Der letzte Tag auf dem Irrawady – es geht bergab

Der erste Morgen von 2020 beginnt mit einem beeindruckenden Spaziergang durch das Dorf Malet To. Unser Guide hat früh morgens schon einen Spählauf gemacht und sich erkundigt, was wir sehr und treffen können – und wieviele Touristen im Dorf vorbei kommen. Wir sind die Dritten. Nicht im letzten Jahr, sondern überhaupt. Und natürlich sind wir die große Attraktion, der Ort wird durch unsere Anwesenheit förmlich lahm gelegt. Wir ziehen eine Schar von Kindern hinter uns her, die zum Teil überraschend gut Englisch können. Ein 15-jähriger Junge erzählt, dass er so hart studiert, weil er Arzt werden möchte. Dann könne er nämlich optimal dem Dorf helfen.

Die Menschen von Malet To Leben vom Fischen und verkaufen teilweise ihr angebautes Gemüse (kiloweise trocknen die Chilis in der heißen Sonne des südlichen Burma). Wir sehen einem Mann beim Beton-Ziegelsteine gießen zu, stolz zeigt er seine Werkstatt. Wir besuchen eine Mutter mit ihren zwei Kindern, sie schauen gerade Fernsehen. Zwei Satellitenschüsseln hängen vor dem Haus, ein Solarpanel auf dem Dach. Nebenan wohnt die Oma mit einem Kind, schwer von Polio geschädigt.

Doch die Menschen von Malet To sind zufrieden. Es geht ihnen augenscheinlich nicht schlecht und sie scheinen nichts zu vermissen. Eine unserer Mitreisenden sagt über eines der offenen Häuser „nice balcony“, schöner Balkon. Ich bin mir nicht sicher, ob es Humor sein soll oder ob sie nicht versteht, dass sie gerade in das Wohnzimmer schaut. Auf dem Holzboden werden nachts Matten ausgerollt und es wird flugs zum Schlafzimmer umgewandelt. Die Küche mit offener Feuerstelle (größter Verursacher von „Raucherhusten“, chronisch obstruktiver Bronchitis in Entwicklungsländern) ist nebenan.

Es ist ein interessanter Mix aus Entwicklung und Moderne und es wirkt so organisch, so natürlich gewachsen. Hier werden die neuen Dinge angenommen und verwendet, die gefallen und sonst wird gelebt wie das Dorf es seit Hunderten von Jahren kennt.

Nachmittags dann der Schock, wir nähern uns Yangon, der ehemaligen Hauptstadt und biegen vom Irrawady auf den Twante Kanal ab. Dieser wurde während der Kolonialzeit von den Briten gebaut. Kurz vor Yangun besuchen wir dann die Stadt Twante. Und plötzlich sind wir bei der Liaison zwischen Großstadt und Entwicklung angekommen – aus dem Hühnerschlachthof und der benachbarten Fischfarm schwärmen Gerüche, die einen zum schnellen weiter gehen motivieren. Die Menschen sind anders, weniger offen, weniger neugierig, vorsichtiger. Das spannendste an diesem Landgang ist für mich die Fahrt von unserem Boot mit einer klapprigen Dschunke (der Anleger ist nicht stark genug für unseren Dampfer).

Danach freue ich mich einfach, an Deck zu sitzen und ein letztes Mal den Landschaften, Dörfern und Feldern beim Vorbeiziehen zuzusehen. In den kleinen Dörfern am Ufer sorgt unser Dampfer immer noch für Aufsehen und den rufenden und winkenden Kindern (und auch Erwachsenen, wobei die nicht rufen) muss ausgiebig zurück gewinkt werden.

Plötzlich erscheint eine massive Hängebrücke in der Ferne und dahinter kann eine Skyline ausgemacht werden. Wir nähern uns Yangon, größte Stadt in Burma. Bevor die Hauptstadt nach Naypyidaw verlegt wurde, war hier das große Zentrum Burmas. Doch die Einheimischen pfeifen aus menschgemachte Planstädte vom Reißbrett mit Astrologen-Beratung, das sieht man. Yangon ist Massiv.

Und während einige von uns so an der Reling stehen und dem heranrasenden Industriehafen von Yangon entgegne blicken fällt uns auf: wir sind noch gar nicht bereit für die Metropole. Viel lieber würden wir noch hunderte Dörfer wie Malet To besuchen, durch die Hügel von Bagan laufen oder einfach wieder umdrehen und an Deck der wechselnden Uferlandschaft des Irrawady zusehen.

  • Pagode von Malet To direkt am Anleger Überflutungsbecken oder See? Die Häuser sind jedenfalls einfachst und auf Stelzen gebaut Schweinchen Nochmal Blick in den Vorgarten Die Ausländer sind interessanter als das Fernsehen Auch hier die altbekannten Tontöpfe zur Wasserfiltrierung und -Kühlung Die coole Dorfjugend kickt 3 gegen 3 Ziegelstein Stube Und hier werden die im Fluss gewaschenen Klamotten einfach auf dem „Gartenzaun“ getrocknet Bye bye Malet To – Du warst absolut beeindruckendAnleger für unsere Seelenverkäufer Fähre: alter Flussdampfer Nicht sehr Vertrauenserweckend… aber wir müssen alle drüber, ob wir wollen oder nicht Wels in der Fischfarm Besser doch mal die Fische auf Eis legen Marktware wie immer Leon begrüßt eine Twanterin Hinter dem Markt die absolute Müllkippe im trockenen Flussufer. Erschreckende Realität, jedes Mal wieder Restaurant Rückweg zu unserem Dampfer, vorbei an Fischerhäusern von Twante Bananentransporter Hängebrücke und in der Ferne schon Yangon Burma… Pagode und weißer Stern auf Gold-Grün-Rot Einfahrt in den Hafen von Yangon – können wir nicht lieber umdrehen? Dieses Bild hat einer unserer geschätzten Mitreisenden von uns geschossen – er Titel es „Happy Ending (to the Cruise)“ – danke, DC Letzter Sonnenuntergang auf der Pandaw2. Schön-traurig zugleich. Es war eine unbeschreibliche Reise und meine bescheidenen Einträge hier werden all den Eindrücken (die wir auch heute, zwei Tage später, noch nicht verarbeitet haben) überhaupt nicht gerecht!

Beijing

Ok, das mit der geplanten Veröffentlichung hat ja mal so gar nicht geklappt… Also jetzt manuell!

Abends sind Mum und ich dann ohne großen Plan einfach mal die Straße vom Hotel entlang gelaufen und sind zufällig mitten in der Innenstadt rausgekommen. Die Fressmeile war gleichermaßen beeindrucken, faszinierend und abstoßend. Und das erste Gefühl stellt sich ein, irgendwie fühlt sich Beijing ganz anders an als Shanghai.

Es fällt mir schwer, das Gefühl in Worte zu fassen – eine Mischung aus der Tatsache, dass es keine Straßenschluchten wie hier gibt (wobei ich die Wortkombination „Straßenschlucht“ und Shanghai sowieso anders sehe, seitdem wir in Hongkong waren) und die Menschen im Norden halt doch ein bisschen anders sind. Ist ja bei uns auch nicht anders, ich denke da an lustige Begebenheiten und sprachliche Hürden zwischen meinen schwäbischen Unifreunden, Hanna und Manu, und unserem Bremerhavener Nordlicht Kim :)

Am nächsten Tag stand dann ein Besuch bei der Verbotenen Stadt an. Ich hab ein paar Handyfotos für euch; aber auch ein paar Kamerabilder. Irgendwann, ich verspreche es, schaff ich es endlich mal die paar „Kernbeiträge“ über China und unser Leben hier zu schreiben, die mir auf dem Herzen brennen, und die dann mit den richtigen Fotos zu bebildern. Da gibt’s dann auch geschichtlichen Hintergrund zu der Verbotenen Stadt und allem anderen.

Wir haben uns immer rechts von den Massen aufgehalten und sind über die Seitenwege gegangen, so war es sehr angenehm. Die Hitze war zwar drückend, gerade im Vergleich zum frühlingshaften Shanghai, wo wir „nur“ 24-26 Grad hatten. Die Verbotene Stadt war sehr beeindruckend, allein die Größe besticht. Und wenn ich dann denke, dass früher kaum Menschen auf dem riesigen Gelände unterwegs waren (im Vergleich zu den 80.000 Tickets die heute pro Tag verkauft werden, meine ich. Klar gab es da einiges an Bediensteten. Aber das war sicher kein Vergleich und die waren ja auch eher im Hintergrund).

Natürlich durfte auch ein Blick auf den Tiananmen Platz nicht fehlen. Den hatte ich mir ein bisschen anders vorgestellt, aber wie das eben immer so ist, wenn man nur alte Bilder kennt und heute fahren da halt hunderte von Autos in der Minute durch…

Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug zum Sommerpalast gemacht. Auch das war wirklich schön, wenn auch wiederum wirklich warm. Aber Bootle fahren geht bei so einem Wetter natürlich immer. In den Palast rein haben wir es nicht geschafft, aber man braucht ja auch immer Gründe, um wieder zurück zu kommen.

Insgesamt war der Ausflug in die Hauptstadt sehr beeindruckend. Wir sind unheimlich viel gelaufen und haben Beijing zu Fuß erkundet was das Zeug hielt. Die optimale Lage unseres Hotels war natürlich von Vorteil – dafür sind wir gar nicht zu irgendwelchen Außengebieten gekommen. Überhaupt kostet Laufen natürlich auch immer Zeit (und Energie!), es gibt also noch einiges in Beijing, was es nächstes Mal zu erkunden gilt (Himmelstempel, Lama Tempel, ein Blick auf das CCTV Gebäude, und so weiter). Hier aber unsere ersten Eindrücke:

 Josefskirche Die Fressmeile voller roter Lampions Skorpion am Spieß  Oder doch lieber Tausendfüßler, Seestern, Heuschrecke und so weiter? Vor der Josefskirche wird abends getanzt ;) Seitlicher Blick auf die Mauern der verbotenen Stadt Der berühmte Eingang mit Mao Menschen über Menschen… Schön bemalt Im Garten Fotoshooting vor beeindruckender Kulisse ihr seht, wenn man sich abseits der Hauptwege aufhält sind die Bevölkerungszustände erträglich   Unser Hotel mit typischen Dächle

 Kriegsheldendenkmal

 Eingang zum Sommerpalast  Im Boot, Mamorboot im Hintergrund Der Sommerpalast von der Seeseite her  Menschen möchten Fotos mit uns machen :)

Cruising down the river

Zum Ende des verlängerten Wochenendes am Samstag – und weil das Wetter Dank aufkommendem Wind besser wurde, haben wir endlich eine Bootstour auf dem Huangpu gemacht.

Der Huangpu Fluss entspringt dem Dianshan See in Zuhjiajiao (Qing Pu District). Von dort fließt er durch Songjiang District und weiter entlang der Grenze von Minhang und Fengxian Districts. Dort tritt er in die „Kernstadt“ ein, die er in zwei Uferseiten unterteilt, Puxi (westlich) mit Xuhui, Luwan, Huangpu und Yangpu Districts sowie Pudong (östlich). Insgesamt 113 km schlängelt er sich durch die „Provinz“ Shanghai (SH ist regierungsunmittelbare Stadt und damit direkt der Regierung unterordnet, quasi als seine eigene Provinz) um kurz vor der Öffnung ins ostchinesische Meer in den Yangtze (ich glaube, im Deutschen müsste es eigentlich Jiangtsekiang heißen!?) zu münden. 

Der Huangpu hat also als Verknüpfung des Hafens mit dem Yangtze und auch den kleineren Häfen Richtung See eine wirtschaftliche Bedeutung, dient allerdings auch sowohl als Ablauf als auch als Trinkwasserquelle Shanghais (was wiederum erklärt, warum man hier kein unaufbereitetes Leitungswasser trinken sollte. Zähne putzen ist ok). Auch schön, wenn zB am 10. März 2013 ca 20000 tote Schweine den Fluss runter treiben…

Im Schnitt ist der Fluss 360 m breit, kann sich aber auf einen Spitzenwert von 700 m ausdehnen. Das gibt viel Platz für größere und kleinere Schiffe – und den braucht es auch! Auf dem Fluss ist einfach die Hölle los. 

Zur Auswahl stehen verschieden Bootstouren und so lange wir noch schönes Wetter haben, möchte ich auch mal die dreistündige Tour zur Yangtze-Mündung machen – allerdings nicht mit Sturm und Gewitterwarnung… Am Samstag war es dann eben nur ein knappes Stündchen um die beiden Uferseiten der Kernstadt zu bewundern.

    Blick auf den touristenüberfüllten Bund
 HSBC und Customs House

      Das güldene Aurora Gebäude glänzt in der Sonne
 Kleines Jin Mao Gebäude und großer Shanghai Tower überragen die Hochhäuser an der Promenade, auf dem Fluss wird „Dreck“ transportiert…

   Aus dem Blickwinkel wirkt der Oriental Pearl Tower deutlich größer als SWFC (Flaschenöffner) und Shanghai Tower  
  Dramatischer Abendhimmel über Puxi

    Rechts das richtig hohe Hochhaus ist noch in der Fertigstellung und wir sind echt gespannt, wie es fertig aussehen wird – hat spannende Formen!
  Suspension Brücke – weiter sind wir dann nicht Richtung Yangtze gefahren