Einkaufen wie die Einheimischen

Heut geht’s erst zu einem alten Fort in Minhla – 3 Jahre wurde daran gebaut um es dann 1885 nach nur 3 Tagen Kampf gegen die Briten aufzugeben.

In Minhla gibt es auch einen lokalen Markt und unsere Tour hat sich etwas besonderes überlegt. Jede Kabine bekommt 1000 Kyat (circa 0,60€) und einen kleinen Zettel mit Angabe. Wir müssen eine Portion Wasserspinat besorgen (was wir allerdings erst wissen, als einer der Stände auch „Kazun Ywet“ hat). Das wirkt ein wenig der Zoo-Herde entgegnen, als die wir uns sonst vielleicht durch den Markt geschoben hätten und die Einheimischen freuen sich über unser Interesse.

Köstlich auch das Gesicht unserer Guides als wir mit unserer frisch erstandenen Kokosnuss um die Ecke kommen und ihn fragen, ob er sich sicher ist, dass Kazun Ywet Kokosnuss heißt und ob sie wirklich Kokosnuss auf die Liste geschrieben hätten – schließlich ging es um Gemüse. Er sah ganz erleichtert aus, als wir dann doch mit unserer Tüte Wasserspinat rausrückten. Und die frische Kokosnuss hat herrlichen Urlaubsflair mitgebracht.

Nachmittags dann Pferdekutschfahrt in Thayet Myo zu einem Golfplatz. Absolut abstrus wie wir da in der Trockenzeit in Myanmar am Ende der Welt auf eine absolut abgerockten Übungsgrün (eher Rough…) stehen und einlochen üben.

Ich wünschte, ich könnte lesen was auf den Schildern steht Teile des Forts sind schon in den Irrawady abgerutschtSechs Meter dicke Fortmauer Auf dem Markt Unsere Aufgabe: Kazun Ywet. Unsere Bündel Wasserspinat kosteten übrigens 300 KyatIn Thayet Myo Auch das klassisch Burma: am Wegensrand wird Müll verbrannt Aprospos Müll… Überreste einer Stadtmauer am Flussufer, herrlich überwachsen von einer Würgefeige – doch davor quasi die Müllhalde der halben Stadt. Es tut im Herzen weh.

Zurück auf Start

Gehe nicht über Los, ziehe nicht 4000 Mark ein.

Seit etwas mehr als einer Woche sind wir hier und der Abschied und der Umzug steckt noch in den Knochen. Wie schon zu Beginn in Shanghai fliegen mir tausend Gedanken zum Thema „Ausländer sein“ durch den Kopf.

Es ist wieder ein kompletter Neustart, abgesehen von 4.5 Worten (Hallo, Tschüss, (vielen) Dank(e), Entschuldigung) keine Sprachkenntnisse; immense kulturelle Unterschiede zu allen Orten an denen ich bisher gelebt habe (Deutschland, USA und China); eine neue Stadt mit eigenen Hürden (mehrere Unternehmen die den (U-)Bahnverkehr regeln und daher kein intuitives System) und Linksverkehr. Und so weiter. Anfänge sind eben nicht immer unbedingt einfach.

Kleine Dinge zeigen mir, wie sehr ich in China zu Hause war. Nicht, dass der schwere Abschied nicht schon Anzeichen genug war. Im Baumarkt beim Klingelschild in Auftrag geben ist mir aufgegangen, dass ich alle meine Fragen auf Chinesisch hätte stellen können – so war es wieder viel Hände, Füße und Google Translate. Und der arme Mitarbeiter tat mir Leid, weil ich so gar kein Japanisch kann (was mich sehr ärgert, jeden Tag mehr. Das sollte eigentlich gute Motivation sein).

Kleine Dinge zeigen mir aber auch, wie tolle das Abenteuer Japan werden kann, wenn wir dann erst mal irgendwann richtig angekommen sind (in ca 6 Wochen sollten unsere Möbel dann auch endlich kommen). Einkaufen macht unheimlich Spaß; alle Delikatessen schauen so verlockend aus, dass wir für unsere Verhältnisse sehr selten Essen gehen – ganz ungewohnt plötzlich. Die Menschen sind – zumindest vornerum, aber das reicht mir ja für’s erste – unglaublich freundlich und höflich. Der Himmel ist blau und die Sonne bräunt tatsächlich meine Arme. Ich habe angefangen, mich wieder mit einem Zweirad durch die Stadt zu bewegen – was mir seit Erlangen gefehlt hat; ich war aber einfach zu vorsichtig im Shanghaier Verkehr.

Und so wohnt halt doch jedem Anfang ein neuer Zauber inne. Immerhin kann ich damit diesen Post auf einer positiven Note beenden. In den nächsten ein bis anderthalb Wochen sollten alle unsere Sachen aus China ankommen, sowie diverse Möbel die wir neu kaufen – von japanischen und schwedischen Möbelhäusern, respektive. Dann ist hoffentlich der erste Wall an Organisation erledigt und das Leben tritt wieder in den Vordergrund.

Und das Japanisch Lernen. Dringend…!

 

Kundenbindung (23.04.2016 -Tag23-)

Kundenbindung hat hier eine größere Bedeutung als bei uns. Wenn jemand mehrfach zu Dir kommt, hat er einerseits sein Vertrauen in Deine Produkte gezeigt. Andererseits bringt er vielleicht Freunde mit, erwähnt Dich lobend und sorgt für neue Kundschaft – so jemand möchtest Du nicht verprellen – und demnach haust Du den auch nicht mehr offensichtlich über’s Ohr.

Das merkt man nicht nur bei so offensichtlichen Orten wie dem Fake Markt, sondern auch beim Obststand, dem Café ums Eck, dem Sushiladen oder auch einfach dem Supermarkt (ihr kennt ja meine Lianhua-Geschichten jetzt schon).

Und so bemühen wir uns immer redlich, einen guten Eindruck zu hinterlassen, nett zu sein (im Gegensatz zu einigen Ausländern die hier leider denken, sie wären der westliche König und könnten die Leute von oben runter behandeln, in ihrer Muttersprache bepöbeln, etc). Und dann merkt man eben auch, dass die Verkäufer einen wiedererkennen, sich freuen wenn man da ist oder auch wenn man neue Leute mitbringt. Shanghai scheint von der klassischen Mundpropaganda zu leben und das kommt dort natürlich besonders gut an.

Für jegliche Güter oder kulinarische Köstlichkeiten haben wir also schon unsere Spezls und das erleichtert natürlich auch die Kommunikation und die Ansprechhürde. Weiterhin gibt es mir ein Gefühl des „zu Hause“ seins, erst Recht wenn die Verkäufer einen auf der Straße „in zivil“ erkennen und grüßen. In einer Paar-und-zwanzig Millionen Einwohner-Stadt. Muss man sich immer wieder auf der Zunge zergehen lassen, denn in unserem Viertel ist es trotzdem ein bisschen wie auf dem Dorf. Naja, genau genommen ist unser Compound von der Einwohnerzahl vermutlich schon ein deutsches Dorf. Also sagen wir: wie in einer Kleinstadt ;)

Einkaufen auf Chinesisch (02.04.2016 -Tag 2-)

Ich habe euch ja schon viel vom Einkaufen erzählt. Von toten Fischen, angetatschtem Fleisch, am Handy spielenden Verkäufern und so weiter. Was ich noch nicht erzählt habe, glaube ich zumindest, sind die Verkäufer, die sich im Supermarkt die Nägel abknipsen (auch das ist hier so ein Ding. Das wird einfach überall gemacht. Im Park, im Supermarkt – bei Nic im Büro, aber dort dann immerhin in einen Mülleimer. Gefühlt trägt jeder Bürger hier einen Nagelknipser mit sich rum – sehr oft sieht man diese auch am Schlüsselbund hängen. Vermutlich mit Ersatz, falls das geliebte Gerät mal kaputt geht. Ich hab keine Ahnung…). Oder diejenigen, die in der Fernsehabteilung zu dritt auf dem Boden sitzen und schauen, was so läuft (auch davon hab ich noch irgendwo ein Foto).
Worüber ich noch überhaupt nicht geschrieben habe sind aber die vielen kleinen Lebensmittelgeschäfte hier an der Straße. Gemüse oder Obst, manchmal auch beides. So kann man nicht nur in den Markthallen, großen Hypermärkten (wie Carrefour und Co offiziell bezeichnet werden) oder kleinen Supermärkten wie Lianhua oder Dia, seine frischen Einkäufe tätigen, sondern eben auch in den ganz kleinen „Löchern in der Wand“, wie ich diese Geschäfte liebevoll nenne. Allein in den drei Blocks um unser Compound herum gibt es unzählige dieser Geschäfte. Und ganz akut frische Sachen (mal Orangen oder Äpfel oder oder, aktuell sind es z.B. Koksnüsse) kann man oft an der Ampelecke direkt von einem Laster runter kaufen. So weiß man immer, welches Obst gerade Saison hat. Auch ganz praktisch. Ich muss euch mal Fotos von den ganzen kleinen Geschäften und den Lastern machen – wahnsinn, wie schnell man sich hier an gewisse Gegebenheiten gewöhnt. Immer erst wenn ich darüber nachdenke, wie ich das einem Besucher von zu Hause zeigen würde, oder was ich bloggen könnte, fällt mir wieder auf wie anders die Welten manchmal sind – und wie leicht ich von der Einen in die Andere wechseln kann und mich wohl fühle.
 Manchmal muss man ein bisschen aufpassen, dass man in den kleinen Läden nicht übers Ohr gehauen wird (erst Recht, wenn man so schlecht Chinesisch spricht wie ich und kein Einheimischer ist); aber wir haben einen ganz neuen Supermarkt bei uns gegenüber, kürzester Weg, verrückte Öffnungszeiten (wie so oft hier. Es ist eben offen, wenn jemand da ist) und sehr nette Verkäuferin. Ich glaube, seitdem ich letzthin 3 kg (in Worten: drei Kilos) Mangos gekauft habe, mag sie mich. Ich gehe aber auch echt gern zu ihr.
Gestern wollte ich wissen, was eine bestimmte Frucht (Grün, etwas größer als ein Apfel, mit langem Stiel, aber sonst ein bisschen wie ein mega-mutierter Granny Smith) ist und habe ihr – wie ich das seit neuestem immer mache – mein Handy hingehalten, sodass sie es direkt auf Chinesisch in die Übersetzer-App tippen oder malen kann (dazu erzähle ich euch in den kommenden Tagen auch noch ein bisschen mehr). Das ging irgendwie nicht so wie geplant und dann kamen andere Kunden, doch als ich soweit war und meine Einkäufe auf ihre Waage gelegt habe, hielt sie mir dann ihr Handy hin, mit den betreffenden chinesischen Zeichen. Die konnte ich fix abmalen – und siehe da, dann wollte ich diese seltsam anmutende Honigmelone doch probieren und hab mir eine Kleine eingepackt. War sehr aromatisch und den Kauf definitiv wert!
Mittlerweile gehe ich zum Obst kaufen eigentlich nur noch in den Laden. Das hat mehrere Gründe: Ich mag es, im „Tante Emma Laden“ einzukaufen – und auch wenn sie das Obst genauso im Großhandeln einkauft und es quasi keinen Unterschied macht, ob ich es bei Tesco, Carrefour oder ihr kaufe – so hat man doch das Gefühl, den kleinen Einzelhandel zu unterstützen. Außerdem ist die Frau sehr viel freundlicher als die Wiegedamen beim Hypermarkt (übrigens ein reiner Frauenberuf, ich habe da tatsächlich noch nie einen Mann wiegen sehen) und es drängelt sich auch keiner vor und schubst mich von hinten aus dem Weg um vor mir dran zu sein. Natürlich kommt dazu, dass ich einfach nur schnell einmal durch den Compound wackeln muss, zur kleinen Tür raus und über die Straße. Noch näher ginge es nur, wenn sie bei uns drin verkaufen würde. Zu guter letzt ist das Obst einfach paradiesisch und wirklich günstig. Sie hat ihre Preise meist ausgeschildert und wir haben mittlerweile so eine Kundenbindung (auch darüber werde ich euch in den nächsten Tagen mehr erzählen. Das hat hier meinem Gefühl nach noch mal eine andere Bedeutung als in Deutschland), dass ich mir sicher bin nicht über’s Ohr gehauen zu werden. Außerdem spreche ich gerne meine paar Brocken chinesisch mit ihr; erkläre ihr zum Beispiel, dass ihr Obst sehr wohlschmeckend ist oder wünsche ihr eine gute Nacht wenn ich spät dort bin. Überhaupt sollte ich meine paar Brocken viel mehr einsetzen – wenn ich nur nicht so schüchtern wäre, mit Muttersprachlern zu reden.
Alles in allem mag ich diese kleinen Supermärkte, so lange sie ein bisschen sauber sind und die Ware frisch aussieht. Nachdem der 鲜乐园水果超市erst vor ein paar Wochen aufgemacht hat ist das beides noch gegeben. 
    Xian leguan shuiguo chaoshi (Frisches paradiesisches Obst Supermarkt)
  Das ist das Tor – dahinter die Straße und dahinter der Supermarkt

    Honigmelone, Drachenfrucht, Honigmelone, Erdbeeren, Avocado und Jackfruit
  Auslage mit Erdbeeren, Jackfruit, Ananas, Orangen (mit hoher Müllproduktion) und Äpfel

   
  So sehen 3kg Manogs aus 

       Hab auch schon Mangosteen, Kiwi und Papaya dort gekauft

  Obst zum Abendessen hat bei der Vielfalt schon was für sich

Wie versprochen: Einkaufswagen

In den kleineren Supermärkten sind die hier üblich, in den großen Hypermarkets gibt es aber die großen Wägen, die wir gewohnt sind.

    Einkaufswagen mal anders (multifunktional und mit kleinem Wendekreis), mit ein paar Säcken Reis im Hintergrund.
  Das ist die „Zigarettenkasse“ von der ich erzählt habe. Erkenntlich am Aschenbecher links unten, der randvoll ist und in den die rauchenden Mitarbeiter (heute alle die ich gesehen habe…!) ihre Kippen versenken.  

Kurzeinkauf auf Chinesisch …zZzZzzz…

Nach dem Mittagessen war ich noch eben in unserem kleinen „Penner-Netto“ ums Eck, dem siffigen Lianhua von dem ich schon berichtet habe (wir haben ein paar hundert Meter weiter jetzt auch einen neu renovierten Lianhua, der ist toll, da kann man sogar getrost frisches Obst und Gemüse kaufen, sowie Importmilch und Butter!!) – für den Getränkekauf.

Die Rolltreppe, die ich zumeist meide, da sie schon sehr klapprig wirkt und von keinem der mir vertrauenswürdigen Hersteller (wie etwa Otis, Schindler oder Thyssen Krupp) ist – was ja hier durchaus bedenkenswert sein kann – stand still und so sah es nicht mal komisch aus, dass ich die Treppen hoch benutzte.

Der nette alte Mitarbeiter, der immer neben den Einkaufswagen sitzt (davon muss ich euch mal ein Bild machen… Das ist in diesem Fall bei kleinen Läden etwas ganz anderes als bei uns) hat tief und fest geschlafen. Naja, gut, ist ja auch direkt nach der Mittagszeit.

Ein paar Getränke reicher mache ich mich also auf Richtung Kasse #1 (die am Zigarettenstand, an dem auch gerne mal kleine Mädchen eine Schachtel kaufen. So wie bei uns früher, für Opa oder so) – an der ein Mitarbeiter tief und fest mit auf den Händen gestütztem Kopf schlief. Ouuups. Na gut, es gibt ja noch eine Kasse neben an.

An Kasse #2 fand ich dann also den dritten tief und fest schlafenden Mitarbeiter vor. Und nun? Wieder zurück in den Laden und dem einzigen wachen Mitarbeiter dem ich vorhin begegnet bin mit Händen und Füßen klar machen, dass ich mir nicht sicher bin, wen ich wecken soll? Ne, ist ja auch doof.

Also doch den Kassierer an Kasse #2 geweckt. Mit einem halboffenen Auge blickt er nach meinem piepsigen „Ni Hao?“ in mein fragendes Gesicht (ich wollte „Bin ich hier richtig? Würden Sie mich bitte kassieren?“ ausdrücken) und nickt müde. Nach dem Kassieren richtet er sich seine grüne Gummiwärmflasche auf dem Bauch zurecht und ich frage mich, ob er nicht eher zum Arzt sollte, als sich an der Kasse gesund schlafen? Oder war ihm einfach nur kalt und er macht das jeden Tag? Was das Schlafen angeht, überrascht mich hier nichts mehr. Scheint ein anderes Gen zu sein…

Passend dazu möchte ich diesen Zeitungsartikel posten, den ich auf dem Blog der lieben Shaoshi in Shanghai gesehen habe:

Schlafen bei IKEA in China – verboten oder doch nicht?

 

 

Einkaufen (1) Die Grundlagen

Ich habe eine neue Kategorie für euch: Einkaufen. Dieses Thema ist einfach eine ganz eigene Kategorie wert und ich bin mir sicher, dass ich immer wieder Fotos für euch machen werde, die euch die Unterschiede und tägliche Ungereimtheiten zeigen.

Hier gibt es eine ganze Reihen an Möglichkeiten, die täglichen Lebensmittel einzukaufen (oder auch Shopping, aber das bekommt einen extra Beitrag. Heute soll es erst Mal um Lebensmittel gehen):

  • Die zum Teil 24 Stunden geöffneten, Kiosk-artigen Minimärkte: Family Mart (dort bezahlt man übrigens auch seine Strom- und Gasrechung), Quik, Alldays, …
  • Chinesische Supermarktketten wie z.B. Dia, Lotus oder Lianhua
  • Importsupermärkte, z.B. City Super
  • Westliche Großsupermarktketten, aber auf chinesisch: Walmart, Tesco, Metro oder Carrefour (gesprochen: Tschallefou; das C ist ein Tsch und das R ist ein Laut, den ich nicht Lautmalerisch aufschreiben kann. Leider kann ich ihn auch nicht richtig aussprechen. Und nachdem ich mir da schon viele Knoten in die Zunge geknibbelt hab, im Versuch, das chinesisch „R“ richtig zu sprechen werde ich mich auch nie wieder über Chinesen lustig machen, die das deutsche „R“ nicht sprechen können – ich habe da vollstes Verständnis!! Ich glaube, unsere Anatomie muss da irgendwie anders sein, mit Zunge und Gaumen und so ;)
  • Oder wet markets (Hallen in denen nur offene Lebensmittel verkauft werden) sowie Gemüse oder Obst oder Obst und Gemüse Stände
  • Oder Straßenhändler (die dann an der Metrostation z.B. Kirschen verkaufen; oder die eben geangelten Fische, …)
  • Oder kleine Läden an der Straße die Getränke und Kleinkram verkaufen

Wir haben in unserer Straße direkt neben uns einen Dia und einen Lianhua. Von beiden Ketten gibt es weiter die Straße runter, in etwas „aufgeräumteren“ Bereichen unserer Viertels jeweils noch Ausläufer, die deutlich sauberer und organisierter sind – was mich dazu bringt, auch hier an Erlangen erinnert zu werden. Dort hatten wir bei uns ums Eck (bis er Anfang des Jahres renoviert wurde) den „Pennernetto“; hier haben wir jetzt den „Pennerlianhua“ (total verwinkelt und wirklich sehr, sehr schmuddelig), im übertragenen Sinne ;) Fühle mich also ganz wie zu Hause. Nur dass ich in unserem deutschen „schmuddeligen“ Supermarkt (jetzt rückblickend im Vergleich) vom Boden essen würde – so in etwa sind die Hygieneunterschiede. Trotzdem kann man im Lianhua super abgepackte, ungekühlte Lebensmittel und Getränke, sowie Putzmittel und Bürosachen kaufen, er ist direkt an der Ecke vom Compound und die Verkäufer sind recht freundlich, ich glaube, die kennen mich schon (habe bisher ausser Einheimischen nur zwei Afrikanerinnen da drin gesehen).

Wer? Was? Wo bin ich?

Es ist Mittwoch, 2:22 morgens und wir sind hell wach. Seit anderthalb Stunden surfe ich still und leise im Versuch, Nic nicht zu wecken und warte darauf, dass die Müdigkeit wieder kommt. Jetzt ist er leider doch noch aufgewacht (von alleine, ich war’s nicht, ehrlich!). Der Ärmste hat ja morgen seinen ersten Arbeitstag, hoffe er schlummert bald wieder weg.

Ich nutze einfach mal die Zeit, von unserem ersten vollen Tag in SH zu berichten. Wir hatten einen Wecker gestellt – den ich nicht gebraucht hätte (bin eine Stunde eher schon aus dem Schlafzimmer geschlichen) und den Nic ignoriert hat.

Die Chance hab ich genutzt, gleich mal die Gegend unsicher zu machen und Frühstück zu organisieren. Die Bäckerei ums Eck hatten wir bei dem Look and See Trip ja schon entdeckt, aber unsere Chaossituation in der Wohnung ging mir auf die Nerven, so wollte ich doch wenigstens Putzlappen und irgendein Reinigungsmittel kaufen.

Wir können übrigens unserem Vermieter sehr dankbar sein, er hat zwei Sätze Bettwäsche hinterlegt (also nur die Bezüge). Kissen mit eigenen Bezügen hatten wir im Koffer, die Laken für auf die Matratze und zum Zudecken (bis die Luftfracht mit unserer Bettwäsche ankommt) haben wir wohl aus Versehen auch in die Luftfracht gepackt. Ups… So mussten wir uns immerhin nicht mit unserer beiden Duschtüchern Zudecken. Aber etwas Waschmittel um das Zeug einmal durchzuwaschen wollte ich auch.

Auf dem Weg die zwei Blocks bis zum nächsten Tesco Express bin ich neben der Bäckerei über einen kleinen Supermarkt der Kette „Dia“ gestolpert. Auf ins Abenteuer! (Abends waren wir dann noch im Tesco, dort ist deutlich mehr auf Englisch ausgeschildert)

Ich habe es irgendwie geschafft, mit einer Packung Lappen (da war ich mir am unsichersten), Spüli (gelb, mit einer Katze drauf… Irgendwie find ich noch raus, was es damit auf sich hat) und Waschmittel, sowie Frühstück vom Bäcker heim zu kommen. Auch wenn es jetzt etwas albern klingt, aber das war ganz schön aufregend!! In etwa so wie im Urlaub im fremden Land, wo man auch nichts versteht, nur dass man mit Englisch wirklich nicht weiter kommt (aber sicher mit Händen und Füßen) und dass das jetzt meine Realität ist – und nicht nach 2-3 Wochen vorbei ist… Krass! Übrigens: das Klima ist anstrengender als damals auf Bali. Es ist unglaublich heiß und drückend schwül, viele Männer krempeln auf der Straße ihre T-Shirts hoch und gehen „bauchfrei“; auch der Telecom-Mensch meinte „hao re“ (was Lia uns während der deutschen Hitzewelle vor 4 Wochen beigebracht hat) aber unsere Klimaanlage ist top. Wir sind im Hochhochsommer angekommen!

Immerhin, die Schränke sind ausgewischt (ich hab noch nie so viel Dreck in einem Schrank gesehen…), die Koffer ausgepackt und versorgt und das Wohnzimmer einigermaßen aufgeräumt. Der Telecom-Mensch hat unser Internet zu unserer vollsten Zufriedenheit installiert, läuft alles. Wenn morgen der Fernseh-Installateur weg ist, möchte ich entweder:

– die erste ausgedehnte Runde durch die Nachbarschaft drehen (es ist einfach alles sooo anders hier!) oder

– zu IKEA fahren und Ausschau nach Kleinkram und 1-2 Möbeln halten.

Ihr werdet es sicher hier nachlesen ;) Viele Bilder von heute habe ich leider nicht, weil nicht viel passiert ist und mein Akku morgens recht schwach war und ich ihn sparen musste, für falls ich mich verlaufe ;-D Aber heute ist mir sehr stark bewusst geworden, was für eine andere Welt unsere neue Nachbarschaft doch ist – ich möchte euch das auf jeden Fall mal per Video zeigen, auch wenn ihr es am besten selbst anschauen kommt. Ich kann es gar nicht beschreiben.  

 Gäb es nicht die englische Übersetzung könnte das mit diesen pinken Zeichen doch alles sein, nur kein Krankenhaus, oder??

   Abendessen in rauen Mengen bei Yang’s Fried Dumpling (ist hier eine weit verbreitete Kette)
 Sonnenuntergangswolken auf dem Heimweg