Huangshan Endbetrachtung (18.04.2016 -Tag18-)

Nachdem wir eine unglaublich schöne und sehr ruhige Zeit abseits des Hauptweges hatten, war der Schock, zurück nach „China“ zu kommen umso größer. Schon kurz bevor unser Weg wieder auf den Hauptweg traf, wurde das Geräuschlevel immer lauter und lauter. Das Wetter war viel besser als erwartet, der Regen blieb aus und zeitweilig schien die Sonne. Außerdem war es Sonntag. Ergo: Der Berg wimmelte nur so von Touristen. Eine geführte Tour mit Lautsprecher (>brazzzzzzz<) nach der nächsten, Gruppenweise junge Mädchen, die sich mit Michi und Nic fotografieren wollten. Der Lotus Peak, den wir ursprünglich mal noch besteigen wollten (ich muss fairer Weise sagen: ich hätte es körperlich nicht mehr geschafft) war wegen starken Windes gesperrt und unsere Nerven lagen nach der ganzen Ruhe und Idylle blank. So hieß die Devise: nichts wie runter von dem Berg und zu unserem Grillladen von Freitagabend. Immerhin was, worauf wir uns alle gefreut haben. Nachdem der letzte Bus von Tangkou nach nach Tunix schon gegen 17:30 gehen sollte und wir für die 15 km Abstieg circa 4-5 Stunden gebraucht hätten, gab es um 13:00 auch nur noch die Seilbahn. Meine Knie und ich waren dankbar – doch der Weg dort hin war die Hölle.

Platzangst darf man sicherlich keine haben – und empfindliche Ohren auch nicht. Rumschreiende Muddis und Omas (die Generation 50+ hier raubt einmal manchmal den letzten Nerv, das werde ich bei Gelegenheit nochmal weiter ausführen). Heute reicht wohl die Geschichte: in einem Strom von Menschen, der sich langsam über die Stufen mäandert, bleibt die „entiteled Muddi“ (wie ich sie liebevoll nenne) vor einem unvermittelt stehen, dreht sich auf dem Absatz um (merke: sie hält damit in diesem Fall locker an die 100 Menschen gleichzeitig auf…) und schreit ihrer Familie / Freundin / Gruppenkollegin 20 Stufen weiter hinten etwas entgegen. In mein Ohr. Überhaupt stimmt der Stereotyp, hier geht einfach alles lauter zu. Aber daran kann ich mich überhaut nicht gewöhnen, das hat nichts mit Kulturschock zu tun oder Intoleranz. Ich finde das einfach nur unhöflich und antisozial. Ebenso, wenn uns einer der Träger entgegen kommt und versucht, und als Kunden zu gewinnen. Kurz zuvor spuckt er allerdings einen tief hochgeholten Klumpen Schleim auf die Stufe. Was ist denn das für eine Art, Kunden für seine Dienstleistung zu gewinnen?

Mit jeder Minute wurden wir innerlich aufgewühlter, um es ma zu umschreiben. Unsere Stresslevel beruhigten sich, als wir in der Seilbahn saßen und dank des Windes gemütlich nach unten schwebten.

In Tangkou angekommen freuten wir uns erst mal, von der Bushaltestelle in den Ort zu laufen. Ein paar hundert Meter ohne Treppenstufen laufen. Einfach himmlisch.

Unser Grillladen hatte leider den Grill nicht aufgebaut – aber wir beschlossen, dann eben was von der Karte zu essen – Hauptsache bei denen, da war’s nämlich gut. Unter anderem einen Oktopusspieß. Und was erblicken unsere erfreuten Augen da? Sie bauen den Grill auf. Flugs haben wir (auf nachfragen, versteht sich), wieder unseren Tisch raus bugsiert und das Lager unter der Brücke aufgeschlagen. Am Kühlschrank haben wir dann noch fleißig Spieße zusammengestellt und waren sehr schnell wieder sehr versöhnt. Die Erfahrungen waren einfach herrlich und allein die drei einsamen Stunden auf dem Weg zur Fairybridge haben das Wochenende extrem lohnenswert gemacht.

In Tunxi angekommen hatten wir noch sehr viel Zeit bis zum Rückflug. Also noch eben in die Altstadt gefahren (erste Linienbusfahrt in China!). Die ist wirklich, entgegen der Onlinerezensionen (auf die ich wirklich nach dem Wochenende gar nichts mehr geb) sehr sehenswert und war ein schöner Wochenende-Ausklang.

Als Highlight zum Abschluss haben wir die Bushaltestelle für den Linienbus zum Flughafen nicht gefunden – und sind mit einer kleinen Mopedrikscha hingedüst. Der Fahrer hatte eine Gaudi mit uns und wir hatten nochmal eine kleine außergewöhnliche Rundfahrt durch Tunxi, Huangshan City.

Der Muskelkater hielt bei mir drei Tage – aber das war es allemal wert. Berge zu sehen, Stille zu genießen, frische Luft zu atmen und sich körperlich draußen betätigen. Alles Dinge, die ich früher für selbstverständlich angenommen habe.

Hier die letzte Runde Bilder bevor ich mich diese Woche wieder anderen Themen widme.

   Michi umschwärmt
  Nic und Michi umschwärmt

   Abstieg
  Teepflückerinnen. Huangshan ist eine bekannte Teeregion

   Erste Linienbusfahrt in Tunxi
  Unser Grillladen in Tangkou. Wir sind jetzt auch Teil der Familie, selbst die Ayi kam gleich wieder zu uns :)

   Die sind wohl morgens voll – Seilbahnstatiom an den Western Steps
  Tunxi Altstadt

   Auf dem Wasser
  Stefan, Dani und Nic in der Altstadt

 Blick zur Rikscha vorne raus
  Am Flughafen. Auch der Fahrer freut sich vorne drin

PS: sorry, dass die Bilder jetzt teilweise nicht chronologisch waren… Keine Ahnung, was da passiert ist. Aber ich freu mich einfach, dass es überhaupt wieder klappt

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Die wichtigen Dinge im Leben

Ich mache das ja nicht zum ersten Mal. Also, den Lebensmittelpunkt in das Ausland verlagern, meine ich. 2009 war ich für zehn Monate in Amerika. Damals hab ich für eine deutsche Firma gearbeitet und hatte gleich Glück, dass ein weiterer Deutscher, Daniel, für ziemlich genau den gleichen Zeitraum dort war. Dazu kamen noch ein paar Praktikanten, von denen nur Franz, der damalige Mitbewohner von Daniel, eine Relevanz hat, weil wir bis heute befreundet sind. So hatten wir, zusammen mit ein paar lokalen Kollegen, vor allem Melissa, Franz’ und Daniels „Gastschwester“ und Eliud, Daniels späteren Mitbewohner, schnell einen kleinen Kreis aufgebaut.

Solche Zufälle (falls man es so bezeichnen möchte) sind elementar wichtig für das eigene Wohlbefinden im Ausland. Und es war klar, dass das auch hier für uns wichtig werden würde.

Während unseres Besuchs in Deutschland, und dem Zurückkehren nach Shanghai Ende Februar, ist mir aufgegangen, welches Glück wir hier wieder haben.

Schon vor der Abreise haben wir uns in Erlangen mit Michi getroffen, von dem Nic wusste, dass er auch nach Shanghai umsiedeln würde (er ist schon im Juni hier her gekommen und in Nic’s Abteilung). Kurz darauf, beim Look and See Trip haben wir Dani und Stefan kennengelernt. Die beiden mussten mit uns gemeinsam den medical check durchstehen– ein Event, das uns direkt zusammengeschweißt hat. Zufällig pflegen wir zu Hause ähnliche Hobbys und es hat sich auch gut ergeben, dass wir hier einem gemeinsamen Hobby nachgehen: Essen. Alles ausprobieren.

Zufällig, beim Burger essen im Blue Frog, hab ich dann auch einen weiteren deutschen Kollegen von Nic getroffen, Jochen (es sollte dann noch ein bisschen dauern, bis wir seine Frau Elena beim Weihnachtsessen Ende November kennenlernen würden) – der uns unter anderem zufällig einen Schweizer Kollegen, Markus, der für eine andere Firma hier in Shanghai ist und mit Stefan zusammenarbeitet vorgestellt hat. Beim Weihnachtsessen kam Markus mit seiner Frau, Chia-Wei, der wir uns – vorurteilsbehaftet wie wir eben sind – direkt auf Englisch vorgestellt haben, nur um dann zu hören, wie die beiden sich auf Schwizerdütsch unterhalten.

Dort haben wir festgestellt, dass sowohl Chia-Wei und Markus, als auch Elena und Jochen jeweils erst nach Heiligabend in den Weihnachtsurlaub fliegen würden (so wie wir) und kurzerhand beschlossen, dann doch einfach Heiligabend gemeinsam zu verbringen.

Mittlerweile sind wir eine eingeschworene Runde und haben schon nach der Rückkehr mit Stefan darüber gesprochen: aus Deutschland (weg von Familie und Freunden) wieder Richtung China abzureisen wird einfach deutlich leichter durch die Tatsache, dass man hier Freunde hat. Ein funktionierendes soziales Umfeld ist unersetzlich und wir sind dankbar, wie schnell wir hier diese tollen Menschen (es gibt auch noch mehr, die jetzt hier nicht namentlich erwähnt sind, aber trotzdem ihren Anteil haben) kennengelernt haben und wie unkompliziert das alles passt. Sicher eine Haupt-Zutat im Rezept für die gelungene Expat Zeit.

    Blick vom Garten von Elena und Jochen auf ihr Haus – und da kann schon mal was von oben geflogen kommen ;)
  Das ist dann der Knochen, den Markus beim Oster-Brunch von oben abbekommen hat.

  
Beim Osterbrunch – ich bin mir nicht sicher, ob alle mit der Veröffentlichung hier einverstanden wären, daher die „artistische“ Bearbeitung ;)

   Kickerspass mit Dani und Stefan vor zwei Wochen :)