Dem Buddhismus auf der Spur…

… naja, oder so ähnlich. Wir sind ja nicht in Indien. Aber Siddharta Gautama war nach Überlieferungen mal hier, auf dem Mandalay Hügel.

Aber mal von vorne. Das Erste was wir von Myanmar im Anflug sehen, ist Staub. Vielleicht ist es auch Luftverschmutzung, aber eigentlich macht es auch keinen Unterschied. Unter dem Strich bleibt die Auswirkung die Gleiche: man sieht nicht bis zum Horizont. Aber das, was man da im Anflug sehen kann ist schon sehr beeindrucken: goldene Pagoden und Stupas so weit das Auge reicht.

Mein Schwager war vor einigen Jahren schon hier und hat uns den Tipp gegeben (Danke, Alex :)), lieber gestern als morgen Myanmar zu bereisen. Noch ist das Land sehr untouristisch, doch die Zahlen scheinen exponentiell zu steigen. Und jetzt haben wir es endlich geschafft.

Hier bestätigt sich wieder das Zitat von Hans-Magnus Enzensberger: „Der Tourist zerstört was er sucht, indem er es findet“

Doch man wünscht diesem Land den touristisichen Erfolg, weil es es so bitter nötig hat und weil es so wunderschön und beeindruckend ist. Ein zweischneidiges Schwert… die Fahrt vom Flughafen zum Hotel offenbart ein horrendes Müllproblem. So viel Müll haben wir schon lange nicht mehr in der Natur gesehen… zuletzt vielleicht bei unserem ersten Besuch in Sorong, oder damals auf Bali (beides Indonesien).

Die Burmesen sind nicht reich, das zeigt sich auf den ersten Blick. Umso beeindruckender, wie sehr sie ihren Glauben mit Gold ausleben. Pagoden, Stupas, Statuen – das Land darbt doch die Pilgerstätten sind verziert und es wird gespendet als gäbe es keine anderen Sorgen. Und hier wird auch gelebt „a smile goes a long way“ – wenn man mit einem Lächeln auf die Menschen zugeht sind sie unglaublich freundlich und liebenswert. Allein heute hatten wir so viele Menschen, die uns ihr 2-3 Brocken Englisch zeigen wollten, es war geradezu rührend. Manchmal schauen sie einen etwas verschämt oder neugierig an, doch sobald mal lächelt erfüllt ein Strahlen ihr Gesicht und sie fragen wie es geht, woher man kommt oder machen Fotos von/mit einem. Ähnlich wie zu unseren China-Zeiten (wir sind ja erprobt…), aber doch etwas zurückhaltender und charmanter.

Unsere Tour heute hat uns zum Mandalay Hügel geführt, danach mit dem Tuktuk ins Hotel und nach einer kurzen Verschnauf- und Abkühlungspause nochmal los zum Palastgelände. Nach knapp 14.000 Schritten auf der Uhr war es gar nicht so leicht, sich noch mal aufzuraffen, doch es hat sich gelohnt! Seht selbst!

Sonnenaufgang vom Hotelzimmer aus Eine Tankstelle… inklusive Kompressor für Reifenluft Immer schön aufpassen wo man hintritt… Spazieren entlang des Palastgrabens hin zum „Mandalay Hill“, der Hügel im Hintegrund Stupas an der Kuthodaw Pagode. Weltdokumentenerbe, hier sind die einzigen Schrifttafeln mit dem Pali-Kanon hinterlegt, direkte Überlieferungen von Siddharta Gautama Immer schön die Schuhe und Socken an religiösen Stätten ausziehen! Blick auf den Hügel mit seinen Pagoden Und Blick vom Hügel runter Hier der Graben um die alten Mauern sehr gut zu sehen Siddharta Gautama war nach Überlieferungen auf dem Hügel und hat vorhergesagt, dass unten mal einen blühende Stadt entstehen wird. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Mandalay dann zur Hauptstadt des Königreichs und die Prophezeiung erfüllt. Daran gedenkt diese Buddha Statue Steiler Aufstieg zum „Gipfel“ Säulengänge wir hatten das Glück, den Meistern beim Schneiden der Spiegel für die Mosaike zuzusehen. Sehr beeindruckend…… wie hier alles verspiegelt ist. Das Wetter war übrigens, wie der tiefblaue Himmel andeutet, grandios. Nach dem ganzen Laufen erst mal eine Tuktuk Fahrt zurück zum Hotel… Blick auf das Palastgelände vom Aussichtsturm Und hier noch mal in der Übersicht. Sehr beeindruckend des Gelände, aber alles nach dem zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut! Blick auf den Aussichtsturm. Ziemlich baufällig, wir waren ganz froh als wir wieder unten waren. Aber immerhin hat der Turm als einziges Bauwerk der Anlage die Bomben des zweiten Weltkriegs überstanden und ist original! Zurück noch mal entlang der Stadtmauer. In der goldenen Stunde leuchtet sie noch etwas schöner:

Burmesische „Ampel“?!

Weg vom ‚Hustling & Bustling‘ – Ba Vi NP

Hanoi war laut und wuselig und eine richtige Großstadt – Halong Bay hingegen dann eine Oase, zumindest morgens früh mit Tai Chi an Deck bevor alle Boote kommen.

Sa Pa war Disney Land und so war es gar nicht so verkehrt, dass wir noch eine Nacht auf dem Land eingeplant hatten. Die Idee kam ursprünglich zu Stande, weil Pat nicht so viele Nächte in Hanoi verbringen wollte.

Auf dem Weg von SaPa zum Flughafen hat Pat also einen Abstecher durch den Ba Vi National Park vorgeschlagen. Dort gibt es ein paar nette Homestays und so waren wir fröhlich auf dem Weg.

Unser Fahrer kam mit der Ortsangabe nicht so ganz klar, bzw wollte seinem Navi einfach nicht glauben, dass wir in die Pampa wollten. Am letzten großen Ort hat er noch zwei Mal nachgefragt, ob Long Viet wirklich in diese Richtung liegt.

Long Viet 2 ist ein Bauernhof. Am Tor haben wir zuerst die „Klingel“ gefunden, ein belgischer Schäfer Welpe (naja, oder junger Hund. Aber noch recht klein und ängstlich vor den komischen Fremden). Die Herbergsmutter kam uns gleich begrüßen. Sie kann sehr gut Englisch (nachdem ich die Herberge gesehen hab war ich sehr überrascht während der Planung, eine prompte und lesbare Antwort auf meine Facebook-Nachricht bekommen zu haben) und ist bemüht, alle Wünsche zu erfüllen. Der Rest der Bauernhofbewohner kann kein Englisch, aber das macht auch nichts. Wir klären alle elementaren Dinge ab, Abendessen und Frühstück und den Transport zum Flughafen am Folgetag. Ach ja, sie würden uns auch noch ein Vesper machen, am Flughafen essen ist ja teuer und nicht so gut. Okay, warum nicht. Die paar Bewertungen im Internet haben alle das Essen über den grünen Klee gelobt, da verlassen wir uns jetzt mal drauf.

Das Nebenhaus, das auch die einfachen Gästezimmer beherbergt, besteht zur Hälfte aus einem offenen Raum mit großem Schrein. Vermutlich wird für eine gute Ernte geopfert – und im „Esszimmer“ (der Bereich unter dem Bauernhaus) liegt auch eine große Menge Reis zum Trocknen aus, in dem die Katzen munter toben – und ab und an ihr Geschäft verrichten.

Uns wird schnell klar: wir haben unseren Urlaub um „eine Nacht auf dem Bauernhof“ bereichert. Als wir los ziehen um ein bisschen im Nationalpark spazieren zu gehen, führt die Nachbarsoma gerade ihren Wasserbüffel an der Leine spazieren. Auch nett.

Für den Nationalpark haben wir viel zu wenig Zeit, genießen aber einfach einen ausgedehnten Spaziergang, die Ruhe und die gute Luft. Es ist herrlich.

Abends beschallt der Herbergsvater uns mit Modern Talking und es ist schon fast komisch. Keine Musik (und mehr von dieser fantastischen Ruhe) wäre uns lieber, aber wir sind auch nicht die einzigen Gäste… Dafür wird das Abendessen aufgetischt, es gibt frischen Salat mit Obst, knackiges Baguettebrot und eine Spezialität der Gegend: Strauß. Wir konnten es gar nicht so glauben und ich habe extra für diese Beitrag nochmal recherchiert: wir hatten ein köstliches Straussensteak mit viel Knoblauch und Gemüse. In Vietnam. Auf dem Bauernhof.

Das Abendessen war jedenfalls ein voller Erfolg und alle Empfehlungen Gold wert. Für Nic und mich war auch die Nacht sehr angenehm, war es doch nicht unser erstes Rodeo auf einem Brett in Asien. Für unsere Reisebegleiter sah das etwas anders aus und schnell wurde das Nachtlager in „Brett mit einem R zu viel“ umbenannt. Trotzdem waren wir am nächsten Morgen bester Laune, die Szenerie war einfach zu malerisch und ruhig. Es hat leicht geregnet und so hatten wir kein bisschen ein schlechtes Gewissen uns neben den Reis zu setzen, den Landgeräuschen zu lauschen, zu tratschen und das Leben zu genießen. Aus den Boxen schallt auch kein Modern Talking mehr, sondern angenehme „Fahrstuhlmusik“ – die hätten wir gestern Abend auch lieber gehabt ;) Aber: Diese Nacht auf dem Bauernhof hat unglaublich gut getan und der Besuch hat sich in vollem Umfang gelohnt.

Achja, unser Vesper bestand aus einem ganzen Baguette pro person, belegt mit: genau! Straussensteakstreifen. Das Auto hat nach Knoblauch gemüffelt aber wir waren glücklich. Danke, Ba Vi National Park und Long Viet 2! Falls ihr mal in diese Ecke kommt: das Homestay ist die vietnamesische Verkörperung von „Urlaub auf dem Bauernhof“ und eine Oase der Ruhe, das tut für 1-2 Nächte auch einfach mal so richtig gut!

Rastplatz auf dem Weg zum Nationalpark Die Nachbarn, hinten der Wasserbüffel Eingang zum Freiluftmuseum (Long Viet 1): Darstellung alter vietnamesischen Landlebens Bananen und Hahn In diesem Bild kann man die Ruhe des Ba Vi Nationalparks förmlich hören Sonnenuntergangsleuchten. Zeit, zurück zu gehen. Die Männer am Eingang zum Bauernhof Vietnamesischer Kaffee mit ganz süßer, eingedickter Kondensmilch Feine Butter. Auch am anderen Ende der Welt… Dinner-Selfie Der Hauptgang. Wenn ich das sehe möchte ich am liebsten wieder in den Flieger steigen… Nic tanzt zu Modern Talking Katzenspielplatz Die großzügige Schrein-Halle neben unseren Zimmern Morgens darf auch das Vögelchen raus Und wieder Kaffee in landestypischer Darbietung Unten rechts haben wir geschlafen, der eingefasste Brunnen/Teich im Vordergrund ist bei den klimatischen Bedingungen optimaler Nistplatz für Moskitos. Dafür haben wir echt wenig abbekommen! Unten das „Esszimmer“ Vesper auf dem Weg zum Flughafen

Fotos

Bilder aus Hanoi: Blick von dem HotelbalkonKlassische Fahrradverkäuferin Schöne, massive BäumeKreative Adaption von HoverboardsDie erste Kokosnuss – ich bin im Urlaub angekommen ;)Erntedankschmuck am Literaturtempel So viel Glück auf einem Dach Der Literaturtempel mal secluded Ho Chi Minh‘s Residenz Das Schild hat offenbar keiner gelesen Zu Erntedank ist halb Hanoi auf den Beinen Anlässlich des Erntedank

Optimismus…

… ist rückwärts gelesen halt auch nur Sumsi mit Po

Aber ich habe beschlossen nur schöne Sachen zu erzählen, heute. Weniger von dem Chaos und der Aufregung/Enttäuschung, was unweigerlich damit einhergeht, sondern mehr von den kleinen schönen Dingen.

Nach einem recht verregneten und sehr kühlen Start in die Woche – es ist nun mal Regenzeit, aber dafür habe ich nicht so richtig gepackt – ist es endlich wieder warm. Hier im Park vor unseren Türmchen ist wieder was los, es werden Basebälle geworfen und die Kinder aus der Betreuungsgruppe spielen Völkerball.

 Baseball in der Mittagspause, Erwachsener Vater mit Sohn Tolle Schattenspender Links unten die Völkerball-spielenden Kinder

Ich habe den letzten Blogpost zum Anlass genommen, das Lernen anzufangen. Die ersten paar Hiragana prägen sich so langsam ein, aber das ist wirklich wieder ein Neustart, alles anders. Diesen Monat möchte ich die kompletten Hiragana lernen, ab Juli legen wir dann mit unserem Sprachkurs los.

 Lernen auf asiatisch: Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen!
Am Wochenende waren wir zweimal mit Kollegen essen, das war sehr schön. Einmal Steak und einmal Sushi.

 Klassischer Sushiladen mit Schuhe ausziehen omnomnom Und Samstag ein Steak im „Licht“ (warum das so heißt müssen wir noch rausfinden)

Und nachdem wir uns am Sonntag (trotz nicht aufbaubarem Sofa wegen fehlendem Teil, ist mir zum ersten Mal passiert) kurzerhand entschieden haben, doch nicht gleich zu Ikea zu fahren um zu reklamieren, gab es noch ein Picknick am Wasser.

 Der alte Angler den wir letzte Woche schon bewundert hatten Park am WasserKleiner Snack  Mit Blick auf unsere Türmchen
Mittlerweile stehen übrigens auch alle schwedischen und japanischen Möbel (und ich hab Muskelkater! Eindeutig zu viele Treppen in unserem Haus) und wir wären bereit für Frachten ;) Bevor ich jetzt doch zu den nicht-schönen Dingen abrutsche noch zwei lustige Begebenheiten:

 Gerade sind neben mir (ich sitze draußen) sehr unerwartet Bewässerungsanlagen angegangen; ich hoffe man erkennt es auf dem Bild „Convenience Store“ auf Japanisch – 7 Automaten für alle Bedürfnisse (Getränke, Kaffee-/Teemaschine, Eis, Nudelsuppen, Snacks) – Jep, wir sind im Land mit unglaublichem Automatisierungsgrad angelangt!

Zurück auf Start

Gehe nicht über Los, ziehe nicht 4000 Mark ein.

Seit etwas mehr als einer Woche sind wir hier und der Abschied und der Umzug steckt noch in den Knochen. Wie schon zu Beginn in Shanghai fliegen mir tausend Gedanken zum Thema „Ausländer sein“ durch den Kopf.

Es ist wieder ein kompletter Neustart, abgesehen von 4.5 Worten (Hallo, Tschüss, (vielen) Dank(e), Entschuldigung) keine Sprachkenntnisse; immense kulturelle Unterschiede zu allen Orten an denen ich bisher gelebt habe (Deutschland, USA und China); eine neue Stadt mit eigenen Hürden (mehrere Unternehmen die den (U-)Bahnverkehr regeln und daher kein intuitives System) und Linksverkehr. Und so weiter. Anfänge sind eben nicht immer unbedingt einfach.

Kleine Dinge zeigen mir, wie sehr ich in China zu Hause war. Nicht, dass der schwere Abschied nicht schon Anzeichen genug war. Im Baumarkt beim Klingelschild in Auftrag geben ist mir aufgegangen, dass ich alle meine Fragen auf Chinesisch hätte stellen können – so war es wieder viel Hände, Füße und Google Translate. Und der arme Mitarbeiter tat mir Leid, weil ich so gar kein Japanisch kann (was mich sehr ärgert, jeden Tag mehr. Das sollte eigentlich gute Motivation sein).

Kleine Dinge zeigen mir aber auch, wie tolle das Abenteuer Japan werden kann, wenn wir dann erst mal irgendwann richtig angekommen sind (in ca 6 Wochen sollten unsere Möbel dann auch endlich kommen). Einkaufen macht unheimlich Spaß; alle Delikatessen schauen so verlockend aus, dass wir für unsere Verhältnisse sehr selten Essen gehen – ganz ungewohnt plötzlich. Die Menschen sind – zumindest vornerum, aber das reicht mir ja für’s erste – unglaublich freundlich und höflich. Der Himmel ist blau und die Sonne bräunt tatsächlich meine Arme. Ich habe angefangen, mich wieder mit einem Zweirad durch die Stadt zu bewegen – was mir seit Erlangen gefehlt hat; ich war aber einfach zu vorsichtig im Shanghaier Verkehr.

Und so wohnt halt doch jedem Anfang ein neuer Zauber inne. Immerhin kann ich damit diesen Post auf einer positiven Note beenden. In den nächsten ein bis anderthalb Wochen sollten alle unsere Sachen aus China ankommen, sowie diverse Möbel die wir neu kaufen – von japanischen und schwedischen Möbelhäusern, respektive. Dann ist hoffentlich der erste Wall an Organisation erledigt und das Leben tritt wieder in den Vordergrund.

Und das Japanisch Lernen. Dringend…!

 

Einkaufen auf Chinesisch (02.04.2016 -Tag 2-)

Ich habe euch ja schon viel vom Einkaufen erzählt. Von toten Fischen, angetatschtem Fleisch, am Handy spielenden Verkäufern und so weiter. Was ich noch nicht erzählt habe, glaube ich zumindest, sind die Verkäufer, die sich im Supermarkt die Nägel abknipsen (auch das ist hier so ein Ding. Das wird einfach überall gemacht. Im Park, im Supermarkt – bei Nic im Büro, aber dort dann immerhin in einen Mülleimer. Gefühlt trägt jeder Bürger hier einen Nagelknipser mit sich rum – sehr oft sieht man diese auch am Schlüsselbund hängen. Vermutlich mit Ersatz, falls das geliebte Gerät mal kaputt geht. Ich hab keine Ahnung…). Oder diejenigen, die in der Fernsehabteilung zu dritt auf dem Boden sitzen und schauen, was so läuft (auch davon hab ich noch irgendwo ein Foto).
Worüber ich noch überhaupt nicht geschrieben habe sind aber die vielen kleinen Lebensmittelgeschäfte hier an der Straße. Gemüse oder Obst, manchmal auch beides. So kann man nicht nur in den Markthallen, großen Hypermärkten (wie Carrefour und Co offiziell bezeichnet werden) oder kleinen Supermärkten wie Lianhua oder Dia, seine frischen Einkäufe tätigen, sondern eben auch in den ganz kleinen „Löchern in der Wand“, wie ich diese Geschäfte liebevoll nenne. Allein in den drei Blocks um unser Compound herum gibt es unzählige dieser Geschäfte. Und ganz akut frische Sachen (mal Orangen oder Äpfel oder oder, aktuell sind es z.B. Koksnüsse) kann man oft an der Ampelecke direkt von einem Laster runter kaufen. So weiß man immer, welches Obst gerade Saison hat. Auch ganz praktisch. Ich muss euch mal Fotos von den ganzen kleinen Geschäften und den Lastern machen – wahnsinn, wie schnell man sich hier an gewisse Gegebenheiten gewöhnt. Immer erst wenn ich darüber nachdenke, wie ich das einem Besucher von zu Hause zeigen würde, oder was ich bloggen könnte, fällt mir wieder auf wie anders die Welten manchmal sind – und wie leicht ich von der Einen in die Andere wechseln kann und mich wohl fühle.
 Manchmal muss man ein bisschen aufpassen, dass man in den kleinen Läden nicht übers Ohr gehauen wird (erst Recht, wenn man so schlecht Chinesisch spricht wie ich und kein Einheimischer ist); aber wir haben einen ganz neuen Supermarkt bei uns gegenüber, kürzester Weg, verrückte Öffnungszeiten (wie so oft hier. Es ist eben offen, wenn jemand da ist) und sehr nette Verkäuferin. Ich glaube, seitdem ich letzthin 3 kg (in Worten: drei Kilos) Mangos gekauft habe, mag sie mich. Ich gehe aber auch echt gern zu ihr.
Gestern wollte ich wissen, was eine bestimmte Frucht (Grün, etwas größer als ein Apfel, mit langem Stiel, aber sonst ein bisschen wie ein mega-mutierter Granny Smith) ist und habe ihr – wie ich das seit neuestem immer mache – mein Handy hingehalten, sodass sie es direkt auf Chinesisch in die Übersetzer-App tippen oder malen kann (dazu erzähle ich euch in den kommenden Tagen auch noch ein bisschen mehr). Das ging irgendwie nicht so wie geplant und dann kamen andere Kunden, doch als ich soweit war und meine Einkäufe auf ihre Waage gelegt habe, hielt sie mir dann ihr Handy hin, mit den betreffenden chinesischen Zeichen. Die konnte ich fix abmalen – und siehe da, dann wollte ich diese seltsam anmutende Honigmelone doch probieren und hab mir eine Kleine eingepackt. War sehr aromatisch und den Kauf definitiv wert!
Mittlerweile gehe ich zum Obst kaufen eigentlich nur noch in den Laden. Das hat mehrere Gründe: Ich mag es, im „Tante Emma Laden“ einzukaufen – und auch wenn sie das Obst genauso im Großhandeln einkauft und es quasi keinen Unterschied macht, ob ich es bei Tesco, Carrefour oder ihr kaufe – so hat man doch das Gefühl, den kleinen Einzelhandel zu unterstützen. Außerdem ist die Frau sehr viel freundlicher als die Wiegedamen beim Hypermarkt (übrigens ein reiner Frauenberuf, ich habe da tatsächlich noch nie einen Mann wiegen sehen) und es drängelt sich auch keiner vor und schubst mich von hinten aus dem Weg um vor mir dran zu sein. Natürlich kommt dazu, dass ich einfach nur schnell einmal durch den Compound wackeln muss, zur kleinen Tür raus und über die Straße. Noch näher ginge es nur, wenn sie bei uns drin verkaufen würde. Zu guter letzt ist das Obst einfach paradiesisch und wirklich günstig. Sie hat ihre Preise meist ausgeschildert und wir haben mittlerweile so eine Kundenbindung (auch darüber werde ich euch in den nächsten Tagen mehr erzählen. Das hat hier meinem Gefühl nach noch mal eine andere Bedeutung als in Deutschland), dass ich mir sicher bin nicht über’s Ohr gehauen zu werden. Außerdem spreche ich gerne meine paar Brocken chinesisch mit ihr; erkläre ihr zum Beispiel, dass ihr Obst sehr wohlschmeckend ist oder wünsche ihr eine gute Nacht wenn ich spät dort bin. Überhaupt sollte ich meine paar Brocken viel mehr einsetzen – wenn ich nur nicht so schüchtern wäre, mit Muttersprachlern zu reden.
Alles in allem mag ich diese kleinen Supermärkte, so lange sie ein bisschen sauber sind und die Ware frisch aussieht. Nachdem der 鲜乐园水果超市erst vor ein paar Wochen aufgemacht hat ist das beides noch gegeben. 
    Xian leguan shuiguo chaoshi (Frisches paradiesisches Obst Supermarkt)
  Das ist das Tor – dahinter die Straße und dahinter der Supermarkt

    Honigmelone, Drachenfrucht, Honigmelone, Erdbeeren, Avocado und Jackfruit
  Auslage mit Erdbeeren, Jackfruit, Ananas, Orangen (mit hoher Müllproduktion) und Äpfel

   
  So sehen 3kg Manogs aus 

       Hab auch schon Mangosteen, Kiwi und Papaya dort gekauft

  Obst zum Abendessen hat bei der Vielfalt schon was für sich

Kurzeinkauf auf Chinesisch …zZzZzzz…

Nach dem Mittagessen war ich noch eben in unserem kleinen „Penner-Netto“ ums Eck, dem siffigen Lianhua von dem ich schon berichtet habe (wir haben ein paar hundert Meter weiter jetzt auch einen neu renovierten Lianhua, der ist toll, da kann man sogar getrost frisches Obst und Gemüse kaufen, sowie Importmilch und Butter!!) – für den Getränkekauf.

Die Rolltreppe, die ich zumeist meide, da sie schon sehr klapprig wirkt und von keinem der mir vertrauenswürdigen Hersteller (wie etwa Otis, Schindler oder Thyssen Krupp) ist – was ja hier durchaus bedenkenswert sein kann – stand still und so sah es nicht mal komisch aus, dass ich die Treppen hoch benutzte.

Der nette alte Mitarbeiter, der immer neben den Einkaufswagen sitzt (davon muss ich euch mal ein Bild machen… Das ist in diesem Fall bei kleinen Läden etwas ganz anderes als bei uns) hat tief und fest geschlafen. Naja, gut, ist ja auch direkt nach der Mittagszeit.

Ein paar Getränke reicher mache ich mich also auf Richtung Kasse #1 (die am Zigarettenstand, an dem auch gerne mal kleine Mädchen eine Schachtel kaufen. So wie bei uns früher, für Opa oder so) – an der ein Mitarbeiter tief und fest mit auf den Händen gestütztem Kopf schlief. Ouuups. Na gut, es gibt ja noch eine Kasse neben an.

An Kasse #2 fand ich dann also den dritten tief und fest schlafenden Mitarbeiter vor. Und nun? Wieder zurück in den Laden und dem einzigen wachen Mitarbeiter dem ich vorhin begegnet bin mit Händen und Füßen klar machen, dass ich mir nicht sicher bin, wen ich wecken soll? Ne, ist ja auch doof.

Also doch den Kassierer an Kasse #2 geweckt. Mit einem halboffenen Auge blickt er nach meinem piepsigen „Ni Hao?“ in mein fragendes Gesicht (ich wollte „Bin ich hier richtig? Würden Sie mich bitte kassieren?“ ausdrücken) und nickt müde. Nach dem Kassieren richtet er sich seine grüne Gummiwärmflasche auf dem Bauch zurecht und ich frage mich, ob er nicht eher zum Arzt sollte, als sich an der Kasse gesund schlafen? Oder war ihm einfach nur kalt und er macht das jeden Tag? Was das Schlafen angeht, überrascht mich hier nichts mehr. Scheint ein anderes Gen zu sein…

Passend dazu möchte ich diesen Zeitungsartikel posten, den ich auf dem Blog der lieben Shaoshi in Shanghai gesehen habe:

Schlafen bei IKEA in China – verboten oder doch nicht?

 

 

Wer? Was? Wo bin ich?

Es ist Mittwoch, 2:22 morgens und wir sind hell wach. Seit anderthalb Stunden surfe ich still und leise im Versuch, Nic nicht zu wecken und warte darauf, dass die Müdigkeit wieder kommt. Jetzt ist er leider doch noch aufgewacht (von alleine, ich war’s nicht, ehrlich!). Der Ärmste hat ja morgen seinen ersten Arbeitstag, hoffe er schlummert bald wieder weg.

Ich nutze einfach mal die Zeit, von unserem ersten vollen Tag in SH zu berichten. Wir hatten einen Wecker gestellt – den ich nicht gebraucht hätte (bin eine Stunde eher schon aus dem Schlafzimmer geschlichen) und den Nic ignoriert hat.

Die Chance hab ich genutzt, gleich mal die Gegend unsicher zu machen und Frühstück zu organisieren. Die Bäckerei ums Eck hatten wir bei dem Look and See Trip ja schon entdeckt, aber unsere Chaossituation in der Wohnung ging mir auf die Nerven, so wollte ich doch wenigstens Putzlappen und irgendein Reinigungsmittel kaufen.

Wir können übrigens unserem Vermieter sehr dankbar sein, er hat zwei Sätze Bettwäsche hinterlegt (also nur die Bezüge). Kissen mit eigenen Bezügen hatten wir im Koffer, die Laken für auf die Matratze und zum Zudecken (bis die Luftfracht mit unserer Bettwäsche ankommt) haben wir wohl aus Versehen auch in die Luftfracht gepackt. Ups… So mussten wir uns immerhin nicht mit unserer beiden Duschtüchern Zudecken. Aber etwas Waschmittel um das Zeug einmal durchzuwaschen wollte ich auch.

Auf dem Weg die zwei Blocks bis zum nächsten Tesco Express bin ich neben der Bäckerei über einen kleinen Supermarkt der Kette „Dia“ gestolpert. Auf ins Abenteuer! (Abends waren wir dann noch im Tesco, dort ist deutlich mehr auf Englisch ausgeschildert)

Ich habe es irgendwie geschafft, mit einer Packung Lappen (da war ich mir am unsichersten), Spüli (gelb, mit einer Katze drauf… Irgendwie find ich noch raus, was es damit auf sich hat) und Waschmittel, sowie Frühstück vom Bäcker heim zu kommen. Auch wenn es jetzt etwas albern klingt, aber das war ganz schön aufregend!! In etwa so wie im Urlaub im fremden Land, wo man auch nichts versteht, nur dass man mit Englisch wirklich nicht weiter kommt (aber sicher mit Händen und Füßen) und dass das jetzt meine Realität ist – und nicht nach 2-3 Wochen vorbei ist… Krass! Übrigens: das Klima ist anstrengender als damals auf Bali. Es ist unglaublich heiß und drückend schwül, viele Männer krempeln auf der Straße ihre T-Shirts hoch und gehen „bauchfrei“; auch der Telecom-Mensch meinte „hao re“ (was Lia uns während der deutschen Hitzewelle vor 4 Wochen beigebracht hat) aber unsere Klimaanlage ist top. Wir sind im Hochhochsommer angekommen!

Immerhin, die Schränke sind ausgewischt (ich hab noch nie so viel Dreck in einem Schrank gesehen…), die Koffer ausgepackt und versorgt und das Wohnzimmer einigermaßen aufgeräumt. Der Telecom-Mensch hat unser Internet zu unserer vollsten Zufriedenheit installiert, läuft alles. Wenn morgen der Fernseh-Installateur weg ist, möchte ich entweder:

– die erste ausgedehnte Runde durch die Nachbarschaft drehen (es ist einfach alles sooo anders hier!) oder

– zu IKEA fahren und Ausschau nach Kleinkram und 1-2 Möbeln halten.

Ihr werdet es sicher hier nachlesen ;) Viele Bilder von heute habe ich leider nicht, weil nicht viel passiert ist und mein Akku morgens recht schwach war und ich ihn sparen musste, für falls ich mich verlaufe ;-D Aber heute ist mir sehr stark bewusst geworden, was für eine andere Welt unsere neue Nachbarschaft doch ist – ich möchte euch das auf jeden Fall mal per Video zeigen, auch wenn ihr es am besten selbst anschauen kommt. Ich kann es gar nicht beschreiben.  

 Gäb es nicht die englische Übersetzung könnte das mit diesen pinken Zeichen doch alles sein, nur kein Krankenhaus, oder??

   Abendessen in rauen Mengen bei Yang’s Fried Dumpling (ist hier eine weit verbreitete Kette)
 Sonnenuntergangswolken auf dem Heimweg