Aber unser letzter Urlaub hat eben auch gezeigt, dass Nichttourismus dem Naturschutz unter Umständen keinen Gefallen tut. Unsere Devise also: Die Umsetzung macht es. Danach handeln wir.

Aktuell (bzw im Mai, als zum Kaiserwechsel eine doppelte Golden Week tolle Urlaubstage beschert hat) waren wir also in Malaysia. Genauer, im Bundesstaat Sabah, auf Borneo. Das war schon lange ein Traumziel. Ich möchte jetzt hier nicht groß und breit auf Palmöl, Regenwald-Abholzung, Aussterben von Tieren und Co eingehen (weil dieser Beitrag dem Rahmen nicht gerecht würde. Aber wer weiß, vielleicht wann anders mehr dazu… Es ist ein brandaktuelles Thema das uns auch sehr ans Herz geht). Stattdessen zum Abrunden und Wiedereinstieg in den Blog hier ein paar meiner fotografischen Highlights:

DSC_6161 Proboscis Affen (Nasenaffen, Nasalis larvatus), hier eine Familie. Diese besteht aus einem Alphamännchen, seinem Harem und den Kindern.

DSC_6274  Das ist das zugehörige Alpha-Männchen. Fun fact: Nasenaffen können 24 Stunden Erektionen halten. Rein zur Fortpflanzung, allerdings.

DSC_6175 Longtail Macaques (Krabbenesser, Macaca fascicularis) Vor denen hab ich einen Heidenrespekt. Kleine garstige Äffchen, aber komischerweise wenn sie nicht an Menschen gewöhnt und angefüttert sind, sogar recht niedlich.

DSC_6293 Nasenaffen haben Lieblingsbäume. Quasi das Delikatessen all-you-can-eat Buffett unter den Bäumen. Die werden dann abgegrast bis nichts mehr da ist, wie hier abgebildet. Mehr Affen als Blätter am Baum… dem Baum macht das zum Glück nichts, er erholt sich vollständig… bis zum nächsten Gelage.

DSC_6322 Sonnenuntergang über dem Kinabatangan Fluss. Ein, trotz anliegender Palmölplantagen, sensationeller Flecken Erde.

DSC_6351  Rhinoceros Hornbill (Rhinozerosvogel, Buceros rhinoceros), einer der größten Vertreter der Nashornvögel. Ich habe eine Schwäche für alle Nashornvögel und die Sichtungen waren einfach alle ein Traum.

DSC_6402 Keine Safari ohne „Kill“: Zufälliges Glück, gerade ein Foto von einer Gottesanbeterin (wissenschaftlicher Name ist mir nicht bekannt – es gibt sehr viele Unterfamilien in Borneo und weltweit) machen wollen, als vor ihr die arme Wespe auf dem Blatt gelandet ist. Wir haben hier in Japan ja auch Gottesanbeterinnen, aber ich hab noch nie eine gesehen, die sich so schnell bewegt (mit dem Makro draufzuhalten hat vermutlich nicht geholfen, wobei, für das Bild schon).

DSC_6433  Ein wunderhübscher Lemur (Malaien-Gleitflieger, Cynocephalus variegatus) Direkt hinter der Terrasse der Sukau Rainforest Lodge, was für ein Glück.

DSC_6501 Wo wir schon von Glück sprechen… das seltenste Tier, das ich je in freier Wildbahn gesehen habe, ein Storm’s Stork (Höckerstorch, Ciconia stormi). Nach einem tropischen Regenguss auf dem Weg zurück zur Lodge wurde unsere Naturführerin Shahniza plötzlich sehr aufgeregt. Wild auf den Storch zeigend, erklärte sie uns (unbeeindruckter Truppe), dass das der seltenste Storch der Welt ist. Im panischen Kramen nach den (von dem Regen verstauten) Kameras ging die Hausnummer von geschätzt 250-500 Individuen weltweit fast unter. Unser eigentlicher Guide, Nexter, war abends sehr begeistert, wollte es uns aber auch erst so recht glauben, bis wir ihm das Bild gezeigt haben. Vor kurzem war eine dreiköpfige Gruppe extra zur Lodge gereist und hat sich über Tage hinweg fies Sonnenbrand auf der Lauer nach dem Höckerstorch eingefangen. Enttäuscht mussten sie damals ohne Sichtung wieder abreisen – und auf uns hat einer, einfach so, in erster Reihe gewartet.

DSC_6575 Der zweithäufigste Nashornvogel in Borneo: Asian Black Hornbill (Malaien-Hornvogel Anthracoceros malayanus) – trotzdem sehr hübsch :)

DSC_6831 Ein großer Waran (Varanus salvator) am Ufer. Irgendwann schauen wir uns auch mal die großen „Verwandten“ in Indonesien an…

DSC_6925 Die Schmetterlinge von Borneo hatten mir es fast so sehr wie die Hornvögel angetan – sie sind nur auch viel schwerer zu fotografieren. Nic musste Stunden mit mir auf dem Naturpfad verbringen um ein paar Bilder zu schießen – und nicht mal 0,1% davon sind vorzeigbar…

DSC_6952 Perfekt getarnt – und ich muss es hier mal festhalten: ich liebe dieses 70-300mm Teleobjektiv (mit Makro), das mir Nic vor Jahren geschenkt hat! Jetzt möchte ich noch mal auf Safari nach Südafrika ;)

DSC_7013 Eine der eindrücklichsten Begegnungen am Kinabatangan. Kurz vor Betreten der Gomantong Höhle sichteten wir diese Orang-Utan (Pongo pygmaeus) Mutter mit ihrem circa 6-9 Monate alten Baby (unter ihrem Kinn linst es hervor). Kurz darauf, kam auch ihr Erstgeborener, ein Männchen das mit seinen 6-7 Jahren schon fast flügge ist. Achtung, jetzt kommt Orang-Utan Babyspam (aber die Orang-Utans waren auch der Anlass für unsere Reise, und dieser Moment ist definitiv eines der Highlights – ich werde ihn niemals vergessen)

DSC_7194 Guck guck…

DSC_7262 Wahnsinn wie entspannt die Mutter in unserer Gegenwart ist. Schön zu sehen, dass die Orang-Utan Mama dieses Vertrauen in uns hatte.

DSC_7266 Sogar mit Blick direkt ins Herz (oder das Objektiv. Aber ihr wisst, was ich meine).

DSC_7302 Daumenlutschen gibt es auch im Menschenaffen-Reich.

DSC_7344 Ebenso wie auf den Eltern rumklettern…

DSC_7385 Und hier noch der fast ausgewachsene Sohnemann. Er kam ein wenig später und scheint schon recht eigenständig zu sein. Es ist nicht unüblich, dass Orang-Utans zwei Kinder bei sich haben, vor allem da die Söhne immer ein bisschen länger brauchen bis sie sich von der Mama lösen (circa 7 Jahre, im Vergleich zu etwa 5-6 Jahren bei den Töchtern – die aber ihr Revier oft in der Nähe der Mütter etablieren). Was die Fortpflanzung angeht, läuft das alles übrigens sehr ähnlich wie beim Menschen, aber wir haben ja auch zu 96,7% identische DNA. Der Zyklus dauert 28 Tage, die Tragezeit ca. 9 Monate. Ein Weibchen wird zwar mit 7 geschlechtsreif, pflanzt sich aber erst mit 14 Jahren wirklich fort. Bei einer Lebenserwartung (im Idealfall) von 50 Jahren trägt ein Weibchen oft 2-3 Nachkommen zu ihrer Lebzeit aus. In Gefangenschaft werden die Tiere übrigens bis zu zehn Jahre älter, treten aber mit ca. 48 Jahren in die Menopause ein.

DSC_7429 Giant Cave Centipede (Hundertfüßler Thereuopoda longicornis, früher Scutigera decipiens), die ältesten giftigen Tiere, aus entwicklungsgeschichtlicher Sicht. Ihr Gift ist für gesunde Menschen nicht tödlich, aber extrem unangenehm und führt über Wochen zu höllischen Schmerzen die von der Bissstelle in den ganzen Körper strahlen. Wir haben uns tunlichst davor gehütet, auch nur in die Nähe zu kommen (die Aufnahme ist mit 300mm gemacht worden). In Japan haben wir übrigens auch Hundertfüßler (allerdings keine mit langen Beinen) und die sind auch sehr garstig. Ich halte mich weit fern und Nic entfernt sie auch mit äußerstem Respekt aus unserer Garage. Manchmal mit einem Besen als „Minigolfschläger“…

DSC_7735 Eine nächste Sichtung der Art „nur einmal im Leben“. Diesmal im Urwald von Danum Valley, von dem ich euch nächstes Mal noch mehr berichten möchte. Unser Guide Tommy dachte erst, es wäre ein einfaches Hörnchen. Ich habe ehrlich gesagt so gar nichts gesehen und mit dem Tele einfach auf die Stelle am Baum gehalten, die er angezeigt hat. Nach dem Reinzoomen wollte Tommy aber gleich ein Foto vom Display machen um es den Kollegen zu zeigen – zuletzt hatte er so einen Marder ein Jahr zuvor gesehen und sie sind wohl recht selten (weil scheu und gut getarnt).

DSC_7764  Ein Hirschkäfer der in der Lodge entspannt. Sehr fotogen, extrem langsam.

DSC_7823 Beim Nachtspaziergang am Teich. Ich erspare euch den Frosch-Spam, aber die sind auch einfach so toll zu fotografieren.

DSC_6014 Zu Beginn der Safari führt der erste Weg in das Orang-Utan Rehabilitierungszentrum in Sandakan. So wird schon mal der Druck weggenommen, die Tiere sehen zu „müssen“. Zur Fütterungszeit um 10 sieht man sicher welche und wenn man Glück hat sogar welche aus der Nähe. Das Zentrum ist zum Wald hin offen und die ausgewilderten Tiere können sich frei bewegen. Auch wenn sie von den Menschen entwöhnt werden, steht es ihnen frei, sich dort ihre Nahrung ein bisschen aufzubessern. Für die Initiatoren ist es natürlich am tollsten wenn nach langer Zeit ein ausgewildertes Weibchen zurückkehrt um für sich und den frischen Nachwuchs die Nahrung aufbessern. Zur Fütterung wird aber immer nur die gleiche „langweilige Mischung“ gegeben, um sicher zu stellen, dass die Tiere im Wald nach den richtigen Leckerbissen suchen und überlebensfähig werden.

Dieses Weibchen heisst Wulan, Jahrgang 2008 und hat ein Faible für Touristen. Ganz unschuldig setzt sie sich gerne an den Weg, schaut lieb und treu – und wenn man ihr zu Nahe kommt ist ganz schnell die Kamera oder der Hut weg… oder schlimmeres (Orang-Utans sind sieben Mal stärker als Menschen). Unser Guide Nexter war aber ein echtes Juwel, er hat uns nicht nur nachhaltig die Natur näher gebracht, sondern auch allzeit vor allen Gefahren gewarnt und acht gegeben. (Wie alle unserer Naturführer. Wir haben die Safari mit Borneo Eco Tours gemacht und können den Anbieter nur empfehlen. Ich denke, nicht umsonst werden sie von National Geographic unterstützt und haben hochkarätige Gäste mit Naturschutz-Interesse wie, neben anderen, David Attenborough. Seine Borneo Doku wurde auf dem Kinabatangan gedreht, sein damaliges Boot ist nun auf der Terrasse als Tisch für das Buffett umfunktioniert. Die Höhle in die er sich abseilt ist die oben erwähnte Gomantong Höhle. Viel Spass beim Schauen :)) (Disclaimer: Dieser Beitrag beinhaltet keine bezahlte Werbung, alle Namensnennung sind freiwillig und aus der vollen Überzeugung, etwas Hochwertiges, Nachhaltiges zu empfehlen.)

DSC_5928 Zu guter Letzt noch ein anderes Bild vom ersten Teil der Reise, im Nordwesten von Sabah, auf der Insel Gaia vor Kota Kinabalu. Auf der „möchte ich unbedingt mal fotografieren“ Liste von mir stand „Kolibri im Flug“ ganz weit oben. Ich kann immer noch nicht glauben, dass mir dieser Glückstreffer gelungen ist – auch wenn der Kolibri nicht dekorativ vor der Blüte schwebt, sondern darüber. Wenn ihr reinzoomt könnt ihr auch die kleine Fliege rechts der Blüte bewundern.

Zu Hause

ist ein lustiges Wort. Wenn man jung ist umfasst es zumeist genau einen Ort: den, an dem man aufwächst (oder in Nics Fall: an dem man aufgewachsen ist). Mit der Zeit (und unserem Lebensstil) kommen da aber neue Orte dazu, an denen man sich zu Hause fühlt. Wo man ankommt, sich auskennt, Emotionen aufkommen, Menschen leben die man gern hat und Wiedersehen möchte, Lieblingsorte sind. Kurz: wo man mal angekommen war und bei jeder Rückkehr direkt wieder ankommt.

Aktuell bin ich überwältigt davon und mir fehlen die Worte um es euch zu beschreiben. Mit all ihrem Chaos, Lautstärke, Dreck ist das hier eine der besten Städte der Welt für mich und ich bin gerade einfach glücklich, nach einem Jahr wieder hier zu sein.

Tag der Alten… es wird Herbst

Irgendwie ist das auch treffend metaphorisch. Heute ist Feiertag, Tag der Alten. Das haben wir zu einem vorgewitterlichen (demnächst sollte es hier etwas rund gehen) Spaziergang genutzt und haben mal wieder durch unsere Gegend erkundet.

Gerade in Blüte: „Spinnenlilien“. Letzte Woche in Sankeien noch geschlossen, heute in Italy Garden schon teils in Pracht

Der nächste Tempel zu unserem Haus (wir haben ein paar Schreine in näherer Umgebung, aber das ist der nächstgelegene Tempel). Toller Tempel, herrliche Meditationshalle mit Tatami – und siehe da, er gehört zum Higashi Hongan-ji, mein absoluter Favorit in Kyoto (von dem was ich bisher gesehen habe). Jetzt weiss ich, wo ich zum Meditieren hin kann.

Holzkonstruktion – interessant, die Bauweise zu sehen, speziell wegen Erdbebensicherheit

Es wird Herbst…

Fotos

Bilder aus Hanoi: Blick von dem HotelbalkonKlassische Fahrradverkäuferin Schöne, massive BäumeKreative Adaption von HoverboardsDie erste Kokosnuss – ich bin im Urlaub angekommen ;)Erntedankschmuck am Literaturtempel So viel Glück auf einem Dach Der Literaturtempel mal secluded Ho Chi Minh‘s Residenz Das Schild hat offenbar keiner gelesen Zu Erntedank ist halb Hanoi auf den Beinen Anlässlich des Erntedank

Bild des Tages (21.04.2016 -Tag 21-)

Ich musste dringend unseren Briefkastenschlüssel nachmachen lassen. Eine kurze Internetrecherche zeigt: bei den Carrefour gibt es meist einen Schlüsseldienst, aber wahrscheinlich findet man im Umkreis von einem Block einen „Loch-in-der-Wand“-Laden. Siehe da, heute nach dem Mittagessen bin ich doch tatsächlich an einem besagten Laden vorbei – direkt neben der Nähfrau, von wo ich euch gestern das Bild des Knopf-annähenden gepostet habe. Fast hätte ich es übersehen, aber wenn man halbwegs aufmerksam durch die Straßen geht, sollte man die 100 Rohlinge schnell zuordnen können.

 Ich fragte also, ob er diesen Schlüssel zweimal für mich duplizieren könnte (mein Wortschatz reichte ehrlich gesagt nur für ein „Kannst Du den machen? 2 Mal.“, aber chinesisch ist zum Glück eher eine Sprache, in der man sich so kurz wie möglich ausdrückt. Füllwörter und Fluff kann man getrost streichen und so hat er es tatsächlich verstanden.)

Etwa 90 Sekunden später und 5 CN¥ ärmer (das sind knapp 0,70€) hatte ich also wieder drei funktionierende Briefkastenschlüssel. 

Manchmal liebe ich China für seine Unkompliziertheit! 

   In der Mitte das Original

Ein ganz normaler Tag

Heute war ein ganz normaler Tag. Und manchmal muss man an ganz normalen Tagen den Kopf schütteln, oder lachen. Oder sich wundern.

Die Sonne hat geschienen. Es war warm und herrlich. Ich saß knapp zwei Stunden in der Sonne, draußen am Compoundteich und habe gearbeitet. Die Luft war sehr gut, man hat blauen Himmel gesehen und eigentlich kann man sich kaum bessere Tage als heute wünschen.

Trotzdem fällt mal wieder auf, wieviel Chinesen an solchen Tagen mit Mundschutz rumlaufen. Ich hab oft das Gefühl, dass es deutlich mehr Leute als an schlechten Lufttagen sind. Aber vielleicht ist das Einbildung, einfach nur weil ich es seltsam finde. Meine Favoriten dabei sind die jugendlichen Schulkinder, die ihre chirurgischen Gesichtsmasken (also keine PM2,5 Filtermasken, einfach nur das Stoffding…) unter der Nase tragen. Atmet sich ja sonst so schlecht damit.

Heute habe ich aber eine neue Ausführung der Kategorie “Atemschutz auf Chinesisch” gesehen – eine ältere Dame, die ihre 3M PM2,5 Luftfiltermaske an einem Ohr baumeln hatte, um genüsslich ihre Zigarette rauchen zu können. Muss man vermutlich nicht verstehen.

Weiterhin finde ich es momentan, jetzt wo es gerade so richtig schön wird, immer wieder faszinierend, wie dick die Leute noch eingepackt sind. Ich schwitze in Jeans und T-Shirt und die halbe Straße trägt noch Steppjacken und Wintermäntel. Im Februar konnte ich das ja noch damit abtun, dass noch der kalendarische Winter herrschte und man aus Prinzip nicht im T-Shirt herumläuft (ebenso wie man sich bei uns in Monaten mit “R” eben nicht im Freien auf den Popo setzt). Aber wir haben April, der Frühling hat offiziell begonnen und es ist warm. Richtig schön warm.

Gegipfelt hat das ganze heute in einer lustigen Begegnung in meinem “Pennernetto”-Lianhua ums Eck. Ich war eben noch Getränke kaufen und danach in meinem “Paradiesischen Obstladen”, von dem ich euch schon erzählt habe. Fairerweise muss ich sagen, als ich um 17:30 im T-Shirt zur Tür raus bin, hat es mich im Schatten kurz gefröstelt – bis ich dann zwei Meter gelaufen bin und mir wieder warm wurde.

Jetzt ist es nun mal so, dass ich in dem Lianhua auffalle. Bisher habe ich nur zweimal nicht-Chinesen da drin gesehen, eine Afroamerikanerin und zwei Afrikanerinnen. Ich bilde mir ja auch ein, dass der Lianhua seitdem ich regelmäßig dort bin dieses kleine “Import”-Regal aufgemacht hat, mit D’arbo Honig.

Der Kassierer kennt mich jedenfalls schon (es war der, den ich letzthins geweckt hatte. Heute war er aber topfit!) und hat mich heute gefragt, ob mit denn nicht kalt sei. Erst auf Chinesisch, weil ich aber immer ein bisschen brauche, um die Info in meinem Kopf zu verarbeiten und dabei vermutlich wie ein Auto schaue, hat er noch ein “cold” auf Englisch hinterher geschoben und diese typische “Fröstelgeste” gemacht, ihr wisst sicher was ich mein. Ich konnte ihm dann erklären, dass mir nur ein klitzekleines bisschen kalt ist (”yidiandian leng”). Darauf hat er gelacht und gemeint, ich sollte mir doch Jäckchen anziehen (das habe ich nicht wörtlich verstanden, aber Kontextverständnis und Hände und Füße ist schon was tolles) mit Ärmeln, so wie er. Und hat mir seine 3 Lagen Pullis gezeigt. So viel Zwiebel hab ich letztes Mal in Huangshan beim Sonnenaufgang um 4:30 morgens angezogen – aber doch nicht mitten am Tag bei 20°C.

Daraufhin habe ich gelacht und ihm erklärt, dass ich es einfach nur vergessen hatte (”wo wang le”). So hatten wir beide unseren Smalltalk und unseren Spaß, die Verständigung klappt tatsächlich von mal zu mal besser und ich musste auch ein paar Minuten später noch grinsen. Vermutlich denkt er, ich hätte nicht alle Latten am Zaun, im April so halbnackt vor die Tür zu gehen. Und ich frage mich, ob er neben dem arbeiten saunieren betreibt. Die Wärmflasche von letztem Mal spräche dafür.

    Hecke im Compound
  Dem Herr, der grade seinen Knopf annäht war wohl nicht kalt ;)

Tag 13 (13.04.16 -Tag13-)

Kurz vor knapp schaffe ich es noch, drei Bilder „des Tages“ (oder eher: typisch Chinesisch) zu posten. Heute war wieder viel los – zu viel um den Huangshan Bericht weiter zu schreiben… Also ziehe ich den zweiten Joker. Ist okay, kurz vor Ende von Woche 2. 

23:00 abends – hier wird wie immer munter gearbeitet…  

Werbung mit Waschmaschinen und der Mauer…  

Packesel 

Die wichtigen Dinge im Leben

Ich mache das ja nicht zum ersten Mal. Also, den Lebensmittelpunkt in das Ausland verlagern, meine ich. 2009 war ich für zehn Monate in Amerika. Damals hab ich für eine deutsche Firma gearbeitet und hatte gleich Glück, dass ein weiterer Deutscher, Daniel, für ziemlich genau den gleichen Zeitraum dort war. Dazu kamen noch ein paar Praktikanten, von denen nur Franz, der damalige Mitbewohner von Daniel, eine Relevanz hat, weil wir bis heute befreundet sind. So hatten wir, zusammen mit ein paar lokalen Kollegen, vor allem Melissa, Franz’ und Daniels „Gastschwester“ und Eliud, Daniels späteren Mitbewohner, schnell einen kleinen Kreis aufgebaut.

Solche Zufälle (falls man es so bezeichnen möchte) sind elementar wichtig für das eigene Wohlbefinden im Ausland. Und es war klar, dass das auch hier für uns wichtig werden würde.

Während unseres Besuchs in Deutschland, und dem Zurückkehren nach Shanghai Ende Februar, ist mir aufgegangen, welches Glück wir hier wieder haben.

Schon vor der Abreise haben wir uns in Erlangen mit Michi getroffen, von dem Nic wusste, dass er auch nach Shanghai umsiedeln würde (er ist schon im Juni hier her gekommen und in Nic’s Abteilung). Kurz darauf, beim Look and See Trip haben wir Dani und Stefan kennengelernt. Die beiden mussten mit uns gemeinsam den medical check durchstehen– ein Event, das uns direkt zusammengeschweißt hat. Zufällig pflegen wir zu Hause ähnliche Hobbys und es hat sich auch gut ergeben, dass wir hier einem gemeinsamen Hobby nachgehen: Essen. Alles ausprobieren.

Zufällig, beim Burger essen im Blue Frog, hab ich dann auch einen weiteren deutschen Kollegen von Nic getroffen, Jochen (es sollte dann noch ein bisschen dauern, bis wir seine Frau Elena beim Weihnachtsessen Ende November kennenlernen würden) – der uns unter anderem zufällig einen Schweizer Kollegen, Markus, der für eine andere Firma hier in Shanghai ist und mit Stefan zusammenarbeitet vorgestellt hat. Beim Weihnachtsessen kam Markus mit seiner Frau, Chia-Wei, der wir uns – vorurteilsbehaftet wie wir eben sind – direkt auf Englisch vorgestellt haben, nur um dann zu hören, wie die beiden sich auf Schwizerdütsch unterhalten.

Dort haben wir festgestellt, dass sowohl Chia-Wei und Markus, als auch Elena und Jochen jeweils erst nach Heiligabend in den Weihnachtsurlaub fliegen würden (so wie wir) und kurzerhand beschlossen, dann doch einfach Heiligabend gemeinsam zu verbringen.

Mittlerweile sind wir eine eingeschworene Runde und haben schon nach der Rückkehr mit Stefan darüber gesprochen: aus Deutschland (weg von Familie und Freunden) wieder Richtung China abzureisen wird einfach deutlich leichter durch die Tatsache, dass man hier Freunde hat. Ein funktionierendes soziales Umfeld ist unersetzlich und wir sind dankbar, wie schnell wir hier diese tollen Menschen (es gibt auch noch mehr, die jetzt hier nicht namentlich erwähnt sind, aber trotzdem ihren Anteil haben) kennengelernt haben und wie unkompliziert das alles passt. Sicher eine Haupt-Zutat im Rezept für die gelungene Expat Zeit.

    Blick vom Garten von Elena und Jochen auf ihr Haus – und da kann schon mal was von oben geflogen kommen ;)
  Das ist dann der Knochen, den Markus beim Oster-Brunch von oben abbekommen hat.

  
Beim Osterbrunch – ich bin mir nicht sicher, ob alle mit der Veröffentlichung hier einverstanden wären, daher die „artistische“ Bearbeitung ;)

   Kickerspass mit Dani und Stefan vor zwei Wochen :)