Tschüss, 2019

Dies hier war noch nie ein politischer Blog und er wird es auch nicht werden. Viel zu oft wird man von Emotionen geleitet und so viele Menschen haben mehr Wissen über die politischen Hintergründe in den Ländern die wir besuchen und auch bewohnen.

Trotzdem möchte ich euch ein bisschen von meinen Emotionen zu Burma erzählen, weil sie die letzten Tage doch sehr stark hochgekocht sind (natürlich nicht nur bei mir) – auch wenn es auf Grund der politischen Lage schwierig ist. Aber das Problem hatten wir ja schon in Südafrika, man nimmt so vieles auf und sieht so viele Missstände und würde am liebsten die ganze Welt retten, aber es gibt einfach keine einfache Lösung. Vielleicht, hoffentlich nur vielleicht, gibt es gar keine Lösung die in meiner Lebensspanne helfen wird.

Burma hat eine bewegte Geschichte, das Land ist sehr arm und doch sind die Menschen so zufrieden und freundlich, zuvorkommend. Am Vorabend haben wir die erste Hälfte des Hollywoodfilms „The Lady“ gesehen, eine hollywoodesque Biographie über Aung San Suu Kyi, Friedensnobelpreisträgerin und fast-Präsidentin von Burma (ihr Mann war Brite und ihre Söhne sind Briten, daher ist es ihr verfassungsrechtlich nicht gestattet, Präsidentin zu werden). Wir gehen deprimiert und voller Gedanken ins Bett, so vieles hat Aung San Suu Kyi für dieses Land geopfert und jetzt, 30 Jahre später, finden wir das Land in diesem Zustand wieder und sie in einer prekären Lage.

Von außen, vom Westen ist es schwer die ganzen Hintergründe zu beleuchten und es bleibt der Schale Geschmack, dass es keine einfache Lösung gibt. Unser Guide erzählt uns vieles über das Land und auch die Herausforderungen. Und so besuchen wir am Morgen die Stadt Danuphyu, zuerst ein aktives Mönchskloster in dem uns die Novizen demonstrieren, wie sie ihre Kutten wickeln wenn sie auf die Strasse gehen um Essensspenden zu sammeln. Eine schöne Geste, übrigens, wenn die Mönche gegessen haben, wird der Rest an die Armen verteilt und diese überlassen ihre Reste den Hunden. Im Kloster wird nichts aufbewahrt, es wird geteilt und umliegend leben die Armen – und die Strassenhunde.

Danach besuchen wir ein Kloster mit Schule und Waisenhaus. Knapp 400 Kinder leben hier, teils Novizen, teils Kinder. Einige haben ihre Eltern verloren, viele kommen aber auch aus so ärmlichen Verhältnissen, dass ihre Familien sie nicht durchbringen können. Es bricht einem fast das Herz.

Der höchste Mönch ist sehr stolz auf seine Novizen und auf die Schule, die aus Spenden der Flusskreuzfahrt-Gästen gebaut und finanziert wird. Normalerweise fotografieren wir keine Mönche, doch er lädt uns ein, dem Gesang beizuwohnen und Fotos zu machen. Streng und doch gütig begutachtet er seine Novizen beim rezitieren, die kleinen Jungs sind zum Teil aber so von den Ausländern abgelenkt, dass sie sich immer wieder umdrehen müssen und uns mit großen Augen bestaunen.

An diesem Tag gibt es ein besonderes Mahl, eine alte Dame aus dem Ort hat zum Anlass des 30. Todestags ihrer Mutter den Gegenwert von US$ 350 gespendet und es gibt ein Festmahl – willkommene Ablenkung vom Essensspenden sammeln für die Kinder. Es gibt Reis, Eier und Currysuppe. Brav aufgereiht warten alle unten an der Treppe zum Speisesaal, erst die Mönche, dann die Novizen und zum Schluss die Waisenkinder. Einzeln stürmen sie die Treppe hoch, um dann brav zuerst die Hände zu waschen und sich danach endlich auf das Essen zu stürzen.

Auch wir werden eingeladen mitzuessen, ihre kostbare Mahlzeit würden sie zu gerne mit uns teilen – was wir natürlich respektvoll ausschlagen – und wir alle wundern uns, wie anmutig und würdevoll die Menschen hier mit ihrem Schicksal umgehen, sich mit dem Wenigsten zufrieden geben und voller Freude, Gastfreundschaft und Zufriedenheit durchs Leben gehen.

  • Zum Abschluss lassen wir uns auf unseren Trishaws zum Markt fahren und besuchen einen Zigarrenladen. Aus Maishüllen, Tabak und Bananenpaste werden Krautrollen gedreht, die wir schon öfter auf der Strasse gesehen haben. Danuphyu war ein weiterer Augenöffner und wir sind dankbar für diese Einblicke hinter die Kulissen, die uns auf klassischem Touristenweg wie wir sonst reisen, verwehrt geblieben wären.
  • Abends gibt es ein Apero auf der Sandbank und die Crew bereitet uns ein tolles Fest. Der Kapitän und einer seiner Seemänner machen Stimmung und motivieren uns alle zum Tanz um das Lagerfeuer. Wir tanzen zu Abba, burmesischer Partymusik, Shakiras Whaka Whaka und Co.
  • Ich beschließe, nachdem ich mich gerade von den schweren Schicksalen erholt hatte, den zweiten Teil von „The Lady“ ausfallen zu lassen (wir schauen ihn zu Hause fertig) und die Entscheidung stellt sich als goldrichtig heraus. Mit verweinten Augen erscheinen die anderen Gäste zum Sylvesterdinner, zu harter Tobak ist die Geschichte, der Ausblick und die aktuelle Lage. Hoffnung macht, dass die Burmesen so fleißig und anmutig durchs Leben gehen, so liebevoll miteinander und mit Fremden umgehen. Zumindest die zivilen Burmesen – und zu mehr möchte ich mich hier nicht äußern.
  • Final tanzen wir auf dem Sonnendeck ins neue Jahr, überraschend gibt es sogar ein kleines Feuerwerk von der Sandbank unten durch unsere wunderbare Crew. Und wir wünschen allen unseren Lesern ein gesundes und glückliches neues Jahr. 2019 war ein großartiges Jahr für uns (und wir glücklich wir uns schätzen, dass Jahr für Jahr sagen zu können, was wir alles erleben dürfen!) und wir hoffen auf ein noch besseres 2020. Macht was draus, macht dass es Bedeutung hat – wir werden es versuchen!
  • Frohes neues Jahr!
  • Ein Abschnitt neue Straße wird gebaut, ganz unten seht ihr den Fortschritt nach 2,5 Stunde n Lady Aung San Suu Kyi Mal wieder auf der Trishaw unterwegs Mönchskloster in alten Kolonialbauten „Bibliothek“ im Mönchskloster Stilleben im Kloster1 Stilleben im Kloster 2 Wie im Zoo… man fragt sich nur wer das Tier ist und wer der Begutachter. Seltsame Situation, doch die Kinder haben Spaß als wir „Head, Shoulder, Knees and Toes“ mit ihnen singen In der Schule Anstehen zum Festmahl Gegessen wird in Gruppen und mit den Händen. Die Großen helfen den Kleinen Eine „Zigarre“ Auch hier ist das Zigarre rollen Frauensache Ganz schön voran gekommen in den 2,5 Stunden… Apero auf der Sandbank Frohes Neues Jahr! Unsere Reise in Burma neigt sich dem Ende, der erste Januar ist unser letzter Tag auf dem Schiff. Am zweiten werden wir uns noch Yangon anschauen, abends geht es dann zurück nach Thailand

    Myanaung – eine Bildergeschichte

    Ich kann heute nicht viel schreiben weil vieles davon zu dem Blogbeitrag morgen oder am Ende des Urlaubs gehört – also hier einfach Bilder von unserem Spaziergang durch Myanaung, ein 15000 Einwohner Ort die nur Flusskreuzfahrttouristen haben, wegen der rückläufigen Zahlen sind wir für diese Woche vermutlich die einzigen.

    Früher Morgen an der Sandbank. Die Kinder der Fischer beäugen ganz argwöhnisch das Schiff Gegenüber der Sandbank (wo wir „übernachtet“ haben) dann der Anleger von Myanaung Oagoden Tempel Großer Pott von Mohinga – Frühstückssuppe in Burma – hatten wir an diesem Morgen auch, einfach köstlich Myanaung Marktplatz – Shopping für alles, Unterwäsche neben Gemüse Ein Uhrmacher. Absolute Erinnerungen an Shanghai Besuch in einer lokalen Bäckerei…… ursprünglich von den britischen Kolonialherren gelernt… … wird das wissen jetzt über Generationen weiter gegeben…… und wir dürfen eins der herrlichen Küchelchen auch probieren Netzball Kleiner Ausflug in ein Café – und auch hier eine Erinnerung an unser zu Hause – ist Mo’s Burger doch eine weit verbreitete Kette in Japan, entsprungen in Tokyo Hindu Tempel Nachdem Myanaung etwas mehr Verkehr hat, organisiert ein lokaler Polizist unseren Spaziergang. Es ist aber keine Kontrolle oder Ähnliches und der junge Mann hat seinen Spaß mit uns. Ausgedienter Klostuhl Neben Buddhismus, Islam und Hinduismus ist auch eine Kirche ansässig Das sind mal ordentliche Weihnachtssterne! Die Dekoration ist… gewöhnungsbedürftig… Auf dem Plastikstuhl die Muschel mit Weihwasser – so vertraut und doch so ungewöhnlich.

    Hier noch die Moschee als Vertreter der vierten Religion. In wenigen Gehminuten leben hier vier der großen Weltreligionen friedlich „auf einem Haufen“. Es kann funktionieren.

    Tempel und Pagoden

    Bagan, ehemalige Königsstadt und erste Hauptstadt eines vereinigten Burma im 9. Jahrhundert, hat über 2000 erhaltene Sakralgebäude und ist damit eine der größten archäologischen Stätten in Südostasien. Eine weitere davon haben wir ja schon vor zwei Jahren in Kambodscha besucht, Angkor Wat. Doch Bagan ist ganz anders, statt Regenwald gibt es Steppe. Und so bleibt auch der ganze Staub, der einem nie so ganz aus der Nase geht und sich um den Rachen legt.

    Doch die Tempel und Pagoden sind wirklich beeindruckend. Einiges wurde hahnebüchen restauriert und mit dem Bau eines potthässlichen „Luxushotels“ mitten in das Gelände, wurde Bagan zwischenzeitlich das Weltkulturerbe entzogen. Seit 2019 ist es wieder gelistet und nun gibt es Bemühungen die frisch gebauten Stromleitungen unterirdisch zu verlegen und weitere Restaurationen nach archäologischen Vorgaben durchzuführen. Buddha sei dank – denn diese einmalige Stätte hat bestmögliche Erhaltung verdient und es wäre schön wenn einiges wieder gerettet werden könnte, was durch Zeit, Erdbeben und Menschenhand zerstört wurde.

    Tempel Tempel und Pagode (eine Pagode ist solid, nicht begehbar und hat buddhistische Reliquien eingeschreint) Die kunstvollen Wandbemalungen Schuhe und Socken ausziehen, Schultern und Knie bedecken. Eigentlich recht einfach, aber immer wieder überraschend, wievielen Touristen Anstand und Vernunft fehlt… Aus der Ferne lächelt der Buddha (wenn auch bedrohlich)…… doch in der Nähe verschwindet das Lächeln aus seinem Gesicht Noch mehr der delikaten Bemalungen Tor, Pagode und Strommast. Sonnenuntergang über Bagan von einem Hügel. Trotz der Hundert anderen Bewunderer irgendwie romantisch. Wirklich eine Reise wert (und für mich Hauptgrund, nach Burma zu reisen)

    Dem Buddhismus auf der Spur…

    … naja, oder so ähnlich. Wir sind ja nicht in Indien. Aber Siddharta Gautama war nach Überlieferungen mal hier, auf dem Mandalay Hügel.

    Aber mal von vorne. Das Erste was wir von Myanmar im Anflug sehen, ist Staub. Vielleicht ist es auch Luftverschmutzung, aber eigentlich macht es auch keinen Unterschied. Unter dem Strich bleibt die Auswirkung die Gleiche: man sieht nicht bis zum Horizont. Aber das, was man da im Anflug sehen kann ist schon sehr beeindrucken: goldene Pagoden und Stupas so weit das Auge reicht.

    Mein Schwager war vor einigen Jahren schon hier und hat uns den Tipp gegeben (Danke, Alex :)), lieber gestern als morgen Myanmar zu bereisen. Noch ist das Land sehr untouristisch, doch die Zahlen scheinen exponentiell zu steigen. Und jetzt haben wir es endlich geschafft.

    Hier bestätigt sich wieder das Zitat von Hans-Magnus Enzensberger: „Der Tourist zerstört was er sucht, indem er es findet“

    Doch man wünscht diesem Land den touristisichen Erfolg, weil es es so bitter nötig hat und weil es so wunderschön und beeindruckend ist. Ein zweischneidiges Schwert… die Fahrt vom Flughafen zum Hotel offenbart ein horrendes Müllproblem. So viel Müll haben wir schon lange nicht mehr in der Natur gesehen… zuletzt vielleicht bei unserem ersten Besuch in Sorong, oder damals auf Bali (beides Indonesien).

    Die Burmesen sind nicht reich, das zeigt sich auf den ersten Blick. Umso beeindruckender, wie sehr sie ihren Glauben mit Gold ausleben. Pagoden, Stupas, Statuen – das Land darbt doch die Pilgerstätten sind verziert und es wird gespendet als gäbe es keine anderen Sorgen. Und hier wird auch gelebt „a smile goes a long way“ – wenn man mit einem Lächeln auf die Menschen zugeht sind sie unglaublich freundlich und liebenswert. Allein heute hatten wir so viele Menschen, die uns ihr 2-3 Brocken Englisch zeigen wollten, es war geradezu rührend. Manchmal schauen sie einen etwas verschämt oder neugierig an, doch sobald mal lächelt erfüllt ein Strahlen ihr Gesicht und sie fragen wie es geht, woher man kommt oder machen Fotos von/mit einem. Ähnlich wie zu unseren China-Zeiten (wir sind ja erprobt…), aber doch etwas zurückhaltender und charmanter.

    Unsere Tour heute hat uns zum Mandalay Hügel geführt, danach mit dem Tuktuk ins Hotel und nach einer kurzen Verschnauf- und Abkühlungspause nochmal los zum Palastgelände. Nach knapp 14.000 Schritten auf der Uhr war es gar nicht so leicht, sich noch mal aufzuraffen, doch es hat sich gelohnt! Seht selbst!

    Sonnenaufgang vom Hotelzimmer aus Eine Tankstelle… inklusive Kompressor für Reifenluft Immer schön aufpassen wo man hintritt… Spazieren entlang des Palastgrabens hin zum „Mandalay Hill“, der Hügel im Hintegrund Stupas an der Kuthodaw Pagode. Weltdokumentenerbe, hier sind die einzigen Schrifttafeln mit dem Pali-Kanon hinterlegt, direkte Überlieferungen von Siddharta Gautama Immer schön die Schuhe und Socken an religiösen Stätten ausziehen! Blick auf den Hügel mit seinen Pagoden Und Blick vom Hügel runter Hier der Graben um die alten Mauern sehr gut zu sehen Siddharta Gautama war nach Überlieferungen auf dem Hügel und hat vorhergesagt, dass unten mal einen blühende Stadt entstehen wird. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Mandalay dann zur Hauptstadt des Königreichs und die Prophezeiung erfüllt. Daran gedenkt diese Buddha Statue Steiler Aufstieg zum „Gipfel“ Säulengänge wir hatten das Glück, den Meistern beim Schneiden der Spiegel für die Mosaike zuzusehen. Sehr beeindruckend…… wie hier alles verspiegelt ist. Das Wetter war übrigens, wie der tiefblaue Himmel andeutet, grandios. Nach dem ganzen Laufen erst mal eine Tuktuk Fahrt zurück zum Hotel… Blick auf das Palastgelände vom Aussichtsturm Und hier noch mal in der Übersicht. Sehr beeindruckend des Gelände, aber alles nach dem zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut! Blick auf den Aussichtsturm. Ziemlich baufällig, wir waren ganz froh als wir wieder unten waren. Aber immerhin hat der Turm als einziges Bauwerk der Anlage die Bomben des zweiten Weltkriegs überstanden und ist original! Zurück noch mal entlang der Stadtmauer. In der goldenen Stunde leuchtet sie noch etwas schöner:

    Burmesische „Ampel“?!

    Tag der Alten… es wird Herbst

    Irgendwie ist das auch treffend metaphorisch. Heute ist Feiertag, Tag der Alten. Das haben wir zu einem vorgewitterlichen (demnächst sollte es hier etwas rund gehen) Spaziergang genutzt und haben mal wieder durch unsere Gegend erkundet.

    Gerade in Blüte: „Spinnenlilien“. Letzte Woche in Sankeien noch geschlossen, heute in Italy Garden schon teils in Pracht

    Der nächste Tempel zu unserem Haus (wir haben ein paar Schreine in näherer Umgebung, aber das ist der nächstgelegene Tempel). Toller Tempel, herrliche Meditationshalle mit Tatami – und siehe da, er gehört zum Higashi Hongan-ji, mein absoluter Favorit in Kyoto (von dem was ich bisher gesehen habe). Jetzt weiss ich, wo ich zum Meditieren hin kann.

    Holzkonstruktion – interessant, die Bauweise zu sehen, speziell wegen Erdbebensicherheit

    Es wird Herbst…

    Auf dem Dach Indochinas

    Eine Sache hatte ich noch zu Sa Pa vergessen, das muss ich sofort einschieben. Überall wurde Lachs-Sashimi angeboten. Also frischer, roher Lachs in dünnen Scheiben; ungekocht und ungeräuchert… Das fanden wir doch etwas suspekt, ich hätte jetzt nicht erwartet, in Vietnam Sushi essen zu gehen, in welcher Form auch immer. Eine kurze Internetrecherche hat uns aber weiter gebracht: Lachs wurde schon in die diversesten Klimata versucht einzuführen und anzusiedeln – und nur an einer Stelle hat es außerhalb der üblichen Regionen richtig gut geklappt: Sa Pa. Das Klima ist wohl kühl genug im Jahresdurchschnitt und so gilt der Lachs als Delikatesse, mit festem Fleisch, feinen Muskeln und kaum fett. Wirklich etwas Besonderes. Nach dieser beruhigenden Recherche müssen wir den vietnamesischen Lachs natürlich unbedingt probieren, und ich muss sagen: seinen Ruf hat er definitiv verdient. Wirklich etwas Besonderes, wenn man die Lokalisation in Betracht zieht!

    Nun aber ab in die Berge, die uns am morgen wolkenverhangen Grüßen. Der Frühstück-Saal hat eine komplett verglaste Front mit Bergpanorama und so können wir bei Pho und Frühstückseiern dem Hochnebel und den Wolken beim auf- und wegziehen zuschauen. Die Sonne kämpft sich immer wieder durch und es gibt herrliches Licht.

    Wolkenverhangen ist gar nicht so schlecht, denn da bestätigt sich was wir in Südafrika am Tafelberg schon erlebt haben: abschreckend für die großen Touristenmassen, aber meist ist das Wetter variabel genug, dass man genug Aussicht bekommt. So auch auf dem Fansipan. Die Wolken wehen uns um die Nase, und alle paar Minuten ändert sich wieder die Sicht und die Aussicht. Wirklich fantastisch.

    Schon allein die Fahrt mit der Seilbahn ist spannend, wie man durch die Wolken rauscht, nicht wissend was einen oben erwartet und wie sich die Reisterassen präsentieren. Die Seilbahn spannt sich über sechs Kilometer über das Tal (und die vielen kleinen Einfurchungen dazwischen) und eine Viertel Stunde lang darf man Reisfelder, Wanderwege, Arbeiter, Hütten, Wasserfälle, Bäume, Sträucher und so manches mehr bewundern. Schon allein dafür hat es sich also gelohnt.

    Doch auch oben an der Seilbahn Station angekommen (wenn man einmal den Krust-Laden hinter sich gelassen hat), überrascht uns der Berg. Hinter der Seilbahn wartet ein Tempel, mit großer Buddha Statue und kleinerer Amithaba Statue (in einiger Entfernung, aber auf dem Rückweg wollen wir die auch sehen) und vielen kleinen Gebäuden. Von dort aus geht es viele Stufen weiter Richtung Gipfel. Die dünne Luft lässt mich schnell aus der Puste kommen. Während Pat und Nic schon mal den Gipfel erklimmen genießen Max und ich noch ein Pläuschen auf einer der vielen Steinbänke entlang der Treppen und lassen uns ein bisschen die Sonne auf die Häupter scheinen. Einfach herrlich hier, selbst mein Schnaufen stört mich da weniger. Alles ist brand neu, erst seit ein paar Jahren arbeitet Vietnam an einer „Präsentation“ seines höchsten Berges – ob er das nötig hat, weiß ich nicht, aber stören tut es mich auch weniger.

    Endlich oben angekommen ist dann doch ein bisschen mehr los als gedacht, aber eigentlich auch nicht wirklich viel. Wir verbringen viel Zeit, schauen von allen Ecken mehrfach hinunter, immer wieder wechselt durch die wehenden Wolken die Sicht. Mal sieht man auf den Buddha, mal auf die Reisterassen und mal richtig weit. Die Sonne ist schön warm und die Szenerie viel zu verlockend, um nicht unzählige Fotos zu machen. Die meisten Touristen wollen Bilder mit der „Gipfelpyramide“, die die Höhe des Fansipan anzeigt. Weil das früher zu Probleme und langen Schlangen geführt hat, gibt es davon mittlerweile mehrere – auf verschiedenen Höhen auf dem Gipfel. 3143 m steht aber auf jeder…. oh, well.

    Auf dem Weg nach unten beschließen wir, dass außer Catcat (was sich ja als sehr unspektakulär herausgestellt hat), das Dorf der Hmong unterhalb von Sa Pa, nichts auf uns wartet und wir noch einen Abstecher zu der stehenden Statue machen wollen. Die Absperrung, von der wir uns fast sicher sind, dass sie beim Aufstieg noch vorhanden war, ist zur Seite geschoben. Entweder das Wetter hat sich deutlich verbessert (gut möglich) oder es war ein Versehen. So oder so, sobald wir die Route auf den Hügel hinauf verlassen wird es plötzlich richtig still und einsam. Nur wir vier und die Natur und die in Stein gefassten Wege. Herrlich, nach all dem Sa Pa Trubel. Wir bleiben also viel länger als ich eigentlich erwartet hätte, genießen aber einfach die Zeit, die Natur, das Wetter.

    Auf dem Rückweg zur Seilbahn wird es plötzlich laut, einerseits weil noch eine kleine Einschienenbahn entlang rumpelt (für alle, die keine Treppen steigen wollen), andererseits weil einige der Besucher wohl sehr aufgeregt sind. Ist aber ja auch der höchste Berg Vietnams. Da darf man das schon mal.

    Ein bisschen Aufregung haben wir bei der Seilbahn-Rückfahrt selbst auch noch – wir bleiben stehen. Zum Glück haben wir ein vietnamesisches Pärchen an Board (wir sind nur zu sechst in der großen Gondel), die uns die Durchsage übersetzen: Es gibt ein Strom Problem, aber keinen Grund zu Beunruhigung. Kurze Zeit später setzen wir unsere Fahrt aber fort – und deshalb gibt es unten zwei Zeitraffer-Videos zu bestaunen. Ach ja, in unserem Grill-Imbiss ist immer noch Stromausfall, als wir ankommen. Hat wohl ganz Sa Pa erwischt. Wenige Minuten nach unserer Bestellung gehen aber Licht und Musik an und der Trubel geht weiter.

    Abends gönnen Pat, Max und ich uns noch eine Massage im Hotel, eine willkommene Erfrischung nach dem Treppensteigen in dünner Luft. Ich schlafe wie ein Baby und nicht mal der Baulärm am nächsten morgen kann mich aus der Ruhe bringen. Morgendlicher Nebel  Tempel unten an der Seilbahn Station Hoch über den Reisfeldern… …und Wäldern Tempelturm oben an der Seilbahnstation Nic sorgt für Winde Tempelfrieden zwischen Seilbahn und Gipfel Großer sitzender Buddha, leider eingerüstet. Selbst da oben wir gebaut, die hellen Lichtflecke vom Schweissen sieht man von unserem Balkon im Hotel sogar. Vorbeifetzende Wolken, rechts am Bildrand die Seilbahnstation und das Fundament des Buddhas Strahlender Himmel durch Lücken in den strahlenden Wolken  Meine Männer vor einer Wand von Nichts Buddha nochmal von vorne Und schon ist der Turm-Tempel im Nebel verschwunden. Kann schnell gehen, hier oben.

    Part 1 vom „Abstieg“ bis zum Stromausfall

    Und Part 2, vom Stromausfall bis zurück nach Sa Pa

     

    Yùfó Chán Sì – Jade Buddha Tempel

    Am Donnerstag, was schon fast wieder eine Woche her ist, waren wir im Jade Buddha Tempel (Yùfó Chán Sì).

    Der Tempel hat ein deutlich späteres Gründungsdatum als der Jìng’an Sì, gebaut 1918-1928 (im Stil der Song-Dynastie), dafür hat er die Kulturrevolution unbeschadet überstanden – die ansässigen Mönche haben dazu den Tempel für die Öffentlichkeit geschlossen und handgemachte Produkte verkauft. Die Chan Mönche (westlich: Zen Mönche) sagen selbst über ihren Tempel, dass er ein „ruhiges Stück Land inmitten der Hektik der Stadt ist“ – was zu unserem Besuch nur zum Teil gestimmt hat.

    Yùfó Chán Sì liegt 3 Blocks nördlich von uns und ist damit einen Katzensprung entfernt. Inmitten einer normalen Straße, umgeben von Häusern mit den kleinen Shops in denen allerlei Tempelnippes, Räucherstäbchen oder Essen/Trinken verkauft wird, liegt also der Tempel. Um mehr Platz für die (praktizierenden) Besucher zu machen, wird der Tempel seit Juli 2014 umgebaut, unter anderem wird die Haupthalle nach hinten verlegt um den Vorplatz zu vergrößern. Soviel aber zum Thema „ruhiges Stück Land“…

    Wie haben es die Jade Buddha Statuen in den Norden von Jing’an nach Shanghai geschafft? 1882 machte sich der Mönch Hui Gen auf zur Pilgerreise von der Insel Putuoshan nach Tibet und danach Birma. Soviel steht fest. Zur Entstehung der Statuen gibt es verschiedene Geschichten, in einer bricht sich der Mönch 5 Blöcke burmesicher Jade und lässt daraus die Buddhastatuen schnitzen – in einer anderen bekommt er die fertigen 5 Jadebuddhastatuen. Fest steht, er kommt mit 5 Buddhastatuen aus feinster weißer burmesischen Jade zurück. Von denen er zwei in Shanghai lässt. Beide Statuen zeigen Shakyamuni, die größere (knapp 2m hoch) im Moment der Erleuchtung (diese Statue darf nicht fotografiert werden, daher schließe ich einen Link zu Bildern online ein), die kleine (etwa 1m) dann liegend beim Eintritt ins Nirvana. Auf deren Basis wurden Spenden gesammelt, um den Bau eines Tempels zu ermöglichen. Und so kann man heute im Jade Buddha Tempel die beiden Jade Buddhas bewundern.

    Der Tempel wird in drei große Bereiche unterteilt, daneben gibt es noch mehrere kleine Räume mit Statuen, z.B. von der Göttin des Mitgefühls, Guanyin. Die Haupthallen sind:

    • Halle der Himmelskönige (die ich euch schon im Rahmen des Jìng’an Sì vorgestellt hab)
    • Große Halle (mit drei großen und quasi unzähligen kleinen Statuen, die ich nächstes Mal fotografiere)
    • Halle der Weisheit des Abtes (dort stehe die Jade Buddhas sowie eine 7168 Bände umfassende 300 Jahre alte Ausgabe des Tripitaka; der Kanon der buddhistischen Schriften und Lotos Sutra)

    Während unsere Besuchs, am Tage der Feierlichkeiten zum 70 jährigen Ende des zweiten Weltkriegs, waren die Chan-Mönche gerade im Gebet für den Frieden (soweit ich es danach der offiziellen Homepage entnehmen konnte) – da wollte ich nicht allzu sehr mit meiner Kamera rumwedeln und ungefragt Fotos machen. Aber ein paar Schnappschüsse haben wir natürlich trotzdem für Euch – schade nur, dass ihr die schöne Zeremonie mit kleiner heller Glocke und großer Holztrommel und Mantragesang nicht mitverfolgen konntet!

       Ein Räucherstäbchenberg auf der Anyuan Lu vor dem Tempel
      Eingang und Anblick von außen

       Innenhof mit Räucherstäbchen und Schrein
     Auch hier bringen Yuan oder Jiao Glück

       Im Hintergrund: Nic lauscht andächtig
      Eingang in die große Halle

        Dickbauchbuddha: Inkarnation des Zukunftsbuddhas Maitreya, steht für Nächstenliebe, der dicke Bauch versinnbildlicht Großzügigkeit und der Buddha wird immer lachend dargestellt
      König des Norden

       König des Westen
      König des Osten

     König des Süden
       Blick in den Innenhof bei der Halle der Weisheit des Abts
      Nic versucht sein Glück beim Balancieren der Münze

       Ein weiteres Tor zur modernen, lauten Stadt mit den hohen Häusern
      Guanyin

      Tempelteil im Baustellenbereich. Der Umbau soll 2016 abgeschlossen sein, ich halte euch auf dem Laufenden

    Blau

    Eigentlich sollte hier ein Artikel über den Jadebuddhatempel stehen – aber heute war das Wetter so grandios, dass ich viel zu lange durch die Stadt spaziert bin (und den nächsten Tempel erkundet hab… Umso dringender muss ich also bloggen…!) und heute Abend waren wir spontan mit Michi essen, daher fehlte schlicht die Zeit für den Beitrag. Stattdessen zeige ich euch einfach mal unseren blauen Himmel (die Luftwerte haben sich im Gegensatz zu den letzten Wochen halbiert und sind fast im unbedenklichen Bereich, was einfach grandios ist und den Himmel gleich etwas blauer macht!).

        Große und kleine Häuser unter blauem Himmel
      Blick vom Tempelinnenhof (Fazang Tempel)

         Eins meiner Lieblingshochhäuser in der Innenstadt! Wir nennen den Turm liebevoll „Orthanc“, nach Sarumans Turm in „Herr der Ringe“, im richtigen Leben ist es ein Marriott Hotel
      Das sind Werte zum Sport draußen machen :)

       Top News bei Shanghai Daily: Heute gutes Wetter ;) Ein Screenshot von grad eben

    Jìng’an Sì

    Shanghai wurde 960 das erste Mal als Dorf erwähnt – doch schon über 700 Jahre vorher wurde am Ufer des Wusong River (der auch Suzhou Creek genannt wird) zur Zeit der Drei Reiche der Jing’an Tempel erbaut (247 AD), der überlieferte Name damals: Hudu Chongyuan Tempel. Aufgrund dauernder Bedrohung durch Überschwemmung im sumpfigen Shanghai wurde der Tempel unter der Song Dynastie im Jahr 1216 an seinen heutigen Standort verlegt. Er ist neben dem Yonghe-Tempel in Peking und dem Guangxiao-Tempel in Guangzhou einer der drei wichtigsten buddhistischen Sakralbauten Chinas.1912 wurde dort die erste „Chinese Buddhist Association“ gegründet.

    Wenn man sich alte Bilder des Tempels zu verschieden Zeiten anschaut, kann man sich wirklich nicht vorstellen, was einen heute erwartet.

    jingan 1870

    Aufnahme von 1870-1890

    tempeltor 19 jahrhundert

    Tempeltor im 20. Jahrhundert

    ehemaliger Tempel vor Restauration

    Der Tempel vor seiner Restauration in den 90ern (das schwarz/gelbe unten links ist der Tempel). Ganz klar schon das näherrücken der Hochhäuser zu beobachten.

    Heute steht der Jing’an Tempel als Relikt einer vergangenen Zeit und als Ort „des Frieden und der Ruhe“ (so die wörtliche Übersetzung) inmitten der größten Stadt Chinas, umgeben von Hochhäusern, Shops, Straßen und Autos. Ein surrealer Anblick und ein surreales Gefühl, wenn man durch das Tempeltor tritt und die hupenden Autos hinter sich lässt (oder es versucht).

    Gleich am Eingang kann man sich ein kleines Bündel Räucherstäbchen (die in dem Zusammenhang besser „Gebetsstäbchen“ genannt werden sollten) kaufen und abbrennen. Die gläubigen Besucher (von denen mit mir zusammen deutlich mehr den Tempel besucht haben, als einfache Touristen!) verneigen sich dabei in alle Himmelsrichtungen und besinnen sich (insofern sie das Gehupe und Gewusel der Stadt ignorieren können).

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    In der Mitte des Tempelinnenhofs steht ein mehrstöckiger Schrein der munter mit Münzen beworfen wird – so soll es doch Glück bringen, wenn man in den Schrein hinein trifft oder die Münze auf einem der Dächer liegen bleibt. Ich habe getroffen!

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    Blick über den Innenhof auf die Halle (mit den Löwen auf dem Dach) rechts vom Eingang und die dahinter liegenden Hochhäusern.

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    Der Säulengang im ersten Stock (fun fact: first floor bezeichnet in China das Erdgeschoss, also faktisch ist das der zweite Stock. Real ist es das erste Stockwerk über dem Boden/Eingang) zeigt: hier ist alles neu. In den Zeiten der Kulturrevolution wurden die buddhistischen Mönche aus dem Tempel vertrieben und dieser kurzerhand in eine Plastikfabrik umgewandelt. Diese Zerstörung von Kulturgut und Architektur gipfelte in einem Abbrennen des Tempels 1972. Danach wurde der Tempel sukzessive wieder aufgebaut und wurde und wird stetig renoviert. Abgesehen von den Ausstellungsstücken und Statuen gibt es hier nichts altes mehr.

    Seit 1991 ist der Tempel wieder offen für Besucher und ein buddhistischer Konvent hat sich in den Räumlichkeiten niedergelassen. Deshalb sind viele Bereiche für Touristen nicht zugänglich, wenn man aber so wie ich Glück hat und ab und an zum richtigen Zeitpunkt mal eine Tür aufgeht, kann man einen Tisch voller Mönche beim Mittagessen sehen oder eine Gruppe meditierender Mönche beim Mantras rezitieren hören. Hier wird Religion gelebt und es ist toll zu sehen, dass der Tempel eben nicht nur eine Touristenattraktion oder Geldmaschine ist.

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    Bester Beweis dafür, dass hier Menschen leben? Die Wäsche hängt auch hier zum Trocknen draußen…

    Nun aber zu den Herzstücken für alle Buddhisten und Touristen, die Statuen des Jing’an Tempel:

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    Die Statue des Sakyamuni (der erste Buddha des Buddhismus) in der Jade Buddha Halle des Tempels. Diese Statue ist knapp 4 Meter hoch und 11000 kg schwer. Angefertigt aus burmesischer Jade ist diese Statue die größte sitzende Jadebuddhastatue des Landes. In Shanghais Jadebuddhatempel (den ich euch hoffentlich sehr bald vorstellen kann), liegt die Statue.

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    In der Guanyinhalle gegenüber findet sich diese fulminante Schnitzung der Guanyin Bodhisattva, der Göttin des Mitgefühls. Sie ist eine der meistverehrtesten Gottheiten im ostasiatischen Buddhismus und wie ihr auf dem ersten Bild erkennen könnt, werden ihr auch hier im Jing’an Tempel reichlich Opfer dargebracht! Historisch überliefert, wird Guanyin mit tausend Augen (die alles Leid auf der Welt sehen können) und tausend Armen (die überall helfen können) dargestellt, hier ist es eine beeindruckende Statue aus 5 Tonnen 1000-jährigem Kampferholz, die 2,6 Meter Durchmesser und über 6 Meter Höhe aufweist.

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    Das größte Herzstück des Tempels ist jedoch die Statue des Sakyamuni Buddha (s.o.) in der Mahavirahalle. Der Buddha ist aus 15 Tonnen Silber gegossen und gebettet auf einem Lotusblatt in Meditation dargestellt – und ragt dabei fast 9 Meter in die Höhe.

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    Jedoch ebenso beeindruckend ist die Halle an sich. Sie ist komplett aus burmesischem Teakholz gefertigt und wird durch 46 Säulen gestützt. Das ganze ergibt eine unglaublich warme Atmospähre.

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    Neben dem Buddha hängt noch dieses Goldstück, eine 3,3 Tonnen schwere Kupferglocke, die Hongwu Glocke, aus der Ming Dynastie. Hongwu war der Gründer besagter Dynastie und regierte das Land 1368-1398 als Kaiser.

    Neben den Buddhastatuen gibt es auch noch die „Four Heavenly Kings“. Im Buddhismus wacht je einer von ihnen über eine Himmelsrichtung, als Beschützer der Welt und Kämpfer gegen das Böse. Weiterhin wird überliefert, dass jeder von ihnen eine Legion übersinnlicher Kreaturen befehligen kann, um den Dharma zu beschützen. Diese Jungs braucht man um sich!

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    Links steht Chí Guó Tiānwáng, der König des Ostens und der Musik. Als harmonischer und beschützender König, nur mit einer Pipa (Saiteninstrument) „bewaffnet“, benutzt er seine Waffe um andere zum buddhistischen Glauben zu führen. Seine designierte Farbe ist Weiß.

    Rechts steht Zēng Zhǎng Tiānwáng, der König des Südens. Er beherrscht den Wind und führt zu gutem Wachstum. Mit seinem Schwert beschützt er den Dharma und den Süden. Seine designierte Farbe ist Blau.

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    Ihnen Gegenüber steht links Guăng Mù Tiānwáng, der als König des Westens „alles sieht“. Er repräsentiert den Drachen (daher die Schlange als „Waffe“), als das Auge des Himmels, sieht Ungläubige und bringt sie zum Buddhismus. Seine designierte Farbe ist Rot.

    Rechts steht zu guter letzt der Chef der vier Könige, Duō Wén Tiānwáng, der Herrscher des Regen und Beschützer des Nordens. Er wird mit Pagode (gegen den Regen und als Herrschaftszeichen!) dargestellt und erinnert in der Darstellung an die altertümliche indische Gottheit des Reichtums. Seine designierten Farben sind Gelb oder Grün.

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    Ein weiteres Zeichen für das Aufeinandertreffen von alt und neu ist die Friedensglocke, Peace Bell. Erst 1999 gegossen, soll sie Frieden für das 21. Jahrhundert bringen. Ihr gegenüber steht eine große Trommel – 2,2 Meter im Durchmesser mit Kuhfell bezogen. Beide Türmchen waren aber abgeschlossen, daher nur das Bild von unten auf die Glocke und keines von der riesigen Trommel.

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    Und ein lachender Buddha darf auch in diesem Tempel nicht fehlen, allerdings nur ein kleiner in einer kleinen Nebenhalle.

    Wie wichtig dieser Tempel für Shanghai ist, zeigt auch dass die Straße an der er steht – immerhin eine der bekanntesten Straßen Shanghais (die Nanjing Lu, auch wenn diese um den People’s Square ihre größte Bedeutung hat) – vor ihrer Umbenennung Jing’an Si Lu hieß, dass 1908 dort die erste Tramhaltestation Shanghais gebaut wurde (der Tempel als zentrales Herzstück der Stadt – sozusagen wie bei uns auf dem Dorf die Kirchen) und dass unser gesamtes Viertel (das ich euch ganz bald auch endlich im Detail vorstellen möchte) nach ihm benannt ist.

    Der Jing’an Tempel, jeher ein Treffpunkt von Gläubigkeit, Besinnung und Kommerz (heute noch weit mehr Kommerz als früher, als es nur ein Markt war. Jetzt haben wir gleich mehrere riesige Shopping Malls rund um den Tempel), ist zehn Gehminuten von uns entfernt. Oder eine Ubahnstation. Wirklich ein absoluter Glücksfall, dass wir hier wohnen dürfen! Das ganze Viertel pulsiert und es gibt in jeder Straße so viel zu entdecken, dass wir gar nicht wissen, wo wir zuerst hingehen oder was wir zuerst probieren sollen.

    Bei diesem Tempelbesuch gab es wieder nur Handybilder (mein Akkuladegerät für die Kamera kam erst am Freitag mit der Luftfracht) – aber ich wußte schon was sich nach dem ersten Besuch noch mehr bestätigt hat: dass ich den Tempel noch viele Male besuchen werde (er hatte schon beim Look and See Trip auf mich eine große Anziehungskraft, aufgrund der Surrealität der Lage und beeindruckenden Geschichte dahinter), das nächste Mal vielleicht mit Nic oder mit unseren Besuchern. Oder einfach für mich, mit der Kamera und einem Bündel Räucherstäbchen!