t+\-0 We were here

Die letzten Tage waren intensiv, anstrengend (mehr emotional als physisch), schön, faszinierend, traurig und unvergesslich. 

Ganz offensichtlich haben wir versucht, uns von unseren Freunden gebührend zu verabschieden – was gar nicht mal so gut gelingt, wenn einem ein dicker Kloß im Hals alle Worte abschneidet, die man noch los werden wollte. Aber so ist es halt mal.

Mein China-Abenteuer endete so, wie es begonnen hat. Am Bund, bei den ganzen bunten, hellen Lichtern; mit Tränen in den Augen. Der erste Abend von unserem Look and See Trip (und damit mein erster Tag in Shanghai) endete am Bund und der letzte Abend in Shanghai gestern ebenso. In den fast zwei Jahren, die seit diesem Tag  vergangen sind, hat der Anblick nie aufgehört, mich zu faszinieren, einzunehmen und berühren.

In der Zwischenzeit sind viele neue Lichter dazu gekommen, kleine so wie große. Der Shanghai Tower (上海中心) ist fertig geworden, wie auch das Magnolia und erst gestern haben wir zum ersten Mal die Lichter der Zwillingstürmchen neben dem Peninsula auf der PuXi Seite gesehen.

Und so kann ich das auch als Metapher sehen, für all die Lichter die in dieser Zeit in mein Leben gekommen sind. Freunde, Begegnungen, Momente, Erinnerungen, Wissen, Horizonterweiterung. 

Ich habe viel gelernt und viel gelebt und könnte nicht dankbarer sein.

Neben dem offensichtlich schwierigsten Teil des Abschieds, nämlich der von unseren Freunden, war ich überrascht zu sehen, wie weit unsere Wurzeln dann doch auch hier schon geschlagen haben. Die ganzen Leute von unseren „Stammläden“ haben uns sehr lieb verabschiedet. Das zeigt mir, dass wir nicht „nur“ bei unseren Freunden und den Menschen mit täglichem Umgang angekommen sind, sondern auch Hier im Ganzen. 

https://youtu.be/lN9awOYEczk

Dieses Lied war schon mein Abschiedslied von vor zwei Jahren. Damals fand ich es schade, dass die Mädels gerade eine Japantour hinter sich hatten und einen sehr Japan-zentrierten Albumtrailer gemacht hatten; sozusagen haarscharf an meinem Asienabenteuer vorbei. Wer hätte gedacht, dass dieses Video mal noch relevanter werden könnte… 

‚Cause everywhere we’ve been we have been leaving traces.

They won’t ever disappear.

We were here, we were here, we were really here.

 Danke für diese Standaufnahme, liebe Dani! Was wir in dem Moment gesehen haben

Lange Nacht – Langes Wochenende Teil 2

Es war jetzt bisher nicht die längste „Night out“ in SH für uns (das war definitiv das Bundesliga-Auftaktspiel, das bei Euch zu Hause um 20:30 angepfiffen wurde, und das wir in der Camel Sports Bar geschaut haben), aber der erste Ausflug ins Shanghaier Nachtleben.

Grundlage war ja in der Julu Lu genug geschaffen, also ab mit dem Taxi an den Bund. Theresa sollte ja unbedingt die Lichter sehen und von wo geht das besser als von einer der Rooftop Bars? Im „Roosevelt“ war zwar der Bar-Bereich draußen komplett durchreserviert (für insgesamt circa 5 Person – entweder eine kleine Gruppe die gerne viel Platz braucht, hier nicht unüblich als Form des „show off“ – wer hat, hat’s! Oder die kleine Vorhut für eine Megaparty…), wir haben aber einen Tisch an der schmalen Seite der Balustrade draußen ergattert. Und ehrlich gesagt, war das auch der perfekte Blick auf Pudong hinter dem Fluss.

Der „Flaschenöffner“ (das SWFC) leuchtete gewohnt türkis-bläulich und ab und anfunkelten grelle Glitzersprenkel rund im die Öffnung oben im Gebäude. Der Oriental Pearl Tower wechselte munter seine Farben und auf dem Aurora“bildschirm“ (die güldene Gebäudefront wird zum einzigen großen Bildschirm bei Nacht) wechselten sich die üblichen Werbungen (was hat Samsung nur auf den Tisch geblättert??) mit dem I <3 SH Schriftzug ab. Alles in allem eine wundervolle Aussicht, die das Gefühl der Megacity gut transportiert. Während wir also genüßlich die ersten Getränke des Abends schlürften und uns die Flussbrise um die Nase wehte, gingen dann gegen 23:00 Uhr nach und nach die Lichter drüben auf der östlichen Seite des Flusses aus (ich bin zwar dafür und finde es richtig, aber es ist trotzdem ein bisschen Schade. Gerade am Wochenende, wenn auch die Einheimischen mal länger unterwegs sind und man sich in den Rooftopbars und Clubs trifft, könnte man die Lichter auch noch länger bewundern.) – Zeit für uns um weiterzuziehen.

Nic’s bisherige Erfahrungen mit den Nachtclubs in Shanghai auf Dienstreisen waren durchweg gut und so machten wir uns auf den kurzen Fußweg zur Fuzhou Lu (über die wir untertags schon geschlendert sind) und in den M1nt Club (die Homepage ist zwar seit Anfang des Jahres verwaist, gibt aber trotzdem einen netten Überblick). Im 24. Stock, leicht zurückgesetzt vom Bund aber mit bester Aussicht befindet sich ein posher Club der Westler und reiche Chinesen anzieht. Einen Tisch buchen kostet 3000 RMB Mindestverzehr, was sich in einer großen Gruppe durchaus lohnt. Zu dritt war das jetzt etwas übertrieben und so haben wir uns mit normalem Eintritt unter das Fußvolk gemischt. Wie schnieke das M1nt ist, zeigt sich an der Aquarienfront mit kleinen Haien, den versteinert wirkenden „Butlern“, die vor den gebuchten Tischen mit Knopf im Ohr darauf warten, für ihre Klienten eine neue Flasche Champagner zu ordern und immer wieder schön sauber machen und einfach das ganze Flair – wir sind ja auch kein Studenten mehr. Nach dem ersten Gang auf die Toilette (wo man ja als Frau immer die schicksten der Schicken länger beim Nachschminken beobachten kann) kam ich mir auch sehr underdressed vor (zugegeben: das war ich auch!) und mindestens 10 cm zu klein. Das kurze knappe Kleidchen und die 18 cm Heels, in denen ich leider schon auf dem Weg zum Taxi zum Club stolpere, wären durchaus akzeptabel – und so konnten wir einige Styling Highlights (und lowlights…) bewundern. Nic, begleitet von zwei Blondinen, war natürlich wieder der Held des Abends. Die Rolle gefällt ihm ;)

Alles in allem hat mir das M1nt gut gefallen, die Musik war auf der Tanzfläche und in der Lounge überwiegend gut und tanzbar, eine gute Mischung (von Michael Jackson bis Hip Hop in der Lounge und 90s bis Techno auf der Tanzfläche) die zum Tanzen angeregt hat. Wem das nicht reicht, hilft vielleicht die kleine „choreografierte“ Tanzeinlage zwischendurch, bei der sich drei knapp bekleidete, osteuropäisch anmutende Grazien den Weg in Unterwäsche auf die Tanzfläche (rechts und links je eine) und eine weitere auf die Bar bewegen und 2-3 Lieder lang die Männerherzen höher schlagen lassen. Bei uns beiden Frauenherzen kam eher die Frage auf, seit wann genau bridgetjoneseske Omaschlüppis für so einen Auftritt die Kleiderauswahl gewinnen? Für jeden was dabei ;)

Aber auch einfach nur die anderen Gäste anschauen oder die Aussicht genießen (wie gesagt, die Lichter drüben in Pudong dürften dafür gerne noch etwas länger anbleiben) lohnt sich, dabei hält man immerhin einen durchaus bezahlbaren Drink mit garantiert echtem Inhalt in der Hand.

Ich fand es einfach toll, mal wieder richtig aus zu gehen und sich die Musik in den Ohren und Bässe durch das Bauchfell dröhnen zu lassen, es hat unheimlich Spaß gemacht und definitiv Lust auf mehr!

   Das Roosevelt (eigentlich: „The House of Roosevelt“, 27 Bund)

  Blick auf Pudong bei Nacht (der SH Tower ist noch nicht beleuchtet, man sieht nur in den unteren Stockwerken sind Lichter an. In echt sieht man ihn natürlich trotzdem in voller Pracht, geht nur auf dem Foto verloren)
   Blick auf den südlichen Bund

  Die Stimmgabel und Orthanc
   Plätze in der ersten Reihe

    Theresa, ein Hai und das Aquarium


  Tanzfläche mit Blick auf das DJ Pult
   Theresa und ich genießen in der Lounge die Aussicht

 Die Tanzmäuse (die Linke ist die im besagten Schlüppi), die Bildrechte gehören Nic

Unser Sonntag: 1933 Shanghai und mehr

Sonntag war, Dank einer gewissen Restmüdigkeit als Nachwirkung des Bayernspiels eher ruhig angedacht. Vormittags ging es um die Ecke zum Brunch (ins delimuses, sehr zu empfehlen!) und Nachmittags haben wir uns dann zu einer kleinen Tour aufgerafft. Für die Wenigleser: Ganz unten gibt’s lauter bunte Bilder :)

Im „historischen“ Hongkou District wurde 1933 ein massives Stahlbeton(kunstwerk)gebäude (Stilrichtung: Art Deco; vom britischen Architekten Balfours entworfen und chinesischer Baufirma in der präkommunistischen Ära „für die Ewigkeit“ gebaut) mit dem Zweck eines Schlachthauses fertiggestellt. Über die Jahre wurde der Zweck zwar immer mal wieder abgewandelt, das Gebäude aber zum Glück nie abgerissen oder großartig verändert.

2008 wurde „Old Millfun“, wie das Gelände auch genannt wird, für 100 Millionen Renminbi renoviert und in einen kommerziellen Hotspot für die ungewöhnlichsten Dinge umgewandelt. Der Ferrari Owner’s Club Shanghai ist dort z.B. untergekommen, aber auch Mangazeichner (U17, falls sich jemand in der Szene auskennt; wir tun es nicht, haben aber anhand der Fotoaktionen der Teenager im Batman-T-Shirt gemerkt, dass die hier bekannt sein müssen) oder jedwede andere Büros, Sporteinrichtungen – und natürlich der übliche Touristenkram, überteuertes Essen, Erdinger Weißbier und Illy Kaffee, Perlenketten, und so weiter. Auch die Hochzeitsszene hat sich dort niedergelassen, und man kann ganz romantisch im alten Schlachthaus seine Feier abhalten oder Hochzeitsfotoshootings. Goldschmied mit einer formidablen Auswahl an Ringen im Erdgeschoss inklusive…

Die Architektur ist, abgesehen von dem Rummel (mir persönlich wäre es lieber, das Gelände würde leer stehen oder es gäbe ein Schlachthaus-Museum, dann könnte man einen viel besseren Eindruck vom eigentlichen Zweck und Ablauf bekommen) wirklich beeindruckend: massive Säulen (300 Stück durch das gesamte Gebäude) stabilisieren die Stockwerke, 26 Luftbrücken verbinden einzelne Korridore sowie den Innenbereich des Atriums und den Außenbereich des Gebäudes und überall gibt es Gänge, Wendeltreppen oder Rampen über die das Vieh getrieben wurde.

Innen rund und außen eckig (was laut Aushang dort im Einklang mit der chinesischen Auffassung des Gesamtgefüges steht, da das Universum als rund und die Erde als eckig betrachtet wird – warum dann aber rund innen und eckig außen erschließt sich mir nicht ganz), sehr kühl. Schade eben nur, dass der Kommerz auch diesen Ort eingeholt hat. Anderswo kann man lesen, dass es total faszinierend sei, wie durch einen Zeittunnel zu reisen um an einen Ort zu gelangen, wo sich Vergangenheit und Gegenwart im Einklang treffen – mir persönlich wäre es aber lieber, durch den Zeittunnel in unberührtere Vergangenheit zu reisen.

Den Heimweg per Ubahn haben wir mit einem Spaziergang zum Bund „abgekürzt“, dort am Denkmal für die Volkshelden an der Promenade den Blick auf die Skyline von Pudong genossen und den Touritrubel an der Nanjing Lu verflucht (wir brauchen dringend T-Shirts: „Kein Tourist. Wohne hier. Will nichts kaufen. Falle nicht auf Abzocke rein. Schönen Tag trotzdem!“).

Abends waren wir mit Michi und Thomas dann noch beim Italiener „ums Eck“ (es tut mir echt Leid, wenn ihr diese Phrase nicht mehr hören könnt, aber wir wohnen einfach so genial – was ich sicher demnächst ausführlich beschreiben werde – dass hier so wahnsinnig viel Tolles bei uns „ums Eck“ ist – wir hoffen, dass zwei Jahre ausreichen, das alles zu entdecken), der sensationelle Pizza und Pasta in zugegeben etwas schummerigen Ambiente (und das dann auch noch gegenüber von diversen „Etablissements“) serviert. Leider ist es tatsächlich noch immer so, dass mein Körper jegliches Essen, westlich oder asiatisch, gesund oder ungesund, usw – gerade nicht so wirklich akzeptieren möchte. Aber das ist nur fair, mein Kopf ist ja auch noch nicht angekommen und ich fühle mich immer noch wie im Traum ;)

Hier die Bilder vom 16.08.15 (Nic hat tolle Kamerabilder gemacht, ich warte noch auf mein Akkuladegerät in der Luftfracht. Seine Bilder werden nachgereicht)

  
  Nicht der erste mehr-Reis-als-Salz-Streuer den wir gesehen haben

    Rührei mit Avocadosalat, Speck und Tomate
  Double Choc Cake

    Maracuja-Limo mit ganzer Frucht(innerei)
  Überirdische Ubahn Station, erinnerte mich an Hamburg

    Links das runde Atrium, rechts das eckige Äußere
     
    
  Blick von der vorletzten Etage (ganz oben ist leider nicht zugänglich) Richtung Osten, hinter den Türmen sähe man Pudong

   
  Wendeltreppen außen am Atrium

    Blick von einer Zwischenetage
  Rampen

    Aussenfassade
     Hühnertransport auf Chinesisch 
  Unser Ziel: zum Fluss mit Blick auf Pudong. Und: es gibt doch Tauben in SH (siehe kleiner Schwarm vor dem Shanghai Tower und dem Oriental Pearl Tower)

    Älteste Brücke Shanghais. Nicht ganz die Brooklyn Bridge, allerdings ist der Souzhou Creek auch nicht ganz der East River!
  Heldendenkmal von mittendrunter 

   
  Polizeieinsatzstation am Bund – mit Markise nach hinten…

    Bar beim Uva (der Italiener)
  Seafood Spaghetti

   
  Poster an den Wänden der (unisex) Toilette erklären italienische Gesten, auf italienisch, englisch und chinesisch – lustige Idee zur Völkerverständigung

Recap: Tag1 LST

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Einerseits sind wir noch etwas von der Reise geschlaucht, mein Kopf hängt noch irgendwo bei Sonntag Abend obwohl hier in Shanghai jetzt schon der Montag vorbei ist.

Die allerkürzeste Kurzfassung: Ich bin sprachlos! Trotzdem ein paar Eindrücke fur euch:

  

Kleiner Snack vor der ersten Tour 

  

Nanjing Lu (wenige bevölkert, weil regnerisch)

  

Nanjing Lu (mit „Stimmgabel“; irgendein Hotel und im Hintergrund das UFO-Dach des Radisson Blu – beides nicht unsere Hotels, sind aber nur 2 U-Bahnstationen entfernt)

  

Am Bund der Blick auf Pudong, links in unserer Lieblingsfarbe der Oriental Pearl Tower, im Hintergrund blau umrandet der „Flaschenöffner“ (Shanghai World Financial Center), und daneben das zweithöchste Gebäude der Welt, der Shanghai Tower.

  

Abendessen: steamed dumplings (gedämpfte gefüllte Teigtaschen)

Jetzt muss ich erst mal diesen Overload verdauen… Wahnsinn!