Optimismus…

… ist rückwärts gelesen halt auch nur Sumsi mit Po

Aber ich habe beschlossen nur schöne Sachen zu erzählen, heute. Weniger von dem Chaos und der Aufregung/Enttäuschung, was unweigerlich damit einhergeht, sondern mehr von den kleinen schönen Dingen.

Nach einem recht verregneten und sehr kühlen Start in die Woche – es ist nun mal Regenzeit, aber dafür habe ich nicht so richtig gepackt – ist es endlich wieder warm. Hier im Park vor unseren Türmchen ist wieder was los, es werden Basebälle geworfen und die Kinder aus der Betreuungsgruppe spielen Völkerball.

 Baseball in der Mittagspause, Erwachsener Vater mit Sohn Tolle Schattenspender Links unten die Völkerball-spielenden Kinder

Ich habe den letzten Blogpost zum Anlass genommen, das Lernen anzufangen. Die ersten paar Hiragana prägen sich so langsam ein, aber das ist wirklich wieder ein Neustart, alles anders. Diesen Monat möchte ich die kompletten Hiragana lernen, ab Juli legen wir dann mit unserem Sprachkurs los.

 Lernen auf asiatisch: Wiederholungen, Wiederholungen, Wiederholungen!
Am Wochenende waren wir zweimal mit Kollegen essen, das war sehr schön. Einmal Steak und einmal Sushi.

 Klassischer Sushiladen mit Schuhe ausziehen omnomnom Und Samstag ein Steak im „Licht“ (warum das so heißt müssen wir noch rausfinden)

Und nachdem wir uns am Sonntag (trotz nicht aufbaubarem Sofa wegen fehlendem Teil, ist mir zum ersten Mal passiert) kurzerhand entschieden haben, doch nicht gleich zu Ikea zu fahren um zu reklamieren, gab es noch ein Picknick am Wasser.

 Der alte Angler den wir letzte Woche schon bewundert hatten Park am WasserKleiner Snack  Mit Blick auf unsere Türmchen
Mittlerweile stehen übrigens auch alle schwedischen und japanischen Möbel (und ich hab Muskelkater! Eindeutig zu viele Treppen in unserem Haus) und wir wären bereit für Frachten ;) Bevor ich jetzt doch zu den nicht-schönen Dingen abrutsche noch zwei lustige Begebenheiten:

 Gerade sind neben mir (ich sitze draußen) sehr unerwartet Bewässerungsanlagen angegangen; ich hoffe man erkennt es auf dem Bild „Convenience Store“ auf Japanisch – 7 Automaten für alle Bedürfnisse (Getränke, Kaffee-/Teemaschine, Eis, Nudelsuppen, Snacks) – Jep, wir sind im Land mit unglaublichem Automatisierungsgrad angelangt!

Heute: Unterricht (20.04.16 -Tag20-)

Schon lange wollte ich euch mal über unseren Chinesisch-Fortschritt informieren. Ihr lest zwar ab und an, wenn ich irgendwo Smalltalk halte (so wie gestern im Lianhua) oder ich werfe munter Hanzi (Chinesische Schriftzeichen) in den Raum. Aber wirklich auf dem Laufenden gehalten, habe ich euch nicht.

Seitdem wir aus dem Winterurlaub zurück gekommen sind, habe ich mir vorgenommen, mich intensiver mit der Sprache auseinander zu setzen. Davor war ich schlicht zu faul dafür. Ich konnte ja schließlich meine Cola Light (jianyi kele), den Milchtee (bingde naicha) oder “eine Portion von dem” (yi fen zhege) bestellen und auf die Karte zeigen. Oder dem Taxifahrer sagen, wo er hin fahren soll (also wo er in welche Richtung abbiegen oder anhalten soll). Das reicht zwar gerade so für das Durchkommen hier. Aber es reicht mir persönlich nicht mehr.

Ich bin mir zwar nicht sicher, ob Hochchinesisch wirklich in 20 Jahren schon so wichtig sein wird, wie es momentan von allen Ecken her schallt (doch die Möglichkeit besteht zweifellos) – aber ich fände es schon arg traurig, nach Deutschland zurück zu kommen und dann gerade mal eine Cola Light bestellen zu können.

Deshalb hatte ich im Januar beschlossen, besser Chinesisch lernen zu wollen. Nicht nur jeden Mittwoch oder Donnerstag panisch die Vokabeln von letzter Woche vor der Stunde reinprügeln. Ich habe angefangen Vokabellisten zu machen, mehrere Lektionen aufs Mal wiederholt, ab und an die Übungstexte der letzten Lektionen oder sogar des letzten Buchs übersetzt, und so weiter.

Die Fortschritte die ich sehe, sind zwar nur kleine – aber auch dafür lohnt es sich. Mittlerweile habe ich Nic, der um Längen sprachbegabter ist als ich – ich bin mit Englisch eigentlich voll und ganz bedient – überholt, einfach weil er nicht genug Zeit für die Wiederholungen findet. Sehr angenehm war es, über das Huangshan Wochenende zu sehen, wie sich meine Sprache verbessert. Die Grillfrau fragen zu können (und zwar mit Worten und nicht Händen und Füßen), ob wir draußen sitzen könnten und ob sie eine Toilette haben (schon toll, wenn zufällig alle die Wörter schon dran kamen und ich sie auch weiß), wo der Bus zum anderen Ort geht, oder im Hotel fragen, wann der Bus zur Yungu Station geht. Wie gesagt, das sind alles nur Kleinigkeiten und ich bin mir sicher, dass schon hunderte Westler von Tunxi nach Tangkou nach Yungu auf die Berge gekommen sind, ohne auch nur einen Brocken Chinesisch zu sprechen oder zu verstehen. Aber es fühlt sich einfach schön an, als Gast in diesem Land mit den Einwohnern in ihrer Sprache kommunizieren zu können.

Und fairer Weise muss ich gestehen, dass ich das ja auch an meinen indischen, spanischen und chinesischen Kollegen in Deutschland kritisiert habe, also dass da Leute jahrelang mit Deutschen zusammenarbeiten und nur Englisch reden und die Chance nicht nutzen – da wäre es schon sehr scheinheilig, es jetzt nicht ordentlich zu versuchen. Klar ist die Ausrede, dass Chinesisch „eine der schwersten Sprachen der Welt ist“, schnell gefunden und wird sicherlich auch akzeptiert. Aber irgendwie gilt sie nicht, finde ich. Wenn ich es ordentlich probiere und scheitere, ok. Aber es nicht zu probieren und die Ausrede vorzuschieben wäre irgendwie persönlich unbefriedigend.

Früher hatte ich immer als Ziel, mal eine Sprache zu lernen, die nicht lateinische Schriftzeichen benutzt. Dabei habe ich immer mit kyrillischen Zeichen geliebäugelt, aber das muss ich wohl einer Phase von russischer Popmusik zuschreiben ;)

Jetzt bin ich dem Traum ein ganzes Stück näher. Zwar nicht kyrillisch, dafür Hochchinesisch, das umgangssprachlich Mandarin genannt wird. Und das mir den besten Vorraussetzungen: schließlich lernt man eine fremde Sprache immernoch am leichtesten in deren Vaterland.

Hochchinesisch hat mit ca 845 Millionen Muttersprachlern die größte Ausdehnung aller Sprachen und verdient schon allein deshalb, gelernt zu werden. Nach Englisch ist es zudem die zweithäufigst gesprochene Weltsprache. 40 Millionen Menschen lernen momentan Chinesisch, Nic und ich mittendrin. Bisher hatten wir nur Sprechen und Hörverständnis auf dem Kanal – so wie es die meisten Ausländer “nebenher” machen. Zu bedrohlich und angsteinflößend wirken die vielen, teils so ähnlichen Schriftzeichen. Seit ich diesen Artikel auf dem Blog von Shaoshi gelesen habe (Punkt 5 – bin zwar blutiger Anfängern, aber wer mag nicht mal ein bisschen Herausforderung?), hab ich mir jedoch ein neues Ziel gesteckt. Ich ärgere mich, hier freiwillig Analphabet zu bleiben. Warum es nicht wenigstens versuchen? Dann habe ich eine Chance zu scheitern. Wenn ich es nicht versuche, scheitere ich standardmäßig, mangels Alternative.

So habe ich (mit einer viertelstündigen Diskussion mit einem Buchhändler, der mich vermutlich für komplett durchgeknallt hält, ein chinesisches Buch lesen zu wollen, ohne auch nur zehn Schriftzeichen zu beherrschen) mir ein Buch ausgesucht und übersetze mühsam; Zeichen für Zeichen, Satz für Satz. Mittlerweile bin ich auf Seite 3 angekommen. Kein Scherz, es ist wirklich anstrengend. Und ich habe noch den Luxus, dass es mittlerweile Smartphones und Apps gibt. So zeichne ich über mein Handy das Schriftzeichen in die “KTdict” App, ein deutsch-chinesisch Übersetzer, der mich täglich begleitet. Wenn ich ein Zeichen schon kenne, kann ich es auch über die Pinyin (die offizielle Umschrift der Zeichen in lateinische Buchstaben) Tastatur auswählen. Ein Zeichen entspricht ja immer einer Silbe und kann aus verschiedenen Radikalen zusammengesetzt werden. Jetzt kann man aber eine Silbe im Chinesischen ja auf vier verschiedene Arten betonen (und manchmal auch noch ohne Betonnung, also eine fünfte Art der Aussprache) – was jedes Mal eine neue Bedeutung der Silbe ergibt, zum Teil Kontextabhängig. Gebe ich z.B. die Silbe “yao” in den Übersetzer ein, gibt es unzählige Schriftzeichen dazu. Man muss also schon genau wissen, was man da tut.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass wir im Sprachverständnis stagniert haben, oder vielleicht weil unser Lehrer es irgendwie gerochen hat, dass ich mich jetzt mit Zeichen beschäftige, aber seit zwei Wochen lernen wir jetzt auch im Unterricht Hanzi. Das Sprachverständnis profitiert ungemein davon und es macht viel Spaß. Außerdem ist es für mich natürlich doppelt motivierend, es jetzt nicht allein am Schreibtisch machen zu müssen. Letzte Woche haben wir ihm per WeChat (multimedialer Unterricht) einfache Sätze übersetzen müssen, was echt Spaß gemacht hat.

Mittlerweile freue ich mich also richtig auf den Unterricht und sitze nicht mehr (nur) panisch da, um die letzten Vokabeln zu wiederholen ;) Nur etwas mutiger müsste ich noch werden, mich dann auch tatsächlich zu unterhalten, so in freier Wildbahn.

    Die ersten 350 Zeichen
  Unsere ersten beiden Lehrbücher, bis Buch 3 würden wir gerne kommen

    Hab ich auch mal proaktiv zum Zeichen lernen gekauft
  Vokabelheft

    „Vokabeln“ mal anders
  Mein Roman, soll in Richtung Stephen King gehen

   So sieht es aus, wenn ich „lese“ Links oben: Deutsche Übersetzung; Rechts oben: Vokabelheft klein; Links: Pinyin Übersetzung; Mitte: App zum reinmalen; Rechts: Buch mit Satzdurchnummerierung sowie Markierung für zusammengehörige Silben, die Wörter bilden.

xué xí xué xí xué xí (学习 学习 学习)

Heißt übersetzt: lernen, lernen, lernen!

Dienstags ist unser Sprachkurs Tag, immer ab 17:00 sitzen wir zu zweit mit unserer überaus geduldigen, gerne auch resoluten („Kathrin! Nochmal sagen! Du musst die Wörter verbinden!!“) aber immer lustigen und sympathisch Taiwanesischen Lehrerin Lia zusammen und versuchen, einen Zugang zu einer Sprache zu finden, die fremder kaum sein könnte. Andererseits: auch beim Finnischen oder Walisischen verstehe ich kein Wort – insofern, was ist da anders, außer dass ich theoretisch die Buchstaben lesen kann (in Finnland hätte ich den Bahnhof zum Aussteigen verpasst und versucht mal in Wales nach dem Weg nach „Dolgellau“ zu fragen. Phonetisch klingt das nämlich als würde man „Dolgethai“aussprechen… Und von dem Ort Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch fange ich gar nicht erst an)?

Die Chinesische Sprache an sich möchte ich heute gar nicht groß erklären, das mache ich bei Gelegenheit lieber ausführlich. Aber gestern (nachdem wir in der Aufregung der letzten Tage zwei Wochen nicht mal unsere Unterlagen angeschaut haben) ist uns aufgegangen, dass wir jetzt wirklich mal anfangen sollten mit diesem „xué xí“. Also ab jetzt werden Vokabeln gelernt! Ein kleiner Teil von mir fühlt sich wieder ganz als Teenager, wie zu den alten Schulzeiten. Und der Zustand nach drei Unterrichtsstunden (2h15min) Chinesisch entspricht auch etwa dem von mir nach einer 4-stündigen Deutschklausur oder einer Übersetzungsklausur Latein ;)