Tag der Alten… es wird Herbst

Irgendwie ist das auch treffend metaphorisch. Heute ist Feiertag, Tag der Alten. Das haben wir zu einem vorgewitterlichen (demnächst sollte es hier etwas rund gehen) Spaziergang genutzt und haben mal wieder durch unsere Gegend erkundet.

Gerade in Blüte: „Spinnenlilien“. Letzte Woche in Sankeien noch geschlossen, heute in Italy Garden schon teils in Pracht

Der nächste Tempel zu unserem Haus (wir haben ein paar Schreine in näherer Umgebung, aber das ist der nächstgelegene Tempel). Toller Tempel, herrliche Meditationshalle mit Tatami – und siehe da, er gehört zum Higashi Hongan-ji, mein absoluter Favorit in Kyoto (von dem was ich bisher gesehen habe). Jetzt weiss ich, wo ich zum Meditieren hin kann.

Holzkonstruktion – interessant, die Bauweise zu sehen, speziell wegen Erdbebensicherheit

Es wird Herbst…

In eigener Sache

Vielleicht habt ihr es bemerkt, Titel und Untertitel des Blogs sind endlich angepasst an die neue Situation.

Am Titelbild arbeiten wir noch ;)

Das steht aber sinnbildlich auch dafür, dass es Zeit wird, loszulassen. Wir sind jetzt hier und in naher Zukunft wird sich daran nichts ändern. Ich werde Shanghai wohl immer vermissen und China noch oben drauf (vor allem an Tagen wie heute, wo unsere „Reisegruppe“ einen Wochenendausflug nach Xi’an macht und uns Fotos schickt), und das ist auch gut so – ist es doch Zeuge von zwei fantastischen Jahren, die tiefe, warme und deutliche Spuren hinterlassen haben. Aber es ist Zeit, sich zu arrangieren. Und es gibt weitaus schlechtere Orte um sich zu arrangieren als Yokohama. Ganz im Gegenteil. Wir hatten echt viel Glück und das sollte jetzt so langsam im Vordergrund stehen.

Lange habe ich überlegt, ob ich für diese neue Zeit ein neues Blog beginnen möchte – habe mich aber noch in Shanghai (wie ihr bestimmt schon gemerkt habt) dagegen entschieden. Das ist mein Blog für unsere gemeinsame Auslandserfahrung. Mein Tagebuch, das mich für immer an diese geniale Zeit in anderen Welten, hinter dem Horizont, erinnern soll. Dass der Name nun vielleicht irreführend ist, interessiert mich dabei wenig – schließlich ist Banzai! ein japanischer Schlachtruf und so sind wir meines Erachtens noch mittig im grünen Bereich ;)

Zum Thema Banzai habe ich im letzten des vierteiligen Urlaubsblogs dann noch ein kleines Schmankerl für Euch.

 

Platzhalter! Japanische Küche

Hier sollten jetzt drei Beiträge über den Urlaub stehen. Wir sind gerade zurück, aber noch fehlen mir Bilder von unseren Unterwasserabenteuern, bisschen Hintergrund und so.

Dafür habe ich gestern zum ersten Mal japanisch gekocht. Naja, eigentlich hawaiianisch. Und auch eher simpel. Aber trotzdem!

Seit wir in Shanghai immer mal wieder Poke beim „Little Catch Café“ bestellt haben, sind wir total süchtig danach.

Poke (gesprochen wie man es im Deutschen liest), das ist die hawaiianische Art von Sushi, besser Chirashi (also eine Reisbox mit Sashimi), nur mariniert.

Für den ersten Versuch war es schon echt gut, auch wenn ich noch etwas am seasoning vom Reis und den Zutaten (hab die Frühlingszwiebeln vergessen) arbeiten muss. Einmal mit Thunfisch, einmal mit Lachs (den Lachsrogen hab ich für das Bild vergessen, der kam dann zum Essen drauf :))

Bei Interesse am Rezept, gerne in die Kommentare posten!

Erstes Erdbeben

Naja, nicht in meinem Leben. Aber das erste, das ich hier gespürt habe.

Ich habe mich schon länger gefragt, wie lange es wohl bei durchschnittlich 1000 Erdbeben im Jahr in Japan dauern würde, bis wir hier eins spüren. Anderthalb Monate also.

Es war so leicht und harmlos, dass ich mir am Anfang gar nicht sicher war. 2-3 kleine Rucker. Hätte auch die Waschmaschine gewesen sein können (auch wenn die kurz zuvor nicht durch Bimmeln das Ende des Vorgangs angezeigt hätte). Habe trotzdem mal Nic (der in Bangkok am Flughafen saß) geschrieben – aber unsere App hat nichts gezeigt. Eine viertel Stunde später dann erst die Bestätigung.

Japan ist wohl das sortierteste und ordentlichste Land, was Katastrophen-Vorbereitung angeht. Da wird einem am Anfang von der Maklerin (in der Übergangswohnung) als erstes der Fluchtweg gezeigt, der Sammelpunkt und darauf hingewiesen, dass das Haus tsunamisicher ist und als Sammelpunkt bei Tsunamis dient. (In der Bucht von Yokohama ist es sowieso sehr unwahrscheinlich, dass ein Tsunami durchkommt. Aber man ist vorbereitet!)

In unserem Häuschen sind wir (dank Hügel) außerhalb der Tsunami Zone. Außerdem ist es aus Beton und stand auch schon "bei dem großen Beben" (ja, da gab es viele. Aber ich meine das letzte große, 2011) standhaft. Der Hang hinter uns ist mit Beton abgesichert – so wie hier überall. Wir haben Infomaterial von der österreichischen Botschaft gelesen (immer schön die Badewanne mit Wasser füllen! Daran hätte ich zB nie gedacht… Und unseren Notfallrucksack werden wir jetzt auch langsam mal richten. Nic hatte schon Erdbebentraining bei der Arbeit, dort wird jedem Mitarbeiter ein Notfallrucksack in den Rollcontainer gestellt). Überall werden Sammelstellen angeschrieben (mit grünen Kreuzen auf weißem Grund), sowie Trinkwasserquellen und Wasserquellen für Löschmassnahmen.

Also an alle besorgten Familienmitglieder und Freunde: besser vorbereitet könnte man gar nicht sein. Das wird hier allein auf Grund der Häufigkeit von Erdbeben sehr ernst genommen. Momentan überwiegt noch die Neugierde, aber es bleibt trotzdem immer die Hoffnung, dass Japan für lange, lange Zeit von so schlimmen Beben wie 2011 verschont wird.

Ich wollte euch schon lange von dem Katastrophenschutz berichten, das kleine Beben vorhin gab jetzt den richtigen Anlass.

Nacht und Nebel

Wir sind umgezogen. Naja, nicht so richtig. Wir campen jetzt im Wohnzimmer auf der neu gekauften Schlafcouch. Aber immerhin in unserem Haus.

In einer Nacht und Nebel (und Regen) Aktion haben wir Dienstag abend und Mittwoch früh unser Hab und Gut in Koffern per Bahn durch Yokohama getragen und eben hab ich die Schlüssel für die Übergangswohnung abgegeben. Dieser Abschnitt ist also auch vorbei.

Gestern (Mittwoch) früh kam denn auch endlich (knapp 4 Wochen nach Einpacken) unsere Luftfracht und damit unsere Bettwäsche und Handtücher – große Freude! Vor allem, weil das sehr japanisch ablief, um 9:00 war die Fracht angekündigt, als wir um halb 9 etwas durchnässt am Haus ankamen stand der Lieferwagen schon vor der Tür. Der arme Mann hat sich dann auch noch fünf mal entschuldigt, dass er zu früh ist. Uns hat’s gefreut. Und so eine Nacht unter der eigenen Bettdecke ist nach den letzten vier Wochen einfach toll!

Als erstes haben wir voller Vorfreude die Kaffeemaschine probieren wollen (haben extra ein paar Kapseln im Koffer transportiert). Dummerweise funktioniert der C-Adapter nicht, also mittags noch schnell neue Adapter gekauft (SE und C). Sie heizt auf, aber die Power aus der Steckdose reicht leider nicht für Kaffee (Japan hat ~100V, unsere Nespresso möchte lieber ~220-240V – übrigens bei unglaubliche 1750W; soviel braucht nicht mal meine Küchenmaschine!). Aber wir wussten ja schon, dass wir für diverse Geräte (Küchenmaschine, Bügeleisen, Staubsauger, Föhn usw…) Trafos brauchen werden. Also muss der Kaffee noch etwas warten; Drip-on Improvisation tut’s auch!

 Erste Mahlzeit am improvisierten Küchentisch (einer meiner Schreibtische, der so lange die Möbel aus Deutschland noch nicht da sind unten stehen bleibt) – das Wetter schaut auf dem Bild immerhin viel freundlicher aus als war.
 Und anderer Blickwinkel – etwas chaotischer ;)
 Drip-on Kaffee – wirklich eine äußerst praktische Erfindung für’s „Campen“ (sei es im Zelt mit Gaskocher oder in einem leeren Haus mit Herd und Topf – der Wasserkocher auf dem Bild war noch aus der Übergangswohnung. Geht auch ohne.)
 Kleine Vorschau auf den kommenden Nachtrag zu unserem Samstagsausflug. Haben in Hortensien gebadet! 

Optimismus…

… ist rückwärts gelesen halt auch nur Sumsi mit Po

Aber ich habe beschlossen nur schöne Sachen zu erzählen, heute. Weniger von dem Chaos und der Aufregung/Enttäuschung, was unweigerlich damit einhergeht, sondern mehr von den kleinen schönen Dingen.

Nach einem recht verregneten und sehr kühlen Start in die Woche – es ist nun mal Regenzeit, aber dafür habe ich nicht so richtig gepackt – ist es endlich wieder warm. Hier im Park vor unseren Türmchen ist wieder was los, es werden Basebälle geworfen und die Kinder aus der Betreuungsgruppe spielen Völkerball.

 Baseball in der Mittagspause, Erwachsener Vater mit Sohn Tolle Schattenspender Links unten die Völkerball-spielenden Kinder

Ich habe den letzten Blogpost zum Anlass genommen, das Lernen anzufangen. Die ersten paar Hiragana prägen sich so langsam ein, aber das ist wirklich wieder ein Neustart, alles anders. Diesen Monat möchte ich die kompletten Hiragana lernen, ab Juli legen wir dann mit unserem Sprachkurs los.

 Lernen auf asiatisch: Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen!
Am Wochenende waren wir zweimal mit Kollegen essen, das war sehr schön. Einmal Steak und einmal Sushi.

 Klassischer Sushiladen mit Schuhe ausziehen omnomnom Und Samstag ein Steak im „Licht“ (warum das so heißt müssen wir noch rausfinden)

Und nachdem wir uns am Sonntag (trotz nicht aufbaubarem Sofa wegen fehlendem Teil, ist mir zum ersten Mal passiert) kurzerhand entschieden haben, doch nicht gleich zu Ikea zu fahren um zu reklamieren, gab es noch ein Picknick am Wasser.

 Der alte Angler den wir letzte Woche schon bewundert hatten Park am WasserKleiner Snack  Mit Blick auf unsere Türmchen
Mittlerweile stehen übrigens auch alle schwedischen und japanischen Möbel (und ich hab Muskelkater! Eindeutig zu viele Treppen in unserem Haus) und wir wären bereit für Frachten ;) Bevor ich jetzt doch zu den nicht-schönen Dingen abrutsche noch zwei lustige Begebenheiten:

 Gerade sind neben mir (ich sitze draußen) sehr unerwartet Bewässerungsanlagen angegangen; ich hoffe man erkennt es auf dem Bild „Convenience Store“ auf Japanisch – 7 Automaten für alle Bedürfnisse (Getränke, Kaffee-/Teemaschine, Eis, Nudelsuppen, Snacks) – Jep, wir sind im Land mit unglaublichem Automatisierungsgrad angelangt!

Zurück auf Start

Gehe nicht über Los, ziehe nicht 4000 Mark ein.

Seit etwas mehr als einer Woche sind wir hier und der Abschied und der Umzug steckt noch in den Knochen. Wie schon zu Beginn in Shanghai fliegen mir tausend Gedanken zum Thema „Ausländer sein“ durch den Kopf.

Es ist wieder ein kompletter Neustart, abgesehen von 4.5 Worten (Hallo, Tschüss, (vielen) Dank(e), Entschuldigung) keine Sprachkenntnisse; immense kulturelle Unterschiede zu allen Orten an denen ich bisher gelebt habe (Deutschland, USA und China); eine neue Stadt mit eigenen Hürden (mehrere Unternehmen die den (U-)Bahnverkehr regeln und daher kein intuitives System) und Linksverkehr. Und so weiter. Anfänge sind eben nicht immer unbedingt einfach.

Kleine Dinge zeigen mir, wie sehr ich in China zu Hause war. Nicht, dass der schwere Abschied nicht schon Anzeichen genug war. Im Baumarkt beim Klingelschild in Auftrag geben ist mir aufgegangen, dass ich alle meine Fragen auf Chinesisch hätte stellen können – so war es wieder viel Hände, Füße und Google Translate. Und der arme Mitarbeiter tat mir Leid, weil ich so gar kein Japanisch kann (was mich sehr ärgert, jeden Tag mehr. Das sollte eigentlich gute Motivation sein).

Kleine Dinge zeigen mir aber auch, wie tolle das Abenteuer Japan werden kann, wenn wir dann erst mal irgendwann richtig angekommen sind (in ca 6 Wochen sollten unsere Möbel dann auch endlich kommen). Einkaufen macht unheimlich Spaß; alle Delikatessen schauen so verlockend aus, dass wir für unsere Verhältnisse sehr selten Essen gehen – ganz ungewohnt plötzlich. Die Menschen sind – zumindest vornerum, aber das reicht mir ja für’s erste – unglaublich freundlich und höflich. Der Himmel ist blau und die Sonne bräunt tatsächlich meine Arme. Ich habe angefangen, mich wieder mit einem Zweirad durch die Stadt zu bewegen – was mir seit Erlangen gefehlt hat; ich war aber einfach zu vorsichtig im Shanghaier Verkehr.

Und so wohnt halt doch jedem Anfang ein neuer Zauber inne. Immerhin kann ich damit diesen Post auf einer positiven Note beenden. In den nächsten ein bis anderthalb Wochen sollten alle unsere Sachen aus China ankommen, sowie diverse Möbel die wir neu kaufen – von japanischen und schwedischen Möbelhäusern, respektive. Dann ist hoffentlich der erste Wall an Organisation erledigt und das Leben tritt wieder in den Vordergrund.

Und das Japanisch Lernen. Dringend…!