Sa Pa Reisterassendisneyland-Charme

Entschuldigt für die lange Wartezeit, November ist da noch etwas vollgestopfter als sonst :)

Nach der berauschenden Bucht von HaLong ging es per Auto-Transfer für eine Nacht zurück nach Hanoi, in „unser“ Hotel – wo wir direkt mit offenen Armen, Nachfragen wie unser Trip denn war, was man noch so für uns organisieren könne und viel Komfort empfangen wurden.

In „unserem“ Cafe direkt gegenüber wurden wir natürlich auch sofort wiedererkannt und so war der Übergangstag weniger „verschwendet“ als ich befürchtet hatte und mehr eine schöne kleine Möglichkeit, etwas runter zu fahren und das Gesehene zu verarbeiten – und sich für neue Abenteuer zu rüsten.

Am nächsten Morgen ging es auch gleich sehr früh los, per Minibus zur Bushaltestelle. Sa Pa mit seinen Hügeln, Bergen, Reisterassen und alten Bergvölkern wartete. Sa Pa sollte mit dem Bus circa 4-5 Stunden entfernt sein, so waren wir doch recht entsetzt, als der Minibus voll besetzt war und dann noch zwei Männer einen Stehplatz (mit eingezogenem Kopf und Rucksäcken auf dem Rücken) zugeteilt bekamen.

„Only to big Bus stop…“ lässt der Fahrer verlauten – na dann wollen wir mal hoffen, dass die Bushaltestelle nicht so weit ist… 5 Minuten später werden wir nach und nach ausgeladen und der Reisebus wartet schon. Ist allerdings auch voll. Nach viel hin und her mit dem Gepäck und allen anderer Touristen, Abfahrt des ersten Busses, Gedanken, ob wir es wohl heute noch nach SaPa schaffen, kommt der zweite Reisebus. Mit Liegesitzen. Welch ein Komfort, aber auch welch ein Sicherheitsrisiko (mir war klar, dass es da kein schnelles Aussteigen/Evakuieren gibt, sollte etwas passieren – blöde ‚worst case‘ Gedanken immer). Kann man nichts machen, Tickets sind gebucht und so liegen wir endlich auf dem Weg in die Berge.

Während der Fahrt kann man zu beginn herrlich dösen (Liegesitze!!! Ging ja auch früh los), lesen, Musik oder Podcasts hören. Gegen Ende wird das Ganze dann schon spannender. Nicht nur landschaftlich, wobei das schon sehr gigantisch wird, auch was die Fahrt angeht. Serpentinen die sich den Berg hochschlängeln mit einem Bus, der viel mehr PS als die LKWs und Kleinlaster hat, die sich auch den Berg hochschlängeln. Das ein oder andere haarsträubende Überholmanöver vor den Kurven und Gymnastikball-tiefe Schlaglöcher treiben doch noch mal den Puls in die Höhe. Aber: alles Routine und so kommen wir sicher in SaPa an, ca 1600 m üNN. Und es zeigt sich, was wir schon gelesen haben: Tourismus pur. Hotel neben Hotel, Taxen und vor jedem Restaurant oder Massagesalon „Marktschreier“, die einen anzulocken versuchen. Darüber hinweg der Baulärm, von den zig neuen Hotels, die am Entstehen sind. Und die „Ureinwohner“ (bzw. indigenen Völker), aber dazu komme ich später noch genauer.

Trotzdem, die Reisterassen sind gigantisch und wir sitzen erst einmal auf den Balkonen unserer Zimmer (wir waren hoch genug für den herrlichen Blick! In diesem Hotel gibt es seit neuestem in den niedrigen Stockwerken nur noch Blick auf das nächste Hotel, wo noch fleissig geschweisst und verputzt wird. Arbeitssicherheit ist auch da kein Thema, die Männer kraxeln am 5-7 Stockwerk auf baufälligen Brettergerüsten aussen rum und arbeiten. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll). Gegenüber trohnt die Bergflanke des Yunnan Gebirges, mit dem Fansipan als höchste Erhebung Vietnams und ganz Indochinas. Natürlich zieht es uns auch dort hin, wie es das mit beeindruckenden Bergen so an sich hat. Die Besteigung von Sa Pa aus dauert allerdings in etwa drei Tage, da man immer wieder in Täler absteigen und weitere Bergrücken erklimmen muss. So beschließen wir, am nächsten Tag die Seilbahn zu nehmen und den Gipfel eben im Schnelldurchgang zu stürmen. Auf über 3100 Metern ist die Luft ja auch schon dünner und die restlichen Höhenmeter von Seilbahn bis zum Gipfel werden es sicher auch in sich haben, sodass zumindest ein bisschen was Kleines für das Sportlerherz getan ist.

Aber zuerst wartet eine Dorferkundung und Essen auf uns. Schnell zeigt sich, was sich bei uns in China schon bewährt hat. Da wo am wenigsten geschrieen, aber lecker gegrillt wird, ist es gut. Und so ist der Familien-Grillimbiss im Nu unsere Anlaufstelle für knapp drei Tage in Sa Pa. Zum Schluss sind wir fast Teil der Familie und werden liebevoll verabschiedet. Danke, für dieses Stück „Geborgenheit“ im Tourirummel!

Sa Pa ist die Heimat von alten Bergvölkern, vor allem die Hmong sieht man sehr viel (etwas unterhalb gibt es noch ein Hmong-Dorf, Catcat, welches aber so touristisch ist, dass uns einmal durchschlendern mehr wie genügt), aber auch Red Dao und Tay sollen ansässig sein.

Die Hmong Damen pilgern jeden Abend nach Sa Pa um dort ihre gebastelten Waren an die leichtgläubigen Touristen zu bringen und so manche wird man kaum wieder los. Manchmal fragt man sich, ob die eine Art Verkaufstraining absolvieren müssen, schon kleine Kinder werden da vor Spielzeug gesetzt. Die Reiseführer mahnen alle, nichts von Kindern zu kaufen, egal wie groß das Mitleid ist. Denn so lernen sie nur „nicht zur Schule und verkaufen“ = mehr Kohle als die Eltern mit ihrer Schuldbildung verdienen.

Die eine Hmong Dame, die uns von Sa Pa nach Catcat unaufhörlich auf den Fersen ist und vollquasselt lässt auch erst von uns ab, als wir sie überzeugen, dass ihre Zeit viel besser investiert ist, wenn sie sich neue Touristen sucht. Weil wir ganz sicher, definitiv, nicht von ihr kaufen werden. Egal wie lange sie uns belästigt, und je weiter sie mit uns mit geht, desto mehr Geschäft entgeht ihr oben. Puuuh, ein hartes Stück Arbeit. Aber ihre traditionellen Gewänder und Kopfbedeckungen sind schön anzusehen und die verhärmten Gesichter der Alten zeugen von einem harten Leben auf dem Berg. So manche Hmong-Omi hätte ich gerne geknuddelt und auf ein Essen eingeladen. Aber ich weiß mittlerweile, dass die Welt so leider nicht funktioniert. So begnüge ich mich damit, mein eigenes Glück zu reflektieren und mein Mitgefühl und alle anderen Emotionen, die so auf mein einbrechen, mit einem dicken Kloß runterzuschlucken (die Männer, meine Reisebegleitungen, würden das eh nicht wirklich nachempfinden können und alles drüber reden macht es auch nicht besser). Auch hier zeigt sich wieder: Das Leben läuft in anderen Ländern anders, zum Teil sehr viel anders. Und es ist eine gute Gelegenheit, mal wieder dankbar zu sein. Dankbar dafür, dass ich als Tourist (welche Dekadenz!) durch ein Fenster schauen darf, zu einem ca 4000 Jahre alten (erste Aufzeichnungen gibt es seit 2000 Jahren, aber die Schätzungen gehen von dem doppelten aus) Bergvolk und ihrer Anpassung an die moderne Welt.

Unseren Abstecher zum Fansipan verschiebe ich jetzt, der Länge wegen, auf einen neuen Blogpost und dafür gibt es dann jeweils ein paar mehr Bilder, hier und beim Fansipan-Beitrag.

Nach dem ganzen Touri-Rummel geht es mit einem Privatfahrer (Busfahrt nach Hanoi und weiter nach Ba Vi ist unpraktikabel und nur marginal günstiger, ich bin dankbar, denn im Liegebus den Berg runter, da wird mir nur beim dran denken schon schummrig) auf’s Land. Und zwar so richtig.

Busfahrt Erst Reisterassen… … aus dem Busfenster raus… … schon sehr beeindruckend! Unser neues Lieblings“Restaurant“ Fansipan in der Abendsonne Und im Abendnebel Auch nachts ist im Dorf gut was los Morgensonne Zaubert tolle Farben ins Tal Ein Stück wunderbare Natur Und wenn man den Baulärm ausblendet ist es einfach nur idyllisch! Falls mal wer in SaPa ist: geht auf jeden Fall unsere Freunde besuchen :) Regen auf der Straße nach Catcat, aber gut was los. Am Straßenrand liegen Felder und Reisterassen, gefühlt wird jeder Quadratzentimeter genutzt (Landwirtschaft oder Tourismus)

Busfahren in China

Hier etwas aus der Kategorie: Anekdoten die man kaum glauben kann.

Seit ein paar Wochen fahre ich viel Bus. Aus dem einfachen Grund, dass ich die Wahl habe zwischen: 2 Stationen U-Bahn und 15 Minuten laufen oder 5 Minuten weiter laufen als bis zur U-Bahn, den Bus nehmen und direkt ankommen.

Ich mag öffentliche Verkehrsmittel. Schon immer. Ich bin auch in Konstanz immer viel Bus gefahren, teils war das für mich Entspannung.

Apropos Konstanz – dort hatte ich einmal einen Unfall in einem Linienbus. Kurz vor dem Zähringer Platz ist ein Autofahrer, wohl ohne Schulterblick, auf die Busspur ausgeschert und wir sind direkt im Kofferraum gelandet. Der Bus war größtenteils leer, eine ältere Dame ist im 4er-Sitz nach vorne gestürzt und hat sich leicht verletzt. Der Busfahrer hat sich sofort nach Verletzungen erkundigt, alle Gäste aussteigen lassen und die ältere Dame zum Ärtzehaus begleitet (direkt neben der Unfallstelle), bevor er sich um seine Versicherung gekümmert hat. Alles no big deal, sehr höflich und organisiert.

Busse sind in Shanghai der einzige Verkehrstteilnehmer, vor dem ich Angst habe. Ja, E-Roller schleichen sich gerne lautlos von hinten an, oder auch mal auf dem Gehweg oder aus alles Ausfahrten, oft unbeleuchtet im Dunkeln – aber so ein Rollerfahrer hat kein großes Interesse an einem Unfall und weicht aus. Oder bremst. Ebenso Autos, normalerweise (auch wenn ich da deutlich vorsichtiger bin). Aber Busse, die gewinnen einfach immer. Und sie wissen es. So ist es mir schon passiert, dass ich gerade über eine grüne Fußgängerampel gehen wollte und auf der Straße ein Linienbus mit 70 km/h seine rote Ampel überfahren hat. Es war kein Fußgänger da, er hat netterweise gehupt, aber als Mensch (ich wollte schon „Westler“ schreiben, aber das kann Asiaten eigentlich nicht anders gehen) kein schöner Anblick. Mir kommen da immer gleich diese „was wäre wenn“-Gedanken in den Kopf…

Busse haben hier also gefühlte 900 PS, bzw die Beschleunigung fühlt sich an als ob ein leicht beladener A320 zum Start loslegt. Leider ist hier nur meist viel Verkehr (zumal ich mich ja in der Innenstadt bewege, alles voller Ampeln) und die Beschleunigung muss grundsätzlich sehr schnell durch starkes Bremsen unterbrochen werden – nur um dann wieder voll durchzustarten – rinse and repeat… Der Unfall in Konstanz war gegen das Rumgeschleudere, das man hier bei einem schlechten Busfahren an einem miesen Tag erwischt, eine Kleinigkeit. Meine Tiefenmuskulatur, ich sag es euch…

Sitzplätze gibt es nicht so viele, irgendwie fühlt sich der Platz schlechter genutzt an. Als junges Mädel setze ich mich auch aus Prinzip nicht (außer ich fahre nach der Rushhour und der Bus ist richtig leer) – denn die nächste alte Person kommt spätestens an der nächsten Haltestelle. Das ist eh recht lustig. Wie die reingehoppelt (ausnahmslos… egal welches Alter. Freier Platz = Hoppeln) kommen und sich auf die freien Plätze stürzen.

Bezahlt wird (zumindest in dieser Linie, ich habe in Shanghai und in anderen Städten aber auch schon automatische Lesegeräte und Münzboxen beim Fahrer gesehen) nicht vorne. Direkt am mittleren Ausgang (welches hier der Hinterste ist) sitzt ein Mitarbeiter mit Metrokartenlesegerät und Bustickets gegen Kleingeld (eine Fahrt kostet umgerechnet übrigens knapp 0,20€ – da kann sich der deutsche Nahverkehr eine ordentliche Scheibe abschneiden!). Schön, dass der noch konstant einen Sitzplatz belegt. Wenn derjenige motiviert ist, schreit er noch die Haltestellen auf chinesisch durch den Bus (es gibt aber auch eine elektronische Ansage auf chinesich und englisch) und einen durch’s Fenster an, falls der Bus eine andere Route nimmt (was ich ja leider nicht verstehe, aber morgens in dem einen Bus, der nicht bis zu meiner Haltestelle fährt, schreit das immer die gleiche Busbegleiterin, wir erkennen uns jetzt) oder ein Radler/Roller den Weg blockiert. Und rennt einen über den Haufen, denn wenn/weil die meisten Gäste nicht zu ihm zum Bezahlen kommen, geht er nach jeder Haltestelle durch den Bus und kassiert. Also etwas wie Zug fahren.

Unter dem Strich: Bus fahren ist eine Mischung aus Fliegen (was die Beschleunigungen angeht), Zug fahren und Tiefenmuskulaturtraining im Stehen. Eigentlich würde ich gerne während der Fahrt lesen (momentan lese ich Stpehen Kings Autobiographie, sehr zu empfehlen), aber meistens bin ich schlichtweg mit Stehenbleiben und Balancieren überfordert. Ich steige also lieber wieder auf Hörbücher um. Dann bleibt die zweite Hand auch um notfalls die nächste Oma aufzufangen, die es nichr rechtzeitig zu einer Haltestange geschafft hat und der Bus schon wieder „abhebt“ – was man zwar nicht soll, aber dazu wann anders mehr!