Regen, es gibt ihn doch!

In Burma herrscht gerade Trockenzeit. Und so sieht auch die Wettervorhersage aus. Umso überraschender, dass wir zu Regen aufwachen. Auf dem Sonnendeck, wo ab 6:00 morgens Kaffee und Tee bereit steht, weht sanft der Niesel unter das Dach und insgeheim freuen wir uns. Der Staub und die trockene Vegetation haben sich den Regen herbeigesehnt und verdient.

Zufällig steht vormittags auch kein Landgang Programm an, es gibt eine Demonstration burmesischer Kultur. Einerseits, wie man die Longyi (in Malaysia und Indonesien zB als Sarong bekannt) trägt und wie man Tha na kha Paste herstellt und benutzt. Das wird aus der Rinde eines Zitrusbaums gewonnen, auf einem Stein mit Wasser fein gemahlen und dann auf die Haut aufgetragen. Gut gegen Falten, Akne, Sonnenbrand oder Moskitos. Quasi eine Allzweckwaffe.

Nachmittags landen wir in Magwe an, einem größeren Ort. Dort besuchen wir neben der Statue des Nationalhelden Aung San (Vater von Aung San Suu Kyi) eine Pagode, die auf Grund des Regens zur gefährlichen Rutschpartie wird. Aber es kommen alle wieder heil am Boot an, hier und dort eine kleinere Blessur. Wir zwei sind zum Glück verschont geblieben und konnten etwas assistieren.

Die Fahrt auf der Trishaw, einem Fahrrad mit „Seitenwagen“ war trotz Regen äußerst unterhaltsam. Wir würden von uns aus nie so eine Tour/ so ein Event buchen, aber als Tagesordnungspunkt dieser Tour nehmen wir mit was geht.

Letztes Jahr ist in Burma der Tourismus um über 70% gesunken und ich weiß nicht ob es daran liegt (oder ob es überhaupt mit rein spielt, kann ja sein, dass die Leute einfach so unglaublich fröhlich, freundlich und „happy-Go-Lucky“ sind) aber überall werden wir offenen empfangen.

Die Leute schauen uns hinterher, winken, rufen „maingalarpar“ – (lautsprachlich etwa: mingalabaaa), Hallo! Winken hier und dort. Und selbst wenn man mal das Gefühl hat, etwas skeptisch angeschaut zu werden, ein Lächeln und ein mingalabaaa führen automatisch zu einem Strahlen auf dem Gesicht der Burmesen, mehr winken, Fotos. Selten haben wir uns in einem Land in dem wir augenscheinlich als „fremd“ auffallen so willkommen gefühlt wie hier. Und auf der Trishaw treibt es mir das eine oder andere Mal die Tränen in die Augen, auch in Reflexion über die letzten Tage. Da laden uns Menschen in ihre Häuser ein, reichen schnell geschnittenes Obst und ihre Betelnüsse. Wir sehen eine Matriarchin beim Kochen, in ihrem Topf blubbert über offenem Feuer eine kleine Menge Hühnercurry, kaum genug für ihre vierköpfige (mindestens, so viele können wir sehen) Familie und doch bietet sie uns ihren Löffel an.

Hier in Myanmar hat Zwischenmenschlichkeit einen Wert der mich daran erinnert, wie es sein könnte wenn wir Menschen unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft oder Glauben (auch wenn Burma dafür ein denkbar schlechtes Beispiel ist) miteinander klar kämen. Wie schön wäre es…

Abends sehen wir einen Film über die Flotilla Company, die ursprüngliche Herkunft unseres Dampfers. Dabei kommen auch einige historische Aufnahmen aus den 30ern vor und es macht noch mehr Lust, mehr über die Geschichte des Landes zu lernen. Irgendwann die Tage werden wir auch den Hollywood Film über Aung San Suu Kyi sehen können und ich bin sehr gespannt.

Unser Guide Terry mit einer Auswahl an Longyi und Tha na kha Nic probiert den Ninja Style – wird von der Jugend getragen wenn sie auf dem Land nachts durch die Straßen müssen und sich fürchten. Nationalheld Aung San Trishaw im Regen Auf dem Weg zur Pagode: Tha na kha Rohmaterial Pagode leider im Umbau – solide aus Gold gebaut, muss super schwer sein Auch auf dem Weg von und zur Pagode: Messerladen. Hier sind kaum Touristen, die Geschäfte sind alle für die Locals Unser Dampfer vor der malerischen Kastenbrücke – es hat auch schon aufgehört zu regnen