Bild des Tages (21.04.2016 -Tag 21-)

Ich musste dringend unseren Briefkastenschlüssel nachmachen lassen. Eine kurze Internetrecherche zeigt: bei den Carrefour gibt es meist einen Schlüsseldienst, aber wahrscheinlich findet man im Umkreis von einem Block einen „Loch-in-der-Wand“-Laden. Siehe da, heute nach dem Mittagessen bin ich doch tatsächlich an einem besagten Laden vorbei – direkt neben der Nähfrau, von wo ich euch gestern das Bild des Knopf-annähenden gepostet habe. Fast hätte ich es übersehen, aber wenn man halbwegs aufmerksam durch die Straßen geht, sollte man die 100 Rohlinge schnell zuordnen können.

 Ich fragte also, ob er diesen Schlüssel zweimal für mich duplizieren könnte (mein Wortschatz reichte ehrlich gesagt nur für ein „Kannst Du den machen? 2 Mal.“, aber chinesisch ist zum Glück eher eine Sprache, in der man sich so kurz wie möglich ausdrückt. Füllwörter und Fluff kann man getrost streichen und so hat er es tatsächlich verstanden.)

Etwa 90 Sekunden später und 5 CN¥ ärmer (das sind knapp 0,70€) hatte ich also wieder drei funktionierende Briefkastenschlüssel. 

Manchmal liebe ich China für seine Unkompliziertheit! 

   In der Mitte das Original

Kurzeinkauf auf Chinesisch …zZzZzzz…

Nach dem Mittagessen war ich noch eben in unserem kleinen „Penner-Netto“ ums Eck, dem siffigen Lianhua von dem ich schon berichtet habe (wir haben ein paar hundert Meter weiter jetzt auch einen neu renovierten Lianhua, der ist toll, da kann man sogar getrost frisches Obst und Gemüse kaufen, sowie Importmilch und Butter!!) – für den Getränkekauf.

Die Rolltreppe, die ich zumeist meide, da sie schon sehr klapprig wirkt und von keinem der mir vertrauenswürdigen Hersteller (wie etwa Otis, Schindler oder Thyssen Krupp) ist – was ja hier durchaus bedenkenswert sein kann – stand still und so sah es nicht mal komisch aus, dass ich die Treppen hoch benutzte.

Der nette alte Mitarbeiter, der immer neben den Einkaufswagen sitzt (davon muss ich euch mal ein Bild machen… Das ist in diesem Fall bei kleinen Läden etwas ganz anderes als bei uns) hat tief und fest geschlafen. Naja, gut, ist ja auch direkt nach der Mittagszeit.

Ein paar Getränke reicher mache ich mich also auf Richtung Kasse #1 (die am Zigarettenstand, an dem auch gerne mal kleine Mädchen eine Schachtel kaufen. So wie bei uns früher, für Opa oder so) – an der ein Mitarbeiter tief und fest mit auf den Händen gestütztem Kopf schlief. Ouuups. Na gut, es gibt ja noch eine Kasse neben an.

An Kasse #2 fand ich dann also den dritten tief und fest schlafenden Mitarbeiter vor. Und nun? Wieder zurück in den Laden und dem einzigen wachen Mitarbeiter dem ich vorhin begegnet bin mit Händen und Füßen klar machen, dass ich mir nicht sicher bin, wen ich wecken soll? Ne, ist ja auch doof.

Also doch den Kassierer an Kasse #2 geweckt. Mit einem halboffenen Auge blickt er nach meinem piepsigen „Ni Hao?“ in mein fragendes Gesicht (ich wollte „Bin ich hier richtig? Würden Sie mich bitte kassieren?“ ausdrücken) und nickt müde. Nach dem Kassieren richtet er sich seine grüne Gummiwärmflasche auf dem Bauch zurecht und ich frage mich, ob er nicht eher zum Arzt sollte, als sich an der Kasse gesund schlafen? Oder war ihm einfach nur kalt und er macht das jeden Tag? Was das Schlafen angeht, überrascht mich hier nichts mehr. Scheint ein anderes Gen zu sein…

Passend dazu möchte ich diesen Zeitungsartikel posten, den ich auf dem Blog der lieben Shaoshi in Shanghai gesehen habe:

Schlafen bei IKEA in China – verboten oder doch nicht?

 

 

Ozaoza

contemporary Ost trifft auf West. 9 Gänge Menü – wir haben uns beide nach Hause gerollt (immerhin, nur 200 m) 

    Ozaoza auf der Kanding Lu
  Hübsch eingedeckt in unserem Kuscheleck

    Amuse bouche (Stamperl links) und getrüffelter Pilz-Cappucino in der Tasse
 Stockbrot mit Kräuterbutter auf Holzblock gespießt 

    Salat mit Avocados und Lachstartar (in den Avocados)
  Wachtelei, Würstchen am Knochen und scharfes Risotto

    Meeresfrüchteschale und Sojasoße aus dem Pasteurpipettenfläschchen
  Sorbet aus dem Reagenzglas

    Filet mignon, getrüffeltes Kartoffelpürree und würziges Reiscrispie
  Nic inspiziert die Dessertplatte (Schokonüsse, brauner Zucker Kekse, Holunder-Pannacotta, Erdnussbuttercreme)

    Kaffee mal chemikalisch – der Kaffee hat stark nach Bali geschmeckt! Wir sind dann auch urlaubsreif ;)
 
 Präsentation und Qualität der Speisen, sowie Service: top!! Das war nicht unser letzter Besuch…

Yùfó Chán Sì – Jade Buddha Tempel

Am Donnerstag, was schon fast wieder eine Woche her ist, waren wir im Jade Buddha Tempel (Yùfó Chán Sì).

Der Tempel hat ein deutlich späteres Gründungsdatum als der Jìng’an Sì, gebaut 1918-1928 (im Stil der Song-Dynastie), dafür hat er die Kulturrevolution unbeschadet überstanden – die ansässigen Mönche haben dazu den Tempel für die Öffentlichkeit geschlossen und handgemachte Produkte verkauft. Die Chan Mönche (westlich: Zen Mönche) sagen selbst über ihren Tempel, dass er ein „ruhiges Stück Land inmitten der Hektik der Stadt ist“ – was zu unserem Besuch nur zum Teil gestimmt hat.

Yùfó Chán Sì liegt 3 Blocks nördlich von uns und ist damit einen Katzensprung entfernt. Inmitten einer normalen Straße, umgeben von Häusern mit den kleinen Shops in denen allerlei Tempelnippes, Räucherstäbchen oder Essen/Trinken verkauft wird, liegt also der Tempel. Um mehr Platz für die (praktizierenden) Besucher zu machen, wird der Tempel seit Juli 2014 umgebaut, unter anderem wird die Haupthalle nach hinten verlegt um den Vorplatz zu vergrößern. Soviel aber zum Thema „ruhiges Stück Land“…

Wie haben es die Jade Buddha Statuen in den Norden von Jing’an nach Shanghai geschafft? 1882 machte sich der Mönch Hui Gen auf zur Pilgerreise von der Insel Putuoshan nach Tibet und danach Birma. Soviel steht fest. Zur Entstehung der Statuen gibt es verschiedene Geschichten, in einer bricht sich der Mönch 5 Blöcke burmesicher Jade und lässt daraus die Buddhastatuen schnitzen – in einer anderen bekommt er die fertigen 5 Jadebuddhastatuen. Fest steht, er kommt mit 5 Buddhastatuen aus feinster weißer burmesischen Jade zurück. Von denen er zwei in Shanghai lässt. Beide Statuen zeigen Shakyamuni, die größere (knapp 2m hoch) im Moment der Erleuchtung (diese Statue darf nicht fotografiert werden, daher schließe ich einen Link zu Bildern online ein), die kleine (etwa 1m) dann liegend beim Eintritt ins Nirvana. Auf deren Basis wurden Spenden gesammelt, um den Bau eines Tempels zu ermöglichen. Und so kann man heute im Jade Buddha Tempel die beiden Jade Buddhas bewundern.

Der Tempel wird in drei große Bereiche unterteilt, daneben gibt es noch mehrere kleine Räume mit Statuen, z.B. von der Göttin des Mitgefühls, Guanyin. Die Haupthallen sind:

  • Halle der Himmelskönige (die ich euch schon im Rahmen des Jìng’an Sì vorgestellt hab)
  • Große Halle (mit drei großen und quasi unzähligen kleinen Statuen, die ich nächstes Mal fotografiere)
  • Halle der Weisheit des Abtes (dort stehe die Jade Buddhas sowie eine 7168 Bände umfassende 300 Jahre alte Ausgabe des Tripitaka; der Kanon der buddhistischen Schriften und Lotos Sutra)

Während unsere Besuchs, am Tage der Feierlichkeiten zum 70 jährigen Ende des zweiten Weltkriegs, waren die Chan-Mönche gerade im Gebet für den Frieden (soweit ich es danach der offiziellen Homepage entnehmen konnte) – da wollte ich nicht allzu sehr mit meiner Kamera rumwedeln und ungefragt Fotos machen. Aber ein paar Schnappschüsse haben wir natürlich trotzdem für Euch – schade nur, dass ihr die schöne Zeremonie mit kleiner heller Glocke und großer Holztrommel und Mantragesang nicht mitverfolgen konntet!

   Ein Räucherstäbchenberg auf der Anyuan Lu vor dem Tempel
  Eingang und Anblick von außen

   Innenhof mit Räucherstäbchen und Schrein
 Auch hier bringen Yuan oder Jiao Glück

   Im Hintergrund: Nic lauscht andächtig
  Eingang in die große Halle

    Dickbauchbuddha: Inkarnation des Zukunftsbuddhas Maitreya, steht für Nächstenliebe, der dicke Bauch versinnbildlicht Großzügigkeit und der Buddha wird immer lachend dargestellt
  König des Norden

   König des Westen
  König des Osten

 König des Süden
   Blick in den Innenhof bei der Halle der Weisheit des Abts
  Nic versucht sein Glück beim Balancieren der Münze

   Ein weiteres Tor zur modernen, lauten Stadt mit den hohen Häusern
  Guanyin

  Tempelteil im Baustellenbereich. Der Umbau soll 2016 abgeschlossen sein, ich halte euch auf dem Laufenden

Jìng’an Sì

Shanghai wurde 960 das erste Mal als Dorf erwähnt – doch schon über 700 Jahre vorher wurde am Ufer des Wusong River (der auch Suzhou Creek genannt wird) zur Zeit der Drei Reiche der Jing’an Tempel erbaut (247 AD), der überlieferte Name damals: Hudu Chongyuan Tempel. Aufgrund dauernder Bedrohung durch Überschwemmung im sumpfigen Shanghai wurde der Tempel unter der Song Dynastie im Jahr 1216 an seinen heutigen Standort verlegt. Er ist neben dem Yonghe-Tempel in Peking und dem Guangxiao-Tempel in Guangzhou einer der drei wichtigsten buddhistischen Sakralbauten Chinas.1912 wurde dort die erste „Chinese Buddhist Association“ gegründet.

Wenn man sich alte Bilder des Tempels zu verschieden Zeiten anschaut, kann man sich wirklich nicht vorstellen, was einen heute erwartet.

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Aufnahme von 1870-1890

tempeltor 19 jahrhundert

Tempeltor im 20. Jahrhundert

ehemaliger Tempel vor Restauration

Der Tempel vor seiner Restauration in den 90ern (das schwarz/gelbe unten links ist der Tempel). Ganz klar schon das näherrücken der Hochhäuser zu beobachten.

Heute steht der Jing’an Tempel als Relikt einer vergangenen Zeit und als Ort „des Frieden und der Ruhe“ (so die wörtliche Übersetzung) inmitten der größten Stadt Chinas, umgeben von Hochhäusern, Shops, Straßen und Autos. Ein surrealer Anblick und ein surreales Gefühl, wenn man durch das Tempeltor tritt und die hupenden Autos hinter sich lässt (oder es versucht).

Gleich am Eingang kann man sich ein kleines Bündel Räucherstäbchen (die in dem Zusammenhang besser „Gebetsstäbchen“ genannt werden sollten) kaufen und abbrennen. Die gläubigen Besucher (von denen mit mir zusammen deutlich mehr den Tempel besucht haben, als einfache Touristen!) verneigen sich dabei in alle Himmelsrichtungen und besinnen sich (insofern sie das Gehupe und Gewusel der Stadt ignorieren können).

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In der Mitte des Tempelinnenhofs steht ein mehrstöckiger Schrein der munter mit Münzen beworfen wird – so soll es doch Glück bringen, wenn man in den Schrein hinein trifft oder die Münze auf einem der Dächer liegen bleibt. Ich habe getroffen!

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Blick über den Innenhof auf die Halle (mit den Löwen auf dem Dach) rechts vom Eingang und die dahinter liegenden Hochhäusern.

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Der Säulengang im ersten Stock (fun fact: first floor bezeichnet in China das Erdgeschoss, also faktisch ist das der zweite Stock. Real ist es das erste Stockwerk über dem Boden/Eingang) zeigt: hier ist alles neu. In den Zeiten der Kulturrevolution wurden die buddhistischen Mönche aus dem Tempel vertrieben und dieser kurzerhand in eine Plastikfabrik umgewandelt. Diese Zerstörung von Kulturgut und Architektur gipfelte in einem Abbrennen des Tempels 1972. Danach wurde der Tempel sukzessive wieder aufgebaut und wurde und wird stetig renoviert. Abgesehen von den Ausstellungsstücken und Statuen gibt es hier nichts altes mehr.

Seit 1991 ist der Tempel wieder offen für Besucher und ein buddhistischer Konvent hat sich in den Räumlichkeiten niedergelassen. Deshalb sind viele Bereiche für Touristen nicht zugänglich, wenn man aber so wie ich Glück hat und ab und an zum richtigen Zeitpunkt mal eine Tür aufgeht, kann man einen Tisch voller Mönche beim Mittagessen sehen oder eine Gruppe meditierender Mönche beim Mantras rezitieren hören. Hier wird Religion gelebt und es ist toll zu sehen, dass der Tempel eben nicht nur eine Touristenattraktion oder Geldmaschine ist.

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Bester Beweis dafür, dass hier Menschen leben? Die Wäsche hängt auch hier zum Trocknen draußen…

Nun aber zu den Herzstücken für alle Buddhisten und Touristen, die Statuen des Jing’an Tempel:

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Die Statue des Sakyamuni (der erste Buddha des Buddhismus) in der Jade Buddha Halle des Tempels. Diese Statue ist knapp 4 Meter hoch und 11000 kg schwer. Angefertigt aus burmesischer Jade ist diese Statue die größte sitzende Jadebuddhastatue des Landes. In Shanghais Jadebuddhatempel (den ich euch hoffentlich sehr bald vorstellen kann), liegt die Statue.

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In der Guanyinhalle gegenüber findet sich diese fulminante Schnitzung der Guanyin Bodhisattva, der Göttin des Mitgefühls. Sie ist eine der meistverehrtesten Gottheiten im ostasiatischen Buddhismus und wie ihr auf dem ersten Bild erkennen könnt, werden ihr auch hier im Jing’an Tempel reichlich Opfer dargebracht! Historisch überliefert, wird Guanyin mit tausend Augen (die alles Leid auf der Welt sehen können) und tausend Armen (die überall helfen können) dargestellt, hier ist es eine beeindruckende Statue aus 5 Tonnen 1000-jährigem Kampferholz, die 2,6 Meter Durchmesser und über 6 Meter Höhe aufweist.

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Das größte Herzstück des Tempels ist jedoch die Statue des Sakyamuni Buddha (s.o.) in der Mahavirahalle. Der Buddha ist aus 15 Tonnen Silber gegossen und gebettet auf einem Lotusblatt in Meditation dargestellt – und ragt dabei fast 9 Meter in die Höhe.

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Jedoch ebenso beeindruckend ist die Halle an sich. Sie ist komplett aus burmesischem Teakholz gefertigt und wird durch 46 Säulen gestützt. Das ganze ergibt eine unglaublich warme Atmospähre.

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Neben dem Buddha hängt noch dieses Goldstück, eine 3,3 Tonnen schwere Kupferglocke, die Hongwu Glocke, aus der Ming Dynastie. Hongwu war der Gründer besagter Dynastie und regierte das Land 1368-1398 als Kaiser.

Neben den Buddhastatuen gibt es auch noch die „Four Heavenly Kings“. Im Buddhismus wacht je einer von ihnen über eine Himmelsrichtung, als Beschützer der Welt und Kämpfer gegen das Böse. Weiterhin wird überliefert, dass jeder von ihnen eine Legion übersinnlicher Kreaturen befehligen kann, um den Dharma zu beschützen. Diese Jungs braucht man um sich!

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Links steht Chí Guó Tiānwáng, der König des Ostens und der Musik. Als harmonischer und beschützender König, nur mit einer Pipa (Saiteninstrument) „bewaffnet“, benutzt er seine Waffe um andere zum buddhistischen Glauben zu führen. Seine designierte Farbe ist Weiß.

Rechts steht Zēng Zhǎng Tiānwáng, der König des Südens. Er beherrscht den Wind und führt zu gutem Wachstum. Mit seinem Schwert beschützt er den Dharma und den Süden. Seine designierte Farbe ist Blau.

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Ihnen Gegenüber steht links Guăng Mù Tiānwáng, der als König des Westens „alles sieht“. Er repräsentiert den Drachen (daher die Schlange als „Waffe“), als das Auge des Himmels, sieht Ungläubige und bringt sie zum Buddhismus. Seine designierte Farbe ist Rot.

Rechts steht zu guter letzt der Chef der vier Könige, Duō Wén Tiānwáng, der Herrscher des Regen und Beschützer des Nordens. Er wird mit Pagode (gegen den Regen und als Herrschaftszeichen!) dargestellt und erinnert in der Darstellung an die altertümliche indische Gottheit des Reichtums. Seine designierten Farben sind Gelb oder Grün.

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Ein weiteres Zeichen für das Aufeinandertreffen von alt und neu ist die Friedensglocke, Peace Bell. Erst 1999 gegossen, soll sie Frieden für das 21. Jahrhundert bringen. Ihr gegenüber steht eine große Trommel – 2,2 Meter im Durchmesser mit Kuhfell bezogen. Beide Türmchen waren aber abgeschlossen, daher nur das Bild von unten auf die Glocke und keines von der riesigen Trommel.

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Und ein lachender Buddha darf auch in diesem Tempel nicht fehlen, allerdings nur ein kleiner in einer kleinen Nebenhalle.

Wie wichtig dieser Tempel für Shanghai ist, zeigt auch dass die Straße an der er steht – immerhin eine der bekanntesten Straßen Shanghais (die Nanjing Lu, auch wenn diese um den People’s Square ihre größte Bedeutung hat) – vor ihrer Umbenennung Jing’an Si Lu hieß, dass 1908 dort die erste Tramhaltestation Shanghais gebaut wurde (der Tempel als zentrales Herzstück der Stadt – sozusagen wie bei uns auf dem Dorf die Kirchen) und dass unser gesamtes Viertel (das ich euch ganz bald auch endlich im Detail vorstellen möchte) nach ihm benannt ist.

Der Jing’an Tempel, jeher ein Treffpunkt von Gläubigkeit, Besinnung und Kommerz (heute noch weit mehr Kommerz als früher, als es nur ein Markt war. Jetzt haben wir gleich mehrere riesige Shopping Malls rund um den Tempel), ist zehn Gehminuten von uns entfernt. Oder eine Ubahnstation. Wirklich ein absoluter Glücksfall, dass wir hier wohnen dürfen! Das ganze Viertel pulsiert und es gibt in jeder Straße so viel zu entdecken, dass wir gar nicht wissen, wo wir zuerst hingehen oder was wir zuerst probieren sollen.

Bei diesem Tempelbesuch gab es wieder nur Handybilder (mein Akkuladegerät für die Kamera kam erst am Freitag mit der Luftfracht) – aber ich wußte schon was sich nach dem ersten Besuch noch mehr bestätigt hat: dass ich den Tempel noch viele Male besuchen werde (er hatte schon beim Look and See Trip auf mich eine große Anziehungskraft, aufgrund der Surrealität der Lage und beeindruckenden Geschichte dahinter), das nächste Mal vielleicht mit Nic oder mit unseren Besuchern. Oder einfach für mich, mit der Kamera und einem Bündel Räucherstäbchen!

Wo ich die letzten zwei Tage so unterwegs war

Donnerstag:

Um 10:00 kamen die Fernsehtechniker um unser Fernsehen zu installieren – hat alles ganz gut geklappt und mit Händen und Füßen konnten wir miteinander kommunizieren. Die Klimaanlage haben wir mittlerweile auf 28° eingestellt – und auch ausgeschaltet wenn wir nicht zu Hause sind, sonst bekommt man einfach einen Kälteschock, wenn man von draußen so richtig schön aufgeheizt in die temperierte Wohnung kommt. Als jetzt aber die beiden aufgeheizten Fernsehtechniker „zu Besuch“ waren, hat man sofort gemerkt, dass es plötzlich richtig warm wurde, trotz eingeschalteter Klimaanlage. Hätte ich nicht gedacht…

Danach bin ich gemütlich ein bisschen durch Jing’an geschlendert, zum Tempel runter, durch zwei Malls und dann wieder Richtung zu Hause. Dort hatte endlich auch der etwas größere Supermarkt ums Eck geöffnet und ich hab sogar den Eingang gefunden – total verwinkelt und abgeranzt, eine Katze die vor’m Kühlregal chillt – aber es gibt alles, von Glühbirnen über Eimer und Lebensmittel sowie Getränke. Sehr gut zu wissen. Trotz allem fehlte mir noch ein Besuch in einem richtig großen Supermarkt, so Richtung Real oder Wal-Mart… Den Wal-Mart, den es laut Internet irgendwo nördlich von uns geben soll, habe ich auch eine halbe Stunde lang gesucht und dann entnervt aufgegeben…

Trotz allem war Donnerstag ein ziemlich ruhiger Tag, ich war recht überfordert mit China und dem Jetlag und mir – und bin deshalb leider viel zu früh ins Bett.

Freitag:

Nic’s und meine große Leidenschaft ist ja momentan das Bouldern. Seit Jahresbeginn waren wir regelmäßig einmal die Woche (zumindest meistens… manchmal kam was dazwischen, manchmal haben wir es mehrmals geschafft) in Dechsendorf bei den Blockhelden. Deshalb habe ich auch schon viel im Internet gesucht, welche Möglichkeiten wir haben hier unserem Hobby weiter nachzugehen. Während der Recherche nach Boulderhallen oder Kletterhallen mit Boulderbereich (der Flexibilität wegen, einfach mal geschwind ohne groß Equipment, abgesehen von Schuhen und Chalk, und jemand der einen sichert loszugehen, wollen wir lieber beim Bouldern bleiben als mit dem Klettern anzufangen) bin ich über eine Outdoorboulderanlage gestolpert, die es hier am Fluss geben soll. Gestern war also perfektes Wetter, um mal etwas „Urban Exploring“ zu betreiben und mich auf die Suche zu machen. Den Bilder könnt ihr entnehmen, wie es so war.

Dort unten an der Promenade war es herrlich, es ging ein schöner Wind und ich wäre auch am liebsten direkt mit einem von den ganzen Joggern mitgelaufen, die sich da so tummeln. Endlich wieder Wasser! :)

Auf jeden Fall habe ich schon meinen ersten Lieblingsplatz in Shanghai gefunden, ist schön ruhig und es gibt viele Möglichkeiten, sich wo hin zu setzen.

Abends waren wir dann mit zwei Kollegen von Nic, Michi (mit dem wir uns schon in Erlangen und während des LST getroffen haben; er hat gerade noch bis morgen Besuch von seiner Freundin Christine) und Thomas beim Italiener und danach im Zapatas gemütlich was trinken. Das war ein toller Wochenausklang und sich im Taxi auf dem Heimweg nochmal die Shanghaier Nachtluft um die Nase wehen zu lassen, hat die Glücksgefühle in so einer genialen Stadt zu leben, nochmal verstärkt.

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Blick in die Hinterhöfe

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Blick auf unser Compound von der großen Brachfläche – wo bestimmt ein weiteres Compound hingebaut wird.

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Hier ist es so heiß, dass die Plastikkarte im kunstvollen Kartenständer dahinschmilzt…

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Ich war mal wieder bei der künstlichen Gebäude-Felswand. Dort in der Gegend hätte irgendwann mal irgendwo der Wal-Mart sein sollen.

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Katze im Supermarkt. War dann aber harmlos gegenüber was uns beim Italiener erwartet hat…

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Frühstück am Freitag – Dragonfruit, Muffins von Christines und der gute kalte Kaffee. Mittlerweile, weil ich die Hoffnung auf ein schnelles Durchkommen der Luftfracht aufgegeben habe, haben wir auch Plastikteller…

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Auf dem Weg zur Outdoorboulderanlage an einem „lost place“ vorbei gekommen. Komplett abgesperrte Straße, wird irgendwas gebaut. Man fühlt sich aber wie im Zombiefilm, keine Menschenseele, kein Auto, kein Roller… etwas unheimlich.

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Wow, das Ding ist massiv groß…

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Alter Verladekran am Fluss, davor ein Boulder-Würfel.

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Blick entlang der Promenade Richtung Stadt.

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Blick in die andere Richtung.

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Panoramaaufnahme von der ganzen Anlage von der Flussseite her. Sieht man auch schön den kleinen aufgerauhten Weg entlang der Promenade für die Jogger.

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Hangboards

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Interessanter Überhang…

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Papa klettert mal in Flip Flops^^

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Ha! Andere Straßenseite vom lost place – offenbar wird da einiges erneuert – oder platt gemacht, weiß man hier ja nie so genau.

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Ok. Wird halt mal die Steinmauer über den Gehweg gebaut. Dann sperrt man dafür eben die rechte Spur / Mofaspur und macht daraus einen „Geh-Mofa-irgendwerwirdschonnochüberfahren-Weg“. Welcome to China!

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Wir waren zum Glück schon fertig mit Essen… wenn ihr genau hin seht, findet ihr die Ratte die am Lampenkabel nach oben viecht. Brrrr, irgendwie schüttelt’s da einen schon. Zumindest jetzt am Anfang noch ;)

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Im Zapata’s wird auf der Theke getanzt. Hat Nic mit seinem Chef wohl auch schon, als er mal auf Dienstreise da war.

Rückblick auf Abend 5

Ich fühle mich halbwegs wieder menschlich. Der Sonnenbrand auf den Schultern ist auch wieder abgeklungen und ich freue mich gleich aufs letzte Hotelfrühstück!

Im Bus auf dem Rückweg aus Pudong nach Puxi gestern waren Nic und ich schon ziemlich fertig. Nachdem ich um diese Uhrzeit (16:00) nach so einem Tag gerne mal wegknacke (passiert mir auch in Erlangen, so ist es nicht. Wenn’s schön schaukelt und ich mich nicht unterhalten muss und generelle Sendepause ist, ist’s ja Zeit zum kurz runterfahren) war das bei mir nicht verwunderlich, Nic hingegen war für seine (Duracell-) Verhältnisse schon sehr „well done“. Kein Wunder, war ja unser erster „Hochsommer“-Tag dieses Jahr (morgens um 10 über 30 Grad, abends nach Dämmerung immernoch an die 30 Grad); nur dass jetzt Mitte Juni ist und wir hier Frühsommer haben. Hochsommer Shanghai heißt eben nicht über 30 sondern über 40 Grad. Bei an die 100% Luftfeuchtigkeit.

Die Luftfeuchtigkeit bedeutet aber auch, dass 30 Grad sich nicht wie die 30 Grad auf unserer Dachterasse in Erlangen anfühlen, sondern ganz anders. Schwüler, logisch. Ich mag’s gern warm und freu mich tierisch auf den Sommer und eigentlich kann ich mit feuchter Hitze auch ganz gut umgehen, aber etwas Eingewöhnung für den Körper braucht’s schon. Gestern hab ich das sehr deutlich gespürt, wenn man sich dann nicht regelmäßig im klimatisierten abkühlt, geht’s schon mächtig auf den Kreislauf. Und wir waren nicht umsonst um 21:00 komplett platt.

Trotzdem haben wir es uns nicht nehmen lassen, am frühen Abend nochmal zum Compound 8 Park Avenue zu fahren und uns drin sowie in der Umgebung umzuschauen.

Ich muss sagen: wir sind echt begeistert. Das Compound wirkt sehr ordentlich, aber nicht drüber. Überall gibt es kleine Teiche, mit Fischlis, ein kleiner Kinderspielplatz, eine kleiner Aussensportbereich (mit z.B. Barren, Ringen und -yay! – Klimmzugstange ;) ). Es waren größtenteils Einheimische unterwegs, da ist mal nix mit „westlicher artifizieller Blase“, wie man es in den Compounds um die westlichen Schulen finden würde.

Und die Umgebung ist super. Kleine Straßen mit Mini Geschäften, allein drei Obstläden und ein Gemüseladen ums Eck für den Grundbedarf an frischem Gewächs. Dass es einige Westler im Gebiet gibt zeigt sich dann aber an den Lokalen/Bars, neben den klassischen Garküchen gibt es auch anderes. Z.B. das Bounty, Anwärter auf eine neue Stammlocation ums Eck. Der Bartender spricht mit französischem Akzent (Belgier / Franzose / Kanadier), es gibt köstliches Hühnchenkebap und europäisches Bier für Nic. Außer Freitag und Samstag auch daily drink Specials. Kommt einfach vorbei und wir schauen es uns zusammen an.

Einzig was ich noch nicht rausgefunden hab, ist wo der nächste große Supermarkt (Tesco, Walmart oder Carrefour oder so) für die Wocheneinkäufe ist. Vermutlich 4 Straßen weiter, aber das reicht ja dann auch im August. 5 Gehminuten entfernt ist auf jeden Fall der nächste (dementsprechend teure) Importsupermarkt, in dem man aber im Notfall auch für ~3€ einen Liter haltbare Salzburger Bergbauernmilch kaufen kann. Englischsprachige Zeitschriften gäbs auch – und alles andere was das Herz oder ein groooßer Geldbeutel begehrt… Hier noch die Impressionen:

   Hunde und Fische :)
  8 Park Übersicht

  Unser Briefkasten :)

  Tageslicht-Kuppel über dem indoorPool (wird gerade renoviert)

  Wege durchs Compound

  Blick auf den Compoundinnenbereich (auf den auch unser Schlafzimmer- sowie Wohnzimmerfenster geht) mit Teich, kleinen Grill-flächen (zur freien Verfügung, einfach Kohle reinwerfen, Waschbecken gibt es auch. Kann man draußen (bis 21:00) picknicken.

Clubhaus. Im UG Links Fitnessraum, Squash, Pool, oben links innen Tischtennisplatte. Im Eingangsbereich haben zwei grad Federball gespielt, war ja windig draußen. 

  Noch mehr grün.

  Bounty von innen.

  Bounty von Außen; die Speisekarte hat uns zum Ausprobieren angelockt.

  Kebap! Sehr gutes Brot und frischer Salat. Hühnchen können Sie eh.

 Auf dem Rückweg noch Kunst gefunden, ein bisschen Dalí geht immer!

Tag 3: Der Abend

Nach einer etwas längeren Pause im Hotel (bin natürlich weggepennt, schlecht für den Jet Lag) sind wir noch mal los, zur Haltestelle Jing’an Tempel. 

Einmal durch den westlichen Supermarkt, da werden wir sicher nicht einkaufen; einmal durch die Mall, die hat 8 Stockwerke… Die obersten beiden sind Restaurants, dazwischen gibt es alles was das Herz begehrt. Das Ding ein Einkaufszentrum zu nennen, ist untertrieben. Konsumtempel trifft’s eher. Und so was gibt’s ja alle paar (Kilo)meter hier. Echt verrückt!

Ums Eck haben wir dann noch ein süßes kleines Hotpot Lokal gefunden, für das Abendessen. Da sind im Tisch zwei Heizplatten eingelassen, in die Suppentöpfe mit Suppe/Brühe nach Wahl (wir hatten einmal Pilzbrühe und einmal scharf) kommen. Dazu bestellt man dann Einlagen, die man wie beim Fondue gart. Soßen-Bar mit unzähligen köstlichen Soßen zum Dippen natürlich inklusive. Wir hatten nicht wirklich viel Hunger, so haben wir uns:

  • Fleisch
  • Pilze (weiß mit langen, dünnen Stiele)
  • Lotuswurzel
  • Glasnudeln
  • Mit Meeresfrüchtebällchen gefüllte, gefrorene Dumplings 
  • und Reis als „Sättigungsbeilage“ 

geteilt. Das war vielleicht gut! Und die Italiener die nach uns kamen und das Prinzip „hot pot“ nicht verstanden hatten (Er wollte Fleisch. Aber keine Suppe. Also eher ein Steak oder so. Beim hot pot gibt’s aber alles nur roh, abgesehen vom Reis… Aber er wollte Fleisch bestellen) waren irgendwie auch putzig.

   
Die Karte, auf der man mit dem Stift Getränke und Speisen wählt

  

Beide Töpfe in Action (im rechten seht ihr die Chillis schwimmen)

  

Alles weggeputzt!

 

Die Aufzuganzeige der 8 Stockwerke in der Mall. Hab ein Video gemacht, aber im 4.Stock ist leider jemand zugestiegen. Ich zeig’s euch trotzdem, für einen ersten Eindruck ;)