Abstecher zur Mauer

Bevor es von der nördlichen Hauptstadt weiter in die südliche Hauptstadt ging, lag ein Besuch an der chinesischen Mauer nahe.

Von Beijing aus gibt es einige Tagesausflugsziele zu zugänglichen Mauerstücken, eines davon hat Nic bei einer Dienstreise schon besucht. Meine Schwiegermom hat in ihrer Urlaubs-Recherche allerdings ein schönes Hotel mit Mauerblick in Mutianyu ausfindig gemacht und so ging es zu viert (plus Fahrer) mit dreieinhalb Koffern in einem Auto mit zu kleinem Kofferraum (ergo: mit Koffer zwischen Beifahrer-Rücklehne und Nic’s Knien) nach Norden.

Mutianyu ist, wie alle Orte die wir bisher um spektakuläre chinesische Sehenswürdigkeiten herum besucht haben, ein touristischer aber trotzdem irgendwie interessanter Ort. Jedes Häuschen hat eine Telefonnummer für Übernachtungsmöglichkeiten angebracht, oft sogar mit dem Logo des Mauer-Tourismusverbands versehen (also eventuell gesponsert!?). Im Frühjahr mutet der große Busparkplatz einsam und leer an, doch der „Ältestenrat“ sitzt trotzdem schon um 7 Uhr morgens unter der Konfuzius-Statue auf den Bänkchen der Bushaltestellen.

Die einzige Ladenbesitzerin des Dorfs spielt um die Uhrzeit schon Federball mit einer Dame, die eher wie jenseits der 80 wirkt, aber Nic (der während ich Besorgungen mache den Schläger übernimmt) ganz schön abzieht. Erfahrung vor Jugend.

Das Hotel hatte einen besonderen Flair, Backsteinzimmer mit voll verglaster Front, die Mauerblick aus dem Bett und unter der Dusche garantiert. Das Konzept geht voll auf, ich würde wieder dort hin gehen. Abends, nach dem Dinner vom Grillbuffet, kommt man noch mit dem Klavierspieler, der eigens für den Abend angereist ist, und der Künstlerin die im OG diesen Monat ausstellen darf (Unterstützung der Künstler ist Teil des Hotelkonzepts) ins Gespräch. Wahrlich auf allen Ebenen ein gelungener Ausflug.

Herzstück jedoch ist natürlich die Chinesische Mauer. Obwohl wir im letzten Jahr schon von Gubeikou nach JinShanLing gewandert sind (siehe Mai 2016 auf dem Blog), sind wir wieder begeistert und fasziniert. Das Mauerstück von Mutianyu bietet wieder ganz andere Landschaften, ganz andere Flora (und ein Eichhörnchen haben wir auch gesehen). Trotz des Besuchs am Wochenende war überraschend wenig los und auch der leichte Schneefall (ja. Ernsthaft, das Wetter hat einfach wirklich verrückt gespielt – meine armen Schwiegereltern, auf Winter hatten wir sie nicht vorbereitet – weil wir es auch selbst nicht erwartet hätten) konnte die magischen Stunden auf der Mauer nicht trüben.

Wie sagte Mao? Ein Mann wird erst dann zum Mann, wenn er die Mauer gesehen hat. Wir sind jetzt also alle angekommen.

 Federball in Winterjacke  So eine sympathische Dame  voll in Action Konfuzius wacht über dem Dorf Tourismus  Welpe <3 immer wieder interessant, über solche Dinge zu stolpern Aufstieg  Winter und Frühling Drei Mauerkletterer genießen den Ausblick Traumpaar ganz lässig am Weltwunder Da kommt der Schneefall harsche, beeindruckende Landschaft Aufstieg – wie immer Stufen über Stufen Fescher Mann  Das klassische Motiv durch das Fenster Mauerpanorama mit Unbekannten  „Etwas“ nachbearbeitet, trotzdem ein beeindruckendes Bild der vielfältigen LandschaftWow!! Vor dem steilen, langen, großen Anstieg bis zur Absperrung (danach verfällt die Mauer mit jedem weiteren Meter und der Ausflug wird zum Klettersteig – bei dem Wetter natürlich unmöglich) Schnee – in Shanghai hatten wir zu dem Zeitpunkt schon 20 Grad.  Wie die Mauer sich über die Hügelrücken schlängelt. Ich kann nicht genug von diesem Anblick kriegen. Am Wachturm

1. Mai Nachbericht: Auf der Mauer, auf der Lauer…

Endlich noch der Rückblick zu unserer ersten 01.Mai-Wanderung in China.

Nachdem wir gut und ziemlich pünktlich in Beijing gelandet sind, ging es mit dem Airport-Shuttle (auch eine Metro) zum Transportzentrum, wo wir erst einmal, belagert von zig Taxifahrer die einem ihre Angebote entgegenschleudern, inmitten von hunderten von Chinesen auf den Bus nach Miyun gewartet haben. Die Schlangenführung war sehr außergewöhnlich, aber dabei sehr ausgeklügelt – der Platz wurde perfekt für die maximale Anzahl an Wartenden genutzt. Nur ging das Geschlängele echt ewig.

Im Bus hatten wir sogar 5 Plätze für uns, das heißt, dass wir diesmal nicht mit unseren Rucksäcken auf den, dann irgendwann kribbelnden, Beinen die komplette Busfahrt überstehen mussten.

In Miyun angekommen, warteten wir bei hohen Temperaturen und noch höherem Pollenflug eine halbe Ewigkeit an der Linienbushaltestelle auf Bus#25. Der Erste winkte vollbesetzt nur müde ab, und dann kam nichts mehr. Nach einer gewissen Wartezeit und insgesamt schon knapp zweistelliger Anzahl Taxifahrer, die uns ihre Dienste anboten, waren wir zermürbt und verhandelten dann also lang genug mit einem Fahrer und ließen uns schließlich, behangen mit Unmengen von Pollen und Fusseln und Straßendreck, nach Gubeikou bringen.

Gubeikou diente eigentlich nur als Startpunkt unserer Wanderung, ich muss aber gestehen, dass ich den Ort schon sehr schnuckelig fand, erst Recht wenn ich die Erfahrung und die Optik mit Tangkou (als Startpunkt unserer Huangshan-Wanderung) vergleiche. Die Menschen waren sehr freundlich und überhaupt nicht aufdringlich, ganz im Gegenteil. Und wir fanden sogar noch unseren typischen Spieße-Grill, was will man mehr?

Am ersten Mai ging es dann um 8 Uhr für uns los. Die Wettervorhersage war schon erbarmungslos, 30-34°Grad mit Sonne wurden je nach Anbieter postuliert. Der Start der Wanderung in Gubeikou kann entweder hart und schön oder weich und unspektakulär erfolgen, wir entschieden uns für hart. Immer höher und weiter stiegen wir durch Büsche auf recht sandigen, schmalen Pfaden zum Grat des Hügels, auf dem die Mauer verläuft, auf. Dort oben, abseits der Zivilisation, die man aber noch hören und sehen kann, liegen die ersten Ruinen des prächtigen Bauwerks. Je weiter wir uns aber unserem heutigen Ziel, Jinshanling, nähern, desto mehr wird von der Mauer noch übrig sein, bis sie dann in Jinshanling vollständig restauriert in ihrer früheren Pracht steht.

Auch die Ruinen sind schon sehr beeindruckend, aber erst beim Anblick der restaurierten Mauer wird einem das Ausmaß dieses Bollwerks bewusst. Ob George R.R. Martin wohl hier im Norden Chinas war und sich hat inspirieren lassen??

Schon im 7.Jahrhundert vor Christus wurde mit dem Bau begonnen (als Ziel: China vor den Reitervölkern im Norden beschützen), wobei die bekannten Teile erst zu den uns schon so bekannten Qing- und Ming Dynastien erbaut wurden. Schon deutlich früher waren die Staatsoberhäupter von dem Plan abgekommen, die Mauer in Tälern zu errichten und so stehen heute die Überreste des größten Bauwerks der Welt auf den Kämmen. Unzählige Wach- und Signaltürme (Ob J.R.R. Tolkien wohl hier war? Ich musste auch sofort an die Leuchtfeuer von Gondor und Rohan denken) ermöglichen bei guter Sicht einen Blick über die Ländereien und heranstürmende Heere können schon früh entdeckt werden. Große Teile der Mauer sind heute komplett verfallen, wurden von den umliegend Dörfern als Steinquelle genutzt oder eingerissen (seit 2008 hat die Unesco da mit dem Weltkulturerbe-Status den dringend nötigen Schutz drüber gelegt) und werden jetzt kostenaufwändig zum Teil restauriert, zum Teil erhalten.

Der erste Mai war jedenfall extrem heiss und die Landschaft war staubig und wirkte teils karg. Über die erste Zeit sind uns gar keine Menschen begegnet und nur der Blick auf die Straße und die Geräusche von Böllern und Hupen, das von den Straßen herdrang hat uns wissen lassen, dass da noch irgendwo Zivilisation wartet. Etwa sieben Stunden wanderten wir letztlich auf der Mauer bis Jinshanling, immer wieder Hügel hinauf, Hügel hinunter. Zwischendurch mussten wir ein Militärsperrgebiet umgehen, was uns aber eine kleine Pause bei einem pfiffigen Bauern bescherte, der kühle Getränke (die Amis nach uns haben zu den Bierdosen gegriffen) und Snacks anbot. Endlich mal die Körpertemperatur runterfahren und wieder auf überleben-ermöglichende Zustände kommen.

Für alles weitere der Erzählung vom ersten Tag auf der Mauer lasse ich jetzt mal die Bilder sprechen, die sagen in dem Fall doch mehr als tausend Worte!

Abendstimmung in 古北口

  Sonnenuntergang Erlanger Tempel? Steinweg über den Bach Abendessen ;) unser „Taxi“ Blick auf Gubeikou Und in die andere Richtung Start der Wanderung Und das soll jetzt ein Weg sein? Noch voll motiviert – aber man sieht uns die hohen Temperaturen schon an Steil hinauf! Na, das sieht doch schon eher wie Reste der Chinesischen Mauer aus Bäume wachsen zwischen den verfallenen Teilen der Mauer… … die im absoluten Nichts steht. Immer dem Weg folgend Meine drei Musketiere Mal kurz ein bisschen den Schatten zum auskühlen nutzen Hügel hinter Hügel schlängelt sich die Mauer mit ihren Signaltürmen Beim Umgehen des Sperrgebiets, immer die Mauer im Blick Unser Ranger Waren doch noch ein paar andere Menschen da. Die waren leider auch ganz schön laut… Am warten, ob die anderen endlich weiter ziehen und es für uns ruhiger wird Hier sieht man schon: Wir nähern uns dem Ziel, die Mauer ist stark restauriert Mal wieder so viele Stufen… Unglaublich, welche Distanzen sich die Mauer auf den Hügelrücken hoch und runter schlängelt Zu guter Letzt sind wir in Jinshanling

Kurzrückblick Camp NaNo April 2016

Ich hab es geschafft! Erster Mai 2016, in den letzten 30 Tagen liegen 31 Blogposts hinter mir. Es war mal wieder schön und ich möchte auch definitiv weiter mit hoher Intensität bloggen, aber es passiert einfach nicht immer jeden Tag was aufregendes und ab und an hat mich die Handyerinnerung, die mich um 19:00 Uhr an den täglichen Blogpost erinnert, schon sehr rausgerissen.

Nächste Woche steht der nächste Besuch aus Deutschland an, da wird tendenziell wieder mehr passieren, mehr angeschaut, aber auch an sich eher weniger Zeit zum Bloggen sein. 

Feedback habe ich nicht so viel zu dem Projekt bekommen – aber einen großen Dank (und shout-out) an Magda, die ein bisschen traurig ist, nicht mehr jeden Tag von mir zu lesen. Ich geb mir Mühe ;)

Hier das erste Bild der chinesischen Mauer, das wir gestern vor Sonnenuntergang noch ergattern konnten. Gleich geht die Wanderung los. Frohen er