Auf dem Dach Indochinas

Eine Sache hatte ich noch zu Sa Pa vergessen, das muss ich sofort einschieben. Überall wurde Lachs-Sashimi angeboten. Also frischer, roher Lachs in dünnen Scheiben; ungekocht und ungeräuchert… Das fanden wir doch etwas suspekt, ich hätte jetzt nicht erwartet, in Vietnam Sushi essen zu gehen, in welcher Form auch immer. Eine kurze Internetrecherche hat uns aber weiter gebracht: Lachs wurde schon in die diversesten Klimata versucht einzuführen und anzusiedeln – und nur an einer Stelle hat es außerhalb der üblichen Regionen richtig gut geklappt: Sa Pa. Das Klima ist wohl kühl genug im Jahresdurchschnitt und so gilt der Lachs als Delikatesse, mit festem Fleisch, feinen Muskeln und kaum fett. Wirklich etwas Besonderes. Nach dieser beruhigenden Recherche müssen wir den vietnamesischen Lachs natürlich unbedingt probieren, und ich muss sagen: seinen Ruf hat er definitiv verdient. Wirklich etwas Besonderes, wenn man die Lokalisation in Betracht zieht!

Nun aber ab in die Berge, die uns am morgen wolkenverhangen Grüßen. Der Frühstück-Saal hat eine komplett verglaste Front mit Bergpanorama und so können wir bei Pho und Frühstückseiern dem Hochnebel und den Wolken beim auf- und wegziehen zuschauen. Die Sonne kämpft sich immer wieder durch und es gibt herrliches Licht.

Wolkenverhangen ist gar nicht so schlecht, denn da bestätigt sich was wir in Südafrika am Tafelberg schon erlebt haben: abschreckend für die großen Touristenmassen, aber meist ist das Wetter variabel genug, dass man genug Aussicht bekommt. So auch auf dem Fansipan. Die Wolken wehen uns um die Nase, und alle paar Minuten ändert sich wieder die Sicht und die Aussicht. Wirklich fantastisch.

Schon allein die Fahrt mit der Seilbahn ist spannend, wie man durch die Wolken rauscht, nicht wissend was einen oben erwartet und wie sich die Reisterassen präsentieren. Die Seilbahn spannt sich über sechs Kilometer über das Tal (und die vielen kleinen Einfurchungen dazwischen) und eine Viertel Stunde lang darf man Reisfelder, Wanderwege, Arbeiter, Hütten, Wasserfälle, Bäume, Sträucher und so manches mehr bewundern. Schon allein dafür hat es sich also gelohnt.

Doch auch oben an der Seilbahn Station angekommen (wenn man einmal den Krust-Laden hinter sich gelassen hat), überrascht uns der Berg. Hinter der Seilbahn wartet ein Tempel, mit großer Buddha Statue und kleinerer Amithaba Statue (in einiger Entfernung, aber auf dem Rückweg wollen wir die auch sehen) und vielen kleinen Gebäuden. Von dort aus geht es viele Stufen weiter Richtung Gipfel. Die dünne Luft lässt mich schnell aus der Puste kommen. Während Pat und Nic schon mal den Gipfel erklimmen genießen Max und ich noch ein Pläuschen auf einer der vielen Steinbänke entlang der Treppen und lassen uns ein bisschen die Sonne auf die Häupter scheinen. Einfach herrlich hier, selbst mein Schnaufen stört mich da weniger. Alles ist brand neu, erst seit ein paar Jahren arbeitet Vietnam an einer „Präsentation“ seines höchsten Berges – ob er das nötig hat, weiß ich nicht, aber stören tut es mich auch weniger.

Endlich oben angekommen ist dann doch ein bisschen mehr los als gedacht, aber eigentlich auch nicht wirklich viel. Wir verbringen viel Zeit, schauen von allen Ecken mehrfach hinunter, immer wieder wechselt durch die wehenden Wolken die Sicht. Mal sieht man auf den Buddha, mal auf die Reisterassen und mal richtig weit. Die Sonne ist schön warm und die Szenerie viel zu verlockend, um nicht unzählige Fotos zu machen. Die meisten Touristen wollen Bilder mit der „Gipfelpyramide“, die die Höhe des Fansipan anzeigt. Weil das früher zu Probleme und langen Schlangen geführt hat, gibt es davon mittlerweile mehrere – auf verschiedenen Höhen auf dem Gipfel. 3143 m steht aber auf jeder…. oh, well.

Auf dem Weg nach unten beschließen wir, dass außer Catcat (was sich ja als sehr unspektakulär herausgestellt hat), das Dorf der Hmong unterhalb von Sa Pa, nichts auf uns wartet und wir noch einen Abstecher zu der stehenden Statue machen wollen. Die Absperrung, von der wir uns fast sicher sind, dass sie beim Aufstieg noch vorhanden war, ist zur Seite geschoben. Entweder das Wetter hat sich deutlich verbessert (gut möglich) oder es war ein Versehen. So oder so, sobald wir die Route auf den Hügel hinauf verlassen wird es plötzlich richtig still und einsam. Nur wir vier und die Natur und die in Stein gefassten Wege. Herrlich, nach all dem Sa Pa Trubel. Wir bleiben also viel länger als ich eigentlich erwartet hätte, genießen aber einfach die Zeit, die Natur, das Wetter.

Auf dem Rückweg zur Seilbahn wird es plötzlich laut, einerseits weil noch eine kleine Einschienenbahn entlang rumpelt (für alle, die keine Treppen steigen wollen), andererseits weil einige der Besucher wohl sehr aufgeregt sind. Ist aber ja auch der höchste Berg Vietnams. Da darf man das schon mal.

Ein bisschen Aufregung haben wir bei der Seilbahn-Rückfahrt selbst auch noch – wir bleiben stehen. Zum Glück haben wir ein vietnamesisches Pärchen an Board (wir sind nur zu sechst in der großen Gondel), die uns die Durchsage übersetzen: Es gibt ein Strom Problem, aber keinen Grund zu Beunruhigung. Kurze Zeit später setzen wir unsere Fahrt aber fort – und deshalb gibt es unten zwei Zeitraffer-Videos zu bestaunen. Ach ja, in unserem Grill-Imbiss ist immer noch Stromausfall, als wir ankommen. Hat wohl ganz Sa Pa erwischt. Wenige Minuten nach unserer Bestellung gehen aber Licht und Musik an und der Trubel geht weiter.

Abends gönnen Pat, Max und ich uns noch eine Massage im Hotel, eine willkommene Erfrischung nach dem Treppensteigen in dünner Luft. Ich schlafe wie ein Baby und nicht mal der Baulärm am nächsten morgen kann mich aus der Ruhe bringen. Morgendlicher Nebel  Tempel unten an der Seilbahn Station Hoch über den Reisfeldern… …und Wäldern Tempelturm oben an der Seilbahnstation Nic sorgt für Winde Tempelfrieden zwischen Seilbahn und Gipfel Großer sitzender Buddha, leider eingerüstet. Selbst da oben wir gebaut, die hellen Lichtflecke vom Schweissen sieht man von unserem Balkon im Hotel sogar. Vorbeifetzende Wolken, rechts am Bildrand die Seilbahnstation und das Fundament des Buddhas Strahlender Himmel durch Lücken in den strahlenden Wolken  Meine Männer vor einer Wand von Nichts Buddha nochmal von vorne Und schon ist der Turm-Tempel im Nebel verschwunden. Kann schnell gehen, hier oben.

Part 1 vom „Abstieg“ bis zum Stromausfall

Und Part 2, vom Stromausfall bis zurück nach Sa Pa

 

Sa Pa Reisterassendisneyland-Charme

Entschuldigt für die lange Wartezeit, November ist da noch etwas vollgestopfter als sonst :)

Nach der berauschenden Bucht von HaLong ging es per Auto-Transfer für eine Nacht zurück nach Hanoi, in „unser“ Hotel – wo wir direkt mit offenen Armen, Nachfragen wie unser Trip denn war, was man noch so für uns organisieren könne und viel Komfort empfangen wurden.

In „unserem“ Cafe direkt gegenüber wurden wir natürlich auch sofort wiedererkannt und so war der Übergangstag weniger „verschwendet“ als ich befürchtet hatte und mehr eine schöne kleine Möglichkeit, etwas runter zu fahren und das Gesehene zu verarbeiten – und sich für neue Abenteuer zu rüsten.

Am nächsten Morgen ging es auch gleich sehr früh los, per Minibus zur Bushaltestelle. Sa Pa mit seinen Hügeln, Bergen, Reisterassen und alten Bergvölkern wartete. Sa Pa sollte mit dem Bus circa 4-5 Stunden entfernt sein, so waren wir doch recht entsetzt, als der Minibus voll besetzt war und dann noch zwei Männer einen Stehplatz (mit eingezogenem Kopf und Rucksäcken auf dem Rücken) zugeteilt bekamen.

„Only to big Bus stop…“ lässt der Fahrer verlauten – na dann wollen wir mal hoffen, dass die Bushaltestelle nicht so weit ist… 5 Minuten später werden wir nach und nach ausgeladen und der Reisebus wartet schon. Ist allerdings auch voll. Nach viel hin und her mit dem Gepäck und allen anderer Touristen, Abfahrt des ersten Busses, Gedanken, ob wir es wohl heute noch nach SaPa schaffen, kommt der zweite Reisebus. Mit Liegesitzen. Welch ein Komfort, aber auch welch ein Sicherheitsrisiko (mir war klar, dass es da kein schnelles Aussteigen/Evakuieren gibt, sollte etwas passieren – blöde ‚worst case‘ Gedanken immer). Kann man nichts machen, Tickets sind gebucht und so liegen wir endlich auf dem Weg in die Berge.

Während der Fahrt kann man zu beginn herrlich dösen (Liegesitze!!! Ging ja auch früh los), lesen, Musik oder Podcasts hören. Gegen Ende wird das Ganze dann schon spannender. Nicht nur landschaftlich, wobei das schon sehr gigantisch wird, auch was die Fahrt angeht. Serpentinen die sich den Berg hochschlängeln mit einem Bus, der viel mehr PS als die LKWs und Kleinlaster hat, die sich auch den Berg hochschlängeln. Das ein oder andere haarsträubende Überholmanöver vor den Kurven und Gymnastikball-tiefe Schlaglöcher treiben doch noch mal den Puls in die Höhe. Aber: alles Routine und so kommen wir sicher in SaPa an, ca 1600 m üNN. Und es zeigt sich, was wir schon gelesen haben: Tourismus pur. Hotel neben Hotel, Taxen und vor jedem Restaurant oder Massagesalon „Marktschreier“, die einen anzulocken versuchen. Darüber hinweg der Baulärm, von den zig neuen Hotels, die am Entstehen sind. Und die „Ureinwohner“ (bzw. indigenen Völker), aber dazu komme ich später noch genauer.

Trotzdem, die Reisterassen sind gigantisch und wir sitzen erst einmal auf den Balkonen unserer Zimmer (wir waren hoch genug für den herrlichen Blick! In diesem Hotel gibt es seit neuestem in den niedrigen Stockwerken nur noch Blick auf das nächste Hotel, wo noch fleissig geschweisst und verputzt wird. Arbeitssicherheit ist auch da kein Thema, die Männer kraxeln am 5-7 Stockwerk auf baufälligen Brettergerüsten aussen rum und arbeiten. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll). Gegenüber trohnt die Bergflanke des Yunnan Gebirges, mit dem Fansipan als höchste Erhebung Vietnams und ganz Indochinas. Natürlich zieht es uns auch dort hin, wie es das mit beeindruckenden Bergen so an sich hat. Die Besteigung von Sa Pa aus dauert allerdings in etwa drei Tage, da man immer wieder in Täler absteigen und weitere Bergrücken erklimmen muss. So beschließen wir, am nächsten Tag die Seilbahn zu nehmen und den Gipfel eben im Schnelldurchgang zu stürmen. Auf über 3100 Metern ist die Luft ja auch schon dünner und die restlichen Höhenmeter von Seilbahn bis zum Gipfel werden es sicher auch in sich haben, sodass zumindest ein bisschen was Kleines für das Sportlerherz getan ist.

Aber zuerst wartet eine Dorferkundung und Essen auf uns. Schnell zeigt sich, was sich bei uns in China schon bewährt hat. Da wo am wenigsten geschrieen, aber lecker gegrillt wird, ist es gut. Und so ist der Familien-Grillimbiss im Nu unsere Anlaufstelle für knapp drei Tage in Sa Pa. Zum Schluss sind wir fast Teil der Familie und werden liebevoll verabschiedet. Danke, für dieses Stück „Geborgenheit“ im Tourirummel!

Sa Pa ist die Heimat von alten Bergvölkern, vor allem die Hmong sieht man sehr viel (etwas unterhalb gibt es noch ein Hmong-Dorf, Catcat, welches aber so touristisch ist, dass uns einmal durchschlendern mehr wie genügt), aber auch Red Dao und Tay sollen ansässig sein.

Die Hmong Damen pilgern jeden Abend nach Sa Pa um dort ihre gebastelten Waren an die leichtgläubigen Touristen zu bringen und so manche wird man kaum wieder los. Manchmal fragt man sich, ob die eine Art Verkaufstraining absolvieren müssen, schon kleine Kinder werden da vor Spielzeug gesetzt. Die Reiseführer mahnen alle, nichts von Kindern zu kaufen, egal wie groß das Mitleid ist. Denn so lernen sie nur „nicht zur Schule und verkaufen“ = mehr Kohle als die Eltern mit ihrer Schuldbildung verdienen.

Die eine Hmong Dame, die uns von Sa Pa nach Catcat unaufhörlich auf den Fersen ist und vollquasselt lässt auch erst von uns ab, als wir sie überzeugen, dass ihre Zeit viel besser investiert ist, wenn sie sich neue Touristen sucht. Weil wir ganz sicher, definitiv, nicht von ihr kaufen werden. Egal wie lange sie uns belästigt, und je weiter sie mit uns mit geht, desto mehr Geschäft entgeht ihr oben. Puuuh, ein hartes Stück Arbeit. Aber ihre traditionellen Gewänder und Kopfbedeckungen sind schön anzusehen und die verhärmten Gesichter der Alten zeugen von einem harten Leben auf dem Berg. So manche Hmong-Omi hätte ich gerne geknuddelt und auf ein Essen eingeladen. Aber ich weiß mittlerweile, dass die Welt so leider nicht funktioniert. So begnüge ich mich damit, mein eigenes Glück zu reflektieren und mein Mitgefühl und alle anderen Emotionen, die so auf mein einbrechen, mit einem dicken Kloß runterzuschlucken (die Männer, meine Reisebegleitungen, würden das eh nicht wirklich nachempfinden können und alles drüber reden macht es auch nicht besser). Auch hier zeigt sich wieder: Das Leben läuft in anderen Ländern anders, zum Teil sehr viel anders. Und es ist eine gute Gelegenheit, mal wieder dankbar zu sein. Dankbar dafür, dass ich als Tourist (welche Dekadenz!) durch ein Fenster schauen darf, zu einem ca 4000 Jahre alten (erste Aufzeichnungen gibt es seit 2000 Jahren, aber die Schätzungen gehen von dem doppelten aus) Bergvolk und ihrer Anpassung an die moderne Welt.

Unseren Abstecher zum Fansipan verschiebe ich jetzt, der Länge wegen, auf einen neuen Blogpost und dafür gibt es dann jeweils ein paar mehr Bilder, hier und beim Fansipan-Beitrag.

Nach dem ganzen Touri-Rummel geht es mit einem Privatfahrer (Busfahrt nach Hanoi und weiter nach Ba Vi ist unpraktikabel und nur marginal günstiger, ich bin dankbar, denn im Liegebus den Berg runter, da wird mir nur beim dran denken schon schummrig) auf’s Land. Und zwar so richtig.

Busfahrt Erst Reisterassen… … aus dem Busfenster raus… … schon sehr beeindruckend! Unser neues Lieblings“Restaurant“ Fansipan in der Abendsonne Und im Abendnebel Auch nachts ist im Dorf gut was los Morgensonne Zaubert tolle Farben ins Tal Ein Stück wunderbare Natur Und wenn man den Baulärm ausblendet ist es einfach nur idyllisch! Falls mal wer in SaPa ist: geht auf jeden Fall unsere Freunde besuchen :) Regen auf der Straße nach Catcat, aber gut was los. Am Straßenrand liegen Felder und Reisterassen, gefühlt wird jeder Quadratzentimeter genutzt (Landwirtschaft oder Tourismus)